Wie digitaler Verbraucherschutz stark und schlagkräftig wird

Pressemitteilung vom 06. November 2026

Forschungsprojekt „BeDeNUTZ“ präsentiert Handlungsempfehlungen auf Abschlusskonferenz

Online-Shopping, digitale Bezahlsysteme, soziale Netzwerke und Künstliche Intelligenz verändern den Verbraucheralltag rasant. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen – von Datenmissbrauch und intransparenten Entscheidungen bis hin zu digitalen Betrugsmaschen. Wie Verbraucherberatung Menschen auch unter diesen Bedingungen unterstützen kann, hat das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Die Beratung der Nutzenden“, kurz „BeDeNUTZ“, drei Jahre lang untersucht. Die Universität Kassel, die Universität Siegen und die Verbraucherzentrale NRW haben das Projekt gemeinsam durchgeführt. Bei der gestrigen Abschlusskonferenz „Von der Hilfe zur Selbsthilfe zur Selbstbestimmung?“ im Theatermuseum in Düsseldorf hat das Projektteam die Ergebnisse und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen vorgestellt. Vertreter:innen aus Wissenschaft und Praxis haben diskutiert, wie sich die Verbraucherberatung für die digitale Zukunft weiterentwickeln lässt.

Ob ein „falscher Klick“ zum Vertragsabschluss führt, ein gehacktes Nutzerkonto Betrüger:innen Zugriff ermöglicht oder eine digitale Bezahl-App Probleme macht: Verbraucherorganisationen und ihre Beratungsstellen können Menschen dabei unterstützen, in schwierigen Situationen des digitalen Konsumalltags wieder handlungsfähig zu werden. Projektleiter Prof. Dr. Jörn Lamla von der Universität Kassel bringt es so auf den Punkt: „Eben das meint Hilfe zur Selbsthilfe: Allein können Verbraucher:innen das nicht schaffen, aber durch Beratung werden Ratsuchende in die Lage versetzt, ihre Krise zu meistern.“ Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Probleme zu lösen. Verbraucherorganisationen können darüber hinaus dabei helfen, Rechte Betroffener gegenüber Unternehmen durchzusetzen und sie gegenüber großen Onlineanbietern zu unterstützen. „Wenn man bedenkt, wie groß die Übermacht der Plattformen und Datenkonzerne gegenüber jedem Einzelnen ist, ist es wichtig, dass Nutzer:innen engagierte Bündnispartner haben“, erklärt Prof. Dr. Gunnar Stevens von der Universität Siegen. Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, unterstreicht: „Damit wir diese Rolle als Verbraucherorganisation im digitalen Wandel wirksam übernehmen können, brauchen unsere Jurist:innen und Berater:innen ein permanentes digitales Update.“

Policy Paper mit konkreten Handlungsempfehlungen

Die Ergebnisse der Projektarbeit hat das Team von „BeDeNUTZ“ in einem Policy Paper mit drei konkreten Handlungsempfehlungen zusammengefasst und veröffentlicht. Sie zeigen, wie Verbraucherberatung Menschen in einer zunehmend digitalen Welt stärken kann. Wissen muss zugänglich und aktuell sein, technische Möglichkeiten sollen verantwortungsvoll eingesetzt und die Zusammenarbeit zwischen Beratungsstellen und Fachinstitutionen soll ausgebaut werden. Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis haben die Empfehlungen kommentiert und ihre Bedeutung für die Verbraucherberatung diskutiert. Eine Keynote und eine abschließende Podiumsdiskussion rundeten das das Programm ab.

Hintergrund des Projekts

Das Projekt „BeDeNUTZ – Die Beratung der Nutzenden: Zur Stärkung der informationellen Selbstbestimmung durch Arbeitsbündnisse im digitalen Verbraucherschutz“ hat drei Jahre lang zu Verbraucher:innen- und Beratungspraktiken in der digitalen Welt geforscht. Es wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Plattform Privatheit gefördert. Projektpartner waren die Universität Kassel, die Universität Siegen und die Verbraucherzentrale NRW. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war als assoziierter Partner beteiligt.

Weiterführende Informationen:

  • Zum Forschungsprojekt „BeDeNUTZ“:
    https://www.uni-kassel.de/forschung/iteg/forschung/bedenutz.html
  • Die im Projekt entwickelten Handlungsempfehlungen sind im Policy Paper „Von der Hilfe zur Selbsthilfe zur Selbstbestimmung: Verbraucherberatung in der digitalen Welt zwischen Herausforderung und Innovation“ veröffentlicht: Bala, C.; Heilig, T.; Hindrichs, J.; Lamla, J.; Ochs, C.; Pfläging, M.; Stevens, G. (2026): Forschungsberichte der Plattform Privatheit, Nr. 13, hrsg. v. Friedewald et al. Karlsruhe: Fraunhofer ISI. Frei zugänglich unter: https://doi.org/10.24406/publica-10272

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