Bienenwachstücher: Gibt es Bedenken?

Stand:
Ich habe kürzlich im Bioladen Bienenwachstücher gekauft, um Frischhaltefolie zu vermeiden. Kann ich diese guten Gewissens verschenken oder gibt es Bedenken dagegen? Könnte man die Tücher auch selber machen, denn die gekauften waren recht teuer (26 € für drei Tücher)?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es gibt hygienischere Mehrweglebensmittelverpackungen als Bienenwachstücher wie Brotdosen oder Schraubgläser, die ebenfalls Plastikmüll vermeiden.
  • Bienenwachstücher lassen sich nicht heiß spülen und sind deshalb nicht für rohe tierische Lebensmittel geeignet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät auch von der Verwendung für fetthaltige Lebensmittel ab.
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Detaillierte Antwort:

Bienenwachstücher sehen oft sehr schön aus, aber sie haben keine besonders lange Nutzungsdauer (oft wird ein Jahr als Verwendungszeitraum angegeben). Eigentlich sind sie auch gar nicht notwendig, um Müll zu vermeiden: Schüsseln lassen sich beispielsweise mit einem Teller abdecken. Brote, Kuchen oder Snacks sind in einer Mehrwegdose oder in Schraubgläsern bestens aufgehoben und werden darin in der Tasche auch nicht gedrückt. Für den von Ihnen genannten Preis könnte man schon eine hochwertige, langlebige Edelstahldose anschaffen.

Ein entscheidender Nachteil von Bienenwachstüchern ist, dass man sie nicht heiß spülen kann. Denn Bienenwachs schmilzt bei ca. 62°C. Daher sind diese Tücher aus hygienischen Gründen nicht für rohes Fleisch und Fisch geeignet. Zugesetztes Baumharz, das gegen Bakterien und Pilze wirken soll, kann möglicherweise den Geschmack der Lebensmittel verändern.

Fetthaltige Lebensmittel sollten vorsorglich keinen direkten Kontakt zum Bienenwachstuch haben, da in diesem Fall Wachsbestandteile ins das Lebensmittel übergehen können. Einige Hersteller schließen eine Verwendung für fetthaltige Lebensmittel wie Käse und Wurst sogar aus.

Mögliche Schadstoffe, die in das verpackte Lebensmittel übergehen könnten:

  • Mineralölbestandteile (sogenannte MOSH und MOAH), wenn das teure Bienenwachs mit billigerem Paraffinwachs gestreckt wurde.
  • In einigen Bienenwachstüchern wies das CVUA-MEL Rückstande von Coumaphos und Pyrethroiden nach, neurotoxische Substanzen, die zur Bekämpfung eines Bienenschädlings, der Varoa-Milbe,  eingesetzt werden. 
  • Farbstoffe und andere Chemikalien aus dem verwendeten Stoff.
  • Allergieauslösende Substanzen, die durch Oxidation von Terpenen aus dem Baumharz entstehen könnten, das einige Hersteller zusetzen.

Wenn man Bienenwachstücher selbst herstellt, sollte man ...

  • ... möglichst GOTS zertifizierte, ungefärbte und unbedruckte Bio-Baumwolle verwenden und diese vorher waschen.
  • ... 100% reines Bienenwachs aus biologischer Landwirtschaft und in Lebensmittelqualität gemäß Verordnung (EU) Nr. 231/2012 verwenden.
  • ... kein Jojobaöl zusetzen. Eigentlich handelt es sich bei Jojobaöl um ein Wachs, das sich in Fütterungsversuchen in Darmzellen der Tiere anreicherte und zur Zellzerstörung führte.
  • ... auf keinen Fall mineralölbasierte Wachse (z.B. Paraffin-Kerzenreste) zur Herstellung der Tücher verwenden.

Es ist Sorgfalt nötig ist, um schadstoffarme Bienenwachstücher als Verpackung für Lebensmittel selbst herzustellen und die Verwendungsmöglichkeiten von Bienenwachstüchern sind aus hygienischen Gründen sehr eingeschränkt. Daher raten dazu eher Mehrwegdosen z.B. aus Edelstahl zu verwenden oder zu verschenken.

Quellen:

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