Testosteron-Booster Tribulus – Was kann das Erdsternchen wirklich?

Stand:

Ob die Pflanze Tribulus terrestris wie ein Steroid auf die Muskeln wirkt, ist unklar.

Das Wichtigste in Kürze: Wirkung nicht bewiesen

  • Tribulus terrestris, auch „Erdsternchen“ oder „Erdstachelnuss“ genannt, ist eine weit verbreitete Pflanze. Sie enthält Saponine. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen in vielen Pflanzen, beispielsweise in Bohnen, Spargel und Soja vor.
  • Nahrungsergänzungsmittel mit Saponinen sollen bei Sportlern für mehr Muskelmasse sorgen. Eine positive Wirkung auf die Potenz wird ebenfalls behauptet. Wissenschaftliche Belege fehlen für beides.
  • Da bei Produkten mit Tribulus terrestris häufig unerlaubt zugesetzte Hormone oder Steroide festgestellt wurden, besteht ein Risiko für die Gesundheit. Positive Befunde bei Dopingkontrollen sind ebenfalls möglich.
Muskelaufbau
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Was steckt hinter der Werbung zu Tribulus terrestris?

Nahrungsergänzungsmittel mit Tribulus terrestris (auch: Erdsternchen, Erdstachelnuss) alleine oder in Kombination mit anderen Stoffen werden vor allem für Sportler als sogenannte „Testosteron-Booster“ vermarktet. Sie sollen unter anderem Kraft- und Muskelzuwachs (anabole Wirkung) fördern, aber auch Libido und Potenz steigern.  Das soll durch eine Erhöhung der Testosteronkonzentration im Körper klappen.

Die anabole Wirkung wird Steroidsaponinen (vor allem dem Protodioscin, s.u.) zugeschrieben.

Obgleich Tribulus terrestris breite Anwendung findet und die „Erhöhung des körpereigenen Testosteronspiegels um über 40 Prozent bei gleichzeitiger deutlicher Zunahme von Muskelmasse und Kraft“ angepriesen wird, konnte die behauptete anabole Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden.

Stattdessen wurde in neueren Studien mit Athleten die Wirkungslosigkeit belegt. Positive Ergebnisse entstammen nur Fallberichten mit wenigen Versuchsteilnehmern.

Besonders widersinnig ist die Werbeaussage, dass die Tribulus-Extrakte eine wichtige Stickstoffquelle darstellen und so einer negativen Stickstoffbilanz vorgebeugt werden kann, die sonst einen Muskelaufbau verhindern würde. Eine negative Stickstoffbilanz würde dazu führt, dass insbesondere in der Muskulatur mehr Eiweiße abgebaut als aufgebaut werden. Sie entsteht aber nur in Hungerzeiten, z. B. durch langes Fasten oder bei schweren Krankheiten. Die Stickstoffversorgung gelingt Ihnen durch die reichliche Eiweiß- und damit Aminosäureversorgung in Deutschland sehr gut! Das gilt auch für Sportler, die Muskeln aufbauen wollen.

Während das „Erdsternchen“ in einigen Ländern gegen Husten und Kopfschmerzen verwendet wird, gibt es in Deutschland keine zugelassenen Arzneimittel mit Tribulus terrestris. In der Ayurvedischen Medizin wird es wegen seiner wassertreibenden Wirkung zur Behandlung von Ödemen und für Einläufe verwendet. Eine Wirkung als Potenzmittel ist dagegen unwahrscheinlich, wissenschaftliche Belege fehlen.

Für die Pflanze oder aus ihr gewonnene Substanzen gibt es keine gesundheitsbezogene Aussagen, die wissenschaftlich geprüft und von der EU-Kommission zugelassen worden sind (Health Claims).

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Tribulus- terrestris-Produkten achten?

Die Pflanze enthält gesundheitsbedenkliche Alkaloide, insbesondere Harman und Norharman. Ob diese genotoxischen (erbgutschädigenden) und mutagenen (erbgutverändernden) Substanzen in Nahrungsergänzungsmitteln mit Tribulus terrestris vorhanden sind und wie viel davon, ist nicht bekannt. Insgesamt sind zu wenige Daten vorhanden, um ein mögliches Risiko abzuschätzen. Risiken durch die enthaltenen Saponine sind nicht zu erwarten, da die Mengen in Nahrungsergänzungsmitteln zu niedrig sind. Für die schädlichen Wirkungen, die in Tierstudien gefundenen wurden, sind deutlich höhere Aufnahmemengen nötig.

Tribulus terrestris gilt laut Novel-Food-Verordnung als „nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln“. Das bedeutet u.a., dass es nicht von größeren Bevölkerungsgruppen über einen längeren Zeitraum gegessen wurde, sondern immer nur in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wurde. Damit fehlen Daten, die ein Ausbleiben von unerwünschten Wirkungen belegen könnten. Es gibt keine Studien an Menschen, die solche unerwünschten Wirkungen systematisch untersucht haben. Auch  Studien an Versuchstieren zur Kurz-, Langzeit- und Entwicklungstoxizität (also „Giftigkeit“), sowie zur Schädlichkeit für Erbgut und Fortpflanzungsorgane sind nicht verfügbar.

Aufgrund der schlechten Datenlage und verbleibender Unsicherheiten hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Tribulus terrestris in die Liste B der Stoffliste, Kategorie „Pflanzen und Pflanzenteile“, eingeordnet. Damit wird für die Pflanze eine Beschränkung bei der Verwendung in Lebensmitteln empfohlen. Für die Verwendung oberirdischer Teile von Tribulus terrestris bzw. daraus hergestellter Extrakte in anderen Lebensmitteln als Nahrungsergänzungsmitteln wird nach Novel-Food-Verordnung eine Genehmigung benötigt.

Bis eindeutige Studien zur Sicherheit vorliegen, sollten Sie Tribulus terrestris besser nicht in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verzehren.
Vor allem sollten diese Produkte nicht von Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 12 Jahren genommen werden.

Worauf sollten Sportler achten?

Die nach heutigem Kenntnisstand in Tribulus terrestris enthaltenen Inhaltsstoffe sind zwar nicht Bestandteil der aktuellen Verbotsliste der World Anti Doping Agency (WADA). Es wird aber immer wieder diskutiert, ob Extrakte dieser Pflanze einen Einfluss auf die körpereigene Hormonproduktion nehmen können.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Tribulus terrestris warnt die Nationale Anti Doping Agentur NADA auch bei angeblich rein pflanzlicher Zusammensetzung vor der möglichen Gefahr, dass für Sportler verbotene Substanzen enthalten sein können. Untersuchungen zeigen, dass eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln für Sportler (gewollte) Verunreinigungen mit Stimulanzien, Hormone oder Anabolika enthalten. Das betrifft vor allem Produkte aus dem nicht-europäischen Raum, aber auch von deutschen Herstellern, die im oder für das Ausland abfüllen lassen. Das kann zu positiven Analysenbefunden hinsichtlich Einnahme von verbotenen Stimulanzien oder Steroidanabolika führen. Nach dem gültigen WADA-Reglement erfüllt dies den Tatbestand des Dopings. Das Risiko tragen Sie als konsumierender Sportler.

Das Australian Institute of Sport (AIS) hat in seinem  „Sports Supplement Framework“ Tribulus terrestris in Gruppe D eingeordnet. Dort sind die Stoffe aufgeführt, die für Sportler verboten sind oder mit einem hohen Kontaminationsrisiko durch Substanzen, die zu einem positiven Dopingtest führen könnten, behaftet sind.

Wenn überhaupt, nehmen Sie nur Produkte, die auf der Kölner Liste stehen.

Im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF wurden in den letzten Jahren immer wieder Tribulus-Produkte mit nicht zugelassenen Zutaten erfasst.

Was ist Tribulus terrestris?

Tribulus terrestris, auch bekannt als (Erd-)Burzeldorn, Erdsternchen oder Erdstachelnuss, wächst weltweit, häufig in warmen Regionen wie dem Mittelmeergebiet, in Zentralasien und im tropischen Afrika. Die Pflanze enthält eine Vielzahl von Saponinen, u. a. die Steroidsaponine Furostanol und Spirostanol.

Saponine zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie sind in 75 % aller Pflanzenarten enthalten, also sehr weit verbreitet. Sie kommen z. B. in Bohnen, Spinat, Erdnüssen, Soja und vielen Allium-Arten, wie Lauch, Zwiebeln und Knoblauch, vor. Einige Saponine können fungizid, also pilzabtötend, oder cholesterinsenkend wirken, allerdings auch hämolytisch, d. h. bestimmte Blutzellen können aufgelöst werden. Besonders reich an Steroidsaponinen ist die Yamswurzel, aber auch der Spargel.

In der Vergangenheit wurde das auch in Tribulus terrestris vorkommende Spirostanol Dioscin als Ausgangsstoff für die Steroidhormonproduktion verwendet.

Saponine sind schwierig zu analysieren und mengenmäßig zu bestimmen. Die in Tribulus terrestris enthaltene Menge und die Zusammensetzung der Saponine variieren erheblich. Sie hängen ab von der geographischen Herkunft, vom Pflanzenteil und von der Wachstumsphase der Pflanze. In vielen Nahrungsergänzungsmitteln wird das Furostanol Protodioscin hervorgehoben. Beim Vergleich von Pflanzen unterschiedlicher Herkunft sind die niedrigsten Konzentrationen an Protodioscin in Pflanzen aus Indien und Vietnam enthalten. Höhere Werte sind in Pflanzen aus dem südeuropäischen Raum nachweisbar. In den Früchten ist meist weniger enthalten als in den Blättern.

Welche Inhaltsstoffe sind in Tribulus-terrestris-Produkten enthalten?

Viele Produkte enthalten, neben nötigen Zusatzstoffen wie Trennmittel, ausschließlich „Extrakte von Tribulus terrestris“. In den meisten Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht ersichtlich, welche Teile der Pflanzen verwendet werden. Für viele wird mit hohen Saponingehalten von 80 bis 90 % geworben. Hochdosierte Produkte enthalten bis zu 3.600 mg Tribulus-Extrakt und bis zu 1.800 mg Saponine (Tagesverzehrmengen). Es ist meist unklar, wie der  Extrakt zubereitet wurde oder wie die Saponine zusammengesetzt sind. Manche Hersteller geben allerdings den Gehalt an Protodioscin an (häufig 20-25 % der Saponine).

Einzelne Nahrungsergänzungsmittel enthalten außer dem Pflanzenextrakt auch noch das B-Vitamin Pantothensäure und Zink. Das hat für Hersteller den Vorteil, dass sie mit den für diese Stoffe zugelassenen Health Claims werben können: „Zink trägt zum Erhalt eines normalen Testosteronspiegels im Blut und zur normalen Eiweißsynthese bei“ sowie „Pantothensäure trägt zu einer normalen Synthese und zu einem normalen Stoffwechsel von Steroidhormonen bei“.

Für das Krafttraining werden auch Produkte angeboten, die neben Tribulus terrestris eine sogenannte ZMA-Mischung enthalten, die aus Zink, einer Magnesiumverbindung und Vitamin B 6 besteht.

Es ist nicht auszuschließen, dass Produkte mit Tribulus terrestris nicht angegebene anabole oder androgene Steroide enthalten.

Unser Tipp:
Nahrungsergänzungsmittel für Sportler aus unsicheren Quellen enthalten häufig neben den angegebenen Substanzen auch verbotene Stoffe. Gerade bei Substanzen, deren Wirkung fraglich ist, wie beim Tribulus terrestris, steht für Sie dieses Risiko in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Quellen:


Klenow S, Latté K P, Wegewitz U, Dusemund B, Pöting A, Schauzu M, Schumann R, Lindtner O, Appel K E, Großklaus R, Lampen A, Bundesinstitut für Risikobewertung, Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, 2., ergänzte Auflage Berlin 2013 (BfR-Wissenschaft 12/2013).

NADA,  Verbotsliste 2021 der WADA

Australian Institute of Sport (AIS): Sports Supplement Framework, Group D, Banned or at high risk of contamination with substances that could lead to a positive doping test.

Olympiastützpunkt Rheinland: Kölner Liste

Rokrywka A, Obmiński Z, Malczewska-Lenczowska J, Fijałek Z, Turek-Lepa E, Grucza R, Journal of Human Kinetics: Insights into Supplements with Tribulus terrestris used by Athletes, 2014 Jun 28; 41: 99–105. Published online 2014 Jul 8. doi: 10.2478/hukin-2014-0037.

Holzgrabe U, Schmitz J, Pharmazeutische Zeitung, Anabole Steroide Gesundheitsgefahren im Web, 19/2011.

DAZ online, Deutsche Apothekerzeitung, Potenzmittel: Pflanzliche Produkte sind oft mit Sildenafil verfälscht, 25.11.2015.

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit LAVES: Potenz zum Schlucken abgerufen am 05.09.2020