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Gesundheits-Apps: ab 2020 kommen medizinische Anwendungen auf Rezept

Stand:

Neben zahlreichen Fitness- und Ernährungs-Apps kommen ab 2020 auch medizinische Anwendungen auf den Markt: Dann gibt es Apps, die Ärzte verschreiben können und für die Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gesundheits-Apps können viele neue Möglichkeiten bieten: sie messen z.B. bei Krankheiten wichtige Werte oder erinnern an Termine, helfen bei der Fitness oder einer gesünderen Ernährung.
  • Es gibt dabei keine einheitlichen Qualitätskriterien für Gesundheits-Apps und zu deren Inhalt, Funktionen und dem Schutz Ihrer Daten.
  • Künftig werden die Kosten von bestimmten, geprüften und vom Arzt verordneten Gesundheits-Apps von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Pulsmessung am Smartphone
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Der Markt für digitale Gesundheitsanwendungen, die sogenannten Gesundheits-Apps, wächst permanent. Smartphone-Nutzer finden in ihren App-Stores ein vielfältiges Angebot von Gesundheits-Apps zum Download. Angeboten werden Apps für Patienten und Verbraucher im Bereich Fitness und Gesundheit und medizinische Behandlung, die

  • informieren, Präventionsmaßnahmen bieten und bei Training oder Ernährung unterstützen,
  • medizinische Werte messen, speichern und auswerten.

Anbieter von Gesundheits-Apps sind häufig IT-Firmen, Pharmakonzerne oder Krankenkassen. Krankenkassen engagieren sich vor allem im Bereich von Prävention und Serviceangeboten.

Was sind Gesundheits-Apps?

Es gibt unterschiedliche Arten von Gesundheits-Apps:

  1. Sogenannte "Lifestyle"-Apps, z.B. Fitnesstracker, Ernährungs- und Bewegungs-Apps: Sie können dabei helfen, gesundheitsbewusstes Verhalten zu unterstützen.
  2. Service-orientiertere Apps erinnern an die Einnahme von Medikamenten, überwachen den Impfstatus, erinnern an Früherkennungsuntersuchungen, bieten die Möglichkeit, Arzttermine zu vereinbaren oder dienen als Tagebuch der Symptom- oder Verlaufskontrolle bei einer Erkrankung.
    Immer mehr Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern als Serviceangebot eigene Krankenkassen-Apps an, die die Onlinekommunikation mit der Krankenkasse erleichtern, bei der Suche nach einem Arzt helfen oder mit deren Hilfe Gesundheitsdaten verwaltet werden können.
  3. Daneben gibt es medizinische Apps, die der Diagnose und/oder Therapie einer Erkrankung dienen, wie z.B. der Auswertung von Blutzuckerwerten.
    Medizinische Apps sollten als Medizinprodukt zugelassen und mit dem CE-Kennzeichen versehen sein. Das CE-Kennzeichen sagt allerdings nichts über den gesundheitlichen Nutzen aus. Ab 2020 werden aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen mehr Apps als Medizinprodukt gelten und müssen dann auch die höheren Anforderungen erfüllen.

Ab 2020: Gesundheits-Apps auf Rezept

Mit dem Inkrafttreten des "Digitale Versorgungs-Gesetz" (DVG) im Jahr 2020 sollen künftig bestimmte digitale Gesundheitsanwendungen, also zum Beispiel Gesundheits- oder Medizin-Apps, für gesetzlich Versicherte zu einer Kassenleistung werden.

Von den Krankenkassen können dann bestimmte Apps bezahlt werden. Das können z.B. Apps sein gegen Rückenschmerzen, zum Umgang mit Tinnitus oder zur Hilfe bei Depressionen, Apps, die beim Einnehmen von Medikamenten helfen, digitale Tagebücher für Diabetiker oder unterstützende Apps bei Migräne und Schwangerschaften.

Die Krankenkasse kann die Kosten künftig übernehmen, wenn

  1. diese Apps vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft worden sind.
  2. Ihnen von Ihrem behandelnden Arzt eine zugelassene Gesundheits- oder Medizin-App verordnet wird.
  3. als Voraussetzung eine begründete Diagnose vorliegt.

Es geht aber auch ohne ärztliche Verordnung. Eine Gesundheits-App kann auch mit Genehmigung der Krankenkasse angewendet werden.

Hat das BfArM eine App geprüft und in das "Verzeichnis für digitale Gesunheitsanwendungen" aufgenommen, kommt sie in eine Testphase. Für ein Jahr tragen dann die Kassen die Kosten der App. Die App-Anbieter müssen in dieser Zeit nachweisen, dass ihre Software zu einer besseren medizinischen Versorgung der Nutzer beiträgt. Die Regeln gelten nicht nur für neue, sondern auch für bereits verfügbare Apps.

Genaueres über das Prüfverfahren beim BfArM wird noch in einer Rechtsverordnung geregelt. In Frage kommen für die Liste nur Apps mit einem CE-Zeichen.

Da jedoch wissenschaftliche Studien als Belege für den Nutzen einer Gesundheits-App nicht vorgeschrieben sind, sondern "Fallberichte, Expertenmeinungen, Anwendungsbeobachtungen, Studien oder sonstige valide Erkenntnisse", gibt es Kritik von verschiedenen Seiten, die Überprüfung des Gesundheitsnutzens sei nicht ausreichend.

Die ersten Gesundheits-Apps werden vermutlich gegen Ende des zweiten Quartals 2020 erstattet werden.

Verschreibt Ihr Arzt Ihnen eine App und tauchen Fragen dazu auf oder zweifeln Sie an ihrem Nutzen, sprechen Sie am besten mit dem Arzt!

Gibt es für Gesundheits-Apps nicht längst einheitliche Qualitätskriterien?

Bei jeder App stellt sich die Frage, ob die zugrundeliegenden Informationen richtig sind und aus welchen Quellen sie stammen.

Bislang gibt es noch keine einheitlichen Qualitätskriterien und keine zwingend vorgeschriebenen Angaben zur Zweckbestimmung, den Einsatzgebieten und Nutzergruppen und Grenzen des Einsatzes der App.

Die meisten Apps sind zudem nicht wissenschaftlich auf ihren Nutzen hin untersucht. So kann es hilfreiche Apps geben, aber auch solche, deren Nutzen nicht belegt ist und die schlimmstenfalls sogar Schaden anrichten können z.B. durch falsche Messungen und Diagnosen.

Umso wichtiger ist es, dass Sie Apps, die mehr als kleine Gimmicks bieten (z.B. Schrittzähler), mit Ihrem Hausarzt besprechen.

Wie sicher ist der Datenschutz?

Viele Apps sind bezüglich des Datenschutzes sehr kritisch zu bewerten. In vielen Gesundheitsapps werden sensible Daten erhoben, gespeichert und verarbeitet.

Als Nutzer wissen Sie bei vielen Apps nicht, wem Sie sensible Daten anvertrauen. Experten sehen darin ein großes Problem.

Schon der Download einer App hinterlässt Spuren. Deshalb wird auch diskutiert, ob für Apps, die von Ärzten verordnet und von Krankenkassen bezahlt werden, die Bezugsquelle App-Store oder Google Play überhaupt vertretbar ist.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer App zu lesen und zu prüfen, welche Daten die App abruft und ob sie diese eventuell an Dritte weiterleitet.

Wie sollten Sie eine App auswählen?

Mit den folgenden Fragen wollen wir Ihnen eine Orientierungshilfe geben.

Fragen Sie sich:

  • Welche Funktion soll die App erfüllen? Stimmt die tatsächliche Funktion mit der versprochenen überein?
    Achtung: Gratis-Programme haben oft einen sehr begrenzten Funktionsumfang. Wer mehr will, muss zahlen.
  • Wer ist der Hersteller der App: ein wissenschaftliches Institut, Mediziner, Pharmaunternehmen, Krankenkassen? Hat jemand ein Interesse daran, Ihnen seine Produkte zu verkaufen?
  • Wie wird die App finanziert? Wird Werbung eingeblendet, werden Sponsoren genannt?
    Achtung: gerade kostenlose Apps finanzieren sich über Datenhandel und Werbung.
  • Sind die Ratschläge und Informationen verständlich?
  • Sind die ausgegebenen Daten/Werte plausibel? Unterscheiden sich die gemessenen Werte (z. B. Blutzuckerwerte) erheblich von den vom Arzt gemessenen Werten?
  • Wird bei kritischen Werten darauf hingewiesen, einen Arzt zu Rate zu ziehen?
  • Was soll die App können, was muss sie daher vom Nutzer verlangen? Verlangt die App zum Beispiel Zugriff auf das Adressbuch, obwohl sie nur eine reine Dokumentationsfunktion hat?
    Fragen Sie sich, ob die geforderten Zugriffberechtigungen tatsächlich für die Funktion der App notwendig sind.
  • Gibt es Hinweise zur Weitergabe von Daten an Dritte und wenn ja, an wen und zu welchem Zweck werden die Daten weitergegeben?
  • Wo werden die Daten gespeichert: auf Ihrem Smartphone/Tablet oder extern beim Anbieter?
    Achtung: Bei einer externen Speicherung verlieren Sie möglicherweise die Kontrolle über die Daten.