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"Coating" als Schutzschicht für Obst und Gemüse

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Mit einer essbaren Schutzschicht versuchen große Lebensmittelhändler wie Edeka und Rewe, Obst und Gemüse ohne zusätzliche Verpackung länger haltbar zu machen. Wir erläutern den Sachstand zum "Coating"-Trend.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Derzeit gibt es Coating in Europa fast nur bei Früchten, deren Schale nicht verzehrt wird.
  • Bei Bio-Lebensmitteln darf Coating nicht zum Einsatz kommen.
  • Es gibt noch viele ungeklärte Fragen; zudem fehlt eine allgemeine Kennzeichnungspflicht.
Avocados mit Coating-Hinweis
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Deutschlands größte Lebensmittelhändler Edeka und Rewe bieten aktuell Avocado, Orangen und Mandarinen mit einer hauchdünnen, essbaren Schutzschicht an, die direkt auf die Schale der Früchte aufgetragen wird. Durch dieses so genannte Coating sollen die Früchte auch ohne Kunststoffverpackung länger haltbar bleiben.

Bei der von der Firma Apeel Sciences für Edeka entwickelten Schutzschicht handelt es sich um pflanzliche Fette (Lipide), die aus pflanzlichem gentechnikfreiem Material wie Fruchtfleisch, Schalen und Samen gewonnen werden. Aktuell werden dafür Abfälle aus der Lebensmittelproduktion genutzt, z.B. Trester aus der Weinherstellung. Rein chemisch handelt es sich um Mono- und Diglyceride wie bei dem als Lebensmittelzusatzstoff zugelassenen Emulgator E 471. Dieser gilt als unbedenklich, da er in den Fettstoffwechsel geht. Teilweise besteht er aus gesättigten Fettsäuren, die mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Wissenschaftliche Belege dafür, dass dies auch für die geringen Mengen Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren gilt, gibt es aber nicht. Die Rewe-Variante des britischen Herstellers AgriCoat NatureSeal besteht aus einem Mix aus natürlichen Zuckerresten, Zellulose sowie pflanzlichen Ölen und kann durch Besprühen oder Eintauchen der Früchte angewendet werden.

(Fast) keine Früchte mit essbarer Schale und keine Bio-Ware

Bisher werden die neuen Beschichtungsverfahren in Europa nur bei Früchten eingesetzt, deren Schale nicht verzehrt wird, wie Melonen, Ananas, Bananen, Papayas, Mangos, Avocados und Granatäpfel. Hinzu kommen Zitrusfrüchte, deren Verzehr bzw. Verwendung mit Schale - z. B. in Drinks - allerdings ohnehin nur mit Bio-Früchten erfolgen sollte: Zitrusfrüchte mit dem Apeel-Logo können zusätzlich auch mit Konservierungsstoffen behandelt sein, zudem können - auch unabhängig vom Coating - Pflanzenschutzmittel Verwendung gefunden haben. Für Bio-Lebensmittel kommt Coating aber generell nicht zum Einsatz, und auch Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen Anbau verboten. 

Inzwischen hat Apeel laut eigenen Angaben über 30 modifizierte Coatings zum Einsatz bei Äpfeln, Zitronen, Limetten, Erdbeeren, Tomaten und Paprika, denn für jedes Produkt muss die „zweite Haut“ eine spezielle Zusammensetzung haben. Das Unternehmen bereitet derzeit einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Kommission vor. Sollte das Verfahren also künftig auch auf Obst und Gemüse aufgebracht werden, deren Schale mitgegessen wird, wird natürlich auch die Schutzschicht mitverzehrt. 

Kennzeichnungspflicht gefordert

Es gibt keine grundsätzliche Kennzeichnungspflicht für die Anwendung von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren als Überzugsmittel auf Obst. Lediglich für Zitrusfrüchte gibt es eine spezielle EU-Vermarktungsnorm, die für Zitronen, Mandarinen und Orangen eine Kennzeichnung mit Konservierungsmitteln oder sonstigen chemischen Stoffen nach der Ernte vorschreibt. Als chemischer Stoff gilt diese Regelung auch für E471. Für die anderen Obstsorten gibt es keine Kennzeichnungspflicht. Edeka kennzeichnet das Obst mit dem Logo des US-Herstellers Apeel Sciences, die das Verfahren für die Lebensmittelkette entwickelt haben (s. Abb.). Eine allgemein verpflichtende und deutliche Kennzeichnung am Produkt wäre aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW jedoch wichtig, gerade im Hinblick auf Allergiker.

Coating aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW

Grundsätzlich ist der Vorstoß des Handels im Hinblick auf die Vermeidung von Verpackungsmüll zu begrüßen, Obst und Gemüse ohne Plastikverpackung anzubieten. Zudem kann es ein Mittel gegen Lebensmittelverschwendung sein - allerdings sind hier weitergehende Maßnahmen des Handels notwendig, denn es wird immer noch zu viel weggeworfen.

Unbedingt zu klären bleibt, wie sich die Nährstoffgehalte durch die längere Lagerung verändern - denn so erscheinen die Produkte im Handel letztlich frischer als sie eigentlich sind. Und schließlich muss der Preis beachtet werden: Aktuell sind diese Produkte etwa doppelt so teuer wie jene ohne Coating. Die Konsequenz: Der Handel hat weniger Verluste und der Verbraucher soll es bezahlen.