Rückrufe: Sesam und Ethylenoxid

Stand:

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit Ethylenoxid ist in der EU verboten. In Sesam aus anderen Ländern werden immer wieder Rückstände der Chemikalie festgestellt und Waren entsprechend zurückgerufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Sesamsamen aus Indien wurden in den letzten Monaten häufig überhöhte Rückstände von Ethylenoxid nachgewiesen.
  • In Deutschland ist der Einsatz von Ethylenoxid seit 1981 verboten, in der EU seit 1991, da es krebserregend und erbgutschädigend ist.
  • Sesam und Lebensmittel mit Sesam, die von einem Rückruf oder einer öffentlichen Warnung betroffen sind, können bei den Verkaufsstellen zurückgegeben oder sollten entsorgt werden.
Nahaufnahme zahlreicher Sesamsamen
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Aktueller Rückruf (10.5.2021): "Clasen Bio Amaranth", 500 Gramm, Charge 70100902 mit MHD 13.07.2021 / Charge 70105092 mit MHD 19.10.2021 / Charge 70107872 mit MHD 17.12.2021 / Charge 70110762 mit MHD 09.02.2022. Weitere Infos bei lebensmittelwarnung.de.

In 2020 und 2021 gab es zahlreiche Rückrufe für Sesamsaat und sesamhaltige Lebensmittel, von Müsli, über Knäckebrot, Gebäck bis hin zu Sesamöl oder Salattoppings. Seit 1981 ist Ethylenoxid in Deutschland und seit 1991 in der EU im Lebensmittelbereich verboten. In Sesam – besonders dem aus Indien – wurden zum Teil hohe Rückstandsmengen von Ethylenoxid festgestellt. Die betroffenen Produkte sind nicht mehr verkehrsfähig und wurden vom Markt genommen. Auf www.lebensmittelwarnung.de sind die einzelnen zurückgerufenen Lebensmittel aufgelistet.

Was ist Ethylenoxid?

Ethylenoxid ist ein Gas, das in tropischen Ländern eingesetzt wird, um Lebensmittel vor deren Transport zu behandeln und damit Schadorganismen wie z.B. Pilze und Bakterien zu zerstören und einem Verderb vorzubeugen. Ethylenoxid ist erbgutverändernd und krebserzeugend. Einen Richtwert ohne Gesundheitsrisiko gibt es daher nicht, so heißt es in einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung.

In der EU ist der Einsatz vollständig verboten, aber in Drittländern wie Indien, USA und Kanada immer noch erlaubt. In diesen Ländern wird es zur Bekämpfung von Pilzen und Bakterien in Gewürzen, Nüssen und Ölsaaten eingesetzt.

In der EU gilt für Ethylenoxid in Sesam ein Rückstandshöchstgehalt von 0,05 mg/kg. Die Stiftung Warentest hat berechnet, dass eine 60 Kilo schwere Person bei einem nachgewiesen stark belasteten Produkt (526-fache des Höchstgehaltes) nur 34 Körnchen (84 mg) pro Tag zu sich nehmen kann, um nicht die eigene Gesundheit zu gefährden.

Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?

Seit dem 26.10.2020 müssen 50 Prozent der Sesamimporte aus Indien bei der Einfuhr in die EU auf Rückstände von Ethylenoxid untersucht werden. Sesamlieferungen aus Indien dürfen nur noch mit einer amtlichen Bescheinigung importiert werden, die bestätigt, dass die Vorschriften der EU eingehalten werden.

Die Stiftung Warentest hat 44 Sesam-Produkte untersucht: Saaten, Sesammus, Öl und Riegel. Fast alle Sesam-Lebens­mittel im Test kann man bedenkenlos verzehren. Doch in vier Fällen wurden hohe Schadstoffrückstände gefunden, die den gesetzlich zulässigen Wert um ein Vielfaches überschreiten.

Unser Tipp

Im Haushalt vorhandene Sesamprodukte sollten Sie mit den Listen auf Lebensmittelwarnung abgleichen und ggf. an den Handel zurückgeben oder entsorgen.

Unsere Forderung

Beim Kauf von Sesam ist die Angabe des Ursprungslands nicht vorgeschrieben und in der Regel nicht erkennbar. Aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW sollte die Angabe des Ursprungslandes auf jedem verpackten Lebensmittel Pflicht sein. Solange dies nicht der Fall ist,  sind die Hersteller aufgefordert, die Herkunft freiwillig zu kennzeichnen.