Ausblick: So geht es mit den Energiepreisen weiter

Stand:
Steigende CO2-Preise und knappe Energieimporte könnten die Energiepreise weiter hochhalten. Worauf Verbraucher:innen sich mittel- bis langfristig einstellen müssen, und wie Sie sich auf den nächsten Winter vorbereiten können.
Steckdosen liegen auf Geldscheinen und Geldmünzen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Selbst Expert:innen können nicht sicher vorhersagen, wie sich die Energiepreise mittel- bis langfristig konkret entwickeln werden. Klar ist aber, dass Energie teuer bleiben wird.
  • Aktuelle Entlastungen wie die staatlichen Preisbremsen laufen aus. Noch ist unklar, ob es weitere Entlastungen geben wird.
  • Verbraucher:innen sollten sich auf dauerhaft höhere Energiepreise einstellen: Energie einsparen, Geld zurücklegen für Nachzahlungen, und Verträge mit Energieversorgern regelmäßig überprüfen.
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Der erste Krisenwinter liegt hinter uns. Die Gasspeicher sind voller als erwartet, Verbraucher profitieren von zahlreichen Entlastungsmaßnahmen. Die staatliche Soforthilfe für Erdgas im Dezember 2022, die reduzierte Umsatzsteuer auf Gas, die Energiepreisbremse bei Strom, Gas und Fernwärme und fallende Gas- und Energiepreise haben den großen Knall zumindest etwas abgefedert. Ab Mai kommt noch die Entlastung für Kund:innen hinzu, die vergangenes Jahr mit Öl, Pellets oder Flüssiggas heizten. Dennoch stellt das deutlich höhere Preisniveau für viele Haushalte eine dauerhafte Belastung dar, die sie erst mit den kommenden Abrechnungen zu spüren bekommen werden.

Was bedeutet das für Verbraucher:innen? Sie sollten sich auf höhere Preise einstellen. Sparen und sich unabhängig machen, soweit es geht, lauten die Devisen.

 

Energiepreise im Blick: Wie teuer wird es wirklich?

Selbst Expert:innen für den Energiemarkt können keine klaren Voraussagen treffen, wie sich die Preise entwickeln werden. Ziemlich sicher ist aber: Die Preise steigen weiter, auch unabhängig von der aktuellen Russland-Krise. Aber schon jetzt gibt es erhebliche Unterschiede bei den Anbietern: Je nach Geschäftsmodell haben die Energieversorger zu Zeiten hoher Preise große Mengen Energie eingekauft, die sie jetzt teuer an ihre Kund:innen weitergeben. Doch die Beschaffungskosten sind seit Dezember 2022 deutlich gesunken. Ein Anbieterwechsel kann deshalb viel Geld sparen.

Bis voraussichtlich April 2024 fangen die Energiepreisbremsen die Preissteigerungen bei Strom, Gas, Fernwärme noch weitgehend auf und machen die Preise so berechenbar. Verbraucher:innen zahlen maximal 40 Cent/kWh für Strom, 12 ct./kwh für Gas und 9,5 ct./kWh für Fernwärme, solange der Verbrauch des Haushalts 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs nicht überschreitet. Alles darüber hinaus müssen sie zu den aktuell vereinbarten Konditionen ihres Vertrags zahlen.

 

Energiepreise steigen weiter - warten lohnt sich nicht

Erfreulicherweise liegen seit ein paar Wochen die Neukundentarife für Strom und Gas bereits unterhalb der Preisbremsen. Verbraucher:innen können sich daher bereits jetzt nach einem günstigerem Vertrag umsehen. Die Expert:innen der Verbraucherzentralen erwarten, dass die Gaspreise im Vergleich zum Preisniveau von 2021 weiter etwa doppelt so hoch sein werden. Bei Strom ist im Vergleich zum Jahr 2021 von einem Anstieg in der Größenordnung von circa 20 Prozent auszugehen.

Mit dieser Einschätzung sind sie nicht allein. Das Energiewissenschaftliche Institut der Universität zu Köln (EWI) hat mittel- bis langfristige Szenarien für den europäischen Energiebeschaffungsmarkt durchgerechnet. Geht alles so weiter wie bisher, werden die Gaspreise für Energieversorger demnach im Jahr 2026 noch deutlich teurer sein als jetzt. Erst ab 2030 werden sie den Berechnungen zufolge auf das Niveau der 2010er-Jahre fallen. Im Best-Case-Szenario – die Gasnachfrage sinkt deutlich –, würde der Gaspreis zumindest ab 2026 auf Vorkrisenniveau liegen.

 

CO2-Steuer verteuert fossile Energie: Klimageld könnte helfen – wenn es denn kommt

Die Energiepreise hängen auch von der Regulierung der Energiemärkte ab. Eine Maßnahme, die  fossile Energieträger derzeit verteuert, ist die CO2-Steuer. Aktuell liegt der CO2-Preis bei 30 Euro pro Tonne, ab 2026 soll ein Preis-Korridor zwischen 55 und 65 Euro gelten. Wenn die CO2-Preise steigen, steigen auch die Preise für fossile Energien. Kunden, die mit fossiler Energie heizen, sollten sich daher eher auf steigende Preise einstellen.

Wie stark diese Preissteigerungen durchschlagen werden, ist aber noch nicht ausgemacht: Schließlich plant die Bundesregierung die Einführung eines Klimageldes, bei dem sie die staatlichen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Bevölkerung auszahlt. Jede:r würde die Prämie in gleicher Höhe bekommen. Wer also weniger CO2 als der Durchschnitt verbraucht, macht unterm Strich Plus. Wann das Klimageld kommt, ob es überhaupt kommt und wie hoch es genau ausfallen wird, ist aber noch offen.

 

Neue Energiequellen: Umbau zahlt sich erst später aus

Ein weiterer Faktor für die langfristige Preisentwicklung ist die Energieinfrastruktur. Der Ukraine-Krieg dauert an, Russland kommt als Gaslieferant voraussichtlich lange nicht mehr in Frage.

Alternativen wie Lieferungen von flüssigem Erdgas (LNG) als Ersatz für das russische Gas sind zwar zwischen Lieferantenländern wie Katar und Deutschland vertraglich vereinbart, teilweise aber noch nicht angelaufen. Ein Großteil der notwendigen Hafen-Infrastruktur für LNG-Lieferungen befindet sich in Deutschland erst noch im Bau, drei schwimmende Terminals sind in Betrieb. Momentan kommt das LNG für Deutschland über die Infrastruktur der europäischen Nachbarn Frankreich, Belgien und die Niederlande zu uns.

Hoffnung versprechen die erneuerbaren Energien. Laut Umweltbundesamt machen die klimafreundlichen Technologien bereits 46,2 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs aus. Bis zum Jahr 2030 soll dieser Anteil auf 80 Prozent steigen. Das würde sich positiv auf die Strompreisentwicklung auswirken und die Verletzlichkeit gegenüber neuen, unvorhersehbaren Faktoren reduzieren.

 

Noch mehrere Jahre hohe Energiepreise: Wie können Verbraucher:innen reagieren?

Es gibt also viele Variablen, die die Energiepreisentwicklung in Zukunft beeinflussen. Dennoch ist es keine gute Idee, jetzt voreilig die eigenen Abschläge für Heiz- und Stromkosten möglichst hoch anzusetzen.

Das hat gleich mehrere Gründe:

  • Falls es finanziell einmal eng wird, können zu hohe Abschläge die Höhe des sogenannten sozialrechtlichen Bedarfs senken. Im schlimmsten Fall erhält man bei einem finanziellen Engpass dann keine Hilfe vom Jobcenter, obwohl man eigentlich Anspruch darauf hätte.
  • Wer dem Energieanbieter monatlich einen zu hohen Betrag überweist, sieht sein Geld im Falle einer Insolvenz des Anbieters vermutlich nicht wieder.
  • Vorauszahlungen sind in vielen Verträgen ein Teil der Miete, die Sie schulden. Wer das nicht pünktlich bezahlen kann, geht das Risiko ein, seine Wohnung zu verlieren.

Ein zu niedriger Abschlag ist auch nicht empfehlenswert, denn dann droht eine hohe Nachzahlung. Stattdessen sollten Sie Ihre Abschläge möglichst realistisch kalkulieren. So behalten Sie Ihre Kosten im Überblick.

Für Verträge, die Sie selbst direkt mit dem Energieanbieter haben, können Sie mit dem Abschlagsrechner der Verbraucherzentralen berechnen, wie hoch ein angemessener Abschlag in etwa sein sollte. Hier werden auch die Preisbremsen eingerechnet.

 

Durchblick bei der jährlichen Heizkostenabrechnung

Die hohen Energiepreise haben viele Haushalte in Nordrhein-Westfalen finanziell stark getroffen. Mieter:innen sollten in diesem Jahr deshalb genauer auf ihre Heizkosten schauen und prüfen, ob die jährliche Abrechnung korrekt ist. Die Verbraucherzentrale NRW bietet zusammen mit dem Deutschen Mieterbund kostenlose Online-Seminare zur jährlichen Heizkostenabrechnung. Die zweiteilige Seminarreihe findet am 20. April und 4. Mai statt.

 

Checkliste: Hohe Energiepreise im Griff

So können sich Verbraucher:innen für die kommenden Jahre gegen hohe Energiepreise wappnen:

Energiepreisbremse:

Diese gilt voraussichtlich bis April 2024. Wechseln Sie bereits jetzt in günstigere Tarife, denn die Preisbremse gilt nur für 80% des Verbrauchs.

Versorger:

Die Energieanbieter sind verpflichtet, ihre Kunden per Informationsschreiben über die Auswirkungen der Energiepreisbremse zu informieren. Überprüfen Sie Ihren neuen Abschlag anhand des Abschlagsrechners der Verbraucherzentrale. Dieser sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein. Zu niedrige Abschläge können zu hohen Nachzahlungen führen, bei zu hohen Abschlägen ist das zu viel gezahlte Geld im Fall einer Insolvenz des Anbieters weg. Überprüfen Sie auch Ihre Jahresabrechnung: Kommen alle Entlastungen bei Ihnen an?

Energieverbrauch spätestens auf Versorgeraufforderung ablesen:

Lassen Sie Ihren Verbrauch nicht schätzen. Denn Schätzungen enthalten regelmäßig einen Sicherheitsaufschlag und führen meist zu hohen Rechnungen.

Mieter mit Zentralheizung:

Informieren Sie sich bei ihrem Vermieter über ihren Heizkostentarif. Ihr Vermieter ist verpflichtet, die Informationen über die Entlastung im Rahmen der Preisbremsen an Sie weiterzugeben, genauso wie die Entlastung selbst. Diese erhalten Sie aber in der Regel erst mit der kommenden Nebenkostenabrechnung.

Tarife vergleichen und Kündigungsfrist im Auge behalten:

Die Preise für Neukundentarife bei Strom- und Gaslieferverträgen sind in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Allerdings klaffen die Angebote zum Teil weit auseinander. Ein Tarifvergleich kann sich also lohnen; vorausgesetzt, es ist keine feste Vertragslaufzeit festgehalten. Prüfen Sie einen Anbieterwechsel.

Stromverbrauch prüfen:

Mit einem Strommessgerät können Sie feststellen, wie energieeffizient Ihre Geräte sind. Vielleicht lohnt sich ein Neukauf. Bei einem Kühlschrank sollten Sie spätestens alle 15 Jahre ausrechnen, ob sich eine Neuanschaffung lohnt. Dabei hilft Ihnen der Kühlschrank-Rechner der Verbraucherzentrale.

Weniger duschen:

Es lohnt sich, auch im Sommer weiter Energie zu sparen. Der Duschrechner der Verbraucherzentrale NRW hilft Ihnen beim Sparen!

Beim Waschen sparen:

Auch bei der Waschmaschine gilt: je wärmer, desto teurer. Für normale Wäsche brauchen Sie etwa 30 Grad. Wenn die Wäsche in den Trockner soll, stellen Sie 1.200 Umdrehungen beim Schleudern ein.

Kühlschrank richtig einstellen:

Ein zu kalter Kühlschrank und eine zu frostige Gefriertruhe sind teuer. In der Regel reicht Stufe zwei oder drei beim Kühlschrank (sieben Grad) und minus 18 Grad bei der Gefriertruhe.

Sparsam kochen:

Ein Deckel auf Töpfen und Pfannen spart Energie. Kocht das Wasser, schalten Sie es auf eine niedrige Stufe. Ein Wasserkocher ist meist schneller als der Herd und verbraucht weniger Energie.

Sparsam spülen:

Wer in einem Becken spült, braucht weniger warmes Wasser und spart so bares Geld!

Stromfresser ausschalten:

Machen Sie das Licht aus, wenn sie den Raum verlassen und bauen sie Steckerleisten mit Schalter ein, um Energiekosten zu vermeiden. Auch Stand-By-Funktionen verbrauchen Strom – schalten Sie die Geräte also lieber aus!

Sparsame Geräte kaufen:

LED-Lampen sind stromsparender als Glühbirnen. Auch andere Elektrogeräte gibt es häufig in energieeffizienteren Ausführungen. Das zeigen die Energieeffizienzklassen A (grün) bis G (rot) an.

Solaranlagen:

Die Auflagen für den Einbau und Betrieb eigener Solaranlagen sind zum Jahreswechsel schlanker geworden. Wer selbst Strom produziert, spart direkt und speist grüne Energie ins Netz ein.

Stecker-Solargeräte:

Solaranlagen gibt es auch im Mini-Format für Balkon oder Terrasse. So können Sie einen Teil Ihres Stroms einfach selbst produzieren! Ein Standardsolarmodul mit 380 Watt Leistung kann etwa den Stromverbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine in einem Haushalt mi zwei Personen liefern. Das wären bei einem Strompreis von 33 Cent etwa 66 Euro. Die Mini-Anlage kostet normalerweise zwischen 350 und 600 Euro. Aktuell sind die Preise wegen der hohen Nachfrage etwas höher.

Mann schaut verstört auf seine Heizkostenabrechnung

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