Trotz Rückruf: Belastete Babynahrung gelangte bei Kaufland erneut in den Verkauf

Pressemitteilung vom 16. Oktober 2026

Skandal um verunreinigte Babynahrung: Verbraucherzentralen pochen auf mehr Sorgfalt

In Kaufland-Filialen sind zurückgerufene Säuglingsnahrungen der Marken Aptamil, Milumil und Beba trotz bestehender Gesundheitswarnungen verkauft worden. Die Verbraucherzentralen kritisieren dieses Versagen der Kontrollmechanismen und raten Eltern dringend ihre Vorräte zu überprüfen und betroffene Produkte keinesfalls weiter zu verwenden.

Mehrere Säuglingsnahrungen der Hersteller Nestlé und Danone waren seit Anfang Januar von Rückrufen betroffen, da sie möglicherweise mit dem Giftstoff Cereulid verunreinigt sind. Cereulid kann starkes Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen auslösen und stellt insbesondere für Babys unter sechs Monaten ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Aktuell warnt Kaufland, dass bereits zurückgerufene Chargen von Aptamil, Milumil und Beba in einer unbekannten Anzahl an Filialen zum Verkauf angeboten wurden. Aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW handelt das Unternehmen nicht sorgfältig genug: „Wir haben hier in NRW in den von uns diese Woche besuchten Filialen nicht einmal Warnhinweise an den Regalen gefunden, lediglich Informationen am Infoschalter. Auch in der Kaufland-App gibt es beim Öffnen keinen Hinweis auf das ausschließlich Kaufland betreffende Problem. Das ist unserer Auffassung nach kein guter Verbraucherschutz“, kritisiert Angela Clausen, Teamleiterin und Expertin für Nahrungsmittelrecht bei der Verbraucherzentrale NRW. „Es geht hier um die empfindlichste Verbrauchergruppe überhaupt.“

Erste Rückrufe im Februar

Am 12. Oktober 2026 wurden über das Portal lebensmittelwarnung.de erneut Rückrufe veröffentlicht:  Chargen von Aptamil und Milumil bei Kaufland. Am 13. Oktober wurde der Rückruf auch auf Beba-Produkte erweitert. Hierbei handelt es sich um dieselben Chargen, die bereits im Februar zurückgerufen und hätten vernichtet werden müssen. „Aus unserer Sicht ist das ein fundamentales Versagen der firmeneigenen Kontrollmechanismen und muss transparent aufgeklärt werden.“ Mittlerweile wurden laut Aussage des Händlers sämtliche betroffene Produkte aus den Regalen entfernt.

Was sollten Eltern tun, die ein betroffenes Produkt gekauft haben?

Eltern können die Chargennummer prüfen und sich bei Fragen an den Händler oder Hersteller wenden. Kaufland teilt mit, dass die betroffenen Produkte in jeder Filiale zurückgegeben werden können. Der Kaufpreis wird auch ohne Vorlage eines Kassenbons zurückerstattet. Zeigt das Kind nach dem Verzehr Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, sollten Eltern eine Arztpraxis aufsuchen und auf den Rückruf verweisen. „Wer noch bei Kaufland erworbene Säuglingsnahrung von Aptamil, Milumil oder Beba zuhause vorrätig hat, sollte unbedingt prüfen, ob es sich um die zurückgerufene Ware handelt und sie auf keinen Fall weiterverwenden“, betont Clausen.

Was ist Cereulid und wie gelangt es in Babynahrung? 

Cereulid ist ein Giftstoff, der vom Mikroorganismus Bacillus cereus gebildet wird. Dieses weltweit verbreitete Bodenbakterium kann über Rohstoffe oder Staub in Lebensmittel gelangen. Schon geringe Mengen des Toxins können Beschwerden auslösen. Sie treten häufig 30 Minuten bis sechs Stunden nach dem Verzehr auf, vor allem Übelkeit und starkes Erbrechen, Durchfall und/oder Bauchschmerzen. Meist klingen die Symptome innerhalb eines Tages ab.  Babys sind in den ersten sechs Monaten durch den Flüssigkeitsverlust besonders gefährdet. Eltern sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und bei anhaltenden Beschwerden oder einem schlechten Allgemeinzustand des Kindes umgehend eine Kinderarzt-Praxis aufsuchen.

Wichtig: Bleibt angerührte Säuglingsnahrung längere Zeit bei Raumtemperatur oder warm stehen, können sich die Bakterien stark vermehren und Cereulid bilden. Das Toxin ist hitzestabil und wird durch erneutes Erwärmen nicht zerstört. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, Säuglingsmilch immer frisch zuzubereiten, nicht aufzubewahren und nicht wieder aufzuwärmen.

Hintergrund

Die Unternehmen Nestlé und Danone haben seit Januar 2026 in vielen Ländern Säuglingsnahrung zurückgerufen. In Deutschland waren vor allem die Marken Beba, Alfamino (beides Nestlé), Aptamil und Milupa Milumil (beides Danone) von der Verunreinigung mit dem Toxin Cereulid betroffen. Die genauen Chargen- und Mindesthaltbarkeitsdaten veröffentlichen die Unternehmen fortlaufend auf ihren Webseiten sowie über offizielle Warnportale, wo Verbraucher:innen die aktuellen Informationen regelmäßig prüfen können.

Weiterführende Informationen

Mehr zu den Rückrufen unter www.verbraucherzentrale.nrw/node/117125

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.