Menü

Weidemilch: Produkte mit verbindlichem Tierschutz erkennen

Stand:

Welche Kriterien müssen eingehalten werden, damit später "Weide…" auf den Verpackungen stehen darf? Klare und einheitliche Kriterien sind bei den Milchprodukten nicht immer zu finden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Begriff "Weidemilch" ist rechtlich nicht geschützt.
  • Bei Weidemilch aus dem Supermarkt wird mit unterschiedlichen Kriterien geworben.
  • Die Mindestvorgabe, an der sich viele Landwirte und Produzenten orientieren: Die Kühe stehen an mindestens 120 Tagen im Jahr für je sechs Stunden auf der Weide.
Kuh auf einer Weide
On

Bei "Weidemilch" denken viele an Milchkühe, die viel Zeit auf der Weide verbringen und Grünfutter fressen. Häufig zu finden sind dabei Bilder von grasenden Kühen auf der Verpackung. Welche Kriterien müssen eingehalten werden, damit später "Weide…" auf den Verpackungen stehen darf? Klare und einheitliche Kriterien sind bei den Milchprodukten nicht immer zu finden.

Was steht (nicht) auf den Milchverpackungen?

Im Supermarkt finden Verbraucher Weidemilch, jedoch mit ganz unterschiedlichen Kriterien. Manche Hersteller geben auf ihren Verpackungen die Dauer der Weidehaltung an, z.B. die Mindestanzahl an Weidetagen pro Jahr und die Weidedauer pro Tag. Unklar bleibt oft, wie die Haltungsbedingungen der Kühe im Winter aussehen. Üblicherweise und je nach Witterung werden die Milchkühe nicht nur im Winter im Stall gehalten.

Auf anderen Milchpackungen stehen nur vage Informationen. Ebenso bleibt oft unklar, woraus die zusätzliche Fütterung besteht, denn neben dem Gras von der Weide werden zusätzliche Futtermittel wie Kraftfutter oder Silage gegeben.

Wie lange müssen Kühe auf der Weide stehen?

Der Begriff "Weidemilch" ist lebensmittelrechtlich weder definiert noch geschützt. In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, wie lange Kühe auf der Weide sein sollen, um diese Bezeichnung tragen zu dürfen.

Aber die Bezeichnung "Weidemilch" ist nicht irreführend, wenn die Kühe an 120 Tagen im Jahr für mindestens 6 Stunden auf der Weide stehen. Dies entschied das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg am 07.02.2017.

Das heißt: Nach der "120/6"-Regelung müssen die Milchkühe an den restlichen 245 Tagen im Jahr nicht auf der Weide stehen. Die Milch wird aber das ganze Jahr über als Weidemilch verkauft.

PRO WEIDELAND Label

Das freiwillige PRO WEIDELAND Label wird seit 2017 durch die PRO WEIDELAND Weidecharta GmbH verwaltet und vergeben.
Der definierte Branchenstandard von 120 Tagen im Jahr mit mindestens 6 Stunden auf der Weide wird dabei um weitere Kriterien ergänzt. Landwirte, die Weidemilch mit dem PRO WEIDELAND Label produzieren, erhalten 5 Cent mehr pro Liter Milch.

Kriterien für die Erzeugung von Weidemilchprodukten

  • Pro Kuh ist eine Grünfläche von mindestens 2000 Quadratmetern (davon mindestens 1000 Quadratmeter Weidefläche) erforderlich.
  • Die Kühe müssen sich ganzjährig bewegen können.
  • Anbindehaltung im Stall wird geduldet, aber nur, wenn die Kühe 180 Tag im Jahr auf die Weide kommen und alle zwei Tage im Winterhalbjahr Auslauf haben.
  • Es wird nur gentechnikfreies Futter gegeben.
  • Die Einhaltung der Kriterien wird regelmäßig kontrolliert:
    • jährliche Dokumentenkontrolle (Betriebsbogen, Weidekalender und Parzellenplanung) der PRO WEIDELAND Betriebe durch die Molkerei
    • alle drei Jahre Prüfung der Betriebe durch eine externe, zertifizierte und unabhängige Kontrollstelle
  • Bei Verstößen gegen die Vorgaben von PRO WEIDELAND können Sanktionen folgen: Korrekturmaßnahmen bis zum Ausschluss aus dem Programm.

Einschätzung der Verbraucherzentralen

Die Kriterien des Labels werden transparent genannt und sind aus unserer Sicht verständlich und nachvollziehbar.

Positiv zu beurteilen ist die gentechnikfreie Fütterung. Um die Milchleistung zu unterstützen, werden die Milchkühe ergänzend mit Kraftfutter gefüttert. Dieses Zusatzfutter - zum Beispiel aus Soja - darf nur "ohne Gentechnik" hergestellt sein.

Unabhängige externe Kontrollen stellen sicher, dass die Standards eingehalten werden und Erzeuger, die gegen die Regeln verstoßen, ausgeschlossen werden. Derartige Kontrollen sind für die Glaubwürdigkeit des Labels unerlässlich.

Unsere Kritik: Die Abstände zwischen den externen Kontrollen sind mit drei Jahren zu groß.

Worauf können Sie achten?

  • Als "Weidemilch" ausgelobte Milch ist meist teurer, als Milch ohne "Weide"-Kennzeichnung. Bei vielen Weidemilch-Angeboten ist jedoch unklar, wie viel von diesem Milchpreis bei den Milchbauern ankommt.
  • Bei Weidemilch mit dem Label PRO WEIDELAND sind die Kriterien für Verbraucher verständlich dokumentiert. Der Landwirt erhält 5 Cent Zuschlag pro Liter Milch.
  • Weidemilch-Produkte mit dem Label FÜR MEHR TIERSCHUTZ des Deutschen Tierschutzbundes erfüllen höhere (Tierwohl-)Standards in Bezug auf die Haltung von Tieren.
  • Achten Sie beim Einkauf auf die Angaben auf der Verpackung und nutzen Sie weitere Informationen, wie die Homepage des Anbieters.
Milchverpackung