Lohnt es sich, Elektrogeräte zu reparieren?
Von der defekten Kaffeemaschine bis zum kaputten Fön: Ob sich eine Reparatur eines Elektrogeräts finanziell lohnt, hängt häufig davon ab, wann das Haushaltsgerät den Geist aufgibt. Bei bestimmten Geräten ist die Reparatur durch das neue „Recht auf Reparatur“ erleichtert.

Das Wichtigste in Kürze:
- Günstige Haushaltsgeräte werden bei Defekten oft weggeworfen und nicht repariert. Dadurch gehen wertvolle Rohstoffe verloren.
- Elektrogeräte zu reparieren, kann sich lohnen. Holen Sie sich mehrere Angebote ein oder lassen Sie sich gratis in einem Repair-Café helfen.
- Oft reichen schon wenige Vorkehrungen aus, um die Lebensdauer Ihres Gerätes zu verlängern und Reparaturen vorzubeugen.
- Seit dem 31. Juli 2026 gilt in Deutschland das neue „Recht auf Reparatur“: Hersteller bestimmter Geräte sind dann verpflichtet, Reparaturen zu einem angemessenen Preis anzubieten und Ersatzteile sowie Werkzeuge für die Reparatur bereitzustellen.
- Entscheiden Sie sich für eine Reparatur statt für einen Austausch, verlängert sich Ihre Gewährleistungsfrist um weitere 12 Monate.
Elektrogeräte: klein, praktisch, preiswert
Kleine Haushaltshelfer - wie etwa die Kaffeemaschine, der Mixer, Wasserkocher und Toaster - sind für die meisten Haushalte unverzichtbar. Erfreulich für den Geldbeutel: Die Stiftung Warentest fand die kleinen Elektrogeräte in guter Qualität schon zu erschwinglichen Preisen. Gute Föhne sind bereits ab 25 Euro, gute Wasserkocher ebenfalls für 25 Euro, gute Toaster ab 40 Euro und gute Smoothie-Mixer ab 35 Euro (kurzlebige jedoch ab 20 Euro) zu haben.
Neukauf bei defekten Elektrogeräten: Wertvolle Rohstoffe gehen verloren
Geht ein Elektrogerät kaputt, verführen die niedrigen Preise dazu, gleich ein neues Gerät zu kaufen. Eine Reparatur wird oft erst gar nicht in Erwägung gezogen, in vielen Fällen lohnt sich sich auch finanziell nicht.t. So manches alte und kaputte Elektrogerät landet deshalb in der Mülltonne.
Doch da gehört es auf keinen Fall hin. Elektronische Geräte müssen über Wertstoffhöfe oder in größeren Elektrogeschäften, Lebensmittelgeschäften und Discountern zurückgeben und dem Recycling zugeführt werden, wie es das Gesetz vorschreibt. Nur so können die in ihnen enthaltenen Rohstoffe wie Kupfer oder Aluminium weiterverwendet werden.
Das neue „Recht auf Reparatur“ soll hier Abhilfe schaffen: Es zielt darauf ab, die Wegwerfmentalität zu reduzieren und die Lebensdauer von Produkten zu verlängern. Ab 31. Juli 2026 müssen Hersteller Reparaturen für bestimmte Geräteklassen auch nach der Ablauf der Gewährleistung anbieten, nach einer Reparatur wird die Gewährleistung im ein Jahr verlängert und Reparaturen dürfen nicht künstlich erschwert werden.
Defekte Elektrogeräte reparieren - lohnt sich das?
Offizielle Statistiken, welche Elektrokleingeräte besonders oft kaputt gehen, gibt es nicht. In den Repair-Cafés, die es inzwischen in vielen Städten gibt, stehen
- Toaster,
- Mixer,
- Pürierstäbe,
- Rührgeräte sowie
- Kaffeemaschinen obenan.
Ob sich eine Reparatur finanziell lohnt, hängt häufig vom Zeitpunkt ab, an dem das Gerät den Geist aufgibt (gerechnet ab dem Kaufdatum).
Tritt der Defekt innerhalb der 2-jährigen gesetzlichen Gewährleistungszeit oder der vom Hersteller eingeräumten Garantiezeit ein, entstehen Ihnen durch die Reparatur keine Kosten. Das gilt aber nicht, wenn Sie den Defekt durch einen Bedienungsfehler verursacht haben. Ab dem 31. Juli 2026 gilt: Entscheiden Sie sich für eine Reparatur statt für eine Ersatzlieferung, verlängert sich Ihre Gewährleistungsfrist um weitere 12 Monate – ein zusätzlicher Anreiz, defekte Geräte nicht gleich wegzuwerfen.
Tipp: Auch wenn der Defekt kurz nach Ablauf der 2-jährigen Gewährleistungsfrist auftritt, können Sie versuchen, die Reparatur auf Kulanz kostenfrei abwickeln zu lassen. Bewahren Sie in jedem Fall Kaufbeleg und Garantie-Erklärung auf, damit Sie Ihre Rechte geltend machen können.
- Bei günstigen Produkten:
Auch bei günstigen Produkten kann sich eine einfache Reparatur auch nach Ablauf der Gewährleistung finanziell rechnen. Erkundigen Sie sich hierfür bei mehreren Anbietern nach den zu erwartenden Reparaturkosten. - Bei teuren Produkten:
Für teurere Produkte lohnt sich auch eine anspruchsvollere Reparatur in einer autorisierten Fachwerkstatt. Vom Hersteller autorisierte Fachwerkstätten sind in der Regel in der Bedienungsanleitung aufgeführt. Sie sind meist etwas teurer als freie Werkstätten. Manche Geräte können aber nur in einer solchen Werkstatt repariert werden.
Bundesweite Adressen von freien Elektrowerkstätten können Sie in verschiedenen Portalen im Internet recherchieren, die entsprechende Anbieter vermitteln. Bei einigen Portalen können Sie auch Bewertungen der Reparaturwerkstätten durch andere User berücksichtigen. Um teure Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie vor einer Beauftragung verschiedene Angebote einholen und Kosten und Leistungen der jeweiligen Anbieter miteinander vergleichen. Darauf sollten Sie achten, wenn Sie im Netz einen Handwerker suchen.
Verschiedene Werkstätten haben sich auf den kostengünstigen Austausch oder die Reparatur von fest verbauten Akkus in Elektrogeräten von der Elektrozahnbürste bis zum Rasierapparat spezialisiert.
Zwischen 20 und 40 Euro kostet dort der Akkutausch, eine lohnende Alternative gegenüber dem Neukauf eines Rasierapparats mit Kaufpreisen bis zu 470 Euro oder einer elektrischen Zahnbürste bis 320 Euro. Den Reparaturservice finden Sie im Internet mit Suchbegriffen wie Akkus reparieren, Akkus tauschen oder Akkus wechseln.
Reparieren statt wegwerfen - Selbermachen ist oft kein Hexenwerk
Manche einfache Reparaturen können Sie als Laie oder technisch versierte Bastler:in mithilfe von Reparaturanleitungen im Internet selbst erledigen. Bei Elektrogeräten, die mit Netzspannung betrieben werden und bei denen das Gehäuse geöffnet werden muss, sollte die Reparatur jedoch Elektrowerkstätten oder Repair-Cafés vorbehalten bleiben.
Wasserkocher selbst reparieren
Eine dicke Kalkschicht am Boden des Wasserkochers kann dazu führen, dass dieser entweder noch vor oder erst nach langem Kochen abschaltet. Bei hartem Wasser sollten Wasserkocher daher mit handelsüblichem Entkalker oder Zitronensäure nach rund 100 Litern regelmäßig entkalkt werden, bei täglich 1-Liter-Kanne Tee oder Kaffee also 3 bis 4 Mal im Jahr.
Bei batteriebetriebenen Geräten mit Niederspannung - wie etwa elektrischen Wanduhren, elektronischen Wetterstationen oder batteriebetriebenem Spielzeug - sollten Sie bei einem Defekt prüfen, ob vielleicht nur die eingelegten Batterien oder Akkus ersetzt werden müssen. Sind die Kontaktbleche im Batteriefach korrodiert, können Sie diese mit Schleifpapier reinigen.
Ist äußerlich keine Fehlerursache erkennbar, können versierte Bastler mit dem Lötkolben auch Wackelkontakte im Inneren von batteriebetriebenen Geräten beheben.
Problem jedoch: Nicht selten braucht es Spezialwerkzeug, um etwa sternförmige Torx-Schrauben oder sogenannte Spanner-Schrauben mit 2 Löchern zu lösen.
Anleitungen Reparatur kleiner Elektrogeräte
Wie Sie viele kleine Elektrogeräte selbst reparieren können, finden Sie im Internet. Zum Beispiel auf den Reparaturportalen https://www.ifixit.com (teilweise in Englisch), www.idoc.eu oder unter https://www.reparatur-initiativen.de/reparaturwissen.
So verlängern Sie die Lebensdauer Ihrer Geräte
Oft reichen schon wenige Vorkehrungen aus, um die Lebensdauer Ihres Gerätes zu verlängern und Reparaturen vorzubeugen.
- Beachten Sie die Benutzungshinweise in der Bedienungsanleitung.
- Lassen Sie beschädigte Kabel im Repair-Café oder einer freien Reparaturwerkstatt ersetzen um Kurzschlüssen vorzubeugen.
- Entkalken Sie Dampfbügeleisen, Wasserkocher oder Kaffeemaschinen regelmäßig.
- Bei Föhnen: Reinigen Sie den Lufteinlass und die Gebläseöffnung Ihres Föhns bei ausgestecktem Gerät zum Beispiel mit dem Staubsauger von Flusen und Haaren.
- Bei Toastern: Entfernen Sie bei ausgestecktem Gerät Brotkrümel aus dem Toaster und leeren Sie die Krümelschublade.
- Bei Mix- und Rührgeräten: Achten Sie auf das Kürzel KB auf dem Gehäuse oder in der Bedienungsanleitung. Das Kürzel steht für „Kurzzeitbetrieb“. In den Geräten sind minderwertige Elektronikbauteile oder Plastikzahnräder verbaut, die dazu führen, dass die Geräte zum Teil schon nach 10 Sekunden für mehrere Minuten ausgeschaltet werden müssen, um abzukühlen. Zum Rühren eines Teiges sind sie damit ungeeignet, und wenn sie wegen längerer Nutzungsdauer kaputt gehen, erlischt auch die Gewährleistung.
Billig kann teuer werden
Schon beim Kauf von kleinen Elektrogeräten können Sie die Weichen stellen. Anhand von einfachen Informationen und Anhaltspunkten können Sie abschätzen, ob ein billiges Wegwerfprodukt im Regal steht oder ob es sich um ein langlebiges Produkt handelt, das sich gut reparieren lässt.
- Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Testergebnisse der Stiftung Warentest. Ihre Untersuchungen zeigen, dass Sie bei vielen Elektrogeräten unterhalb eines bestimmten Preises keine gute Qualität erwarten können. Die untere Grenze liegt zum Beispiel bei Staubsaugern bei 80 Euro, bei Akkubohrern bei 50 Euro und bei Stabmixern bei 20 Euro.
- Nutzen Sie beim Kauf das Umweltzeichen "Der Blaue Engel" als Wegweiser. Es berücksichtigt zum Beispiel bei Druckern auch die Lebensdauer von Geräten und ihre Reparierbarkeit.
- Wählen Sie immer Elektrogeräte aus, bei denen eine einfache Reparatur möglich ist. Erfahrungen von Repair-Cafés zeigen, dass der Erfolg einer Reparatur entscheidend von der Konstruktion des Geräts abhängt. Typische Verschleißteile (wie etwa Akkus bei elektrischen Zahnbürsten oder Sicherungen) müssen leicht zugänglich, austauschbar und einfach zu beschaffen sein. Beim Neukauf eines Föns oder Wasserkochers sollten Sie zudem darauf achten, ob das Gehäuse Schrauben enthält - diese können auch unter Kunststoffclips verborgen sein - und so im Fall eines Defekts einfach geöffnet werden kann. Das Gegenteil sind Modelle mit fest verschweißtem Gehäuse. Zu diesen Negativbeispielen gehören etwa LED-Leuchten mit fest verbauten LEDs.
- Bevorzugen Sie Produkte mit einer robusten Konstruktion, besonders bei beweglichen Teilen wie Schalter. Macht der Schalter des Wasserkochers einen soliden Eindruck oder besteht er nur aus einem dünnen Kunststoffblatt, das beim häufigen An- und Ausschalten irgendwann abbrechen könnte?
- Bleiben Sie bei bewährten Designs, denn viele Neuerungen wie zum Beispiel faltbare Displays müssen sich erstmal in der Praxis bewähren.
- Nutzen Sie die Rechte, die Sie durch die neue Gesetzgebung zum „Recht auf Reparatur" haben und fordern Sie Reparaturen aktiv ein.









