Knabber-Snacks für Kinder: Zu viel Salz

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Niedliche Knuspertierchen, kleine Brezeln und Bällchen – die Auswahl an Kindersnacks ist groß. Doch sind die Produkte für Kinder tatsächlich gut geeignet? Die Verbraucherzentrale NRW hat in einer Marktstichprobe geprüft, wie viel Salz in den vermeintlich kindgerechten Snacks steckt.
Zahlreiche Produkte aus der Stichprobe liegen auf einem Haufen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Marktcheck zeigt: Viele Kindersnacks enthalten viel Salz – im Durchschnitt 1,92 Gramm pro 100 Gramm.
  • Kinderfreundliche Verpackungen und Hinweise wie „kein Aufstreusalz“ bedeuten nicht automatisch wenig Salz. Ein Blick auf die Nähwerttabelle lohnt sich.
  • Kein Produkt wurde mit Jodsalz hergestellt.
  • Besondere gesetzliche Vorgaben gelten nur für Lebensmittel für Kinder unter drei Jahren mit entsprechender Kennzeichnung.
  • Kinder unter 10 Jahren sollten je nach Alter und Körpergewicht maximal 2 bis 5 Gramm Salz am Tag essen.
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Im Februar und März 2026 hat die Verbraucherzentrale NRW eine Marktstichprobe in Drogeriemärkten, Bioläden, Supermärkten und Discountern durchgeführt und 30 Snackprodukte eingekauft, deren Vermarktung sich durch Namen und Aufmachung offensichtlich an Kinder richtet. Chips und süße Produkte wie Kekse und Fruchtriegel fanden dabei keine Berücksichtigung. Ebenfalls aus der Stichprobe ausgeschlossen blieben Produkte, die ausdrücklich als für unter Dreijährige geeignet verkauft werden, da diese besonderen Vorgaben unterliegen.

Was hat die Marktstichprobe der Verbraucherzentrale NRW ergeben?

Der durchschnittliche Salzgehalt der betrachteten Produkte lag bei 1,92 Gramm Salz pro 100 Gramm. Die Größe der Tüten variierte zwischen 30 und 150 Gramm. Gerade bei sehr kleinen Verpackungseinheiten liegt die Vermutung nahe, dass diese häufig als eine Portion betrachtet werden und Kinder den Inhalt vollständig aufessen. So wird schnell mehr Salz aufgenommen, als empfehlenswert ist.

So bringt es z. B. ein 50 Gramm-Päckchen eines Produktes auf 1,35 Gramm Salz und liefert damit rund zwei Drittel der Salzmenge, die ein- bis dreijährige Kinder nicht überschreiten sollten. In der Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen entspricht die Menge immer noch 45 Prozent der maximalen Salzmenge. Der Zusatz „ohne Aufstreusalz“, der sich auf dieser und 13 weiteren Packungen fand, suggeriert dabei sogar einen eher geringen Salzgehalt. Der Spitzenreiter beim Salzgehalt bringt es auf 2,8 Gramm Salz pro 100 Gramm, ebenfalls versehen mit der Aufschrift „ohne Aufstreusalz“.

Besonders problematisch: In Regalen mit Baby- und Kleinkindnahrung sind Produkte, die ausdrücklich für Kinder unter drei Jahren geeignet sind und speziellen Regelungen unterliegen, häufig gemischt mit Snacks ohne Altersangaben, für die keinerlei besondere Vorgaben gelten. Der Unterschied ist mitunter nur durch einen klein gedruckten Hinweis auf den Verpackungen erkennbar. Insbesondere für Eltern von Kleinkindern ist diese unübersichtliche Situation problematisch. Es kann schnell der Eindruck entstehen, das ganze Regal sei für die Allerkleinsten bestens geeignet.

Zwei Produkte entsprechen WHO-Kriterien für Kinderlebensmittel

Die Weltgesundheitsorganisation hat ein Nährwertprofil-Modell entwickelt – ein Bewertungssystem, das dabei helfen kann, Kinder vor ungesunden Lebensmitteln zu schützen. Nationale Entscheidungsträger können Werbebeschränkungen für Produkte einführen, die bestimmte Grenzwerte z.B. für Zucker, Fett und Salz überschreiten. Im Fall des Salzgehaltes von Snacks für Kinder liegt dieser Grenzwert bei 1,1 Gramm Salz pro 100 Gramm. Nur zwei Produkte der Marktstichprobe erfüllten mit 0,34 und 0,91 Gramm Salz pro 100 Gramm diese Anforderungen.

In Deutschland wurde das von den Verbraucherzentralen und vielen weiteren Verbänden geforderte Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel an Kinder bisher leider nicht umgesetzt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf scheiterte Ende 2023.

Eignen sich die Produkte, um die Jodaufnahme zu verbessern?

Kein einziges der 30 Produkte aus der Stichprobe enthielt Jodsalz. Die Jodversorgung in Deutschland ist nicht optimal. Bei 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen besteht laut Bundesinstitut für Risikobewertung das Risiko einer zu geringen Jodaufnahme. Jod ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen und die Gehirnentwicklung von Kindern sehr wichtig. Für eine gute Jodversorgung ist es empfehlenswert, Jodsalz zu verwenden und zusätzlich Lebensmittel zu kaufen, die mit Jodsalz hergestellt wurden. Der Einsatz von Jodsalz bei der Lebensmittelproduktion erfolgt allerdings deutlich zu selten.

Tipps bei der Auswahl von Kindersnacks

  • Vergleichen Sie den Salzgehalt und wählen Sie weniger salzige Varianten.
  • Lassen Sie sich nicht von Aufdrucken wie „ohne Aufstreusalz“ zu der Annahme verleiten, ein Produkt sei nicht salzig.
  • Kinderlebensmittel mit bunten Aufdrucken und niedlichen Formen sind für Kinder nicht besser geeignet als Produkte aus den „normalen“ Abteilungen. Achten Sie auch hier auf die Nährwerttabelle und vergleichen Sie.
  • Achten Sie darauf, Kindern nur kleine Portionen Knabberartikel zu geben. Diese sind nicht zum satt essen geeignet. Ein gutes Maß ist die Menge, die in die Hand des Kindes passt.
  • Gesündere Snacks sind zum Beispiel aufgeschnittenes Gemüse oder Obst, Vollkornbrot mit Frischkäse, pflanzlichen Aufstrichen oder Nussmus.
  • Knusprige, salzarme Cracker lassen sich auch schnell und unkompliziert selbst herstellen.

Gelten für Kinderlebensmittel besondere Regeln?

Viele Lebensmittel werden gezielt für Kinder beworben. Bunte Verpackungen, lustige Formen oder bekannte Figuren sollen Kinder ansprechen. Eltern könnten deshalb denken, dass für solche Produkte spezielle Regeln gelten und diese gesund und für Kinder besonders gut geeignet sind.

Für die meisten Kinderprodukte gelten jedoch keine besonderen Regeln. Hersteller müssen sich an dieselben lebensmittelrechtlichen Bestimmungen halten wie bei anderen Lebensmitteln. Die Zusammensetzung ist also nicht automatisch gesünder oder anders als bei Produkten für Erwachsene.

Strengere EU-Vorgaben zu Zusammensetzung und Nährstoffen gelten dagegen für spezielle Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder, etwa Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Beikost. Diese sind in der Verordnung (EU) Nr. 609/2013 über Lebensmittel für spezielle Verbrauchergruppen festgelegt und gelten für Produkte, die für Babys und Kleinkinder unter drei Jahren bestimmt sind und entsprechend gekennzeichnet werden. Für diese Lebensmittel sind sehr niedrige Grenzwerte für Salz festgelegt. Getreidebeikost, zu denen Knabberstangen und ähnliche Produkte für unter Dreijährige zählen, darf maximal 100 mg Natrium pro 100 Kilokalorien enthalten. Das entspricht etwa 0,25 Gramm Salz pro 100 Kilokalorien.

Warum ist zu viel Salz in Kinderlebensmitteln ein Problem?

Bei Kindern ist es besonders wichtig, eine frühe Gewöhnung an sehr salzige Lebensmittel zu vermeiden, da sich Geschmacksvorlieben bereits in jungen Jahren entwickeln. Wer sich früh an stark gesalzene Produkte gewöhnt, bevorzugt später häufig ebenfalls salzige Lebensmittel.

Ein zu hoher Salzkonsum erhöht das Risiko für Bluthochdruck, der das Herz-Kreislauf-System schädigen kann, wenn er unentdeckt bleibt. Bluthochdruck betrifft dabei nicht nur Erwachsene, sondern kommt auch schon bei Kindern und Jugendlichen vor. Laut der „Studie zur Gesundheit von Kindern“ (KiGGS) steigt die Häufigkeit mit ansteigendem Alter. In der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen weisen bereits 52,2 % der Jungen und 26,2 % der Mädchen Blutdruckwerte oberhalb des optimalen Bereiches auf. Erhöhte Blutdruckwerte bei Kindern erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter stark.

Wie viel Salz sollten Kinder täglich maximal essen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene täglich maximal sechs Gramm Salz. Kinder sollten, entsprechend ihrem geringeren Körpergewicht und Energiebedarf, deutlich weniger Salz essen. Das britische Gesundheitssystem (NHS) konkretisiert dies mit folgenden Maximalwerten:

  • 1-3 Jahre: 2 Gramm
  • 4-6 Jahre: 3 Gramm
  • 7-10 Jahre: 5 Gramm
  • Ab 11 Jahre: 6 Gramm

Salz steckt in vielen verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Wurst und Fertigprodukten, so dass diese Werte auch ohne salzige Snacks schnell überschritten werden.