Helge Pfingst | Erd-Wärmepumpe mit Deckenheizung
Helge Pfingst berät nicht nur Eigenheimbesitzer:innen bei ihrer persönlichen Energiewende, sondern setzt mit seiner Expertise auch sein Sanierungsprojekt um. In der Veranstaltungs-Reihe "Praxis-Talk: So haben wir es gemacht!“ gibt er einen persönlichen Einblick in seine energetische Sanierung.

Ich bin Helge Pfingst, Energieberater in Lüdenscheid, Plettenberg und Neuenrade. Auf das Haus bin ich durch Zufall im Internet gestoßen. Es hat mich direkt angesprochen, da es mehr Charme als ein Neubau hat und man hier auch einiges umsetzen konnte.
![]() | "Das Alter des Hauses ist nicht entscheidend. Wärmedämmung ist wichtig, aber entscheidend ist eine passende Heizfläche." Helge Pfingst, Energieberater Lüdenscheid |
Ausgangszustand des Hauses
Aus energetischer Sicht ist es natürlich immer sinnvoll, ein bestehendes Haus zu kaufen, damit man nicht so viel graue Energie hat, die man bei einem Neubau ja erst noch investieren muss. Hier hat man den Vorteil, dass man hohe Räume hat, was den Wohnkomfort steigert und das Raumklima verbessert. Der energetische Zustand des Hauses war ziemlich schlecht, nahezu am Ende der Energieausweis-Skala, also fast ein "worst performing building".
Ausgangszustand:
Baujahr: 1900 | Gebäudehülle: Ungedämmt | Fenster: Undicht | Heiztechnik: Ölheizung, nicht mehr richtig regelbar und fehleranfällig


Die Herausforderung war es, die Wirkung der Erdwärmepumpe durch eine Innendämmung zu verbessern und die Wärmeverteilung mit einer Deckenheizung im Haus zu optimieren.
Geplanter Umsetzungszeitraum: Geplant war eine Umsetzung innerhalb von 6 Monaten, insgesamt erstreckte sich die Sanierung über 2 Jahre.
Erd-/Grundwasser-Wärmepumpe

- Gemeinsamkeiten: Bohren, geologische Eignung, Genehmigungsaufwand und eine hohe Jahresarbeitszahl (JAZ) als Vorteil.
- Bohrung: Zugänglichkeit für Bohrfahrzeug muss gegeben sein. Nur bei kleinen und eher gut gedämmten Gebäuden kommt man bei geeigneter Geologie mit einer einzigen Bohrung aus. Abstand von Bohrung zu Bohrung (bei Erdsonden): 6 Meter. Folglich mindestens 5 Meter Abstand zum Nachbargrundstück.
- Genehmigung: Die Genehmigung für den Betrieb einer Erd- oder Grundwasserwärmepumpe ist befristet und muss nach Ablauf verlängert werden. Informationen über die Genehmigungsverfahren können über die unteren Umweltämter oder unteren Wasserbehörden in Erfahrung gebracht werden.
Kühlen mit Wärmepumpe
Gilt für Wärmepumpen, die in der Heizperiode als Warmwasserheizung genutzt werden, also mit einem Heizkreis verbunden sind. Im Sommer werden die Heizflächen zu Kühlflachen.
Aktive vs. passive Kühlung
Aktiv: Wärmepumpenprozess wird umgedreht
| Passiv: Wärmepumpenprozess ist ausgeschaltet
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Die Kälte wird durch die Leitungen geschickt. Das funktioniert bei der Wärmepumpe so, dass es quasi eine Umleitung gibt. Der Kompressor wird in diesem Fall nicht gebraucht, anders als beim aktiven Kühlen, wenn der Kompressor den Prozess der Wärmepumpe umdreht und aktiv Kälte produziert. Beim passiven Kühlen wird also weniger Strom verbraucht, da der Kompressor nicht zum Einsatz kommt. Hier reichen Umwälzpumpen, um den gesamten Kreislauf am Laufen zu halten. Die warme Luft steigt in den Räumen nach oben und wird dort dann von der Decke aufgenommen. Die Wärme wird also aktiv aus den Räumen gezogen. Die Flüssigkeit in der Deckenheizung läuft dann über die Rohre in den Keller, wo die Wärme dann über den Wärmetauscher ins Erdreich abgegeben wird.
Kühle Oberflächen von Böden, Decken und Wänden:Kleine Temperaturunterschiede führen im Sommer zu Kondenswasser auf den Kühlflächen
- Rutschgefahr
- Gefahr der Bauteildurchfeuchtung und Schimmelbildung
Maßnahmen:
- Wärmepumpe zum Kühlen mit einer Taupunktregelung/-überwachung verwenden

Grafik: Verbraucherzentrale NRW
Die Steigung der Taupunktlinie wird im Sommer flacher. Daraus ergibt sich, dass bei hohen Temperaturen im Sommer selbst bei geringen Temperaturunterschieden zwischen der Kühlfläche und der zu kühlenden Raumluft Tauwasser ausfallen kann.
Fazit
Eine Sanierung bringt immer viele unerwartete Überraschungen mit sich. Das können Probleme mit Handwerkern, Krankheit oder Preisexplosionen von Materialien wie Holz oder anderen Komponenten, die für eine Sanierung benötigt werden, sein. Auch wenn man an vielen Stellen über die Höhe von einzelnen Investitionen schlucken muss, lohnen sie sich meistens und zahlen sich mit einem höheren Wohnkomfort und Behaglichkeit aus.
- Das Alter des Hauses ist nicht entscheidend.
- Die Decke kann auch eine gute Heizfläche sein. Je mehr Heiz- und Kühlfläche, desto besser.
- Wärmedämmung ist wichtig, aber entscheidend ist eine passende Heizfläche.
- Bei einem passenden Grundstück ist Erdwärme eine effiziente Alternative, die auch bei fachgerechter Ausführung lange läuft.






