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Schadstoff-Gefahr in Bambus-Geschirr

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bambus-Geschirr besteht nicht nur aus Bambus, sondern aus Kunststoffen wie Melaminharz. Bambusholzpulver und Maisstärke werden lediglich als Füllstoffe verwendet.
  • Das Chemische Untersuchungsamt Stuttgart hat Bambusgeschirr und Bambus-Kaffeebecher geprüft: Etwa ein Drittel der Gefäße gab Melamin und/oder Formaldehyd an die Lebensmittel ab, teilweise wurden sogar die gesetzlichen Höchstmengen überschritten.
  • Mehrweggeschirr und Mehrweg-Coffee-to-go-Becher schonen die Umwelt, denn sie helfen Müll zu vermeiden. Aus Bambus und Kunstharz sollten sie wegen des Schadstoffrisikos aber nicht hergestellt sein. Empfehlenswerte Materialien für den Kontakt mit Lebensmitteln und Heißgetränken sind Edelstahl, Glas, Porzellan und Polypropylen.
Ein pinker Kaffeebecher mit der Aufschrift "Oh Lord, Coffee please!"
Off

Die meisten Anbieter von Bambus-Geschirr werben mit nachwachsenden Rohstoffen, Recyclebarkeit und Natürlichkeit. Sie bieten ihre Produkte als Alternative zu Plastik oder als "100% Bambus" an. Sie verschweigen jedoch oft, dass neben Bambus auch Kunststoffe wie Melaminharz, Harnstoff-Formaldehydharze oder Polylactate enthalten sind. Dieses Bambusgeschirr hat eine matte Oberfläche, eine Holzmaserung ist nicht zu erkennen.

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat nun 35 als Bambusgeschirr beworbene Produkte geprüft. Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • 11 Gegenstände gaben erhebliche Mengen Melamin und/oder Formaldehyd an das Testlebensmittel ab. Die gesetzlichen Höchstmengen für diese beiden Stoffe wurden teilweise deutlich überschritten. Formaldehydgas ist als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft. Melamin, der Ausgangsstoff für die Herstellung von Melaminharzen, kann mit einer weiteren Substanz Kristalle bilden, die zu Nierenschäden führen.
  • Wenn das Geschirr aus Harnstoff-Formaldehydharzen bestand, führte die heiße Testlösung zu sichtbaren Materialveränderungen, bei einem Becher sogar zu Rissen.
  • Nur bei 4 Gegenständen war die Werbung nicht irreführend und das Geschirr hielt außerdem die Höchstwerte bei der Schadstoffabgabe ein. Trotzdem erfüllten die Proben nicht die gesetzlichen Anforderungen, weil die Konformitätserklärung für Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Kunststoff fehlerhaft war oder die Kennzeichnung nicht ausreichte.
  • Alle 35 untersuchten Bambus-Geschirrteile bzw. Coffee-to-go-Becher hätten so nicht verkauft werden dürfen.

Gute Alternativen zu Bambusgeschirr

Thermobecher für Coffee to go und andere Heißgetränke unterwegs gibt es auch aus anderen Materialien. Thermobecher haben außerdem den Vorteil, dass sie das Getränk auch warm halten. Der Kunststoff Melaminharz hat den Nachteilteil, dass er unter bestimmten Bedingungen wie Hitze oder Einwirkung von Säure seine Bausteine Formaldehyd und Melamin an Lebensmittel abgibt. Bis 70° C gilt der Kunststoff als stabil.

Empfehlenswert für den Kontakt mit Lebensmitteln und Heißgetränken sind Edelstahl, Glas und Porzellan, aber auch schadstoffarme Kunststoffe.

Tipp der Verbraucherzentrale NRW

Kunststoff ist nicht generell schlecht für die Umwelt oder die Gesundheit, vorausgesetzt er wird lange genutzt und gibt keine Schadstoffe an das Lebensmittel ab. Kaufen Sie nur Produkte, bei denen der Hersteller die Art der verwendeten Materialien angibt. Es spricht nichts gegen Polypropylen (PP) als Mehrweg-Becher. Für Gegenstände wie Rührschüsseln, die nicht erhitzt werden, eignet sich auch Polyethylen (PE). Achten Sie auf Angaben zur sicheren Verwendung, beispielsweise zur Hitzebeständigkeit.