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Vertrag widerrufen: Wann das geht und wie Sie einen Widerruf erklären

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Wenn Sie Ware im Internet, am Telefon oder an Ihrer Wohnungstür kaufen oder Verträge dort abschließen, können Sie das in vielen Fällen rückgängig machen. Der Widerruf macht’s möglich.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das so genannte Widerrufsrecht gilt in der Regel 14 Tage nach Abschluss eines Vertrages oder dem Erhalt bestellter Ware.
  • Um das Widerrufsrecht wahrzunehmen, müssen Sie dem Händler oder Vertragspartner mitteilen, dass Sie widerrufen wollen.
  • Dazu können Sie zum Beispiel das vom Händler mitgelieferte Formular oder unseren Musterbrief nutzen.
In Vertragsunterlagen ist das Wort "Widerrufsrecht" gelb markiert.
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Verträge sind einzuhalten, heißt es grundsätzlich im deutschen Recht. Aber in einigen Fällen haben Verbraucher die Möglichkeit, sich von geschlossenen Verträgen zu lösen. Haben Sie den Vertrag zum Beispiel am Telefon, über das Internet oder an der Haustür geschlossen, können Sie ihn meistens widerrufen. Sie müssen nicht begründen, warum Sie sich vom Vertrag lösen möchten. Aber Sie müssen dem Vertragspartner mitteilen, dass Sie den Vertrag widerrufen – am besten schriftlich.

Wie kann ich einen Vertrag widerrufen?

Am besten verwenden Sie das vom Unternehmer mitgelieferte Musterwiderrufsformular und senden es per Einschreiben an die Adresse des Unternehmens oder per Fax mit Sendebericht. Sie müssen das Musterwiderrufsformular nicht verwenden, Sie können auch auf andere Weise Ihren Widerruf erklären, zum Beispiel mit unserem Musterbrief. Haben Sie Waren bestellt und wollen die Bestellung widerrufen, können Sie das Formular oder Ihr Widerrufsschreiben beim Zurücksenden der Ware mit ins Paket legen. Dann sollten Sie den Widerruf aber zur Sicherheit noch einmal zusätzlich per E-Mail erklären. 

Wie lange habe ich Zeit, einen Vertrag zu widerrufen?

In der Regel 14 Tage, sofern Sie von Ihrem Vertragspartner oder Verkäufer eine gültige Widerrufsbelehrung erhalten haben. Solange die Widerrufsbelehrung nicht vorliegt, läuft auch die Frist nicht. Reicht der Händler die Belehrung nach, haben Sie ab dann 14 Tage Zeit für den Widerruf. Das Widerrufsrecht erlischt spätestens nach einem Jahr und 14 Tagen. Die Frist beginnt zu unterschiedlichen Zeitpunkten:

Achtung: Bei der Frist zählen der Tag des Fristbeginns und auch Wochenenden und Feiertage mit! Wenn Sie die Ware also am 12. Dezember entgegennehmen oder den Vertrag an dem Tag geschlossen haben, sind die 14 Tage am 26. Dezember eigentlich vorbei – obwohl der 1. Weihnachtstag dazwischen liegt. Allerdings: Die Frist kann nicht an Samstagen, Sonntagen oder Feiertagen enden. Das bedeutet also: Die Frist endet erst am drauffolgenden Werktag, also am 27. Dezember. Ist das wiederum ein Samstag oder Sonntag, endet die Widerrufsfrist erst am darauf folgenden Montag. Damit Sie diese Frist einhalten, müssen Sie den Widerruf spätestens an diesem Tag auf den Weg bringen.

Muss ich begründen, warum ich einen Vertrag widerrufe?

Nein, einen Grund für Ihren Widerruf müssen Sie nicht angeben. Der Bundesgerichtshof hat dies mit Urteil vom 16. März 2016 noch einmal bekräftigt (Az. VIII ZR 146/15).

Habe ich bei jedem Vertrag ein Widerrufsrecht?

Nein. Widerrufen können Sie nur folgende Einkäufe und Verträge:

  1. „Fernabsatz“ – Verträge, die ausschließlich über Fernkommunikation geschlossen werden, also
    - über das Internet,
    - während eines Telefonats,
    - per Brief, Postkarte oder Fax.
    Voraussetzung ist aber: Der Unternehmer betreibt sein Geschäft regelmäßig im Fernabsatz. Dazu zählt nicht der Tante-Emma-Laden, bei dem man gelegentlich telefonisch bestellen kann.
     
  2. außerhalb von Geschäftsräumen, also
    - an der Haustür/in Ihrer Wohnung,
    - am Arbeitsplatz,
    - auf der Straße,
    bei einer Veranstaltung wie z.B. einer Kaffeefahrt.
    Mehr Infos dazu lesen Sie hier.

Kann ich auch im Ladengeschäft geschlossene Verträge widerrufen?

Ein gesetzliches Widerrufsrecht gibt es hier nicht. Allerdings zeigen sich viele Unternehmen kulant und bieten den Umtausch oder die Rückgabe von Waren innerhalb einer bestimmten Frist (zum Beispiel 30 Tage) an. Ein gesetzliches Widerrufsrecht besteht aber für viele im Laden geschlossene finanzierte Verträge. Zahlen Sie das im Laden für über 200 Euro gekaufte Handy zum Beispiel in monatlichen Raten ab, können Sie den Vertrag mit einem Widerruf rückgängig machen. Zusammengefasst haben Sie ein Widerrufsrecht in den folgenden Fällen:

  1. bei Vertragsschluss wurde Ratenzahlung vereinbart
  2. der Kaufvertrag ist mit einem Kreditvertrag verbunden
  3. es wurde eine Finanzierungshilfe gewährt – zum Beispiel beim Leasingvertrag mit Kaufverpflichtung
  4. zusammengehörende Sachen wie die Bände eines Lexikons werden nach und nach geliefert und sollen ratenweise bezahlt werden.
  5. Sie erhalten die regelmäßige Lieferung gleichartiger Sachen, beispielsweise bei Zeitungs- oder Zeitschriftenabonnements
  6. der Vertrag, etwa mit einem Buchclub, sieht die regelmäßige Abnahme von Ware vor.

Der Kaufpreis muss in diesen Fällen aber mehr als 200 Euro betragen und über mehr als drei Monate kreditiert sein.

Der Händler behauptet, es gäbe in meinem Fall kein Widerrufsrecht, kann das stimmen?

Nicht für jede Ware gilt das Widerrufsrecht. Es gibt die folgenden Ausnahmen:

  • Dies gilt zum Beispiel, wenn die Ware – wie bei Maßanzügen – auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Denn das hat für den Verkäufer oftmals zur Folge, dass er die Ware nicht weiterverkaufen kann.
  • Ebenso vom Widerrufsrecht ausgeschlossen sind schnell verderbliche Waren wie frische Lebensmittel.
  • Dasselbe gilt bei Verträgen über die Lieferung von Zeitungen, Zeitschriften oder Illustrierten – es sei denn, es handelt sich um ein Abo.
  • Außerdem kann man online erworbene Bahntickets, Pauschalreisen sowie Tickets für Konzerte nicht mehr widerrufen. Ebenso wie Veranstaltungen, die an einem bestimmten Termin stattfinden.
  • Besonderheit bei Verträgen außerhalb von Geschäftsräumen: Haben Sie die Leistung oder Ware sofort bekommen und bezahlt gibt es kein Widerrufsrecht, wenn Sie 40 € oder weniger dafür ausgegeben haben.


In anderen Ausnahmefällen besteht zwar grundsätzlich ein Widerrufsrecht, dieses kann aber vor Ablauf der Widerrufsfrist entfallen:

  • Zum Beispiel bei versiegelten Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind. Entfernen Sie also zum Beispiel ein Siegel an einer Creme, können Sie das Widerrufsrecht verlieren. Das trifft allerdings nur auf Ware zu, bei der es absolut unmöglich ist, sie wieder zum Verkauf anzubieten, ohne dass die Gesundheit oder Hygiene beeinträchtigt wäre. Wenn die Ware nach Reinigung wieder auf dem Markt zum Verkauf angeboten werden kann, greift die Ausnahme nicht. WC-Sitze sind zum Beispiel keine Hygieneartikel. Auch Matratzen sind keine Hygieneartikel (EuGH, Urteil vom 27.03.2019, Az. C- 681-17). Außerdem bestätigte der EuGH, dass Kleidung nicht unter die Ausnahme fällt. Das bedeutet unserer Meinung nach, dass man auch den Kauf von Unterwäsche und Bademode widerrufen kann.
  • Bei versiegelten CDs, DVDs oder ähnlichem, wenn Sie das Siegel entfernt haben.
  • Bei Dienstleistungen wie zum Beispiel Partnervermittlung, Übersetzung oder Beratung kann das Widerrufsrecht erlöschen, wenn der Unternehmer seine Dienstleistung schon vollständig erbracht hat. Wichtig: Sie müssen dem zugestimmt haben und dem Unternehmer Ihre Kenntnis davon bestätigt haben, dass Sie dadurch Ihr Widerrufsrecht verlieren. Ein versteckter Hinweis in den Geschäftsbedingungen reicht dafür nicht aus.
  • Auch beim Erwerb von digitalen Inhalten wie Musik, Filmen etc. kann das Widerrufsrecht erlöschen, sobald der Download oder das Streaming beginnt. Auch hier müssen Sie aber ausdrücklich zugestimmt haben, dass der Download beginnen sollte. Zudem müssen Sie Ihre Kenntnis davon bestätigt haben, dass Sie Ihr Widerrufsrecht verlieren. Dafür reichen weder ein Hinweis in den AGB noch der bloße Klick auf den Kaufen-Button.

Der Vertrag ist widerrufen, was muss ich jetzt tun?

Ware zurückschicken: Nach erfolgtem Widerruf müssen Sie die Ware binnen 14 Tagen wieder in Richtung Händler auf den Weg bringen, es sei denn dieser hat angeboten, die Ware abzuholen. Dabei dürfen Sie nicht gezwungen werden, die Originalverpackung zu verwenden. Die Rücksendeadresse finden Sie in der Widerrufsbelehrung. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware auf dem Transportweg trägt der Händler.

Sie bekommen gezahltes Geld zurück: Der Verkäufer ist verpflichtet, Ihnen Ihr Geld innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Widerrufserklärung zurückzuzahlen. Er kann mit der Überweisung aber so lange warten, bis er die Ware von Ihnen zurückerhalten hat oder Sie ihm einen Einlieferungsbeleg zusenden.

Der Händler muss Ihnen nicht nur den Kaufpreis zurückerstatten, sondern auch die Versandkosten, die Sie nach der Bestellung für den Versand der Ware zu Ihnen gezahlt hatten. Ausgenommen sind zum Beispiel Zusatzkosten für eine Expresslieferung. Im Gegenzug müssen Sie die Kosten für die Rücksendung der Waren tragen, es sei denn, der Händler hat sich bereit erklärt diese zu übernehmen oder Sie nicht vor Vertragsschluss auf die Kostenlast bei der Rücksendung informiert.

Wertersatz: Haben Sie die Ware beschädigt oder hat diese auf andere Weise an Wert verloren, kann der Händler Wertersatz verlangen, wenn er Sie vor Vertragsschluss rechtskonform über Ihr Widerrufsrecht informiert hat. Dies gilt aber nicht, wenn der Wertverlust auf einen Umgang mit der Ware zurückzuführen ist, der zur Prüfung der Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise der Ware notwendig war. Das heißt, Sie dürfen die Ware auspacken und testen. Dazu gehört gegebenenfalls auch das Aufbauen zerlegt gelieferter Möbel, ohne dass dies zu einer Wertersatzpflicht oder gar zum Wegfall des Widerrufsrechts führt. Bei Dienstleistungen müssen Sie dem Unternehmer Wertersatz für die bis zum Widerruf erbrachte Leistung zahlen, wenn Sie ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht informiert wurden und ausdrücklich verlangt haben, dass der Unternehmer vor Ablauf der Widerrufsfrist mit der Leistungserbringung beginnt.