Podcast: Umgang mit Geld - Die 5 wichtigsten Regeln für deine Finanzen
In dieser Podcast-Episode erfahren Schüler:innen, Auszubildende und Studierende, worauf sie beim Umgang mit Geld achten sollten. Sie lernen wie sie Schulden vermeiden und sparsam mit ihrem Geld umgehen.
Weiterführender Link zur Folge:
Nutzen Sie als Ergänzung unsere Bildungsmaterialien:
- Interaktives Selbstlernangebot Taschengeld: Darf ich alles kaufen, was ich will?
- Baustein 4: Planung - Wie kann ein eigener Finanzplan entstehen? aus unserem Bildungsmaterial zum Thema Check dein Budget
- Budget-Challenge – Den Umgang mit Geld üben: Bildungsmaterial für Lehrkräfte
Die gesamte Folge zum Nachlesen
[Intro 0:03]
Die Verbraucherzentrale NRW präsentiert „V macht schlau“, der Wissens-Podcast für Schülerinnen und Schüler.
[Laura 0:12]
Hallo, schön, dass du dabei bist. Ich bin Laura und arbeite bei der Verbraucherzentrale NRW. Wir beraten Verbraucherinnen und Verbraucher zu allen möglichen Themen, wie zum Beispiel Ernährung, Umweltschutz und Verträge. In diesem Podcast machen wir dich fit für die Zukunft. Heute geht es um das Thema Finanzen. In dieser Folge sprechen wir über die fünf wichtigsten Regeln beim Umgang mit Geld.
[Anna 0:34]
Hi, ich bin Anna und ich bin im dritten Ausbildungsjahr als Veranstaltungskaufrau. Die Ausbildung macht mir Spaß, ja, und in meiner Freizeit gehe ich gerne mit meinen Freunden und Freundinnen mal was essen oder ins Kino oder, keine Ahnung, shoppen. Ja, ich wohne noch bei meinen Eltern und obwohl ich da kaum was für Miete oder Essen ausgeben muss, ist irgendwie am Ende des Monats oft echt wenig Geld über. Nach der Ausbildung hoffe ich natürlich, dass ich eine feste Stelle bekomme und dass ich dann auch ausziehen kann. Denn ich weiß nicht, mit meinen kleinen Geschwistern und meinen Eltern zusammenwohnen, das ist mittlerweile nicht mehr so meins, ehrlich gesagt. Ich habe mich letztens mit einer Freundin unterhalten und da ging es darum, dass wir beide irgendwie voll Angst vor dieser Verantwortung auch haben. Und das beschäftigt mich schon, muss ich sagen. Und deswegen glaube ich, jetzt ist langsam so die Zeit gekommen, wo ich mich mit meiner finanziellen Zukunft auseinandersetzen muss.
[Laura 1:40]
Regel Nummer 1 – Mach dir einen Plan.
[Anna 1:43]
Ja, das klingt gut, aber irgendwie klappt das noch nicht so richtig. Also, mir passiert es total oft, dass ich mir gar nicht mal unbedingt was Teures oder Besonderes gekauft habe, aber mein Konto ist halt trotzdem leer. Was kann ich da machen?
[Laura 1:58]
Das Wichtigste ist, einen Überblick über die eigenen Finanzen zu haben. Damit dir dein Geld nicht durch die Finger rinnt, lohnt es sich, die Einnahmen und Ausgaben aufzuschreiben. Nur dann kannst du sehen, für was du wie viel ausgibst. Das geht ganz traditionell mit einem Haushaltsbuch, aber es gibt auch Apps, die dich dabei unterstützen.
[Anna 2:19]
Das klingt ja erstmal ganz einfach, aber wo fange ich denn da am besten an?
[Laura 2:25]
Erst die Einnahmen alle zusammenstellen und dann die Ausgaben, die du regelmäßig hast, also jeden Monat, wie Miete oder Strom. Das brauchst du nur einmal zu erledigen. Ein bisschen mehr Aufwand ist es, die unregelmäßigen Ausgaben zu erfassen. Mit ein wenig Übung und Routine geht das ganz leicht. Du kannst Ausgabenlimits bzw. Budgets für bestimmte Kategorien wie zum Beispiel Essen gehen oder Kleidung festlegen und schauen, ob du damit klarkommst. Wichtig ist, dass es für dich funktioniert. Einigen hilft bei der Finanzübersicht eher das Bargeld, anderen eine App auf dem Smartphone.
[Anna 2:59]
Okay, also das habe ich verstanden, aber vom Aufschreiben alleine habe ich ja noch nichts gespart.
[Laura 3:06]
Stimmt, damit du wirklich etwas davon hast, gilt deshalb regelmäßig überprüfen. Am besten am Ende des Monats. Hat dein Geld gereicht? Die Bilanz ist positiv? Prima, dann kannst du sogar etwas zur Seite legen. Ist der Monatsabschluss negativ, überleg dir, an welcher Stelle du zukünftig weniger ausgeben kannst. Wirf einen genauen Blick darauf. Wofür gibst du besonders viel aus? Worauf kannst und möchtest du nicht verzichten und wo tut ein wenig Sparen nicht so weh? Du entscheidest, wofür du dein Geld ausgibst.
[Laura 3:41]
Regel Nummer 2 – existenzielle Risiken müssen zuerst abgesichert werden.
[Anna 3:47]
Was soll das denn heißen? Ist Risiko nicht gleich Risiko?
[Laura 3:51]
Nicht jeder Schaden ist gleich dramatisch. Wenn ich ein lang erwartetes Konzert nicht besuchen kann und auf den Kosten sitzen bleibe, ist das zwar ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend. Existenzielle Risiken sind solche, die deine ganze Zukunft gefährden. Wenn du zum Beispiel wegen einer schweren Krankheit nicht mehr arbeiten kannst, verdienst du kein Geld mehr und hast ein ernstes Problem. Oder stell dir mal vor, du läufst bei Rot über die Ampel, weil du auf dein Smartphone schaust, ein Auto versucht dir auszuweichen und baut einen Unfall. Der Fahrer kann monatelang nicht arbeiten. Dann bist du verpflichtet, dafür die Kosten zu übernehmen. Solche Schadensersatzansprüche können dich finanziell ruinieren.
[Anna 4:31]
Oh Gott, das klingt ja furchtbar. Aber was kann ich denn dagegen tun?
[Laura 4:35]
Du solltest dich gegen die größten Risiken versichern. Die wichtigste Versicherung überhaupt ist die private Haftpflichtversicherung. Die rettet dich bei Schadensersatzansprüchen. Natürlich nur, wenn du nicht mutwillig etwas zerstörst oder so. Solange man noch im Studium bzw. Ausbildung ist, sollte man prüfen, ob die eigenen Eltern eine Haftpflichtversicherung haben, bei der man weiterhin für die Dauer der Ausbildung bzw. des Studiums mitversichert ist. Geht das nicht, braucht man einen eigenen Vertrag.
[Anna 5:04]
Verstehe. Also angenommen, ich habe einen Unfall verursacht und ich habe eine Haftpflichtversicherung. Dann zahlt die die Krankenhaus- und die Folgekosten für den Autofahrer, dessen Unfall ich verschuldet habe. Das wäre wahrscheinlich sonst echt teuer geworden. Aber was ist denn, wenn ich selber einen Unfall habe und zum Beispiel nicht mehr arbeiten kann?
[Laura 5:26]
Sobald du Geld verdienst, ist es sinnvoll, eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit abzuschließen. Damit sicherst du dein Einkommen, wenn du nicht mehr arbeiten kannst. Die BU ist zwar ziemlich teuer, aber je früher man sie abschließt, desto günstiger und vorteilhafter ist sie zu bekommen. Und grundsätzlich gilt: Erst absichern, dann sparen. Wenn du also nur wenig Geld zur Seite legen kannst, ist es wichtiger, diese Risiken abzusichern, als zum Beispiel einen Sparvertrag zu bedienen. Aber jeder braucht einen Notgroschen.
[Laura 6:00]
Regel Nummer 3 – jeder braucht ein Notgroschen.
[Anna 6:06]
Notgroschen? Das sagt meine Oma auch immer. Soll ich mir jetzt einen Sparstrumpf kaufen?
[Laura 6:12]
Wo du das Geld hinlegst, ist eigentlich egal. Hauptsache, du kommst an deinen Notgroschen schnell ran. Manche Regeln gelten schon sehr lange, sind aber immer noch aktuell. Man kann auch Liquiditätsreserve sagen. Ist das besser?
[Anna 6:24]
Nee, dann schon lieber Notgroschen. Und warum ist der jetzt so wichtig, dass ihn jeder braucht?
[Laura 6:31]
Jeder sollte ein bisschen Geld zurücklegen, denn nicht jede Ausgabe ist planbar. Zum Beispiel geht dein Auto kaputt und du brauchst aber schnell Ersatz, weil du sonst nicht zur Arbeit kommst. Oder die Stromnachzahlung fällt höher aus als erwartet. Manchmal passieren auch völlig unvorhersehbare Dinge. Dann ist es gut, wenn man etwas Geld hat, das man schnell einsetzen kann. Als Faustregel gilt, zwei bis drei Monatseinkommen sollten als Rücklagen vorhanden sein. Klingt viel, aber du musst nicht alles auf einmal zur Seite legen.
[Anna 7:02]
Okay, und wie mache ich das am besten?
[Laura 7:05]
Dabei kann dir wieder dein Plan vom Anfang helfen. Wenn du am Monatsende eine positive Bilanz hast, leg das nicht gebrauchte Geld zur Seite. Du kannst auch gezielt jeden Monat eine bestimmte Summe für Rücklagen einplanen.
[Anna 7:18]
Ach, ich kenne mich doch, da gehe ich am Ende des Monats sowieso wieder dran.
[Laura 7:23]
Am besten packt man dieses Geld auf ein Tagesgeldkonto. Dann ist es schnell verfügbar, aber es besteht nicht die Gefahr, dass es für alltägliche Dinge ausgegeben wird. Wenn diese Rücklagen angespart sind, kannst du dir weitere Ziele ins Auge fassen. Ob es um den nächsten Urlaub geht, wie bei dir um die erste eigene Wohnung, das erste eigene Auto, den Wunsch nach einer späteren Familiengründung oder den Erwerb der selbst genutzten Immobilie - ohne selbst erspartes Kapital wird die Erfüllung schwierig oder gar unmöglich.
[Laura 7:56]
Regel Nummer 4 – gib kein Geld aus, das du auch nicht hast.
[Anna 8:01]
Wie soll das denn gehen? Geld ausgeben, das ich nicht habe? Oder meinst du Kredite? Denn da habe ich tatsächlich auch schon drüber nachgedacht. Also, falls mein Erspartes nicht reicht, wenn ich nächstes Jahr ausziehen will.
[Laura 8:13]
Ja, genau. Du hast bestimmt auch schon mal Werbung von Banken gesehen wie „Heute kaufen, in zwei Monaten bezahlen“ oder der „Wie für dich gemacht“-Kredit.
[Anna 8:23]
Ja, kenne ich. Aber klingt doch super. Ich meine, mein Traumsofa kostet einiges. Sind Kredite denn schlecht? Ich meine, das macht doch irgendwie jeder, oder?
[Laura 8:33]
Es kommt darauf an. Kredite können bei der Erfüllung von Zielen helfen. Sie kosten allerdings Zinsen und weil du Raten zahlen musst, hast du zukünftig weniger Geld zur Verfügung. Daher sollte man Kredite besser nur in Erwägung ziehen, wenn es um langfristige Investitionen geht. Nicht aber für Konsumzwecke wie den nächsten Urlaub.
[Anna 8:53]
Moment. Investitionen? Ich dachte immer, investieren ist nur was für Leute, die schon Geld haben.
[Laura 8:59]
Investieren heißt erstmal nur, das Geld für einen bestimmten Zweck ausgeben. Und diesen Zweck sollte ich mir genau anschauen, wenn ich mir Geld leihen möchte. Wenn man zum Beispiel ein Haus kaufen möchte, kann man das normalerweise nicht vom Ersparten leisten. Oder die BAföG-Zahlung, die man ja auch zur Hälfte als Darlehen bekommt. Dazu könnte man gute Schulden sagen. Das sind Investitionen in die Zukunft. Und wenn man sich die Raten leisten kann und die Rückzahlung in der geplanten Zeit klappt, ist nichts dagegen einzuwenden. Sollte etwas schiefgehen, stellt das Haus ja einen Gegenwert dar. Und die Investition in die Bildung beschert dir hoffentlich einen gut bezahlten Job.
[Anna 9:36]
Okay. Ich vermute mal, dann gibt es auch sowas wie schlechte Schulden?
[Laura 9:41]
Genau. Schlechte Schulden sind solche Schulden, die man macht, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren oder für Konsum. Wenn das Einkommen nicht ausreicht, die Urlaubsreise über einen Kredit finanziert wird. Am Ende muss neben den ganzen monatlichen Ausgaben auch noch die Rate für den Kredit bezahlt werden. Das kann nicht funktionieren. Auch wenn es ein zinsgünstiger Kredit wäre, müssen neben dem geborgenen Geld auch die Zinsen zurückbezahlt werden. Es ist also nie eine Lösung, wenn das Geld knapp wird, einen Kredit aufzunehmen. Das gilt ganz besonders auch für den Dispo-Kredit. Der ist sogar besonders teuer. Und wenn es doch mal ein Kredit sein muss, denk dran, erst werden die Schulden abbezahlt, dann kannst du wieder übers Sparen und Geld anlegen nachdenken.
[Laura 10:27]
Regel Nummer 5 – werde dir über deine Ziele klar.
[Anna 10:30]
Also erstmal muss ich meine Ausbildung fertig machen. Aber dann kann es losgehen. Wohnung, Urlaub. Auf jeden Fall will ich genug Geld haben. Wie komme ich eigentlich schnell an Vermögen?
[Laura 10:44]
Bevor du dein Geld anlegst, solltest du dir über deine Ziele klar werden. Was willst du erreichen? Eigenheim, Studium, Familiengründung? Willst du Sicherheit oder Rendite? Je mehr Risiko, desto höher können die Erträge ausfallen. Risiko ist also nicht etwas, was per se schlecht ist. Und Sicherheit hat ihren Preis. Die Erträge sind dann einfach geringer. Derzeit kann man mit dem Tagesgeldkonto oder dem Sparkonto gerade noch einen Inflationsausgleich schaffen, also die Kaufkraft des Geldes erhalten. Entscheidend ist es daher, das Risiko so zu dosieren, dass man sich damit wohl fühlt. Es darf keine bösen Überraschungen geben, wenn die Aktienmärkte mal wieder Kapriolen schlagen. Die Höhe möglicher Verluste sollte dir klar sein und du solltest damit umgehen können. Wenn du das entschieden hast, ist schon viel gewonnen. Je nachdem suchst du dir dann das passende Produkt.
[Anna 11:37]
Dafür gibt es ja zum Glück Experten. Da lasse ich mich lieber beraten.
[Laura 11:41]
Aber Vorsicht! Blindes Vertrauen in sogenannte Finanzexperten kann teuer werden. Manche Empfehlung sichert dem Anbieter eine gute Provision, ist für dich aber nicht optimal. Je mehr du für den Finanzexperten und das Produkt zahlst, desto weniger kommt natürlich für dich raus. Schau also genau hin. Die Kosten sind sicher, die müssen immer bezahlt werden, während Zinserträge und positive Kursentwicklungen oft ungewiss sind. Gute Informationen findest du bei unabhängigen Stellen wie zum Beispiel Stiftung Warentest oder auch bei uns.
[Anna 12:12]
Okay, das klingt anstrengend. Aber ich sehe schon, damit muss ich mich wohl beschäftigen. Aber wenn ich mich dann für eine Geldanlage entschieden habe, dann brauche ich doch eigentlich nur noch einen Dauerauftrag einrichten und kann mich zurücklehnen, oder?
[Laura 12:27]
Auf jeden Fall bist du dann ein ganzes Stück weiter. Ständiges Wechseln ist nicht sinnvoll. Aber Ziele ändern sich schon mal, das Leben ändert sich. Kontrolliere regelmäßig, ob die Richtung noch für dich passt. Und wenn nicht, ändere es. Such dir Hilfe, wenn es nötig ist. Hauptsache, du fängst früh an und kümmerst dich um dein Geld. Und eins noch: Finger weg von undurchsichtigen Anlagen. Schließ keine Verträge, die du nicht verstehst. Frag nach und lass dir erklären, was du nicht verstehst. Welche Kosten habe ich zu erwarten? Wie hoch ist das Risiko? Gibt es vergleichbare Angebote? Meide Produkte, bei denen du dein Geld komplett verlieren kannst. Geh keine unnötigen Risiken ein und vergleiche Angebote. Das gilt übrigens genauso für alle anderen Verträge: Lesen, abwägen, ob alles klar ist und erst dann unterschreiben.
[Laura 13:20]
Der Umgang mit Geld ist kein Hexenwerk. Aber man muss sich darum kümmern, um den Überblick nicht zu verlieren. Wenn ihr euch mit unseren 5 Finanzregeln beschäftigt, seid ihr gut gerüstet und könnt mit eurem finanziellen Spielraum das Beste herausholen. Also denkt dran: Macht dir einen Plan, existenzielle Risiken müssen zuerst abgesichert werden, jeder braucht einen Notbroschen, gib kein Geld aus, das du nicht hast und werde dir über deine Ziele klar. Infos findet ihr unter www.verbraucherzentrale.nrw/v-macht-schlau. Ich freue mich, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder dabei seid. Tschüss! (14:01)
[Anna 14:02]
Tschüss und danke!