Initiativen auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Ernährung

Stand: 21. Juli 2026

Regionaler, selbstbestimmter, nachhaltiger: Wir stellen sieben Initiativen zur Ernährung in NRW vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Regionaler, selbstbestimmter, nachhaltiger: Es gibt bereits viele Möglichkeiten, bei der Ernährung auf Gesundheit und Klimaschutz zu achten.
  • Initiativen von und mit Erzeugern, Verarbeitern, Handel und Zivilgesellschaft wollen langfristig dazu beitragen, sich nachhaltiger im Alltag zu ernähren.
  • Wir stellen einige Beispiele aus Nordrhein-Westfalen vor.

Geprüfte Qualität NRW

Die meisten Verbraucher:innen legen großen Wert darauf, dass Lebensmittel aus ihrer Region kommen. Zu dem Ergebnis kommen diverse Befragungen (u.a. BMEL-Ernährungsreport 2025, Forum Moderne Landwirtschaft 2025). In den meisten Bundesländern gibt es regionale Qualitätszeichen für Lebensmittel, die im jeweiligen Bundesland hergestellt werden, z. B. "Geprüfte Qualität Bayern" oder "Geprüfte Qualität aus Thüringen".

Seit 2010 gibt es auch in NRW ein solches Zeichen: "Geprüfte Qualität NRW". Das Produktzeichen wurde vom Verein Ernährung NRW e. V. etabliert. Fleisch, Wurst, Milch, Käse, Fisch, Eier, Honig, Kartoffeln, Obst und Gemüse sowie Fisch und Honig aus NRW werden unter diesem Zeichen angeboten.

"Aus NRW" heißt konkret, dass die Rohstoffe aus NRW stammen, der Sitz des Lebensmittelherstellers in NRW liegt und dieser regional verankert ist. Dazu gehören soziales Engagement in der Region und Verantwortung für die Umwelt. Die "regionale Verankerung" können sich Betriebe in Nordrhein-Westfalen auch unabhängig vom Produktzeichen mit dem Betriebszeichen "Der Region verpflichtet" bescheinigen lassen.

Regionalinitiativen

Regionalinitiativen werden durch die Vernetzung kleinerer und mittlerer Erzeuger, Verarbeiter und Gastronomen entlang der regionalen Wertschöpfungskette getragen sowie oftmals Naturschutzverbände und Kirchen unterstützt. Es gibt viele verschiedene Regionalinitiativen mit sehr unterschiedlichen Kriterien. Daher lohnt es sich, nach Regionalinitiativen aus der Umgebung Ausschau zu halten. Einige garantieren mit ihren Produkten nicht nur die regionale Herkunft, sondern auch eine nachhaltigere Produktion, z. B. den Verzicht auf gentechnisch veränderte Futtermittel, den Einsatz von bienenverträglichen Pflanzenschutzmitteln oder den Erhalt von Streuobstwiesen.

Im RegioPortal des Bundesverbands der Regionalbewegung kann man viele Regionalinitiativen wie etwa Lippequalität, Bio-Region Niederrhein, Bergisch pur und NABU Stadtverband Münster finden und sich über die Kriterien informieren.

Der Verein Regionalbewegung NRW e.V. ist die Interessenvertretung der Regionalinitiativen in NRW. Er verfolgt das Ziel, die Regionalvermarktung in NRW nachhaltig, glaubwürdig und transparent zu gestalten und Absatzmärkte für regionale Lebensmittel zu erschließen und hat dafür den Landesdialog Regionalitätsstrategie NRW ins Leben gerufen.

Landservice der Landwirtschaftskammer NRW

Das Webportal Landservice.de ist eine Fundgrube für Bauernhoferlebnisse und Regionales in NRW. Hier findet man Hofläden, Bauernhofgastronomie, Reiterhöfe, Urlaub auf dem Bauernhof und vieles mehr. Über 2.000 Betriebe aus ganz NRW präsentieren sich auf dem Internetportal und laden zum Stöbern ein. 

In der Rubrik „Einkaufen“ sind die gesuchten regionalen Lebensmittel wie Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Erdbeeren, Milchtankstellen und Käse zu finden. Ebenso kann man sich beim Landservice über regionale Lebensmittel und deren Ursprünge informieren. Die Kategorie Wissen steckt voller Tipps und Tricks zum regionalen Einkaufen, Lagerung und Hofgeschichten in Film- und Podcastformat.

Der Landservice wird von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen organisiert und gepflegt. Der Fachbereich unterstützt die landwirtschaftlichen Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter bei der Entwicklung von neuen Ideen. 

Lokale Bauernmärkte und Crowdfarming

Wochenmärkte bieten nicht nur eine Möglichkeit regionale Lebensmittel in der Saison direkt vom Bauern zu beziehen, sie sind auch ein lokaler Treffpunkt für Bürger:innen und Erzeuger:innen aus der Umgebung. Es lohnt sich, bei der Stadt oder Kommune über lokale Wochenmärkte zu informieren. Immer öfter gibt es auch Feierabend- oder Nachtmärkte, die auch für tagsüber Arbeitende oder Langschläfer attraktiv sind. Zur Ergänzung des Angebots am Stand kaufen viele Anbieter auf dem Wochenmarkt Lebensmittel dazu; das Ursprungsland muss entsprechend gekennzeichnet sein. Im persönlichen Kontakt kann man nachfragen, ob Lebensmittel aus eigener Produktion angeboten werden oder ob die Produkte zugekauft sind.

Crowdfarming (früher: Marktschwärmer) bringt Verbraucher:innen und Erzeuger:innen direkt zusammen. Mithilfe der Online-Plattform können Sie bei Landwirt:innen aus der Umgebung Lebensmittel bestellen und diese wöchentlich an einem Ort in ihrer Nähe abholen. Die Termine werden von den Gastgeber:innen organisiert. Sowohl Gastgeber:innen als auch Crowdfarming erhalten für den Service einen Anteil der Verkaufserlöse vom Erzeuger.

Auf der Seite crowdfarming.com kann man nach den lokal organisierten Bauernmärkten in der Umgebung suchen und sich kostenfrei anmelden, um Lebensmittel zu bestellen.

Ernährungsräte

Ernährungsräte wollen die Entscheidungen über die Ernährung auf die lokale bzw. kommunale Ebene holen und in Stadt, Kommune oder Kreis ein nachhaltiges Ernährungssystem etablieren. Die Idee stammt aus Nordamerika, wo bereits seit 1982 sogenannte "Food Policy Councils" gegründet wurden.

In Deutschland wurde der erste Ernährungsrat 2016 in Köln gegründet. Mitglieder aus der Zivilgesellschaft, der Stadtverwaltung und aus der Wirtschaft (Landwirtschaft, Handel und Gastronomie) sind zu gleichen Teilen im Gremium des Ernährungsrates vertreten und arbeiten an der Umsetzung der Ernährungsstrategie für Köln.

In Ausschüssen werden ernährungspolitische Themen bearbeitet z. B. der Erhalt von stadtnahen Flächen für die urbane Landwirtschaft, die Ernährungsbildung in Schulen und die Vernetzung von Abnehmern in der Stadt mit Erzeuger:innen aus der Umgebung. Für Verbraucher:innen bieten Ernährungsräte die Möglichkeit, Ernährungspolitik vor Ort mitzugestalten. Wer sich bei der Gestaltung lokaler Ernährungssysteme engagieren möchte, kann sich hier informieren.

Mittlerweile gibt es in Nordrhein-Westfalen 19 Ernährungsräte. 2024 haben sich 10 davon als Landesverband "Ernährungsräte des Landes NRW e.V.“ organisiert.

Bürgeraktiengesellschaft Regionalwert AGs

Verbraucher:innen wissen sowohl die Vorteile von Bio-Lebensmitteln als auch von regionalen Lebensmitteln zu schätzen. Die Kombination - bio und regional - ist jedoch nicht häufig anzutreffen, denn die Nachfrage nach Bioprodukten in Deutschland ist derzeit doppelt so hoch wie die inländische Produktion und kann somit nur durch hohe Importe gedeckt werden. Die Situation wird dadurch verschärft, dass immer mehr – vor allem kleinere – landwirtschaftliche Betriebe aufgeben.

Um mehr Bio-Betriebe im Rheinland und im Münsterland zu etablieren, hat die Regionalwert AG eine Investitionsmöglichkeit geschaffen: Bürger:innen können mit dem Kauf von Aktien regionale Bio-Betriebe unterstützen und die Wertschöpfung in der Region stärken. Die Betriebe, die zu Partnern der Regionalwert AG werden, verpflichten sich auf soziale und ökologische Kriterien und darauf, sich untereinander möglichst viel Produkte abzunehmen. Aktionär:innen können die Partnerbetriebe der Regionalwert AG besuchen und sich selbst ein Bild machen.

Wer die Aktien gekauft hat, soll langfristig nicht nur Dividende erhalten, sondern auch anderweitig von der Investition profitieren – durch mehr Lebensqualität in der Region und einem größeren Angebot an regionalen Bio-Lebensmitteln.

Acker e. V. – für mehr Wertschätzung von Natur und Lebensmitteln

Verbraucher:innen – egal ob jung oder alt – haben in unserer Gesellschaft immer weniger Kontakt zur Natur. Naturerfahrungsräume wie naturnahe Freiflächen, Brachen oder Gärten verschwinden immer mehr aus ihrem Lebensumfeld. Woher unsere Lebensmittel kommen, ist vielen, vor allem jungen Menschen, daher gar nicht mehr nachvollziehbar und verständlich. Diesen Herausforderungen stellt sich Acker e. V. als gemeinnütziges Sozialunternehmen, das nachhaltige Bildungsangebote rund um Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft konzipiert und anbietet. Rund 1.960 Schulen, Kitas und Kindergärten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein haben an den Bildungsprogrammen der so genannten AckerCoaches teilgenommen.

Kinder und Jugendliche erleben unmittelbar, wie Lebensmittel und Speisen auf die Teller kommen und wie viele Ressourcen in frischen Lebensmitteln stecken. Es gibt es auch Programme für Erwachsene. Diese werden in Kooperation mit Hochschulen, Mieterschaften, Pflegeeinrichtungen, Unternehmen und Privathaushalten durchgeführt.

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