Raucherwohnung übernehmen: Wie können Rückstände entfernt werden?

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Ich interessiere mich für eine Eigentumswohnung, deren Vorbesitzer über viele Jahre in der Wohnung stark geraucht hat. Die Wände sind nicht tapeziert, sondern bestehen aus dem puren Putz. Es gibt entsprechende Absperrfarbe, von der man allerdings im Internet liest, dass sie negativen Einfluss auf das Raumklima hat (Gefahr der Schimmelbildung). Bodenbeläge und Inventar sollen komplett entsorgt werden. Außerdem wurde mir heute von einem Malermeister geraten, sämtliche Holztüren auszuwechseln, da sich Nikotin darin dauerhaft halte. Trotz dieser umfangreichen Maßnahmen bleibt bei mir die Sorge, dass die Wohnung gesundheitliche Schäden auslösen oder nach Tabakrauch riechen könnte.

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Während die gesundheitlichen Auswirkungen des Passivrauchens gut untersucht sind, gibt es nur wenige Studien zur gesundheitlichen Wirkung von Tabakrauch-Rückständen. Als krebserzeugend gelten die in den Rückständen enthaltenen PAK (polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe) und tabakspezifische Nitrosamine. 

Wie können Tabakrauchrückstände entfernt werden?

  • Fliesen und Glas lassen sich gut von den Belägen, die durch das Rauchen entstanden sind, reinigen.
  • Die Holzfenster und -türen können abgeschliffen werden.
  • Offenporige Materialien wie Putz sind schwieriger oder gar nicht zu reinigen, weil der Rauch dort einziehen kann. Die teuerste Variante ist, den Putz zu entfernen und neu zu verputzen. Wenn der Putz vor 1993 aufgebracht wurde, ist vor Beginn der Arbeiten noch eine Untersuchung auf eventuell vorhandenen Asbest erforderlich.
  • Alternativ kann man versuchen die Ablagerungen an Wänden und Decken abzudichten. Im Handel werden dazu wasserbasierte Sperrgrundierungen und wasserbasierte „Nikotinsperrfarben“ angeboten. Wer unter einer Allergie gegen Konservierungsmittel aus der Gruppe der Isothiazolinone leidet, sollte sich das Etikett und den Abschnitt 2 des entsprechenden Sicherheitsdatenblattes ansehen und dort keinen Hinweis „EUH 208 enthält …isothiazolinon“ finden. Diese Stoffe können allergische Hautreaktionen hervorrufen. Farben oder Grundierungen auf der Basis von Lösemitteln sind in der Regel nicht damit konserviert und haben den Vorteil, die Ablagerungen nicht anzulösen. Sie belasten aber ihrerseits die Raumluft mit gesundheitsschädlichen Lösemitteln. Untersuchungen, in welchem Maße eine solche Behandlung das Vermögen der Wand, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben (als o für ein angenehmes Raumklima zu sorgen und Schimmelbildung vorzubeugen), beeinflusst, liegen der Verbraucherzentrale nicht vor. Je nach Zusammensetzung des Produktes ist es möglich, dass ein Feuchteaustausch an den behandelten Oberflächen nicht mehr möglich ist.

Generell sollte man vor dem Kauf einer Immobilie eine Begehung mit einem Sachverständigen für Gebäudeschadstoffe durchführen. Diese werden für weniger als 1000 € angeboten und fallen in Relation zum Kaufpreis oft kaum noch ins Gewicht – können aber vor bösen Überraschungen schützen und wichtige Hinweise zur Renovierung der Wohnung liefern. Entsprechende Sachverständige in Ihrer Region finden Sie hier unter dem Stichwort "Schadstoffe".

Quellen:

Dieser Beitrag ist Teil des kostenlosen Angebots "Schadstoffberatung - Sie fragen, wir antworten". Haben Sie auch eine Frage zu Schadstoffen in Haushalt, Kleidung oder einem bestimmten Produkt? Schreiben Sie uns!