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Smartphones als Goldgruben

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Die Rohstoffvorkommen sind nicht unendlich. Umso wichtiger ist es, dass wir Rohstoffe nicht sinnlos vergeuden: Hier kommt das Recycling ins Spiel. Gerade Elektrogeräte sind im wahrsten Sinne des Wortes Goldgruben.

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Der Bergbau hat fatale Folgen für Menschen und Umwelt. Den negativen Auswirkungen kann Recycling entgegenwirken: Gerade in Elektro- und IT-Geräten schlummern viele wertvolle Metalle. Je mehr Metalle wiederverwertet werden können, desto weniger neue Rohstoffe müssen abgebaut werden.

Ein Beispiel für Geräte, die viele wertvolle Metalle enthalten, sind Smartphones. Sie sind leistungsstark – und beinhalten etliche Metalle, die knapp werden können. Die Europäische Kommission hat eine Liste erstellt mit 14 besonders kritischen Metallen, darunter auch solche, die in Smartphones zu finden sind: zum Beispiel Kobalt, Tantal und seltene Erden – außerdem natürlich "Klassiker", die noch nicht kritisch bewertet sind, aber trotzdem ihren Preis haben, wie Kupfer, Nickel oder Silber und Gold. Ein Smartphone enthält nach einer Untersuchung des Öko-Instituts ungefähr 306 Milligramm Silber und 30 Milligramm Gold, in einem Akku stecken 6,3 Gramm Kobalt.

Das mag sich wenig anhören, doch wenn man sich das Beispiel genauer anschaut, relativiert sich diese Einschätzung: In einer Tonne alter Handys oder Smartphones befinden sich 250 Gramm Gold. In einer Tonne Golderz hingegen nur vier Gramm. Man muss also 62,5 Tonnen Golderz abbauen, um dieselbe Menge Gold zu gewinnen. Recycling ist also im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll.

Allein 2015 wanderten 1,3 Milliarden Smartphones über die Ladentheke. Die Kehrseite der Medaille: Diese Mobiltelefone mussten neu gebaut werden, während die Altgeräte immer noch oft auf den Müll kommen. Im Klartext: Der Metallbergbau schreitet voran, während andere Metalle einfach weggeschmissen werden: Der Berg mit Elektroschrott wächst: 9,5 Millionen Tonnen alte Elektrogeräte sind es schätzungsweise alleine pro Jahr in der Europäischen Union sowie in Norwegen und der Schweiz. Davon wird nur ein Drittel separat gesammelt. In Deutschland sieht es etwas besser aus: Hierzulande liegt die Rücklaufquote bei etwa 45 Prozent, was immer noch viel zu niedrig ist. Doch das können wir uns nicht mehr leisten – in keinerlei Hinsicht.

Wohin mit alten Elektrogeräten?

Seit 2006 dürfen alte Elektro(-nik)-Geräte nicht mehr über den Hausmüll entsorgt werden, sondern müssen separat gesammelt werden. Gerade die kleinen Geräte - wie eben Handys - landen jedoch nach wie vor im Restmüll oder lagern als sogenannte "Schlafhandys" in den Haushalten. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien geht davon aus, dass rund 106 Millionen Handys ungenutzt in Schubladen schlummern. Und es dürften mehr werden, denn viele Telefonierer kaufen sich schon nach einem Jahr oder zwei Jahren ein neues Handy- oder Smartphonemodell.

Zurück zum Handel oder bei kommunalen Sammelstellen abgeben

Die Rückgabe der nicht mehr genutzten Geräte ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben und zum Schutz der Rohstoffe wichtig, sondern ab dem 24. Juli 2016 auch sehr einfach: Neben kommunalen Sammelstellen muss auch der Handel Altgeräte zurücknehmen. Am besten diese gleich beim Neukauf abgeben.

Grafik Lebenszyklus eines Mobiltelefons

Der Weg des Elektroschrotts

Auf dem Recyclinghof werden die Elektrogeräte sortiert: zum Beispiel kommen die Kühlschränke zu den Kühlschränken und die IT-Geräte zu den IT-Geräten. Denn die verschiedenen Geräte enthalten unterschiedliche Wertstoffe und auch unterschiedliche Schadstoffe.

Der vorsortierte Elektromüll geht dann weiter an spezialisierte Recyclingbetriebe. Teilweise zerlegen Arbeiter die Geräte dann weiter per Hand, teilweise werden sie direkt geschreddert. Aus dem Schreddergut fischen sie dann Eisenteile, Plastik, Nichteisenmetalle und Reststoffe heraus und trennen sie.

Kunststoff wird nur selten wiederverwendet. Meistens dient er als Brennmittel und wird statt Kohle in Zement- oder Kraftwerken verfeuert. Bei den Metallen sieht das positiver aus: Eisen kann leicht eingeschmolzen und wieder genutzt werden. Bei anderen Metallen hingegen ist es oft nicht ganz so einfach – meistens kann nur ein Teil zurück gewonnen werden – oder es das Recycling ist technisch so aufwendig, dass es sich nicht lohnt. Manche Metalle müssen in komplexen Verfahren chemisch aufbereitet werden, das ist oft zu teuer. Hier gilt es, noch viel zu forschen.

Bei Kupfer, Silber, Palladium oder Gold jedoch ist die Entwicklung schon weit; Aufwand und Ertrag stehen in einem guten Verhältnis. Rund 95 Prozent dieser Edelmetalle können wiederverwertet werden.

Anders ist es bei den sogenannten "seltenen Erden", von denen man häufig in den Medien hört oder liest. Sie werden fast nie recycelt – zu gering sind die Mengen in den Geräten. Da ist es derzeit noch billiger, neue Stoffe aus der Erde als aus Altgeräten zu gewinnen. Aber auch hier werden neue technische Verfahren Verbesserungen erzielen können.

Problemfeld Entsorgung

Recycling: Was zunächst gut klingt, hat immer noch Tücken. Der Weg, den ein Altgerät bis zur Wiederverwertung zurücklegt, ist nicht immer lückenlos nachzuvollziehen. Zudem gibt es noch immer das Problem des illegalen Exports von Elektroschrott in sogenannte Entwicklungsländer.

Eigentlich ist es zwar verboten, Abfälle in diese Länder zu exportieren. Doch manchmal wird das, was wir als "Müll" bezeichnen, als Gebrauchtware ausgezeichnet. Der Export ist günstiger als eine professionelle Wiederverwertung hierzulande. Meist sind dies Elektrogeräte aus illegalen Straßensammlungen. Wer seinen Elektroschrott zum Wertstoffhof bringt, kann ziemlich sicher sein, dass dieser nicht illegal exportiert wird.

Überdies sind unsere alten Handys und Computer für Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern häufig kein Abfall. Sie machen das, was wir oft nicht tun: Sie reparieren die Altgeräte und verkaufen sie. Aber viele der Altgeräte sind unbrauchbar. Sie werden dort in aufwändiger Handarbeit zerlegt und die Metalle daraus verkauft. Doch der Preis, den die Arbeiterinnen und Arbeiter dafür zahlen, ist hoch: Gefahr für Umwelt und Gesundheit.

Hier gilt es, Gesetze strenger zu kontrollieren, für transparente Strukturen in der Recyclingkette zu sorgen und auch die Hersteller in die Verantwortung zu nehmen.

Einzige Chance

Denn fachgerechtes Recycling ist und bleibt die einzige Chance, der Rohstoffknappheit entgegenzuwirken. Die Wiederverwertung wertvoller Rohstoffe schont Umwelt und Klima und verringert die weltweiten Konflikte und Missstände, die im Rohstoffabbau fußen. Verbraucherinnen und Verbraucher sind in der Pflicht – sogar gesetzlich – ihre Elektrogeräte nicht wegzuwerfen, sondern zu den Sammelstellen zu bringen.

Zu guter Letzt: Auch Recycling verbraucht viel Energie. Außerdem kann nicht alles restlos wiederverwertet werden. Daher gilt der Grundsatz: Der beste Müll ist der, der erst gar nicht anfällt. Das bedeutet: Wer sein Handy länger behält, engagiert sich am meisten für einen lebenswerten Planeten.

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