Fitnessmatte: Müssen Hersteller die Inhaltsstoffe deklarieren?

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Nun, da die Fitness-Studios geschlossen sind, will ich das Training zuhause fortsetzen. Im Studio nehme ich die Matten, die gerade da sind. Aber wenn ich nun eine kaufe, wüsste ich gerne, ob es schädliche Stoffe in den Matten gibt, auf die ich achten sollte. Müssen die Hersteller die Inhaltsstoffe eigentlich deklarieren? Ich habe bislang in den Online-Shops nichts Stichhaltiges gefunden. Einige werben damit "hautfreundlich" zu sein. Ist dieser Begriff eigentlich geschützt? Muss man das auch belegen?

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Begriffe wie "hautfreundlich", "natürlich" oder "frei von Schadstoffen" sind leider gesetzlich nicht definiert und bieten deswegen ohne eine unabhängige Schadstoffprüfung keine Orientierung beim Kauf. Kaufen Sie keine Matte, bei der die verwendeten Materialien nicht angegeben sind, es ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, das Material anzugeben, aber so viel Transparenz sollte der Hersteller unserer Ansicht nach in jedem Fall bieten.

  1. Auf der Suche nach einer schadstoffarmen Matte empfehlen wir Ihnen - egal für welches Material Sie sich entscheiden - auf schadstoffgeprüfte Matten, z. B. mit dem OekoTex Standard 100 zu achten. Einige Hersteller lassen ihre Matten sogar nach den strengeren OekoTex-Grenzwerten für Baby- und Kleinkinderartikel (Produktklasse I) prüfen. Ob die Zertifizierung gültig ist, können Sie anhand der Prüfnummer nachsehen.

    Achtung: Es werden auch PVC (Polyvinylchlorid)-Matten mit diesem Standard angeboten. Gesundheitsschädliche Phthalatweichmacher sind nach OekoTex zwar verboten, aber der Kunststoff PVC (mit anderen Weichmachern) ist nicht generell von der Vergabe ausgeschlossen. Problematisch ist, dass diese Weichmacher nicht fest an das Polymer gebunden sind und vom Menschen aufgenommen werden können.

    Antibakterielle Ausrüstungen bei Sportmatten sind überflüssig, sie stellen in der Regel eine unnötige Belastung für Mensch und Umwelt dar - und die Matten sollten trotzdem regelmäßig feucht abgewischt werden, insbesondere dann, wenn sie barhändig und barfüßig genutzt werden.
  2. Außerdem können Sie sich an Testergebnissen von Öko-Test orientieren. Uns ist keine Untersuchung bekannt, in der speziell Fitnessmatten auf Schadstoffe untersucht wurden, aber Öko-Test testete 2019 Yogamatten. Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Test waren:
    > 10 Matten schnitten mit "befriedigend" bis "mangelhaft" ab, weil sie bestimmte Problemstoffe enthielten.
    > 8 der 18 getesteten Matten haben das Testurteil "sehr gut" erhalten und können empfohlen werden.
    > Alle "sehr guten" Kunststoff-Matten sind mit modernen aufgeschäumten thermoplastischen Elastomeren (TPE) gefertigt.
    > Auch 2 Matten, die auf der Oberseite Schurwolle haben und auf der Unterseite Polyurethan-Schaum oder Baumwolle, schnitten mit "sehr gut" ab. (In Wollmatten sollte keine Mottenschutzmittel wie Pyrethroide eingesetzt sein.)
    > Eine Matte mit einer Korkoberfläche schnitt im Test ebenfalls mit "sehr gut" ab.
    > Im Gegensatz zu anderen Kunststoffmaterialien wie PVC brauchten TPE keine umstrittenen Weichmacher, um eine weichere Konsistenz zu erhalten.
    > In dem Test schnitten auch einige Matten aus Naturkautschuk schlecht ab. Naturkautschuk kann Schadstoffe wie Nitrosamine (oder nitrosierbare Vorstufen) oder allergieauslösende Latexproteine enthalten, zudem hat es laut Ökotest oft einen strengen Eigengeruch.

    Wenn Sie möglichst sicher gehen wollen, eine schadstoffarme Matte zu erwerben, können Sie z.B. bei den Herstellern der mit "sehr gut" getesteten Matten nachfragen, ob die jeweilige Matte immer noch die Testkriterien des Öko-Tests von Januar 2019 erfüllt (falls die Matte nicht sowieso noch mit dem Öko-Test-Urteil wirbt) und solch eine erwerben.
  3. Sie können aber auch schon vor einem Kauf Ihr Auskunftsrecht nach dem europäischen Chemikaliengesetz REACH geltend machen und dem Händler die REACH-Schadstoffanfrage stellen. (Diese muss Ihnen innerhalb von 45 Tagen beantwortet werden, falls bestimmte gelistete Schadstoffe (sogenannte SVHC) über 0,1 % enthalten sind).

    Genauere Informationen zu Ihrem Auskunftsrecht finden Sie auf den Seiten des Umweltbundesamtes. Das Umweltbundesamt stellt dazu einen vorformulierten Musterbrief und die App Scan4Chem zur Verfügung.


Quelle:

https://www.oeko-tex.com/

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