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Pflegegrad beantragen – so geht's

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt.
  • Die Pflegekasse ist der zuständigen Krankenkasse angegliedert, Sie können also die gleichen Kontaktdaten nutzen.
  • Rufen Sie Ihre Pflegekasse/ die Pflegekasse Ihres Angehörigen an oder schreiben Sie einen kurzen, formlosen Brief, in dem Sie Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragen.
  • Stellen Sie Ihren Antrag so früh wie möglich, da es dann auch früher Leistungen gibt.
  • Nach der Antragstellung wird die Pflegekasse tätig: Sie schickt Ihnen Unterlagen zu und lässt einen Gutachter zur Feststellung des Pflegegrades zu Ihnen nach Hause kommen.
  • Um Leistungen erhalten zu können, müssen Sie mindestens zwei Jahre innerhalb der vergangenen zehn Jahre in die Pflegekasse eingezahlt haben.
ältere Dame mit Gehhilfe
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Wann sollte der Antrag auf Pflegeleistungen gestellt werden?

Manchmal entsteht Pflegedürftigkeit plötzlich nach einem Ereignis, wie z.B. einem Schlaganfall. Häufig entwickelt sich Pflegebedürftigkeit jedoch schleichend. Sobald Sie den Eindruck haben, dass Sie oder Ihr Angehöriger regelmäßig Hilfe im Alltag benötigen, solltenSie einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen. Pflegebedürftig ist man nicht erst, wenn man gar nichts mehr kann. Entscheidend ist die Frage, ob körperliche und / oder geistige Einschränkungen den Alltag erschweren. Wie Pflegebedürftigkeit ermittelt wird, kann man beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung nachlesen. Verstärkt sich der Eindruck, es könnte eine Pflegebedürftigkeit vorliegen, sollte schnellstmöglich ein Antrag auf Leistungen bei der Pflegekasse gestellt werden.

Eine wichtige Voraussetzung muss für den Antrag erfüllt sein: Die Person, die zukünftig Mittel von der Pflegekasse erhalten will, muss mindestens zwei Jahre innerhalb der vergangenen zehn Jahre in die soziale Pflegeversicherung eingezahlt haben. Das kann entweder eine gesetzliche Pflegekasse oder – bei Beamten, Soldaten, Ärzten oder Richtern – eine private Pflichtversicherung sein. Bei pflegebedürftigen Kindern gilt die Bedingung als erfüllt, wenn mindestens ein Elternteil entsprechend eingezahlt hat.

Grundsätzlich ist zu empfehlen, den Antrag so früh wie möglich zu stellen. Wer damit lange wartet, verschenkt Geld. Denn Leistungen gibt es erst ab dem Monat der Antragstellung. Wenn Sie beispielsweise am  20. Dezember einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen, bekommen Sie rückwirkend ab dem 1. Dezember Leistungen. Ob die Pflegebedürftigkeit schon im Juli bestand, ist unerheblich.

Wie und wo stellt man einen Antrag auf Pflegeleistungen?

Der Antrag wird bei der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person gestellt. Die Pflegekasse ist grundsätzlich bei der Krankenkasse angesiedelt. Ist die pflegebedürftige Person zum Beispiel bei der AOK versichert, reicht es aus, den Antrag an die AOK zu senden und darauf hinzuweisen, dass dieser an die Pflegekasse weitergereicht werden soll. Privatversicherte müssen sich an die private Pflegeversicherung wenden.

Der Antrag bei der Pflegekasse kann formlos per Telefon, Mail, Fax oder Brief gestellt werden. Es ist nur der Satz "Ich stelle einen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse" erforderlich. Außerdem muss die betroffene Person den Antrag selbst unterschreiben. Legen Sie dem Antrag eine Kopie der Vollmacht bei, wenn ein Bevollmächtigter unterschreibt. Gibt es einen Betreuer, so muss dieser unterschreiben. Sobald der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen ist, schickt diese ein Formular für die Beantragung bestimmter Pflegeleistungen zurück.

TIPP: Zwar können Sie den Antrag bei der Pflegekasse auch telefonisch stellen. Dann können Sie aber nicht nachweisen, wann Sie den Antrag gestellt haben. Besser ist es daher, den Antrag per Fax oder per Mail zu stellen. Sie können den Antrag natürlich auch persönlich abgeben und sich dann auf einer Kopie quittieren lassen.

Wie wird das Formular für den Antrag ausgefüllt?

Neben den persönlichen Daten müssen Sie zusätzliche Angaben dazu machen, welche Leistungen Sie beantragen wollen. Das ist davon abhängig, ob Sie zuhause durch Angehörige und/oder einen ambulanten Pflegedienst oder in einer stationären Einrichtung versorgt werden wollen. Weitere Details zu den möglichen Leistungen finden Sie im Artikel "Diese Leistungen können Sie für die Pflege beantragen".

Überlegen Sie sich, wie die Pflege bei Ihnen organisiert werden soll und was für Sie am besten ist. Denken Sie daran, dass es auch die Möglichkeit gibt, verschiedene Angebote zu kombinieren. Werden Sie zuhause versorgt, dann haben Sie in den Pflegegraden 2 bis 5 zusätzlich zur Hauptleistung (ambulanter Pflegedienst oder Pflegegeld) noch Anspruch auf den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat. Auch ein regelmäßiger Besuch in der Tages- oder Nachtpflege ist möglich. Wenn Sie den Umfang der beantragten Leistungen später ändern wollen, ist dies jederzeit mit einem Änderungsantrag bei der Pflegekasse möglich.

TIPP: Auch pflegende Angehörige brauchen mal Urlaub. Für einige Wochen im Jahr gibt es deshalb Extra-Geld für die sogenannte Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege. Diese Extras können Sie allerdings erst nach sechs Monaten Pflegebedürftigkeit beantragen.

Wo kann man beim Ausfüllen des Antrags Hilfe finden?

Das Ausfüllen des Antrags ist teilweise kompliziert. Oft sind die Arten der Leistungen und die Kombinationsmöglichkeiten der Leistungen unbekannt. Es kann auch schwierig werden, den Pflegebedarf abzuschätzen. Bei manchen Feldern wissen Sie vielleicht gar nicht, wie diese auszufüllen sind. Hier helfen Ihre Pflegekasse, Pflegestützpunkte und Pflegeberatungsstellen. Jeder hat Anspruch auf Beratung: Die Pflegekasse ist verpflichtet, innerhalb von zwei Wochen nach der Antragstellung einen Ansprechpartner zu nennen. Sie können sich aber auch jederzeit an seine Pflegeberatungsstelle wenden. Adressen listet das Zentrum für Qualität in der Pflege auf. Privat Versicherte können sich bei der Seite der privaten Krankenversicherungen informieren.

Wie lange hat die Krankenkasse Zeit die Entscheidung zuzusenden?

Innerhalb von 25 Arbeitstagen muss die Pflegekasse entscheiden, ob und wie stark pflegebedürftig jemand ist. Dafür schickt sie in der Regel einen Gutachter zur betroffenen Person nach Hause. Dieser soll den individuellen Pflegebedarf ermitteln und auch beraten. Wie ein solcher Besuch abläuft, erläutert der Artikel "Begutachtung durch den MDK: So können Sie sich vorbereiten".

In akuten Fällen ist eine Entscheidung binnen einer Woche fällig. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn jemand im Krankenhaus liegt und die weitere Versorgung ohne Begutachtung unklar ist. Weitere Details zu Fristen, die die Pflegekasse einhalten muss, können Sie im Artikel "Fristen bei der Pflegekasse: So schnell muss die Versicherung reagieren" nachlesen.