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Lebensversicherungen im Run-Off: Das müssen Verbraucher jetzt wissen

Stand:
  • Einige große Lebensversicherer prüfen einen sogenannten Run-Off.
  • Bei einem Run-Off stellt der Versicherer das Neugeschäft ein und wickelt nur noch seinen Bestand ganz oder teilweise ab.
  • Für Verbraucher besteht aufgrund der Run-Off-Pläne kein akuter Handlungsbedarf, Verträge sollten nicht überstürzt gekündigt werden.
  • Wird ein Versicherungsbestand auf einen neuen Versicherer übertragen, gelten weiterhin alle Rechte und Pflichten aus den Verträgen.
Lebensversicherung
Off

Um fürs Alter vorzusorgen oder Angehörige finanziell abzusichern, haben viele Verbraucher in den letzten Jahrzehnten eine Lebensversicherung abgeschlossen. Eine langfristige Vertragsbindung, die auf Vertrauen basiert. Doch genau dieses Vertrauen wird seitens der Verbraucher momentan stark auf die Probe gestellt. Denn Millionen deutsche Besitzer von Lebensversicherungen müssen sich wohl auf einen neuen Vertragspartner einstellen. Gleich mehrere große deutsche Versicherer denken über einen Run-Off nach.

Was ist ein Run-Off?
Bei einem Run-Off stellt der Versicherer das Neugeschäft ein und wickelt nur noch einen Teil- oder Gesamtbestand an Policen ab. Die Abwicklung der alten Verträge kann auch auf eine andere (Run-Off-)Versicherungsgesellschaft übertragen bzw. verkauft werden.
Erlaubt ist dies nach § 13 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) - mit Auflagen: Die Übertragung des Bestandes auf ein anderes Versicherungsunternehmen bedarf der vorherigen Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Die Aufsichtsbehörde ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Interessen der Versicherten zu wahren und zu prüfen, ob der aufnehmende Versicherer die Verpflichtungen aus den Verträgen auch künftig zuverlässig erfüllen kann. Das gilt insbesondere für Bestände von Versicherern, die zuvor über sogenannte Gewinnabführungsverträge die Gewinne an ihren Mutterkonzern abgeführt haben, der nach einer Übertragung jedoch nicht mehr für die Erfüllung der Verträge haften würde.

Run-Offs sind in Deutschland kein neues Phänomen: Rund 1,8 Millionen Lebensversicherungsverträge werden in Deutschland bereits von sogenannten Run-Off-Gesellschaften verwaltet. Durch die Diskussion um weitere Verkäufe der Bestände von deutschen Lebensversicherern an internationale Investoren erreicht das Thema in jüngerer Vergangenheit allerdings eine Größenordnung, die es so in Deutschland noch nicht gab.

Eine Entwicklung, die für das Vertrauen der Kunden in die Versicherungsbranche wohl kaum förderlich sein dürfte. Die große Sorge: Die Interessen der Versicherungsnehmer könnten gegenüber den Gewinnbestrebungen der Investoren in den Hintergrund rücken. Denn inwieweit ein neuer Versicherer noch Überschüsse für die Versicherten erwirtschaftet, bleibt fraglich und abzuwarten. Allzu großes Interesse dürften Investoren hieran zumindest nicht haben. Zudem: Ein Versicherer, der nicht mehr am Wettbewerb teilnimmt, dürfte weniger Anreize haben, sich als fairer und service-orientierter Vertragspartner zu präsentieren. Das könnte insbesondere auch bei eingeschlossenen Zusatzversicherungen, wie einer Berufsunfähigkeitsrente, von Nachteil sein. Im Leistungsfall stünde dann plötzlich ein anderer Versicherer mit anderem Regulierungsverhalten usw. auf der Gegenseite.

Was bedeuten die Run-Off-Pläne für Verbraucher?

  • Für die Verbraucher besteht derzeit kein akuter Handlungsbedarf. Kein Kunde muss überstürzt kündigen, denn bei einem Run-Off laufen die Verträge unverändert weiter. Die Käufer müssen die versprochenen Garantien zahlen und stehen dafür gerade, die bereits zugesicherten Überschussbeteiligungen zu erfüllen. Das gesamte Kundenvermögen eines Bestandes bleibt den betroffenen Verträgen erhalten.
  • Verbraucher sollten abwarten, ob ihr Bestand übertragen werden soll und an wen. Auf dieser Grundlage können sie dann überlegen, ob Handlungsbedarf besteht. Das ist immer auch von den individuellen Umständen abhängig (z.B. von Versicherer, Vertragslaufzeit, Garantiezins, Zusatzversicherungen wie etwa Berufsunfähigkeitsversicherung etc.).
  • Laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist ein Verkauf von Verträgen ins Ausland ausgeschlossen. Somit wäre ein neuer Versicherer auch weiterhin unter ihrer Aufsicht und es gälten die Sicherungseinrichtungen der deutschen Lebensversicherer.
  • Verbraucher sollten die aktuelle Diskussion zum Anlass nehmen, ihre Altersvorsorge als Ganzes auf den Prüfstand zu stellen und sich gegebenenfalls dazu unabhängig beraten zu lassen.

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