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Dämmung des Gebäudes

Stand:

Das Angebot an Dämmstoffen ist groß und deren Unterschiede erheblich. Wir erklären die wichtigsten Eigenschaften auf und worauf Sie achten sollten.

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Auch wenn Dämmstoffe aus unterschiedlichen Materialien bestehen können, eines haben sie gemeinsam: große Volumina bei geringem Gewicht aufgrund vieler kleiner Hohlräume. Die ruhende bzw. eingeschlossene Luft ist im Vergleich zu einem festen Körper ein sehr schlechter Wärmeleiter. Sie bewirkt vornehmlich die wärmedämmende Eigenschaft dieser Baustoffe.

Wie die Grafik zeigt, haben zwei Zentimeter eines gebräuchlichen Dämmstoffs die gleiche Dämmwirkung wie eine 120 Zentimeter starke Betonwand. Doch Dämmstoff ist nicht gleich Dämmstoff: Zwischen den verschiedenen Dämmmaterialien und auch den Produktformen (Platten, Matten, Schüttungen) gibt es erhebliche Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften und den Anwendungsbereichen. Die Entscheidung über den geeigneten Dämmstoff richtet sich nach den bauphysikalischen und konstruktiven Anforderungen im jeweiligen Anwendungsfall.

Wärmeleitfähigkeit

Das wichtigste Kriterium für die wärmedämmende Wirkung eines Dämmstoffs ist seine Wärmeleitfähigkeit. Sie wird als "Lambda-Wert" (λ-Wert) bezeichnet und beschreibt, wie gut der Dämmstoff Wärme transportiert. Dabei gilt: je niedriger die Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs, umso besser ist seine Wärmedämmwirkung. Als Wärmedämmstoffe werden Materialien bezeichnet, deren Lambda-Wert kleiner 0,1 W/(mK) ist. Gebräuchliche Dämmstoffe haben 0,025 bis 0,045 W/(mK). Spezielle Materialien erreichen auch geringere Werte, sie sind allerdings meist recht teuer und eignen sich daher vor allem für Spezialanwendungen

Dämmstoffe sind mit Einführung der Bauproduktenverordnung nach europäischer Norm mit dem CE-Zeichen zu deklarieren. Die Hersteller müssen den "Nennwert" der Wärmeleitfähigkeit λD neben dem CE-Zeichen angeben.
Für wärmeschutztechnische Berechnungen in Deutschland, wie etwa den EnEV-Nachweis ist allerdings der sogenannte "Bemessungswert" der Wärmeleitfähigkeit λ entscheidend. Dieser "etwas schlechtere" Bemessungswert ist beim Hersteller zu erfragen oder der DIN 4108-4 zu entnehmen.

Wärmedurchgang

Der Wärmedurchgangskoeffizient, kurz U-Wert (früher: k-Wert), gilt als Maßstab für die Wärmedurchlässigkeit des gesamten Bauteils. Er gibt an, wie viel Wärmeenergie pro Zeit bei einem Kelvin Temperaturunterschied zwischen innen und außen durch einen Quadratmeter der Gebäudehülle fließt, und hängt hauptsächlich von der Dicke und der Wärmeleitfähigkeit des Bauteils ab. Dabei werden alle Baustoffe zusammen betrachtet, bei der Außenwand beispielsweise neben der Dämmung auch das Mauerwerk und die Putzschichten. Je kleiner der U-Wert, desto geringer ist der Wärmedurchgang und desto geringer ist der Verlust von Heizenergie.

Beispiel
Eine 24 Zentimeter dicke Außenwand aus Hochlochziegeln hat einen U-Wert von etwa 1,4 W/(m2K), der sich durch eine 14 Zentimeter starke Dämmung auf etwa 0,24 W/(m2K) verringert.

Wer die Einspareffekte einer Fassadendämmung überschlägig einschätzen möchte, findet dazu hier ein Rechenbeispiel.

 

Auch bei Eingangstüren wird der Wert als Ud-Wert bezeichnet. Er sollte maximal 1,8 W/(m2K) betragen.

Wärmespeicherfähigkeit

Ein weiterer Faktor für die Qualität eines Dämmstoffs ist seine Wärmespeicherfähigkeit. Je mehr Wärme ein Dämmstoff speichern kann, umso träger reagiert er bei Aufheizung und Abkühlung. Diese Eigenschaft ist beispielsweise hilfreich, um im Sommer eine Überhitzung der Innenräume, insbesondere im Dachgeschoss, zu vermeiden. Optimal ist eine Phasenverschiebung von circa zwölf Stunden: Der Dämmstoff wirkt dann als Puffer, der tagsüber das Eindringen der Hitze in die Innenräume so lange verzögert, bis sie bei kühleren Temperaturen in der Nacht wieder abgegeben werden kann.

In der Regel haben Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Holzfaserplatten, Zelluloseflocken oder Hanffasermatten eine bessere Wärmespeicherfähigkeit als Produkte auf Erdölbasis wie Polystyrol oder Polyurethan.

Brandverhalten

Dämmstoffe werden wie alle Baustoffe nach ihrem Brandverhalten in die Baustoffklassen A1 oder A2 (nichtbrennbar), B1 (schwerentflammbar) und B2 (normalentflammbar) eingeteilt. Materialien der Baustoffklasse B3 (leichtentflammbar) dürfen im Bauwesen nicht verwendet werden. Das Material selbst wird im Brandverhalten auch von eventuell zugesetzten Stoffen wie etwa Klebern, Flammschutzmitteln undF Beschichtungen beeinflusst. Bei der Auswahl des Dämmstoffes sind für das entsprechende Bauteil immer die in der Landesbauordnung oder anderen Verordnungen genannten Anforderungen zu erfüllen.

Baustoffklasse Bauaufsichtliche Benennung Dämmstoff (Beispiel)
A - Nichtbrennbare Baustoffe
A1, A2 Nicht brennbare Baustoffe Mineralfaser, Schaumglas, Perlite
B - Brennbare Baustoffe
B1 Schwerentflammbare Baustoffe Holzwolleleichtbauplatten, Polyurethan-Hartschaum
B2 Normalentflammbare Baustoffe Holzfaserdämmplatten, Hanf, Zellulose
B3 Leichtentflammbare Baustoffe  

 

Anwendungsmöglichkeiten für Dämmstoffe

In den Normen werden für die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten bestimmte Dämmstoffe vorgeschrieben. Die Anwendung muss in Kurzform auf dem Produktetikett vermerkt sein. Nachfolgend sind die wichtigsten Anwendungsgebiete mit Beispielen aufgeführt:

Anwendungsgebiet Kurzeichen Anwendungsbeispiele
Decke/Dach DAD Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Deckungen
DAA Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Abdichtungen
DUK Außendämmung des Daches, der Bewitterung ausgesetzt (Umkehrdach) 1
DZ Zwischensparrendämmung, zweischaliges Dach, nicht begehbare, aber zugängliche oberste Geschossdecken
DI Innendämmung der Decke (unterseitig) oder des Daches, Dämmung unter den Sparren/Tragkonstruktion, abgehängte Decke usw.
DEO Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig) unter Estrich ohne Schallschutzanforderungen
DES Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig unter Estrich mit Schallschutzanforderungen
Wand WAB Außendämmung der Wand hinter Bekleidung
WAA Außendämmung der Wand hinter Abdichtung
WAP Außendämmung der Wand unter Putz
WZ Dämmung von zweischaligen Wänden, Kerndämmung
WH Dämmung von Holzrahmen- und Holztafelbauweise
WI Innendämmung der Wand
WTH Dämmung zwischen Haustrennwänden mit Schallschutzanforderungen
WTR Dämmung von Raumtrennwänden
Perimeter PW Außen liegende Wärmedämmung von Wänden gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtung) 1
PB Außen liegende Wärmedämmung unter der Bodenplatte gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtungen) 1

1 Es gelten die Festlegungen nach DIN 4108-2.

 

Energieaufwand für die Herstellung

Oft unberücksichtigt bleibt der Primärenenergieaufwand, der für die Herstellung des Dämmstoffs aufgewendet wird. Er kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es lohnt sich, den Energieaufwand für die Herstellung mit der erwarteten Energieeinsparung nach Einbau des Dämmstoffs zu vergleichen. Spätestens nach zwei Jahren hat sich die zur Herstellung benötigte Energie bei allen Dämmstoffen durch die erzielte Energieeinsparung amortisiert. Bei Polyurethandämmstoffen liegt die energetische Amortisationszeit zwischen 9 und 23 Monaten, bei Mineralfaserdämmstoffen zwischen 1,5 und 13 Monaten und bei Zellulosedämmstoffen unter einem Monat.