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Schadstoffarm Bauen und Renovieren

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Verpflichtende europaweite Normen zur Einhaltung des Gesundheitsschutzes gibt es nicht.
  • Auftraggeber haben nur ein Recht auf Auskunft zu den verarbeiteten Bauprodukten, wenn dies schriftlich vereinbart worden ist.
  • Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann einen Sachverständigen zur Beratung hinzuziehen.
Grünes haus in Landschaft
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Bauvorhaben und Renovierungen sind Projekte, bei denen die Gesundheitsverträglichkeit der verwendeten Produkte unbedingt mit bedacht werden sollte. Denn bislang ist das Baurecht eher auf die Abwehr akuter Gefahren und weniger auf gesundheitliche Vorsorge gerichtet. Außerdem fehlen verpflichtende Vorgaben zur Einhaltung des Gesundheitsschutzes bislang für Bauprodukte mit europaweiten Normen. Innerhalb der Europäischen Union sind etwa Prüfungen auf ausgasende Schadstoffe für einige Bauprodukte ab Februar 2019 geplant. Wer eine schadstoffarme Innenraumluft sicherstellen will, muss also ein höheres Maß an Gesundheits- und Umweltstandards verlangen, als die rechtliche Regelungen dies für Bauprodukte zurzeit vorschreiben. Folgende Tipps helfen Bau- und Renovierungswilligen, Schadstoffquellen zu vermeiden:

Passende Architekten oder Handwerker finden

Auf der Internetseite der Architektenkammer NRW kann gezielt nach Architekten mit dem Schwerpunkt ökologisches Bauen gesucht werden. Auch das Fachpersonal in Öko-Baumärkten kann häufig passende Handwerker-Empfehlungen geben. Bei größeren Renovierungsmaßnahmen behalten Architekten gewerkübergreifend im Blick, dass beim Gebäude am Ende alles stimmig ist. Das heißt zum Beispiel, dass die verwendeten Materialien aufeinander abgestimmt sowie Feuchteschutz und Luftwechsel gut reguliert sind.

Gemeinsam Sprechen und Planen sind A und O

Bau- und Renovierungswillige sollten Architekten und Handwerkern ausführlich schildern, welche Erwartungen sie an die Gesundheitsverträglichkeit von Bauprodukten haben und ob bei den Bewohnern besondere gesundheitliche Probleme – etwa Allergien oder Atemwegserkrankungen – berücksichtigt werden müssen. Produkte mit einfacher, klarer Zusammensetzung sollten bei der Planung komplizierten Verbundmaterialien vorgezogen werden. Auch das eigene Lüftungsverhalten sollte thematisiert werden.

Schadstoffe wirksam aussperren

Architekten und Handwerker können nicht garantieren, dass die Richtwerte des Umweltbundesamtes für Innenraumluft eingehalten werden, die sich am gesundheitlichen Vorsorgeprinzip orientieren. Auftraggeber von Bau- und Renovierungsmaßnahmen sollten jedoch vertraglich vereinbaren, dass nur emissionsgeprüfte Produkte verbaut werden dürfen, die den Standards anerkannter Siegel entsprechen. Dazu zählen Siegel wie natureplus®, Eco Institut-Label oder der Blauen Engel. Sind Produkte mit Siegel nicht verfügbar, sollten nur solche verwendet werden, bei denen alle Inhaltsstoffe angegeben sind oder bei denen eine Prüfung auf ausgasende Stoffe (Emissionsprüfung) vorliegt. Wer die Verwendung problematischer Substanzen und Materialien im Haus vermeiden will, sollte diese am besten vertraglich ausschließen.

Auf Information pochen

Auftraggeber haben nur ein Recht auf Auskunft zu den verarbeiteten Bauprodukten, wenn dies schriftlich vereinbart worden ist. Hierbei ist wichtig, dass alle im Gebäude verarbeiteten Produkte dokumentiert werden und die Unterlagen zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt auch ausgehändigt werden.

Sachverstand gefragt

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann einen Sachverständigen, der sich mit der Gesundheitsverträglichkeit von Bauprodukten und Innenraumschadstoffen befasst, zur Beratung hinzuziehen. Dieser hilft, die die Anforderungen an schadstoffarme Produkte und Materialien für den Vertrag zu formulieren. Außerdem kann der Schadstoffexperte auch auf eventuell vorhandene Altlasten in bestehenden Gebäuden hinweisen und Empfehlungen für eine sachgerechte Entfernung oder Sanierung geben. Eine solche Beratung ist eine lohnende Investition, die das Bau- und Renovierungsvorhaben im Verhältnis zu den Gesamtkosten nicht wesentlich verteuert.

Heimwerker aufgepasst: Auch wer selbst Hand anlegt, sollte nicht wahllos zu einem Produkt im Baumarktregal greifen. Auf den Internetseiten von Siegeln wie natureplus®, Eco Institut–Label oder dem Blauen Engel finden Hobby-Heimwerker geprüfte, schadstoffarme Produkte nach Gruppen geordnet. Vor einer Verwendung sollten stets die Hinweise zur Verarbeitung beachtet werden. Denn manche Geruchs-oder Problemstoffe können durch falsche Anwendung entstehen.