Granatapfel – die gesunde Superfrucht?
Granatapfel wird mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und antioxidativen Wirkstoffen beworben. Was ist da dran?

Das Wichtigste in Kürze:
- Granatapfel wird als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Saft oder Saftkonzentrat angeboten.
- Zugelassene Werbeaussagen für Granatapfel-Produkte oder eindeutige wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit existieren nicht.
- Granatapfelsamenöl gilt als neuartige Zutat und ist ohne Zulassung nicht erlaubt.
- Zwischen den Inhaltsstoffen des Granatapfels und vielen Medikamenten kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen.
Was steckt hinter der Werbung zu Granatapfel?
Granatapfel als Nahrungsergänzungsmittel ist in Form von Kapseln sowie als Granatapfelsaft und Saftkonzentrat erhältlich. Den Produkten werden wundersame Wirkungen nachgesagt. So sollen sie Herz-Kreislauf-Beschwerden lindern, den Blutdruck senken und antientzündlich wirken. Beworben wird der Granatapfel auch im Zusammenhang mit Kinderwunsch zur Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut.
Eindeutige wissenschaftliche Belege, die für Empfehlungen ausreichen, gibt es dafür bislang aber nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2010 verschiedene gesundheitsbezogene Angaben zu Granatapfel und Granatapfelsaft überprüft. Für die dabei bewerteten gesundheitsbezogenen Angaben konnte kein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis erbracht werden. Auch Jahre später lassen sich viele der versprochenen gesundheitlichen Wirkungen nicht belegen.
Auf was sollte ich bei dem Verzehr von Granatapfel-Produkten achten?
- Nahrungsergänzungsmitteln können unterschiedliche Granatapfel-Zubereitungen enthalten. Der Verzehr von Granatapfel als Frucht und Saft gilt allgemein als sicher.
- Ob die gute Verträglichkeit auch für die langfristige Einnahme von hochkonzentriertem Granatapfelextrakte und isolierte Inhaltsstoffe gilt, ist bislang nicht ausreichend untersucht.
- Einzelne Fallberichte zeigen, dass es zwischen Granatapfelsaft und bestimmten Medikamenten zu ähnlichen Wechselwirkungen kommen kann. Beschrieben wurden unter anderem Fälle bei gleichzeitiger Einnahme von Sildenafil (Viagra®) und Warfarin . Nehmen Sie gleichzeitig Granatapfelsaft oder granatapfelhaltige Nahrungsergänzungsmittel mit Medikamenten ein, sollten Sie daher sicherheitshalber ärztlichen Rat suchen.
- Granatapfelsäfte und -konzentrate werden auch über das Internet vertrieben. Die BfR-Kommission für Wein- und Fruchtsaftanalyse berichtete über Verfälschungen von Granatapfelsäften. Dabei wurden Fremdfrüchte wie Trauben, Kirschen und Äpfel sowie künstlicher Farbstoff, Zucker und Säuren eingesetzt. Auch rückverdünntes Konzentrat wurde teilweise als Direktsaft angeboten. Achten Sie deshalb auf die Angaben in der Zutatenliste.
- Granatapfel enthält von Natur aus Zucker. Menschen, die an Diabetes leiden, sollten deshalb auf die Verzehrmenge achten.
Was sind Granatapfel-Nahrungsergänzungsmittel?
Der Granatapfel stammt aus West- bis Mittelasien und wächst im tropischen bis subtropischen Regionen. Heute wird er auch im Mittelmeerraum, vor allem in der Türkei, angebaut. Von der apfelähnlichen, rötlichen Scheinfrucht werden nur die tiefroten fleischig ummantelten Kerne (Samen) gegessen. Je nach Sorte haben diese ein süßliches oder säuerliches Aroma. Die Schale und das helle Fruchtfleisch sind bitter und werden üblicherweise nicht mitgegessen. Geerntet werden Granatäpfel zwischen Oktober und Januar. Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach.
Granatapfelkernöl gilt dagegen nach EU-Novel-Food-Katalog als neuartige Zutat und ist ohne eine Zulassung weder in Nahrungsergänzungsmitteln noch in sonstigen Lebensmitteln erlaubt.
Welche Inhaltsstoffe sind in Granatapfel enthalten?
Zu den Inhaltsstoffen des Granatapfels gehören neben den Mineralstoffen Kalium, Calcium, Eisen und Phosphor auch die Vitamine C und B sowie Folsäure. Verglichen mit der Menge in Orangen (etwa 70 Milligramm) bietet der Granatapfel pro 100 Gramm mit etwa 7 Milligramm deutlich weniger Vitamin C. Zu erwähnen ist noch der Gehalt an sogenannten Polyphenolen. Polyphenole gehören zu den sekundären Pflanzenfarbstoffen. Sie kommen unter anderem in intensiv farbigen Früchte wie Blaubeeren oder Granatapfel vor. Einige von ihnen haben antioxidative Eigenschaften. Weitere im Granatapfel enthaltene Bestandteile sind die Ellagsäure sowie Punicalagin/Punicalagene.
Neue Forschungen konzentrieren sich auf Urolithin A. Dabei handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, das Darmbakterien aus Ellagitanninen und Ellagsäure bildet. Wie viel gebildet wird, ist abhängig vom jeweiligen Darm-Mikrobiom. Urolithin A selbst darf in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU derzeit nicht verwendet werden, da es als neuartige Lebensmittelzutat gilt. Eine Zulassung ist bisher lediglich beantragt.
Können Granatapfel-Produkte mit Schadstoffen belastet sein?
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat in einem Artikel aus 2025 Rückständen und Kontaminanten in Granatäpfeln aus konventioneller Erzeugung analysiert. In den Jahren 2022 bis 2024 wurden insgesamt 117 Proben untersucht. Mehrfachrückstände konnten dabei bei 85 Prozent der Proben gefunden werden. Bei 25 Prozent der Proben wurden die zulässigen Grenzwerte überschritten. Wichtig ist jedoch, dass die Untersuchungen mit der Schale der Granatäpfel durchgeführt wurden. Diese wird üblicherweise jedoch nicht mitverzehrt. Im Fruchtfleisch ist deshalb von deutlich niedrigeren Rückständen auszugehen.
Unser Tipp:
Anstelle des vergleichsweise teuren Granatapfels können heimische Früchte wie Himbeere oder Erdbeere, die ebenfalls sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, bevorzugt werden. Besondere Vorteile gegenüber heimischem Obst bietet der Granatapfel nicht.
Quellen:
Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (2025): Granatapfel im Fokus – Update 2022 bis 2024. Stand: 10.10.2025, abgerufen am 28.10.26
European Food Safety Authority (2010): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to pomegranate/pomegranate juice and maintenance of normal blood cholesterol concentrations (ID 1162, 1320, 2107, 2167), maintenance of normal erectile function (ID 1163), protection of lipids from oxidative damage (ID 1201, 1319, 2123), “antioxidant and anti‐aging properties” (ID 1901), increase in appetite after unintentional weight loss leading to an increase in energy intake (ID 2122) and maintenance of normal blood glucose concentrations (ID 4471) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006, abgerufen am 28.10.26
Bundesinstitut für Risikobewertung. 4. Sitzung der BfR-Kommission für Wein- und Fruchtsaftanalysen (WUFAK), abgerufen am 28.10.26
United States Department of Agriculture - Agricultural Research Service: FoodData Central, abgerufen am 04.10.2023
Heseker H.; Heseker B.: Die Nährwerttabelle, 5. aktualisierte Auflage, Neustadt an der Weinstraße Neuer Umschau Buchverlag 2018/2019
Smollich M.; Podlogar J.: Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2020
EU-Register of nutrition an health claims, Filter: Pomegranate, abgerufen am 28.10.26
EU-Novel-Food-Katalog, Filter: Pomegranate (Punica granatum L.) seed oil, abgerufen am 28.10.26
Open EFSA: Request for a scientific opinion on Urolithin A as a novel food (NF 2018/0538). Stand: 20.09.2023
Dieser Inhalt ist im Rahmen des Online-Angebots www.klartext-nahrungsergänzung.de entstanden.










