Auszeichnung für Journalismus, der stark macht

Pressemitteilung vom 29. September 2026

Journalistenpreis 2026 der Verbraucherzentrale NRW geht an WirtschaftsWoche, WDR, Rheinische Post und RUMS

Ausufernde Pflegekosten, Fehler in der Krankenakte, verzweifelte Wohnungssuche und Finanzbetrug: Die Gewinner:innen des diesjährigen Journalistenpreises der Verbraucherzentrale NRW thematisieren existenzielle Probleme der Menschen in NRW. „Die Jury hat fünf hochwertige Siegerbeiträge gekürt, die Fachkenntnis, Aufklärung, Einfühlungsvermögen und Lösungsvorschläge bieten“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. „Das ist Journalismus, der den Menschen konkret weiterhilft.“ 70 Bewerbungen waren eingegangen. Heute Abend fand in Düsseldorf die Preisverleihung statt.

Im historischen Ambiente des Maxhauses in der Düsseldorfer Altstadt drehte sich am Dienstagabend, 29. September 2026, alles um Verbraucherthemen. Also um das, was Menschen täglich umtreibt im Kontakt mit digitalen und analogen Anbietern. Zum vierten Mal richtete die Verbraucherzentrale NRW die Veranstaltung aus. Die unabhängige Jury vergab Auszeichnungen in insgesamt fünf Kategorien.

Die Preisträger:innen 2026 im Überblick

Kategorie Print / Online

Niklas Hoyer, WirtschaftsWoche, für den Beitrag „Klick in den Ruin“ 
Niklas Hoyer informiert in seinem Beitrag anhand eines konkreten Falls über eine Betrugsmasche im Internet, die bei Betroffenen zu sehr hohen Verlusten führen kann. Eine ältere Dame, in der Geldanlage durchaus erfahren, fiel im Sommer 2024 auf ein angeblich lukratives Angebot herein, verbreitet im Netz über eine gefälschte Werbeanzeige mit Christian Lindner. Beraten von einer sogenannten Finanzexpertin legte sie immer mehr Geld über ein gefälschtes Trading-Portal an. Misstrauisch wurde sie erst, als es bei versprochenen Auszahlungen zu Verzögerungen kam. Sie verlor fast 80.000 Euro - all ihre Rücklagen aus 85 Lebensjahren. „Aus Sicht der Jury sind die Hintergründe des Massenphänomens Phishing hier vorbildlich ausgeleuchtet“, sagt Laudator Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW: „Die Scham des Opfers, die Tricks der Kriminellen und die Perspektive der Ermittler:innen. Vor allem die langfristige und einfühlsame Begleitung der betroffenen Dame gab für die Jury den Ausschlag.“

Kategorie Video

Berit Kalus / Melanie Schoepf / Jana Heck, WDR, für den Beitrag „Falsche Diagnosen: Böse Überraschung in deiner Krankenakte“
Das Rechercheteam des WDR hat tief gegraben in Krankenakten und im ärztlichen Abrechnungssystem. Falsche Diagnosen können lange unbemerkt bleiben und für Betroffene fatale Folgen bis hin zum Wegfall des Versicherungsschutzes haben. Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte rückt das Thema in den Fokus, da Fehler für gesetzlich Versicherte erstmals sichtbar werden. Die drei Journalistinnen haben das ärztliche Abrechnungssystem als hochgradig fehleranfällig identifiziert und geben konkrete Tipps, wie Patient:innen gegen falsche Diagnosen vorgehen können. „Die Autorinnen haben aus einem Verwaltungsvorgang eine Geschichte gemacht, die unter die Haut geht“, lobt Jury-Mitglied Barbara Brandstetter, Professorin für Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Neu-Ulm. „Und für einen Verbraucherjournalistenpreis vielleicht das Wichtigste: Der Beitrag hat einen ganz konkreten Nutzen. Wer ihn gesehen hat, weiß danach, dass es sich lohnt, in die eigene Krankenakte zu schauen, bevor man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt oder in die private Krankenversicherung wechselt. Das ist Wissen, das im Zweifel die finanzielle Absicherung eines ganzen Lebens rettet.“

Kategorie Audio

Jonathan Focke / Maximilian Doeckel / Sophie Kuhlmann, WDR/Science Cops, für die Podcast-Folge „Die Akte LaVita: 100 Euro für Gemüsesaft!?“
Mit „LaVita“ wurde der ehemalige Eishockey-Profi Gerd Truntschka zum Unternehmer: Er kreierte ein Saftkonzentrat aus Früchten, Gemüse, Kräuterextrakt, Vitaminen und Mineralstoffen und vermarktet es seit über 20 Jahren als „Mikronährstoffkonzentrat“. Doch ist das wirklich sinnvoll? Die Frage lohnt sich auch deshalb, weil die Flasche auf einen Liter gerechnet 100 Euro kostet. Max Doeckel, Jonathan Focke und Sophie Kuhlmann haben die Inhaltsstoffe, die Versprechen und die wissenschaftlichen Belege in typischer „Science Cops“-Manier geprüft. Ihr Ergebnis: „LaVita“ ist ein Nahrungsergänzungsmittel wie so viele andere: Nicht gefährlich, aber auch nicht notwendig. Jurymitglied Andrea Hansen, Vorsitzende des DJV NRW, betont in ihrer Laudatio, dass das Format fachlich in die Tiefe geht und trotzdem gute Unterhaltung bietet: „Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden - das schaffen die Quarks Science Cops auf besondere Weise. Inhaltlich korrekt und amüsant verpackt, so dass es einfach Spaß macht, dabei zu sein - und zwar Hörenden und offenbar auch den beiden Machern. Sie machen schlauer und unterhalten dabei - eine extrem gelungene Kombi!“

Kategorie Lokaljournalismus

Verena Kensbock / Philip Zeitner, Rheinische Post Düsseldorf, für den Beitrag „Das Wohn-Dilemma“
Bezahlbaren Wohnraum zu finden und zu behalten, ist eine der drängenden Fragen der Zeit - das macht nicht nur die aktuelle Enteignungsdebatte in Berlin deutlich. Auch im vermeintlich wohlhabenden Düsseldorf sorgen sich Menschen nach Kündigungen und Abrissplänen für intakte Häuser, überraschend auf die Straße gesetzt zu werden. Die elfteilige Serie „Das Wohn-Dilemma“ von Verena Kensbock und Philip Zeitner, erschienen im Düsseldorfer Lokalteil der „Rheinischen Post“, ist aus Sicht der Jury Lokaljournalismus vom Feinsten, so Joachim Frank, Mitglied der Chefredaktion beim Kölner Stadt-Anzeiger: „Die Autorin und der Autor beleuchten aus verschiedenen Blickwinkeln das grassierende Problem des Wohnraum-Mangels und bringen es ihrer Leserschaft anschaulich, faktenreich und in gekonnter Verwendung der journalistischen Darstellungsformen nahe. Die Serie zeichnet sich durch Sorgfalt, Präzision und Empathie aus. Sie zeigt Lösungsansätze auf, Wege der Selbstermächtigung und ist damit auch Ermutigung. Ein Stück konstruktiver Journalismus.“

Kategorie Nachwuchs

Anna Niere (RUMS, Münster) für den Beitrag „Mann über Bord“
Eine vornehme Seniorenresidenz in Münster beschreibt sich selbst als so komfortabel wie ein Kreuzfahrtschiff an Land. Der ehemalige Bewohner, über den Niere in ihrem Siegerbeitrag berichtet und der hier symbolisch über Bord geht, war dort über Jahre zufrieden – bis 2025 plötzlich die Miete verdoppelt wurde, auf 3.600 Euro warm für 43 Quadratmeter. Die Autorin steigt tief in die Rechtslage zwischen Mietrecht und Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz ein und beleuchtet die Frage, ob die Seniorenresidenz korrekt gehandelt hat. Der Fall liegt nun beim Landgericht, der Senior lebt seit Februar in einem anderen Pflegeheim. „Aufklärend, lehrreich und verbrauchernah: Das ist Nachwuchsjournalismus, wie wir ihn brauchen“, lobt Jurymitglied Melanie Imenkamp, Redaktionsleiterin der Sendungen Markt, Servicezeit und Plusminus beim WDR.

Seit 2022 wählt eine unabhängige Jury preiswürdige Medienbeiträge zu Verbraucherthemen aus, um Qualitätsjournalismus sichtbar zu machen und Verbraucherrechte zu stärken. Pro Kategorie gibt es 2.000 Euro Preisgeld, gefördert aus Mitteln des Fördervereins der Verbraucherzentrale NRW („Wir Verbraucher in NRW“). Die nächste Ausschreibung ist für 2028 geplant.

Weiterführende Informationen

Mehr zur Bewerbung und zum Preis unter: https://www.verbraucherzentrale.nrw/journalistenpreis

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.