Mythen über Lebensmittelsicherheit und Nährstoffverlust – Was ist wahr?

Stand: 11. August 2026

Rund um Lebensmittel und Nährstoffe kursieren, vor allem in Bezug auf Kinderernährung, viele Mythen und Halbwahrheiten. Die Verbraucherzentrale NRW hat den Faktencheck gemacht, um zu schauen, was wirklich an den Aussagen dran ist.

Sollten frische Beeren vor dem Verzehr immer mit Natron gewaschen werden?

Nein. Vor allem in sozialen Netzwerken kursiert öfters der Tipp, Beeren mit Natronwasser abzuspülen. Das soll Pestizide, Keime und Schmutz besonders effektiv entfernen. Notwendig ist dies jedoch nicht.  Zwar kann ein Natronbad einzelne Pestizide reduzieren, entfernt jedoch nur die auf der Oberfläche. Es gibt Stoffe, die tief in der Frucht oder in der Schale liegen und somit weder von Natron noch von Wasser beseitigt werden können.

In der Regel reicht das Abspülen mit kaltem Wasser vollkommen aus. Auf diese Weise wird schon der größte Teil von oberflächlichen Rückständen entfernt. Durch vorsichtiges Trockenreiben oder Tupfen, werden noch letzte Rückstände entfernt. Langes Einweichen in einem Natronbad ist sowieso keine gute Idee – vor allem bei empfindlichen Beeren. Wasserlösliche Vitamine, wie Vitamin C können durch das Übergehen ins Wasser verloren gehen.  

Könnten auch Bio-Produkte noch mit Pestiziden belastet sein?

Begriffe wie „bio“ und „öko“ sind gesetzlich geschützt und werden streng überwacht. Eigens dafür wurde das EU-Bio-Siegel eingeführt, damit alle Bio-Produkte in Europa erkennbar sind. Damit Lebensmittel dieses Siegel tragen dürfen, muss strikt auf die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschtutzmittelnverzichtet werden. 

Auch bei der ökologischen Tierhaltung müssen strengere Vorgaben hinsichtlich Bio-Futter, Platz und Auslauf eingehalten werden. In Deutschland kontrolliert die BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft) die Einhaltung der Bio-Gesetze. Das Zertifizierungssystem sorgt für Transparenz und Vertrauen, sodass sich Verbraucher sicher sein können, dass Bio-Produkte, innerhalb Europas , auch wirklich bio sind.

Gehen beim Kochen alle Nährstoffe verloren? 

Nein, keine Panik! Gemüse steckt voller gesunder Inhaltsstoffe. Damit  davon möglichst viele erhalten bleiben, gibt es einige Dinge, die bei der Zubereitung beachtet werden sollten. Vitamine werden durch Wasser und Hitze zerstört. Durch das Kochen gehen wasserlösliche Vitamine wie B-Vitamine und Vitamin C teilweise ins Wasser über. Wird das Wasser dann nicht weiterverwendet (z.B. bei Suppen oder Gemüseeintöpfen), gehen sie verloren. 

Auch starke Hitze beim Kochen zerstört hitzeempfindliche Vitamine, wie Vitamin-C, B1 und B5. Vitamine A, D und E sind dagegen hitzeresistenter, vertragen aber nur wenig Licht und Sauerstoff.  Um die Vitamine zu erhalten, sollte Gemüse möglichst mit schonenden Methoden zubereitet werden. Dazu gehört das Dünsten, Dampfgaren und Blanchieren. Auch Gemüse backen oder grillen ist eine schonendere Variante, da kein Wasser verwendet wird und die Hitzeeinwirkung relativ kurz ist.

Übrigens gehen beim Häckseln oder Pürieren von Gemüse Vitamine nur in geringen Maßen verloren, solange die entstandene Masse anschließend nicht zu lange gelagert wird. Ideal, um Gemüse in Tomatensauce zu verstecken. 

Können Kinder Fleischprodukte, wie Salami, Wurst oder Aufschnitt, bedenkenlos essen?

Nein. Wichtiges vorab: Fleischprodukte sollten nicht täglich auf dem Speiseplan stehen, auch wenn sie wichtige Nährstoffe wie Eisen und Eiweiß liefern. Das gilt auch für Wurst- und Fleischwaren mit bunter Verpackung und an Kinder gerichteter Werbung. Die Produkte sind jedoch meist nicht speziell an die Bedürfnisse von Kindern angepasst und nicht gesünder als andere Fleischwaren. Insbesondere in verarbeitetem Fleisch wie Salami, Schinken und Wurst stecken viel Salz, gesättigte Fettsäuren und potenziell krebserregende Stoffe. 

Empfehlenswerter sind fettarmes Muskelfleisch, fettarme Wurstsorten sowie möglichst wenig verarbeitetes Fleisch. Pro Woche sollten nicht mehr als zwei bis drei Portionen von fleischhaltigen Gerichten angeboten werden. Grundsätzlich sind auch vegetarische Alternativen für die Kinderernährung sinnvoll und leicht umsetzbar. Ideen und Rezepte für vegetarische Brotaufstriche gibt es hier.

Sind Zuckerersatzstoffe die gesündere Wahl für Kinder?

Nein! Da diese Stoffe, im Gegensatz zu herkömmlichen Haushaltszucker, keine Karies bilden, werden sie fälschlicherweise als gute Alternative für Kinder empfohlen. Auch haben Süßstoffe keine Kalorien. Die Zuckerersatzstoffe sind meist weniger süß als normaler Zucker. Doch sie sind nicht automatisch gesünder – weder für Kinder noch für Erwachsene. Kinder werden durch Süßstoffe wie Aspartam oder Stevia trotzdem an einen sehr süßen Geschmack gewöhnt. Sie stehen außerdem unter Verdacht, das Mikrobiom im Darm und den Blutzuckerspiegel ungünstig zu beeinflussen. Zudem gibt es praktisch noch keine Studien, die den Einfluss auf Kinder untersuchen.  Zuckeraustauschstoffe wie Xylit oder Sorbit schmecken ähnlich wie Zucker, bringen jedoch andere Probleme mit sich. Beim Verzehr von größeren Mengen können sie zu Blähungen und Durchfall führen. Es besteht noch ein großer Forschungsbedarf zu diesen Stoffen. 

Empfehlenswerter ist es, Kinder generell an weniger süße Lebensmittel zu gewöhnen. Für den Alltag gelten Wasser, ungesüßte Getränke und möglichst natürliche Snacks als bessere Wahl.
Empfehlenswert ist maximal eine Portion Süßigkeiten am Tag, beispielsweise eine Kinderhand voll.

Ist Salz für Kinder grundsätzlich schädlich?

Nein. Es kommt jedoch stark auf die Menge an. Je nach Alter und Körpergewicht sollten Kinder täglich nicht mehr als zwei bis fünf Gramm Salz zu sich nehmen. Jedoch ist diese Tagesmenge  bereits schnell durch Lebensmittel wie Brot, Käse und Wurst erreicht. Kommen noch Fast Food und salzige Knabbereien wie Chips dazu, übersteigt die Salzaufnahme die Empfehlung schnell um ein Vielfaches. Eltern sollten darauf achten, über welche Lebensmittel Kinder Salz aufnehmen. 

Außerdem ist die Wahl des richtigen Salzes wichtig. Zum Kochen empfiehlt sich Speisesalz, welches mit Jod angereichert wurde. Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das über die Nahrung aufgenommen werden muss. Es erfüllt zentrale Aufgaben im Körper wie die Bildung von Schilddrüsenhormonen, die eine wichtige Rolle für Wachstum, Knochenbildung und Gehirnentwicklung spielen. Durch die sparsame Verwendung von Jodsalz kann die Jodversorgung verbessert werden.

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