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Brexit: Was passiert mit Ihrer britischen Lebensversicherung?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bewahren Sie Ruhe und kündigen Sie nicht überstürzt! Versicherungsverträge bleiben mit allen Rechten und Pflichten bestehen.
  • Bei Übertragung auf irischen Versicherer entfällt für Verträge ab 01.12.2001 oder ab 25.01.2007 (ungeklärt!) der Schutz der britischen Insolvenzsicherung.
  • Nehmen Sie den Brexit zum Anlass, die eigene Vorsorge auf den Prüfstand zu stellen.
  • Unter Umständen können Sie auch ihre britische Lebens- und Rentenversicherung auch heute noch widerrufen.
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Während die Politik noch über richtigen Zeitpunkt und Weg diskutiert, ist der Brexit bei den Verbrauchern schon lange angekommen. Viele Unternehmen verlassen bereits das Vereinigte Königreich und siedeln sich in anderen EU-Mitgliedstaaten an. Davon betroffen sind auch Verbraucher in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund hat nun auch der britische Versicherer Standard Life (SL) seine Kunden über die Übertragung seiner Bestände auf die irische Konzerntochter informiert. Mit Anschreiben und ausführlichem Begleitheft erklärt Standard Life seinen rund 600.000 betroffenen Kunden die Pläne: Die Verträge, die bislang in Schottland geführt werden, sollen im Frühjahr 2019 auf den irischen Versicherer Standard Life International übertragen werden. Ein schottisches Gericht muss diesem Plan im Februar 2019 noch zustimmen. Auch prüfen die britischen Aufsichtsbehörden derzeit das Vorhaben und werden im Rahmen dessen u.a. auch die deutsche Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einbeziehen. Zudem wurde mit Zustimmung der britischen Aufsichtsbehörde ein unabhängiger Sachverständiger bestellt, der die Auswirkungen des Übertragungsplans auf die betroffenen Versicherungsverträge geprüft und in einem Gutachten veröffentlicht hat.

Sämtliche Rechte und Pflichten bleiben unverändert

Mit der Übertragung auf einen irischen Versicherer bleiben die Verträge auch weiterhin bei einem Unternehmen in der EU. Das dürfte nach einem Brexit – wie auch immer er dann ausgestaltet sein wird – sicherlich ein Vorteil sein. Alle EU-Regelungen gelten weiterhin. Ohnehin bleiben für Versicherer und Versicherungsnehmer sämtliche Rechte und Pflichten des Vertrages unverändert, der Vertrag wird 1:1 vom neuen (irischen) Versicherer übernommen. Auch werden die deutschen Kunden unverändert von einer Niederlassung in Deutschland betreut und Standard Life will wohl weiterhin auch am Ombudsmannverfahren der deutschen Versicherer teilnehmen.

Mit der Übertragung geht aber für viele Verträge auch ein deutlicher Nachteil einher: Bisher waren die Kunden im Falle einer Insolvenz des Versicherers über die britische Sicherungseinrichtung FSCS geschützt. Für welche Verträge dies gilt, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW derzeit nicht eindeutig geklärt. Hierzu gibt es unterschiedliche Aussagen. Möglicherweise besteht bislang Insolvenzschutz schon für alle Verträge, die ab dem 01.12.2001 geschlossen wurden. Möglich ist aber auch, dass bislang nur diejenigen Verträge Insolvenzschutz haben, die ab dem 25.01.2007 abgeschlossen wurden. Zu dieser Fragestellung wurde Standard Life angeschrieben. Sobald der Punkt geklärt ist, wird dieser Text aktualisiert. Für Verträge, die bis einschließlich 30.01.2001 bzw. bis einschließlich 24.01.2007 abgeschlossen wurden, gibt es auch bislang keinen Insolvenzschutz durch die FSCS.

Bitte fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach, ob und in welchem Umfang Ihr Vertrag bislang Insolvenzschutz hatte, sofern Sie einen Vertrag in dem Zeitraum 01.12.2001 bis 24.01.2007 geschlossen haben. Sofern schon bislang kein Insolvenzschutz besteht, ändert sich diesbezüglich durch die Übertragung nichts.

Mit dem Verlassen des Königsreichs wird der Schutzschirm der Insolvenzversicherung verlassen. Und eine vergleichbare Einrichtung gibt es in Irland nicht. Standard Life geht damit zumindest transparent um und weist deutlich auf diesen Umstand hin. Der Wegfall der Sicherungseinrichtung hat nach Ansicht des Sachverständigen "keine wesentliche nachteilige Auswirkung auf die Inhaber von zu übertragenden Versicherungsverträgen". Weiterhin heißt es, eine Insolvenz von SL stelle ein unwahrscheinliches Ereignis dar, weil SL sofort nach der Übertragung in zweckmäßiger Weise kapitalisiert werde und die Anforderungen von Solvency II erfüllen müsse.

Dieses Vertrauen müssen wohl zukünftig auch viele Betriebe und Arbeitnehmer haben, die ihre betriebliche Altersvorsorge über Standard Life aufgebaut haben und die nun ebenfalls vom Wegfall des britischen Insolvenzschutzes betroffen sind.

Beschwerden bei der BaFin möglich

Versicherungsnehmer haben zum einen die theoretische Möglichkeit, ihre Bedenken gegenüber Standard Life und dem zuständigen schottischen Gericht zu äußern. In der Praxis dürfte das die meisten Versicherungsnehmer überfordern, zumal SL selber dazu rät, hierfür einen auf schottisches Recht spezialisierten Rechtsanwalt in Anspruch zu nehmen. Zudem ist die Frist hierfür Mitte November 2018 abgelaufen. Zum anderen können sich Versicherungsvertragsinhaber in Deutschland mit Beschwerden auch an den Versicherungsombudsmann und die BaFin wenden.

Nehmen Sie den Brexit und die Übertragung zum Anlass und stellen Sie Ihre Altersvorsorge als Ganzes auf den Prüfstand! Hierzu bietet die Verbraucherzentrale NRW eine entsprechende Beratung an.