Internet langsam: Das können Sie tun

Stand:

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist der Internetanschluss langsam, sollten Sie Kabel, Treiber und andere Faktoren prüfen.
  • Stellt sich heraus, dass Ihr Anbieter nicht die gewünschte Leistung liefert, führen Sie protokollierte Geschwindigkeitsmessungen durch.
  • Seit dem 01.  Dezember 2021 können Sie bei zu langsamer Leitung Ihren monatlichen Betrag mindern oder fristlos kündigen.
Schnecke auf einer Tastatur

Langsamer Internetanschluss

On

Der Stream bricht während der Fußball-Übertragung dauernd ab. Beim Download des neuen Programms kriecht der Fortschrittsbalken nur mühsam voran. Und beim Hochladen von Dokumenten für die Steuererklärung wird wegen Zeitüberschreitung die Annahme verweigert. Das Internet in vielen Haushalten lahmt – wie Beschwerden bei der Verbraucherzentrale NRW zeigen.

Weil Internetanbieter oft mit hohen "bis zu"-Bandbreiten werben, ist der Frust groß, wenn angepriesene Highspeed-Verbindungen nicht ankommen. Dann bleiben Ihnen folgende Möglichkeiten:

Grafik: Fünf Schritte, wenn das Internet lahmt - Fehlersuche, Vertrags-Check, Messung, Abhilfe verlangen, Kündigung oder Tarifwechsel

Fehlerquellen ausschließen

Nicht immer liegt es an der Leitung. Denn auch veraltete Treiber der Netzwerkkarte, schlechter WLAN-Empfang, zu viele Cookies im Browser, falsche Router-Einstellungen, ungeeignete Kabel oder Antivirenprogramme können die Geschwindigkeit bremsen. Manchmal hilft auch der alte Trick, den Internetrouter kurz aus- und wieder anzuschalten.

Welche Geschwindigkeit zusteht

Im Produktinformationsblatt müssen Anbieter angeben, welches Download- und Upload-Tempo Sie beim Internetdienst normalerweise erwarten können. Auf diese Unterlage müssen Sie vor Vertragsschluss unter anderem hingewiesen werden. Meist steht sie auch auf den Internetseiten des Anbieters zur Verfügung. Die im Produktinformationsblatt genannten Richtwerte sind die Messlatte dafür, ob die vereinbarte Geschwindigkeit tatsächlich beim Kunden ankommt.

Richtig messen

Die Bundesnetzagentur bietet auf breitbandmessung.de ein Messtool, um die Surfgeschwindigkeit zu überprüfen. Postleitzahl, Name des Anbieters und der gebuchte Tarif sowie die im Produktinformationsblatt angegebene maximale Datenübertragungsrate sind dabei der Schlüssel, um die aktuellen Übertragungsraten beim Down- und Upload auf die Probe zu stellen. Am Ende gibt's ein detailliertes Protokoll, das alle relevanten Daten festhält und Abweichungen von den Maximalwerten dokumentiert. Um Rechte gegenüber Ihrem Anbieter gelten machen zu können, müssen Sie mindestens 20 Messungen, verteilt auf zwei Tage, durchführen. Mit dem vom Programm erzeugten PDF Dokument können Sie sich an Ihren Anbieter wenden. Es dient als Nachweis für eine zu geringe Leistung. Wichtig: Der Computer muss mit einem Netzwerkkabel an den Router angeschlossen sein, um die Internetverbindung korrekt zu messen. Andere Geräte mit Internetanbindung (TV, Lautsprecher, Tablet etc.) müssen vorher abgeschaltet werden.

Ausführlicher beschäftigen wir uns mit dem Tool in den Fragen und Antworten zu langsamen Internetanschlüssen.

Abweichungen mit Folgen

Weicht die tatsächliche Internetgeschwindigkeit erheblich, kontinuierlich oder regelmäßig wiederkehrend von der vereinbarten ab, wird die vertraglich zugesicherte Leistung nicht erfüllt. Seit dem 01. Dezember 2021 können Sie dann Ihren monatlichen Betrag kürzen oder fristlos kündigen. Die Bundesnetzagentur hat festgelegt, dass die Leistung nicht ausreicht:

  • wenn nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht werden,
  • wenn die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 Prozent der Messungen erzielt wird
  • oder wenn die vereinbarte Mindestgeschwindigkeit an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird.

Auf Abhilfe pochen

Ist die Internetleitung nachweislich schlechter als vertraglich zugesichert, sollten Sie Ihren Anbieter schriftlich über das Problem informieren und eine angemessene Frist zur Abhilfe setzen. Zwei Wochen reichen normalerweise aus. Als Nachweis der zu langsamen Leistung dient nur das Messprotokoll des Programmes breitbandmessung.de der Bundesnetzagentur.

Minderung

Seit dem 01. Dezember 2021 können Sie Ihren monatlichen Betrag bei einer zu schlechten Leistung kürzen. Das heißt, dass Sie im Verhältnis zur fehlenden Geschwindigkeit weniger zahlen müssen. Kommen bei Ihnen anstatt der vereinbarten 100 MBit/s nur 50 MBit/s an, können Sie Ihren Betrag um 50 % mindern. Beträgt Ihr monatlicher Grundpreis für den Internetanschluss normalerweise 50 Euro, müssten Sie also nur 25 Euro bezahlen. Ist die Leistung jedoch nicht den ganzen Monat beeinträchtigt, muss die Minderung auf die Tage der Schlechtleistung beschränkt werden. Mindern Sie erst, wenn die schlechte Leistung nachgewiesen ist und Sie den Anbieter darauf hingewiesen haben. Die Minderung tritt nicht automatisch ein. Sämtliche andere Beträge für andere Dienste, wie zum Beispiel ein Pay-TV Abo oder Endgerätpakete dürfen nicht gemindert werden. Wenn Sie zu viel abziehen, kann Ihnen der Anschluss im schlimmsten Fall gesperrt werden.

Kündigung

Seit dem 01. Dezember 2021 können Sie bei zu schlechter Leistung auch fristlos kündigen. Voraussetzung ist das Messprotokoll als Nachweis und eine Aufforderung an den Anbieter, die vereinbarte Leistung zu erbringen. Die Aufforderung sollte per Einwurfeinschreiben mit Rückschein versendet werden und dem Anbieter eine Frist zur vollständigen Leistung von 10 bis 14 Tagen setzen.
Das heißt, wenn Sie ein Messprotokoll über die Schlechtleistung haben und der Anbieter auch nach abgelaufener Frist nicht die vereinbarte Geschwindigkeit liefert, können Sie den Vertrag ohne eine weitere Frist kündigen. Es empfiehlt sich zuvor erneut eine Messung durchzuführen, um einen weiteren Nachweis in der Hand zu haben.

Musterbriefe und weitere Erläuterungen dazu, wie Sie am besten vorgehen, finden Sie in den Fragen und Antworten zu langsamen Internetanschlüssen.