Ergebnisse des Wettbewerbs "Well done: Fleisch und Nachhaltigkeit"

Studenten der ecosign Akademie für Gestaltung in Köln gingen der Frage nach: Wie kann für einen bewussteren Umgang mit tierischen Nahrungsmitteln und für mehr Wertschätzung für Fleisch und Fleischprodukte motiviert werden?

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Die Ästhetik des Stillebens wir durch eingeschweißte Billigfleisch-Verpackungen gebrochen

Ina Sistig bedient sich der Ästhetik und der Komposition barocker Stillleben, die lustvolles Genießen, Überfluss, Pracht, aber auch Ver­gänglichkeit beinhalten. Die Üppigkeit wird auf ihren großformatigen Fotografien gebrochen, indem anstelle der bekannten lustvoll drapier­ten Fleischstücke eingeschweißte Billigfleisch-Verpackungen platziert sind. Diese irritieren den Betrachter und stellen insbesondere der Zielgruppe der kultivierten Bildungsbürger die Frage, warum ausgerechnet beim Einkauf von Fleisch die Prämisse „so billig wie möglich“ gel­ten muss. Die Arbeiten von Ina Sistig eignen sich gut für eine großformatige Ausstellung, die dem Betrachter genügend Zeit gibt, sich auf die Arbeiten einzulassen. [Alle Bilder des Beitrags ansehen]

Fleisch auf dem Kassenband im Supermarkt

Julie Sales zeigt mit ihrem Videoclip auf, was man neben dem Fleisch noch „mit einkauft“, nämlich vielfältige Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und Gesundheit. So folgen auf dem Su­permarkt-Kassenband im Anschluss an das Fleisch selbst beispielsweise noch viele Futter­mittelsäcke, Wasserkanister und Spritzen mit Tierarzneimitteln. Eine lange Parade, die – auch ohne Worte – den Betrachter zum Nach­denken anregen soll. [Den Film bei youtube ansehen]

Die Abbildung des Schweins informiert den Verbraucher über die tatsächliche Qualität des Fleisches

Bereits im Wintersemester 2015/2016 wur­de der Film „Sonntagsbraten“ produziert. Neben zahlreichen Fakten zur Tierhaltung, Fleischverbrauch und Qualität gibt es kon­krete Tipps wie man „besseres Fleisch“ kaufen kann. Das Video entstand in Koope­ration mit dem Club of Rome und dem Wuppertal Institut. [Den Film bei youtube ansehen]

Die schweinespielzeuge erinnern den Konsumenten daran, dass auch diese ein gutes Leben verdienen

Unter dem Motto „Spaß im Schweinestall“ und in Anlehnung an das große Spielzeugangebot für Haustiere hat Jola Schwarzer Spielzeuge für Schweine entwickelt. Diese sollen in der Nähe der Fleischtheken von Supermärkten präsentiert werden, flankiert durch Fotos und Infos zur Schweinehaltung. Sie möchte aufzei­gen, dass auch die Nutztiere Lebewe­sen mit Bedürfnissen sind, die ein gutes Leben verdie­nen. Die „Ware Fleisch“ wird durch die Verbin­dung zum empfindenden Tier aus der Anony­mität geholt und die Verbraucher für einen bewussteren Fleischkonsum sensibilisiert. Durch den Kauf einer Postkarte können die Kunden einen Beitrag zur Finanzierung von Schweine­spielzeug in regionalen Schweinemastbetrieben leisten und damit direkt etwas für das Wohl­befinden der Schweine tun. [Präsentation des Beitrags anschauen]

In zwei Situationen wird die unterschiedliche Wertschätzung von Fleisch gezeigt

Conrad Mahnkopf stellt mit seiner Installation zweier par­allel laufender Videoclips (8:45 Min) die verschiedenen Esswirklichkeiten unserer heutigen Zeit in den Fokus - und die vielfach fehlende Wertschätzung des Lebens­mittels Fleisch. Auf der einen Seite der achtlose, unbewuss­te, schnelle Konsument von täglichem fleischhaltigem Fast Food. Im Kontrast dazu dieselbe Person, die sich an einem Sonntag mit Genuss und Zeit einem guten Stück Fleisch widmet – ein Plädoyer für die bewusste, wertschätzende Fleisch-Ma(h)lzeit. [Den Film bei youtube ansehen]

Die Website soll den bewussten Fleischkonsum spielerisch fördern

Laura Vogel hat eine Website für Kinder (und ihre Eltern bzw. Lehrer) entworfen, die mit den sehr beliebten „Wimmelbildern“ arbeitet, um ein Bewusstsein für den Fleischkonsum zu vermitteln. Die Kinder werden eingeladen, ihren Fleischverbrauch einige Tage lang zu protokollieren und auf der Website einzugeben. Auf dieser Basis wird der Fleischverbrauch auf das ganze Leben hochgerechnet und ein Wimmelbild mit entsprechend vielen Tieren gezeigt. Bei sehr hohem Fleischkonsum ist vor lauter Tieren nichts mehr zu erkennen, isst das Kind etwas weniger Fleisch, werden Bonusgegenstände und interessante Fundstücke auf dem Bildschirm auffindbar. Die freundliche Kuh Emma führt durch die Website und hebt somit das einzelne Tier aus der Anonymität der fleischliefernden Masse hervor. [Präsentation des Beitrags anschauen]

Nur ein Teil dieses Hähnchens wird wirklich verarbeitet.

Lilly Elbertzhagen stellt in ihrem Videoclip am Beispiel des Hähnchens dar wie es um die Nutzung von Schlachttieren heute bestellt ist. Der detaillierte Zerlegeprozess eines Hähn­chens löst erst am Ende der Videosequenz auf, dass in der Regel nur ein kleiner Teil des Tieres, nämlich die beliebten Hähnchenbrust­filets in die Pfanne kommen bzw. verzehrt werden. Die übrigen Teile werden vielfach entsorgt oder die überzähligen Flügel und Schenkel in ferne Länder exportiert, wo sie zu Dumpingpreisen die lokalen Märkte zerstö­ren. Eine begleitende Webseite wird vorgeschlagen mit Rezepten für die Verwendung des ganzen Huhns, einer Anleitung zum richtigen Zerlegen und weiteren Informationen. [Den Film bei youtube ansehen]

Die Sammlung der Fleischpunkte übt Kritik am Massenkosum

Die Arbeit von Alina Knoll entstand unter dem Eindruck der Prämien-aktionen des Lebensmitteleinzelhandels, die es sogar speziell für Fleischeinkäufe gibt. Das satirische Bonusheft suggeriert auf den ersten Blick, man würde für den Fleischkauf belohnt – je mehr „Fleischpunkte“ umso bessere Prämien. Bei näherer Betrachtung wird die Skurrilität der Prämien und die implizite Kritik an der intensiven Tierhaltung deutlich. Der satirische Ansatz fördert die Auseinandersetzung mit der Problematik besser als der übliche moralische Zeigefinger und soll zu einem bewussteren Fleischkonsum anregen. So kann man beispielsweise eine Axt als Prämie bestellen, um ausreichend Platz für die Tierhaltung zu schaffen, wofür Bäume weichen sollen. [Präsentation des Beitrags anschauen]

Das Werbeplakat setzt Fleisch wertvoll in Szene

In ihrer Plakatkampagne setzt Julia Vierheilig verschiedene alltägliche Fleischangebote wertvoll in Szene, in Anlehnung an edle Schmuckwerbung. Sie will bewusst irritieren und die übliche Fleischwerbung kritisieren. Dieses hochwertige und beliebte Lebensmittel wird regelmäßig auf übervollen Prospektsei­ten hauptsächlich über niedrige Preise ver­marktet oder fast schon verramscht. Wert­schätzende Kommunikation sieht anders aus, wie die Plakatserie auf ästhetische und gleich­zeitig ironische Weise zeigt: Künstlerische In­szenierungen zeigen Fleisch mit handschriftlichen Preisanhängern wie in Auslagen von teu­ren Juweliergeschäften – auf denen jedoch Niedrigpreise stehen. Ein nachdenklich machen­der Appell für mehr Wertschätzung für Fleisch. [Präsentation des Beitrags anschauen]

Der Wasserverbrauch beim Herstellen von Rindfleisch

Die Studentinnen möchten über den enor­men Wasserverbrauch in der Fleischer­zeugung informieren und so ein Überden­ken und die Wertschätzung des Fleisch­konsums anstoßen. Im Rahmen einer Postkartenreihe veranschaulichen sie den Wasserbrauch pro Kilogramm Fleisch auf überraschende, verfremdete Weise. So werden z.B. für die Erzeugung von 1 kg Hähnchenfleisch rund 4.000 Liter Wasser verbraucht. Diese Zahlen stehen im gleichen Verhältnis wie eine zehn Meter lange Strecke zum Erdum­fang. Oder: Das pro Kilo Schweinefleisch verbrauchte Wasser (5.000 l) wird dargestellt als die Höhe des Kölner Doms im Vergleich zu einer Erdnuss. [Präsentation des Beitrags anschauen]

Der Wasserverbrauch beim Herstellen verschiedener Fleischprodukte

Angelina Bange visualisiert in ihrer Plakatreihe den Ressourcenverbrauch durch die Produkti­on verschiedener Fleischerzeugnisse. Mit Hilfe von Piktogrammen stellt sie beispielsweise den Ver­brauch an Wasser oder Fläche sowie die Emissi­on von Treibhausgasen pro 100 Gramm Wurst dar, so dass Verbraucher die erheblichen Aus­wirkungen des Fleischkon­sums auf einen Blick erkennen können. [Präsentation des Beitrags anschauen]

 Ziel und Idee des Wettbewerbs

Wenn es heute einen großen Ernährungstrend gibt – dann ist es die Hinwendung zu vegetari­scher und veganer Küche. An jeder Ecke sind diese Entwicklungen zu beobachten, ob in den Restaurants und Mensen oder in den Supermärkten und Discountern. Fakt ist aber - die Mehr­heit der Bevölkerung isst regelmäßig Fleisch und versteht es als Teil ihrer Esskultur. Hier setzte der Wettbewerb "Well done: Fleisch und Nachhaltigkeit" an. Für diese Zielgruppe haben wir - die Verbraucherzentrale NRW - und die Studierenden der ecosign uns im Sommersemester 2016 auf die Suche nach kreativen Ideen gemacht: Wie lassen sich die Konsumenten für einen bewusste­ren, nachhaltigen Fleischkonsum, schonende Tierhaltung oder globale Zusammenhänge in der Fleischproduktion auf eine positive Weise gewinnen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu mahnen? Wie können Menschen angesprochen werden, denen die Missstände in so mancher "Tierhal­tung" nicht gleichgültig sind, sondern die Wert auf besseren Umgang mit den Tieren, hohe Fleischqualität, nachvollziehbare Herkunft und Regionalität legen? Kurzum: Wie kann für einen bewussteren Umgang mit tieri­schen Nahrungsmitteln und für mehr Wertschätzung für Fleisch und Fleischprodukte motiviert werden?