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Schadstoffe in Innenräumen: Was Sie dagegen tun können

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Kleber, Bodenbeläge, Lacke, Holzwerkstoffe und vieles mehr können Stoffe ausgasen, die unangenehm riechen oder Gesundheitsbeschwerden hervorrufen.
  • Eine teure Schadstoffmessung ist nicht immer notwendig, um ein Problem zu lösen.
  • Wenn Sie vermuten, wegen Schadstoffen in der Wohnung krank zu sein, sollten Sie sich unbedingt zuerst von Ihrem Arzt beraten lassen.
  • Unsere Checklisten helfen Ihnen, qualifizierte Schadstoffprüfer zu finden.
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Sie vermuten, dass schädliche Stoffe in Ihrer Wohnung sind, weil Sie einen auffälligen Geruch wahrnehmen? Oder Sie haben gelesen, dass bestimmte Materialien wie Sperrholz oder Vinylböden Schadstoffe ausgasen können und fragen sich, ob auch Ihre Wohnung betroffen ist. Vielleicht leiden Sie sogar unter gesundheitlichen Beschwerden, die Sie mit Ihrer Wohnung in Zusammenhang bringen. Auch wenn Sie ein Haus oder eine Wohnung mieten oder kaufen wollen, stellt sich oft die Frage nach möglichen Schadstoffen.

Wie lässt sich das Schadstoffproblem eingrenzen?

Seit wann haben Sie den Verdacht, dass Schadstoffe in Ihrer Wohnung sind? Gab es Veränderungen in Ihrer Wohnung, die etwa zur gleichen Zeit stattfanden - zum Beispiel Umzug, Renovierungsarbeiten, neue Möbel, Elektrogeräte, Teppiche oder Putzmittel? Gab es einen Wasserschaden? Wo treten die gesundheitlichen Beschwerden auf? Vor allem an den Wochenenden, wenn Sie Zuhause sind? Geht es Ihnen auf der Arbeit oder im Urlaub besser?

Wie kann der Bewohner der Schadstoffquelle selbst auf die Spur kommen?

Eine alte Dose mit Holzschutzmitteln oder Parkettkleber im Keller, kann schon wertvolle Hinweise liefern.

Entfernen Sie Materialien, die Sie als Quelle im Verdacht haben, vorübergehend aus Ihrer Wohnung, beispielsweise das Regal oder das neue Reinigungsmittel. Wenn der Geruch oder die Beschwerden verschwinden, haben Sie die Ursache bereits gefunden.

Bei größeren Einrichtungsgegenständen oder fest verlegten Bodenbelägen: Versuchen Sie den Raum zu meiden, in dem Sie beispielsweise eine Woche in einem anderen Zimmer schlafen. Werden Ihre Beschwerden besser, haben Sie einen ersten Hinweis auf die Ursache.

Wie sinnvoll sind Do-It-Yourself-Tests?

Tests, mit denen Sie selbst einzelne Schadstoffe in der Luft nachweisen können, gibt es in der Apotheke oder im Internet. Dazu müssen Sie jedoch bereits wissen, nach welchen Schadstoffen Sie suchen wollen. Als Ergebnis erhalten Sie eine grobe Abschätzung, wenn der Test funktioniert und Sie alles richtig gemacht haben. Vor Gericht gelten selbst vorgenommene Tests nicht als Beweis.


Was tun bei Gesundheitsbeschwerden?

Kopfschmerzen, Augen- und Schleimhautreizungen, Konzentrationsstörungen sind typische Krankheitsanzeichen für Schadstoffe in der Raumluft. Für diese Gesundheitsbeschwerden kommen aber auch viele andere Gründe in Frage. Gehen Sie zunächst zu Ihrem Arzt. Erklären Sie ihm, warum Sie vermuten, durch Schadstoffe in der Wohnung krank zu sein. Falls er keine Ursachen für Ihre Gesundheitsbeschwerden findet, können Sie sich an eine umweltmedizinische Beratungsstelle wenden.


Was bringt eine Schadstoffmessung der Raumluft?

Ein Messwert allein hilft noch nicht weiter. Das beauftragte Labor sollte die gemessenen Werte beispielsweise mit gesundheitlich begründeten Richtwerten des Umweltbundesamtes oder mit Durchschnittswerten anderer Haushalte – sogenannten Orientierungswerten – vergleichen. Nur so lässt sich feststellen, ob eine ungewöhnlich hohe oder gesundheitsgefährdende Belastung vorliegt und eine Sanierung notwendig ist. Gesetzliche Grenzwerte gibt es im privaten Bereich so gut wie keine.

Eine Untersuchung der Raumluft auf alle häufig vorkommenden Schadstoffe ist teuer. Es reicht nicht zu messen, welche Schadstoffe in der Luft oder im Hausstaub sind. Sie müssen auch wissen, woher die Substanzen kommen, damit Sie die Ursache beseitigen können. Gute Schadstofffachleute können anhand des Baujahres, der verwendeten Materialien und der Bauweise bereits Rückschlüsse auf mögliche Schadstoffe und deren Ursprung ziehen.

Wer kann Schadstoffe messen?

Ein gutes Messinstitut beschäftigt qualifizierte Mitarbeiter. Das allein reicht aber noch nicht aus: Fragen Sie nach Nachweisen zu regelmäßigen Fortbildungen der Mitarbeiter und Referenzen. Auch die Mitgliedschaft in Berufsverbänden bietet Ihnen Orientierung bei der Suche nach qualifizierten Instituten, weil diese Ansprüche an die Qualität und Arbeitsweise ihrer Mitglieder stellen. Verbände wie die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) oder der Verband Deutscher Baubiologen (VDB) bieten eine Institutssuche nach Postleitzahl an. Es gibt zudem Institute, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkks) geprüft wurden. Auf der Internetseite der DAkkS können Sie in einer Datenbank nach diesen Instituten suchen.

Checkliste, was Sie von einem guten Institut erwarten sollten:

1. Das Messinstitut sollte Ihnen ein kostenloses Beratungsgespräch anbieten, in dem Sie genau erklären können, worauf es Ihnen ankommt und was Sie mit der Messung erreichen wollen. Lassen Sie sich erklären, inwiefern die vorgeschlagene Vorgehensweise und Methoden Ihre Fragen klären können. Falls Sie ein Gerichtsverfahren anstreben, fragen Sie nach, ob das Institut vor Gericht als Gutachter tätig werden kann.

2. Fragen Sie, ob die Probennahmen und Analysen nach allgemein anerkannten Regeln und Normen (wie DIN, VDI usw.) durchgeführt werden.

3. Das Institut sollte ein Qualitätsmanagementsystem nachweisen können (zum Beispiel entsprechend der Norm DIN EN ISO 17025: Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien). Wenn das Institut nicht selbst tätig wird, sollte das von ihm beauftragte Labor ebenfalls ein Qualitätsmanagementsystem erfüllen. Qualifizierte Labore weisen ihre Kompetenz auch durch erfolgreiche Teilnahme an Ringversuchen nach.

4. Eine richtig erfolgte Probennahme ist die Grundlage für ein korrektes Messergebnis und sollte deswegen besser  Fachleuten überlassen werden.

5. Vereinbaren Sie, dass die Analyseergebnisse im Endbericht bewertet und Ihnen erklärt werden. Mit den Messwerten allein lässt sich oft wenig anfangen.

Was kostet eine Schadstoffanalyse?

Die Analysekosten können einige Hundert bis einige Tausend Euro betragen. Daher sollten Sie am besten einen Festpreis über die gesamte Leistung vereinbaren. Zumindest sollte das Institut aber die Einzelpreise für alle Teilleistungen schriftlich festgelegen - beispielsweise für:

  • Fahrtkosten
  • Probenahme
  • Analyse
  • Untersuchungsbericht
  • Bewertung der Ergebnisse und Beratung
  • Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes

Bevor Sie den Auftrag vergeben, sollten Sie möglichst mehrere Angebote einholen und vergleichen. Seien Sie besonders vorsichtig, wenn das Unternehmen sowohl  die Schadstoffanalyse als auch die Sanierung anbietet. In diesem Fall sollten Sie unbedingt mehrere Angebote vergleichen.

Vor dem Kauf eines gebrauchten Hauses kann eine Beratung durch einen Sachverständigen für Gebäudeschadstoffe Klarheit bringen, ob und mit welchen Altlasten im Gebäude zu rechnen ist. Die Kosten sind niedrig im Vergleich zu den Kosten einer möglicherweise notwendigen Schadstoffsanierung. 

Die rechtliche Seite

Falls Sie Handwerker oder Händler wegen eines Schadstoffproblems zur Verantwortung ziehen wollen: Prüfen Sie zunächst, ob Sie sich noch innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist befinden, sonst können Sie nichts mehr erreichen. Im Zweifel kann die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale für Sie klären, ob in Ihrem Fall noch Ansprüche auf Gewährleistung bestehen.

Die Schadstoffbelastung muss einen Mangel im rechtlichen Sinn darstellen. Ob das der Fall ist, lässt sich oft nicht einfach zu entscheiden, weil es nur für wenige Schadstoffe gesetzlich festgelegte Grenzwerte gibt. Oft stellt letztlich das Gericht durch eigene Gutachter fest, ob die Belastung einen rechtlichen Mangel darstellt. Von Ihnen selbst veranlasste Messungen haben vor Gericht einen geringeren Wert, weil sie von nur einer Partei beauftragt wurden. Sie können ein „Selbstständiges Beweisverfahren“ beim Gericht beantragen: In diesem Fall führt ein Gutachter, der vom Gericht beauftragt wurde, die Messungen durch. Je nach Ergebnis und Reaktion des Vertragspartners können Sie dann entscheiden, ob Sie klagen oder nicht. Achtung: Die Kosten für dieses Verfahren müssen Sie vorfinanzieren.

Rechnen Sie nach, ob es günstiger ist,  das Bauteil oder Einrichtungsstück auf eigene Kosten zu entfernen statt einen teuren Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang zu führen. Wenn Ihnen die Schadstoffquelle bekannt ist, beispielsweise eine Spanplatte, ist es oft billiger, diese zu ersetzen, als teure Messungen in Auftrag zu geben.