Internetanschluss prüfen – FAQ zu langsamem Breitband

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Internetgeschwindigkeit richtig messen und beim Anbieter die eigenen Rechte durchsetzen: In diesen FAQ erfahren Sie, was zu tun ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Internetanschluss zu Hause viel langsamer ist als versprochen, sollten Sie mehrere Geschwindigkeitsmessungen durchführen.
  • Protokollieren Sie die Messungen und wenden Sie sich mit den Ergebnissen an Ihren Anbieter. Unsere Musterbriefe liefern Ihnen die richtigen Formulierungen.
  • Unter bestimmten Umständen können Sie Ihren Tarif wechseln oder außerordentlich kündigen.
Grafik: Fünf Schritte bei langsamem Internet. Fehlersuche, Vertrags-Check, Messung, Abhilfe verlangen, Kündigung oder Tarifwechsel
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Nach Abschluss eines Vertrages für einen Internetanschluss passiert es leider häufig, dass die in der Werbung versprochene und die tatsächliche Geschwindigkeit weit auseinander liegen. Internetanbieter liefern oft nur einen Bruchteil der versprochenen Geschwindigkeit. In der Regel hat der Verbraucher vor Abschluss des Vertrages keine Möglichkeit mit Sicherheit zu erfahren, welche Geschwindigkeit genau an seinem Anschluss geboten wird. Zwar führt der Anbieter gegebenenfalls vor der Schaltung einen Vorab-Geschwindigkeitstest durch – dennoch kann es später zu Abweichungen kommen. Hier hilft im Zweifel nur, die Geschwindigkeit selbst zu messen.

Im Folgenden erläutern wir Ihnen, worauf Sie beim Vertragsschluss achten sollten, wie Sie die verfügbare Übertragungsgeschwindigkeit (Megabit/Sekunde; MBit/s) ermitteln und welche Rechte Sie bei Unterschreiten der vereinbarten Übertragungsgeschwindigkeit haben. Eine kompaktere Übersicht können als Checkliste herunterladen.

Macht es einen Unterschied, ob ich Probleme mit meinem festen Internetanschluss zu Hause (z.B. Kabel, DSL) oder mit meinem mobilen Anschluss (z.B. UMTS, LTE) habe?

Grundsätzlich stehen Ihnen bei beiden Internetanschlüssen dieselben Rechte zu. Sie können also sowohl bei festen Internetanschlüssen (sog. Festnetz-Breitbandanschlüsse), wie auch mobilen Zugängen die u.g. Möglichkeiten wie Vertragsanpassung, fristlose Kündigung und Schadensersatz geltend machen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Anbieter die vertragsgemäße Geschwindigkeit auch tatsächlich nicht erbringt. Diese Tatsache müssen Sie als Kunde nachweisen.

Für diesen Nachweis hat die Bundesnetzagentur ein Verfahren entwickelt (siehe unter: Laut Speedtest habe ich eine geringere Geschwindigkeit als vereinbart. Was mache ich jetzt?). Kommen Sie nach diesem Verfahren zu dem Schluss, dass die Geschwindigkeit zu niedrig ist, können Sie damit darlegen, dass die Leistung Ihres Anbieters nicht vertragsgemäß ist.

Ein solches Verfahren hat die Bundesnetzagentur bisher jedoch nur für den festen Internetanschluss zu Hause entwickelt. Dies liegt daran, dass die Geschwindigkeit bei mobilen Zugängen von vielen Faktoren abhängig ist, die nicht in den Verantwortungsbereich des Anbieters fallen (z.B. Bauart und Empfang des Handys, Aufenthaltsort des Nutzers, Wetter). Eine zuverlässige Messung ist damit für den Verbraucher im Mobilbereich kaum möglich. Somit ist es für den Verbraucher im Ergebnis auch sehr schwer den Nachweis zu führen, dass der Anbieter nicht vertragsgemäß leistet.

Dieser Nachweis ist durch das von der Bundesnetzagentur entwickelte Verfahren für Festnetz-Breitbandanschlüsse deutlich einfacher zu führen. Die Chancen, hier Ihre Rechte durchzusetzen sind damit deutlich höher.

Woher weiß ich, wie schnell mein Anschluss eigentlich sein sollte?

Leider sind die Angaben der Anbieter in der Werbung wenig aussagekräftig. Internetanschlüsse werden in der Regel nur mit der maximal erreichbaren Übertragungsgeschwindigkeit beworben. Dies erkennen Sie an der Angabe "bis zu", die Anbieter vor die Geschwindigkeitsangabe setzen (z.B. "bis zu 100 Mbit/s"). Dies bedeutet aber in der Praxis, dass Ihnen unter Umständen tatsächlich deutlich weniger Geschwindigkeit zu Verfügung steht. Dies hängt im Einzelfall von verschiedenen Kriterien ab. So kann insbesondere in Gebieten mit geringem Netzausbau die Geschwindigkeit deutlich niedriger sein. Außerdem hängt die Geschwindigkeit von Faktoren wie z.B. der Qualität der Übertragungsleitungen oder der Entfernung zur nächsten Vermittlungsstelle ab.

Seit 1. Juni 2017 müssen Anbieter von Telekommunikationsdiensten Verbrauchern jedoch in leicht zugänglicher Form vor Vertragsschluss ein Produktinformationsblatt bereitstellen, das die wesentlichen Vertragsbestandteile übersichtlich darstellt. Dieses muss Ihnen im stationären Handel ausgehändigt oder sehr gut sichtbar ausgelegt werden. Im Internet finden dieses meist unter dem Link "Produktinformationsblatt" bei den Details zu dem jeweiligen Tarif.

Hier müssen insbesondere auch genaue Angaben zu den verfügbaren Datenübertragungsraten enthalten sein. Der Anbieter muss hier die maximale, die minimale, sowie die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit angeben. Bei Mobilfunkverträgen muss der geschätzte Maximalwert angegeben sein. Diese Angaben gelten dann als vertragsgemäße Leistung vereinbart. Den Rahmen, in dem sich diese vertragsgemäße Leistung bewegt, legt der Anbieter jedoch selbst fest. Einige Anbieter gehen mittlerweile dazu über, diese Rahmen in den Produktinformationsblättern sehr weit zu fassen. So könnten dort beispielsweise Werte von minimal 10 und maximal 50 Megabit/Sekunde genannt sein. Steht Ihnen zu einer bestimmten Tageszeit nur eine geringe Geschwindigkeit zu, so weicht ein solch weiter Rahmen auch die Aussagekraft des Durchschnittswertes auf.

Kann ich bereits vor Vertragsschluss ermitteln, welche Geschwindigkeit an meinem Anschluss verfügbar ist?

Auf die Werbeaussage des Anbieters "bis zu" sollten Sie sich besser nicht verlassen. Die Aussagen der Anbieter, über die konkret an Ihrem Standpunkt verfügbare Geschwindigkeit, sind meist nicht sehr verlässlich.

Um bereits vor Vertragsschluss einen Überblick darüber zu bekommen, welche Geschwindigkeit Sie an Ihrem Standort in der Regel erwarten können, können Ihnen die Online-Karte Bundesnetzagentur sowie der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur behilflich sein. Hier können Sie diverse Testergebnisse verschiedener Regionen einsehen und auch nach Ihrem Standort suchen. Dabei ist nicht garantiert, dass Ihre Adresse verfügbar ist, die Karte wird jedoch regelmäßig aktualisiert.

Woher weiß ich, welche Geschwindigkeit tatsächlich an meinem Anschluss ankommt?

Sie können Ihre Übertragungsrate ganz einfach selbst testen, indem Sie einen sog. Speedtest durchführen. Hierfür bieten sich verschiedene Möglichkeiten.

Zum einen können Sie auf einen Test zurückgreifen, den Ihr Anbieter bereitstellt. Dieser muss Sie schon im Rahmen des Vertragsschlusses auf seinen Test hinweisen und diesen Hinweis auch z.B. per E-Mail oder SMS unverzüglich nach Schaltung des Anschlusses wiederholen. Er muss Ihnen auch einen Link mitteilen, unter dem Sie im Internet den Speedtest durchführen können. Der Anbieter ist grundsätzlich nicht verpflichtet, ein bestimmtes Programm für die Durchführung des Tests einzusetzen. Beachten Sie daher, dass Ihr Anbieter Ihnen möglicherweise nur einen Link zu einem eigenen Programm schickt. Dieses richtet sich dann unter Umständen nach anbieterspezifischen Vorgaben und stammt dann nicht aus einer neutralen Quelle. Es besteht hier grundsätzlich die Gefahr, dass der Test eher "wohlwollend" arbeitet und das Ergebnis unter Umständen schön rechnet.

Als neutrale Alternative empfehlen wir daher den von der Bundesnetzagentur angebotenen Speedtest. Dieser ist nicht anbieterbezogen und stammt mit der Bundesnetzagentur aus einer unabhängigen Quelle. Mit dem Test können Sie die Geschwindigkeit sowohl auf mobilen Endgeräten wie Handys, Tablets und Notebooks, wie auch Ihrem stationären PC Testen. Außerdem können Sie die Geschwindigkeit Ihrer Mobilfunkverbindung ermitteln.

Was muss ich beim Speedtest grundsätzlich beachten?

Zunächst kommt es darauf an, welchen Anschluss Sie testen möchten und welches Gerät Sie dazu verwenden. Insbesondere dann, wenn Sie den Test kabellos (WLAN oder Test Ihres Mobilfunknetzes) durchführen, hängt die gemessene Geschwindigkeit von vielen verschiedenen Faktoren ab. So können die Messwerte z.B. alleine durch den Abstand zu Ihrem WLAN-Router oder auch die Bauform des Handys oder Laptops erheblich variieren.

Testen Sie das Netz Ihres Mobilfunkanbieters, kann auch hier die Messung durch Bauart des Handys oder Ihren Standort (z.B. innerhalb geschlossener Räume) schwanken. Eine konstante Messung und damit zuverlässige Aussage ist bei kabellosen Messungen daher kaum möglich. So kann es durchaus sein, dass Sie mit Ihrem Laptop per WLAN nur eine geringe Geschwindigkeit messen, der Anschluss tatsächlich jedoch völlig einwandfrei mit der vollen Geschwindigkeit versorgt wird.

Wir empfehlen Ihnen daher, den Speedtest mit einer Kabelverbindung (sog. LAN-Kabel) direkt zu Ihrem Router bzw. Modem durchzuführen. In der Regel besitzen einige Laptops und die meisten stationären Desktop PCs entsprechende Anschlüsse. Mit Handys oder Tablets ist eine solche kabelgebundene Messung – wenn überhaupt – nur mit zusätzlichen Adaptern möglich. Auch bei der Messung mittels eines Laptops oder PCs sollte jedoch beachtet werden, dass der Anschluss auch schnell genug ist. So bieten ältere Computer z.B. keine schnellere Verbindung als 100 Mbit/Sekunde an. Möchten Sie hiermit einen modernen Anschluss mit höherer Übertragungsrate (z.B. 150 Mbit/Sekunde) testen, so ist dies nicht möglich.

Zusammengefasst sollten Sie folgendes für den Test beachten:

  • Sie sollten den Test nicht über eine drahtlose Verbindungen durchführen.
  • Am besten verbinden Sie Ihr Gerät direkt mit der sog. LAN-Buchse Ihres Routers und Ihres Endgerätes; sie sollten keine Zwischengeräte wie z.B. Powerline (Netzwerk über die Steckdose) verwenden.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Netzwerkkarte (sog. LAN-Adapter) schnell genug ist; für Anschlüsse mit einer Übertragungsrate von mehr als 100 Megabit/Sekunde benötigen Sie z.B. eine Karte mit 1 Gigabit/Sekunde
  • Es sollten während des Tests parallel laufende Programme geschlossen werden, insbesondere sollten nebenbei keine Downloads stattfinden; achten Sie z.B. darauf, dass nicht nebenbei Updates von Windows oder anderen Programmen heruntergeladen werden.
  • Der Energiesparmodus des Gerätes sollte deaktiviert sein.
  • Bei Nutzung eines Laptops/Notebooks sollte dies mit dem Netzgerät und dem Stromnetz verbunden sein.
  • Der Router sollte die aktuelle Firmware besitzen.

Eine genaue Beschreibung zur Durchführung des Tests mit konkreten Hinweisen finden Sie auf breitbandmessung.de.

TIPP: Verwenden Sie für den Speedtest am besten die Desktop-App der Bundesnetzagentur, welche für Windows, Mac OS und Linux zur Verfügung steht. Sie können mit der Desktop App die nötigen Schritte einfach und komfortabel durchführen und eine sog. Messkampagne starten. Sie können hier die Messwerte direkt speichern und auswerten lassen. Am Ende einer Messkampagne gibt Ihnen die App als Ergebnis den Hinweis, ob eine Erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung bei der Geschwindigkeit und damit eine nicht-vertragsgemäße Leistung vorliegt. Dies ist wichtig für das weitere Vorgehen gegen Ihren Anbieter.

Hier finden Sie eine Bedienungsanleitung zur Desktop-App.

Laut Speedtest habe ich eine geringere Geschwindigkeit als vereinbart. Was mache ich jetzt?

Haben Sie festgestellt,  dass die vertraglich zugesicherte Geschwindigkeit nicht erreicht wird, sollten Sie sicherstellen, dass es sich bei der Messung nicht um einen Einzelfall handelt. Hierzu wiederholen Sie den Test an verschiedenen Tagen und dokumentieren die Ergebnisse.

Die Tests müssen als Ergebnisse mindestens folgende aktuelle Werte enthalten:

  • Download-Rate (Geschwindigkeit beim Herunterladen von Daten aus dem Internet)
  • Upload-Rate (Geschwindigkeit beim Hochladen von Daten zum Beispiel in die Cloud)
  • Paketlaufzeit (Dauer für den Versand von Datenpaketen zu einem Ziel und zurück)

Bei anbietereigenen Messungen müssen die Ergebnisse optisch aufbereitet und so bereitgehalten werden, dass Sie sie auf der Internetseite des Anbieters im Online-Kundencenter für mindestens sechs Monate abrufen und ausdrucken können.

Sie können Ihre Rechte dem Anbieter gegenüber dann geltend machen, wenn die vom Anbieter versprochene Leistung der tatsächlichen nicht entspricht, also wenn die Leistung nicht vertragsgemäß ist. Entscheidend ist die Frage, ab welcher Abweichung von der vertraglich vereinbarten Geschwindigkeit bei Breitbandanschlüssen eine nicht vertragskonforme Leistung vorliegt. Eine kurzfristige Unterschreitung der Geschwindigkeit reicht hierzu in der Regel nicht aus. Die Leistung Ihres Anbieters gilt dann nicht mehr als vertragsgemäß, wenn eine erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung bei der Geschwindigkeit oder bei anderen Dienstqualitätsparametern zwischen der tatsächlichen Leistung und der vertraglich angegebenen Leistung vorliegt.

Bezüglich der Frage, wann eine solche erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung bei der Geschwindigkeit im Download vorliegt, hat die Bundesnetzagentur entsprechende Kriterien aufgestellt, welche jedoch – wie oben bereits erläutert – bisher nur für Festnetzbreitbandanschlüsse gilt. Danach ist die Geschwindigkeit im Download nicht mehr vertragsgemäß, wenn

  1. nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 % der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht werden,
  2. die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 % der Messungen erreicht wird oder
  3. die vertraglich vereinbarte minimale Geschwindigkeit an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird.

Dabei ist es ausreichend, wenn in einem der Fälle eine Abweichung vorliegt. Liegt also eine Abweichung entweder in Punkt 1 oder Punkt 2 oder Punkt 3 vor, so gilt die Geschwindigkeit als nicht vertragsgemäß. Hier ist zu beachten, dass die Anbieter wie bereits erwähnt vermutlich die Rahmen für die Maximal- und Minimalwerte sehr weit fassen werden.

Für die Upload-Geschwindigkeit wurden bisher keine konkreten Kriterien aufgestellt.

An folgende Vorgaben der Bundesnetzagentur sollten Sie sich beim Protokollieren der Messungen halten
  • Es müssen mindestens 20 Messungen erfolgen.
  • Die Messungen müssen an mindestens zwei unterschiedlichen Tagen vorgenommen werden.
  • Die Messungen sollen sich im gleichen Umfang auf die beiden Tage verteilen, sodass mindestens 10 Messungen an einem Tag erfolgen.
  • Die Messungen sind mit LAN-Verbindung vorzunehmen.
  • Die Messungen sollen über die im Rahmen der Breitbandmessung bereitgestellte installierbare Version durchgeführt werden.
  • Darüber hinaus sollen die Empfehlungen der Bundesnetzagentur zur Durchführung der Messungen beachtet werden.

Verwenden Sie für den Speedtest die Desktop-App der Bundesnetzagentur, können Sie Ihre Messungen damit verwalten und protokollieren.

Nach Durchführung des o.g. Tests zeigt sich, dass die Leistung der Geschwindigkeit zu niedrig ist. Kann ich einfach den Preis mindern?

Nein, leider können Sie den Preis nach aktueller Rechtslage nicht einfach mindern und weniger zahlen, solange die Geschwindigkeit nicht vertragsgemäß erbracht wird. Die liegt in der Natur Ihres Vertrages über den Internetanschluss. Die Rechtsprechung ordnet Verträge über Telekommunikationsdienstleistungen (z.B. den Internetanschluss) derzeit als Dienstverträge ein. Begründet wird dies damit, dass der Anbieter dem Kunden lediglich die Dienstleistung schuldet, ihm Zugang zum Internet zu eröffnen und den Datenaustausch zu ermöglichen. Insbesondere schuldet der Anbieter nicht im Sinne eines Werkvertrages einen bestimmten Erfolg, also z.B. eine bestimmte konstante Geschwindigkeit. Dies folge daraus, dass die Leitungskapazitäten des Anbieters begrenzt seien und die Übertragungsgeschwindigkeit ggf. je nach Netzauslastung schwanke. Daher könne der Anbieter nicht einen bestimmten Erfolg, nämlich das jederzeitige Zustandekommen einer Verbindung in das Internet mit einer bestimmten Geschwindigkeit, versprechen. Der Kunde könne einen solchen Erfolg auch nicht erwarten.

Die Einordnung als Dienstvertrag hat jedoch zur Folge, dass Rechte aus Mängelgewährleistung, wie z.B. die Minderung, nicht greifen. Während Ihnen bei Kaufverträgen und Mietverträgen das Recht der Minderung im Rahmen der Mängelgewährleistung zusteht, ist dies bei Dienstverträgen nicht der Fall. Das deutsche Recht kennt keine Mängelgewährleistung bei Dienstverträgen.

Welche Möglichkeiten habe ich, um gegen meinen Anbieter vorzugehen?

Zunächst sollten Sie sich unmittelbar an Ihren Anbieter wenden. Dieser kann eventuelle Störungen am Anschluss beheben und so möglicherweise schon den Zustand verbessern. Dazu informieren Sie Ihren Anbieter und fordern Ihn zur Leistung der vereinbarten Bandbreite innerhalb einer Frist von 10 bis 14 Tagen auf. Gegebenenfalls können Sie dabei auch mit Kündigung und Schadensersatz drohen, wenn Sie Ihrem Schreiben mehr Nachdruck verleihen möchten. Zu Beweiszwecken sollten Sie diese Schreiben per Einschreiben/Rückschein oder Einwurfeinschreiben versenden und den Anbieter ggf. zusätzlich vorzugsweise per E-Mail oder per Fax informieren. Bewahren Sie die Sendebestätigung bzw. den Sendebericht gut auf. Hier finden Sie einen entsprechenden Musterbrief.

Kommt der Anbieter Ihrer Forderung nicht nach und bleibt die Geschwindigkeit unverändert, so bleiben Ihnen grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Sie bleiben bei Ihrem Anbieter und lassen Ihren Tarif anpassen.

Sie sollten versuchen, einen finanziell angepassten günstigeren Tarif zu bekommen, der für die tatsächlich ankommende Geschwindigkeit angemessen ist (§ 313 BGB). Hierzu fordern Sie Ihren Anbieter wiederum unter Fristsetzung von 10-14 Tagen schriftlich per Einschreiben/Rückschein oder Einwurfeinschreiben und am besten zusätzlich per E-Mail/Fax auf, Sie in einen günstigeren Tarif einzustufen und den bestehenden Vertrag anzupassen. Beachten Sie hier unbedingt, welche Vereinbarung Sie in der Folge dann mit Ihrem Anbieter im Einzelnen treffen.

Wichtig: Bietet der Anbieter Ihnen an, einen günstigeren Tarif abzuschließen, kann es sich dann unter Umständen um den Abschluss eines neuen Vertrages handeln. Hier sollten Sie darauf achten, ob eine Mindestvertragslaufzeit (in der Regel von 24 Monaten) neu beginnt. Dies sollten Sie vor Abschluss des neuen Vertrages unbedingt klären! Da die niedrige Geschwindigkeit im Verantwortungsbereich des Anbieters liegt, empfehlen wir Ihnen, sich nicht auf einen Neubeginn der 24-monatigen Laufzeit einzulassen. Außerdem müssen Sie bei dem Abschluss eines neuen Vertrages dringend sicherstellen, dass der bisherige Vertrag nicht parallel weiter läuft oder Ihnen z. B. eine neue Anschlussgebühr berechnet wird.
Achten Sie daher genau darauf, dass der Anbieter mit Ihnen keinen selbstständigen neuen Vertrag abschließt, sondern Ihren bisherigen Vertrag lediglich anpasst oder in einen günstigeren Tarif einstuft und sich die Laufzeit nicht verlängert. Einen entsprechenden Musterbrief finden Sie hier.

Sie bleiben nicht bei Ihrem Anbieter und kündigen außerordentlich.

Möchten Sie nicht bei Ihrem Anbieter bleiben oder ist eine Anpassung des Vertrages nicht möglich oder nicht gewünscht, so können Sie den Vertrag mit Ihrem Anbieter auch fristlos gemäß § 626 BGB kündigen. Eine fristlose Kündigung setzt insbesondere voraus, dass ein wichtiger Grund im Risikobereich des Vertragspartners vorliegt. Ein solcher wichtiger Grund ist dann die erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung bei der Geschwindigkeit.

Wenn Sie außerordentlich kündigen wollen, gehen Sie am besten folgendermaßen vor:

  • Wichtig: Frist von 2 Wochen beachten!
    Liegen die genannten Voraussetzungen für eine Kündigung aus wichtigem Grund vor, kann diese nur innerhalb einer Frist von zwei Wochen erfolgen, nachdem Sie von der unzureichenden Leistung durch Ihren Anbieter Kenntnis erlangt haben. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass zeitnah klare Verhältnisse herrschen, ob der Berechtigte von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machen wird. Setzen Sie eine zu lange Frist zur Leistung der vereinbarten Geschwindigkeit, besteht die Möglichkeit, dass Sie die zweiwöchige Kündigungsfrist versäumen.
    Unserer Ansicht und auch der Rechtsprechung nach beginnt diese Frist jedoch erst mit Ablauf derjenigen Frist, die Sie Ihrem Anbieter zur vertragsgemäßen Leistung gesetzt haben (vgl. folgend: Aufforderung zu Leistung und Fristsetzung).
    Die Rechtsprechung geht außerdem bei andauernden Störungen davon aus, dass die Kündigungsfrist ohnehin nicht vor deren Beendigung beginnt. Damit dürfte die Frist bei andauernder Unterschreitung der Geschwindigkeit unserer Ansicht nach nicht beginnen, sofern die Unterschreitung noch andauert.
  • Aufforderung zu Leistung und Fristsetzung.
    Hierzu fordern Sie Ihren Anbieter unter Fristsetzung von 10-14 Tagen schriftlich per Einschreiben/Rückschein oder Einwurfeinschreiben und am besten zusätzlich per E-Mail auf, die vereinbarte Bandbreite zu leisten. Um dieser Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, drohen Sie gleichzeitig mit der fristlosen Kündigung sowie der Geltendmachung von Schadensersatz. Einen entsprechenden Musterbrief finden Sie hier.
  • Nach Fristablauf ggf. Kündigung erklären und begründen.
    Kommt Ihr Anbieter Ihrer Forderung nach vertragsgemäßer Geschwindigkeit nicht nach, kündigen Sie fristlos wiederum schriftlich per Einschreiben/Rückschein oder Einwurfeinschreiben und am besten zusätzlich per E-Mail/Fax. Beachten Sie die Kündigungsfrist (vgl. Wichtig: 2 Wochen Frist beachten!).
    Sie sind grundsätzlich nicht dazu verpflichtet die Kündigung zu begründen. Der Anbieter hat jedoch das Recht, von Ihnen eine Begründung zu fordern, die Sie dann auch unverzüglich nachreichen müssen. Aus diesem Grund sollten Sie die Gründe wenn möglich schon bei der Kündigung angeben. Als Grund nennen Sie hier dann, dass eine erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung bei der Geschwindigkeit und damit eine nicht-vertragsgemäße Leistung vorliegt. Als Nachweis legen Sie einen Ausdruck des Messprotokolls bei. Einen entsprechenden Musterbrief finden Sie hier.
  • Gegebenenfalls Schadensersatz fordern.
    Haben Sie Aufwendungen, z.B. für Telefonate mit der Störungshotline, oder ist der Anschluss teilweise derart langsam, dass Sie zwingend das Internet mit Ihrem Handy nutzen müssen, so können Sie die dadurch entstehenden Mehrkosten unter Umständen als Schadensersatz geltend machen. Zu solchen Mehrkosten können auch die Kosten der Neueinrichtung des Anschlusses bei einem anderen Anbieter zählen. Für diesen Fall sollten Sie die entstehenden Kosten genau protokollieren und entsprechende Nachweise aufbewahren. Einen entsprechenden Musterbrief finden Sie hier.
  • Gegebenenfalls Fristsetzung und Kündigung gleichzeitig erklären.
    Wenn Sie sich sicher sind, dass Sie den Vertrag kündigen möchten, sofern der Anbieter die vereinbarte Geschwindigkeit nicht liefert, können Sie diesen auch unter Fristsetzung zur Leistung auffordern und direkt die Kündigung für den Fall erklären, dass Ihr Anbieter bis zum Fristablauf nicht leistet. Einen entsprechenden Musterbrief finden Sie hier.
Das sagen Gerichte

Leider gibt es bisher noch keine Rechtsprechung, in dem das o.g. Messverfahren der Bundesnetzagentur Gegenstand war. Jedoch haben verschiedene Gerichte auch schon vor diesem Messverfahren entschieden, dass der Kunde dann fristlos kündigen kann, wenn die Geschwindigkeit zu gering ist. Ein Kündigungsgrund liegt danach vor, wenn nur ca. 30 % der angegebenen Geschwindigkeit oder bei vereinbarten 18 Mbit/s nicht zumindest zeitweilig mindestens zweistellige Werte erreicht werden (AG München, Urteil vom 7.11.2014 - 223 C 20760/14 (rechtskräftig)) oder wenn die im Vertrag vorgesehene Maximalgeschwindigkeit um weit mehr als die Hälfte unterschritten wird (AG Kiel, Urteil vom 04.03.2011 - 106 C 21/11; AG Fürth/Bayern, Urteil vom 07.05.2009 - 340 C 3088/08). Sie sollten sich in Ihren Schreiben auf diese Urteile beziehen.

Einen Anspruch auf Schadensersatz haben die Gerichte bereits u.a. in Bezug auf die Einrichtungskosten eines neuen Anschlusses (AG Montabaur, Urteil vom 04.08.2008 - 15 C 268/08) bejaht. Ebenso besteht nach der Rechtsprechung neben dem Schaden aufgrund weiterer Aufwendungen auch ein Anspruch auf geringen Schadensersatz für die entgangene Nutzungsmöglichkeit des Internets. Dieser wurde bisher jedoch nur für den Fall entschieden, dass gar kein Internet mehr zur Verfügung steht (BGH, Urteil vom 24.01.2013 - III ZR 98/12). Inwiefern sich diese Rechtsprechung auch auf ein zu langsames Internet übertragen lässt, ist unklar. Dies wäre allenfalls denkbar, wenn die Geschwindigkeit derart langsam sein sollte, dass eine Nutzung faktisch nicht möglich ist.

Ich habe festgestellt, dass ich die Messung falsch durchgeführt habe. Tatsächlich ist die Geschwindigkeit in Ordnung, ich habe aber schon gekündigt. Was mache ich jetzt?

Es kommt auf das Verhalten Ihres Anbieters an. Für die Wirksamkeit einer Kündigung ist die Annahme durch Ihren Anbieter grundsätzlich nicht erforderlich. Erklärt dieser nun aber, er "akzeptiere" Ihre Kündigung oder "nehme diese an", so ist der Vertrag streng genommen zwar nicht gekündigt im juristischen Sinne. Mit dieser Annahme erklärt der Anbieter jedoch, mit Ihnen den Vertrag aufheben zu wollen. Reagieren Sie nun nicht mehr darauf oder bestätigen Ihrem Anbieter dessen "Annahme", so gilt der Vertrag in der Regel als aufgehoben. Erklärt der Anbieter dagegen, die Kündigung nicht gelten zu lassen, so ist diese aufgrund der falschen Messergebnisse unwirksam und der Vertrag läuft unverändert weiter.

Achtung: Kürzen Sie nicht einfach das Geld oder stellen Sie nicht komplett die Zahlungen an Ihren Anbieter ein – auch nicht, wenn Sie gekündigt haben. Denn ist Ihre Kündigung unwirksam, setzen Sie sich selbst der Gefahr einer außerordentlichen Kündigung durch den Anbieter aus, wenn Sie die Zahlung der vereinbarten Entgelte verweigern. Ist die Kündigung des Anbieters dann wirksam, könnte er auch Schadensersatz aufgrund des vorzeitigen Vertragsendes von Ihnen fordern.