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Facebook Messenger umgehen: Nachrichten lesen ohne Zwangs-App

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Um Privatnachrichten bei Facebook zu lesen und zu senden, verlangt das Netzwerk auf den meisten mobilen Geräten die Installation des Facebook-Messengers.
  • Wer mit einer Browser-App mbasic.facebook.com öffnet, kann auch ohne den Messenger seine Nachrichten lesen und schreiben.
  • Doch wer private Nachrichten über Facebook schreibt, sollte wissen, dass sie auch von anderen gelesen werden können.
  • Facebook hat angekündigt, im Messenger künftig Werbevideos anzuzeigen. Dadurch könnte die App mehr Datenvolumen verbrauchen.
Die Symbole der Apps Facebook und Messenger nebeneinander auf einem Smartphone-Display
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Facebook will seine Messenger-App pushen – mit merklichen Konsequenzen für Smartphone-Nutzer. Die Chat-Funktion in der mobilen App für Android- und iOS-Geräte wurde ausgegliedert. Sogar auf der mobilen Internetseite m.facebook.com ist das Lesen und Schreiben von Nachrichten ohne Installation des Messengers nicht mehr möglich. Die Folge: Bei einer neuen Nachricht erscheint beim Nutzer zwar nach wie vor ein Benachrichtigungssymbol, doch um die Nachricht auch lesen zu können, wird er aufgefordert, zusätzlich Facebooks Messenger-App herunterzuladen.

Es gibt aus unserer Sicht mehrere Gründe, auf den Messenger zu verzichten: Zum einen verlangt die App sehr viele Berechtigungen (siehe unten). Zum anderen hat ein Facebook-Sprecher Berichte bestätigt, dass im Messenger bald Werbevideos zu sehen sein sollen. Das kann das mobile Datenvolumen der Nutzer unterwegs belasten. Allerdings soll die Autoplay-Funktion für Videos im Messenger abschaltbar sein. Werbeanzeigen würden aber trotzdem erscheinen und Facebook liefert Werbetreibenden bereits eine Anleitung zur Erstellung. Darüber hinaus sind Nachrichten im Messenger nicht standardmäßig verschlüsselt und können von Facebook-Mitarbeitern gelesen werden (siehe unten).

So geht es ohne Facebook Messenger

Mit einem simplen Trick können Mobil-Nutzer den Zwang zur Zweit-App jedoch trotzdem umgehen: Indem sie nämlich mit der Browser-App die Seite https://mbasic.facebook.com/messages aufrufen. Diese Seite bietet Facebook eigentlich für diejenigen an, die ein Handy mit Internetzugang und kein modernes Smartphone nutzen. Die Seite ist zwar ziemlich reduziert, zum Nachrichten lesen unterwegs reicht sie dennoch.

Tipp: Mit einer Direkt-Verknüpfung auf dem Smartphone-Homescreen brauchen Sie die Adresse der mobilen Basic-Seite nicht jedes Mal umständlich über den Browser eingeben.

Zweite Möglichkeit: Desktop-Ansicht

Wer ein Smartphone mit größerem Display oder ein Tablet nutzt, kann auf der Facebook-Seite auch zur Desktop-Ansicht wechseln. In dieser Version ist der Messenger in die Seite integriert. Einziger Nachteil: Auf kleinen Bildschirmen kann das Lesen in der Desktop-Version schnell mühselig werden und die einzelnen Buttons und Links lassen sich kaum mit den Fingern treffen.

Tipp: Um zur Desktop-Version einer Website zu gelangen, öffnen Sie zunächst Ihren Browser und gehen dort in die Menü-Einstellungen. Hier finden Sie die Auswahlmöglichkeit "Desktopversion anfordern" (bei Chrome und Safari) oder "Desktop-Seite aktivieren" bei Firefox.

Facebook Messenger will viele Berechtigungen haben

Natürlich könnte man auch einfach einen anderen Messenger-Dienst nutzen. Hier gibt es eine Übersicht.

Die Zwangsinstallation des Facebook Messengers stößt auch deswegen vielen Nutzern übel auf, weil die App bei der Installation zahlreiche Zugriffsberechtigungen verlangt. Der Play Store von Google listete für den Messenger der Version vom 26. Juni 2018 folgende Berechtigungswünsche auf:

  • Identität
    • Konten auf dem Gerät finden
    • Konten hinzufügen oder entfernen
    • Eigene Kontaktkarten lesen
  • Kalender
    • Kalendereinträge und vertrauliche Informationen lesen
  • Kontakte
    • Konten auf dem Gerät finden
    • Kontakte lesen
    • Kontakte ändern
  • Standort
    • Ungefährer Standort (netzwerkbasiert)
    • Genauer Standort (GPS- und netzwerkbasiert)
  • SMS
    • SMS oder MMS lesen
    • MMS empfangen
    • SMS empfangen
    • SMS senden
    • SMS oder MMS bearbeiten
  • Telefon
    • Telefonnummern direkt anrufen
    • Ausgehende Anrufe umleiten
    • Anrufliste lesen und schreiben
    • Telefonstatus und Identität abrufen
  • Fotos/Medien/Dateien
    • USB-Speicherinhalte lesen
    • USB-Speicherinhalte ändern oder löschen
  • Speicher
    • USB-Speicherinhalte lesen
    • USB-Speicherinhalte ändern oder löschen
  • Kamera
    • Bilder und Videos aufnehmen
  • Mikrofon
    • Audio aufnehmen
  • WLAN-Verbindungsinformationen
    • WLAN-Verbindungen abrufen
  • Geräte-ID & Anrufinformationen
    • Telefonstatus und Identität abrufen
  • Sonstiges
    • Dateien ohne Benachrichtigung herunterladen
    • Daten aus dem Internet abrufen
    • Netzwerkverbindungen abrufen
    • Konten erstellen und Passwörter festlegen
    • Akkudaten lesen
    • mit Bluetooth-Geräten koppeln
    • Netzwerkkonnektivität ändern
    • Zugriff auf alle Netzwerke
    • Audio-Einstellungen ändern
    • Nahfeldkommunikation steuern
    • Synchronisierungseinstellungen lesen
    • Beim Start ausführen
    • Über anderen Apps einblenden
    • Vibrationsalarm steuern
    • Ruhezustand deaktivieren
    • Synchronisierung aktivieren oder deaktivieren
    • Verknüpfungen installieren
    • Google-Servicekonfiguration lesen

Standardmäßig weist Google darauf hin, dass Updates der App automatisch weitere Funktionen (also Rechte) in jeder Gruppe hinzufügen können. Bei Apps, die für Android-Version 6.0 und höher für iOS und Windows entwickelt wurden, können Berechtigungen einzeln bei der ersten Verwendung und auch nachträglich verwaltet werden.

Facebook-Mitarbeiter können Nachrichten lesen

Egal, ob Sie den Messenger als App oder das Nachrichtensystem auf der Facebook-Seite nutzen: Die Inhalte können grundsätzlich mitgelesen werden, sowohl von Maschinen als auch von Facebook-Mitarbeitern. Denn Nutzer können auch private Nachrichten wegen ihrer Inhalte melden. Die werden dann von einem Mitarbeiter des "Community-Operations-Teams" geprüft, ob sie gegen Facebooks Nutzungsbedingungen verstoßen und gegebenenfalls gelöscht. So erklärt es eine Mitarbeiterin von Facebooks deutscher PR-Agentur auf unsere Anfrage.

Darüber hinaus gebe es noch eine automatische Prüfung von Inhalten. Wird zum Beispiel ein Foto versendet, erhält es auf den Facebook-Servern einen so genannten Hash-Wert – eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen, die für jede Datei einzigartig wie ein Fingerabdruck ist. Sperrt oder löscht die künstliche Intelligenz das Bild (aus welchen Gründen auch immer), wird diese Aktion gespeichert. Wird das gleiche Foto irgendwo anders bei Facebook erneut hochgeladen oder in irgendeiner anderen privaten Nachricht über Facebook verschickt, sperrt oder löscht die Automatik auch die neue Datei.

Facebook bietet für seinen Messenger eine Verschlüsselung an. Die muss aber von allen Gesprächsteilnehmern aktiviert werden. Der Rahmen des Messengers ändert dann seine Farbe von blau zu schwarz. Die Verschlüsselung kann allerdings nur verwenden, wer den Messenger als App nutzt. Wer Nachrichten über mbasic.facebook.com oder die Desktop-Version der Facebook-Seite liest und sendet, kann keine Verschlüsselung aktivieren. Wie sicher die verschlüsselte Unterhaltung über den Facebook-Messenger wirklich ist, können wir nicht beurteilen. Denn Facebook bietet auch für verschlüsselte Kommunikation die Melden-Funktion an.