1. Lerneinheit: So funktioniert das E-Rezept

Stand:
Welche Rezepte sind jetzt elektronisch, was bedeutet das und wie funktioniert das Alles? In unserer ersten Lerneinheit lernen Sie, was sich mit der Einführung des E-Rezepts für Sie ändert.
Grafik zur ersten Lerneinheit
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1.1 Das hat sich durch die Einführung des E-Rezepts geändert

Die Digitalisierung in Deutschland wird aktuell auch im Gesundheitswesen umgesetzt. Ein großer Schritt hierfür ist die Einführung des E-Rezepts. Das E-Rezept soll die Verschreibung von Medikamenten in Arztpraxen und Apotheken vereinfachen, schneller und sicherer machen. Statt Papierrezepte zu nutzen, können Ärzte nun fälschungssichere, elektronische Rezepte ausstellen. Jetzt erhalten Sie Rezepte digital und Sie können sie auch über digitale Wege in der Apotheke einlösen. E-Rezepte sind zudem wichtige Bausteine für Videosprechstunden und Telemedizin, die immer öfter für ärztliche Behandlungen eingesetzt werden.

Welche Rezepte werden elektronisch?

Den Anfang macht das rosa Papierrezept. Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, verordnet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen damit verschreibungspflichtige Medikamente. Diese Rezeptform wurde nun als Erstes elektronisch.   

Bei gesetzlich Versicherten ist es auch jetzt schon möglich, grüne Rezepte für nicht verschreibungspflichte Medikamente auszustellen oder blaue Rezepte (für Selbstzahler) zu erhalten. Das hängt aber davon ab, ob das Praxisverwaltungsprogramm in der Arztpraxis das schon vorsieht. In weiteren Schritten ist geplant, auch Verordnungen zum Beispiel für Hilfsmittel oder auch für sogenannte Heilmittel, wie Physiotherapie, digital zu erstellen.

Ärzte und Ärztinnen erstellen das E-Rezept in ihrer speziellen Praxissoftware ähnlich einem herkömmlichen Rezept. Dabei wählen sie das verschriebene Medikament oder den Wirkstoff aus, erfassen die Patientendaten sowie die Dosierungsanweisungen. Anschließend unterzeichnen sie das Rezept digital mit ihrer elektronischen Unterschrift. Vorher müssen sich Ärzte und Ärztinnen mit ihrem elektronischen Heilberufsausweis legitimieren. Das ist eine personenbezogene Chipkarte für Angehörige der Heilberufe im deutschen Gesundheitswesen. Dieses Vorgehen ist wichtig für den Datenschutz und die Datensicherheit.

Das fertige elektronische Rezept wird dann automatisch verschlüsselt und auf einen zentralen Server, den E-Rezept-Fachdienst, übertragen.

Können auch Privatversicherte ein E-Rezept erhalten?

Privatversicherte können E-Rezepte erhalten, sofern ihre Krankenversicherung bereits eine digitale Identität (so genannte GesundheitsID) und den so genannten „Online Check-in“ anbietet.

1.2 Die Vor- und möglichen Nachteile des E-Rezepts

Bei der Einführung neuer Technologien wie dem E-Rezept kann es auch Probleme geben. Es erfordert oft Zeit, Abläufe zu optimieren und Anpassungen vorzunehmen – in den Arztpraxen, Apotheken und bei Softwareherstellern. Aber auch wir Patientinnen und Patienten müssen uns an das „Neue“ gewöhnen und vielleicht auch Berührungsängste überwinden. Auch das braucht Zeit.

Auch wenn die Bewertung natürlich individuell ist und Sie ggf. eine andere Wahrnehmung haben – hier haben wir die grundlegenden Vor- und Nachteile des E-Rezepts für Sie zusammengefasst:

Vor- und Nachteile des E-Rezepts in einer Liste

Aber was ist, wenn die Technik ausfällt?

Wenn die Technik für das E-Rezept oder die Internetverbindung ausfällt und Sie kein digitales Rezept erhalten oder einlösen können, kann Ihre Arztpraxis Ihnen immer noch eine Ersatzverordnung auf Papier ausstellen. In einem solchen Fall kann es für Sie allerdings zusätzlichen Aufwand bedeuten, vor allem dann, wenn Sie dringend ein Rezept benötigen und für die Ausstellung des Ersatz-Rezepts noch einmal zur Arztpraxis gehen müssen.

1.3 Das E-Rezept einlösen –wie geht das?

Wird ein E-Rezept für Sie ausgestellt, wird automatisch ein Code mit Ihren Medikamenten (der so genannte E-Rezept-Token) erzeugt. Über diesen digitalen Schlüssel kann das E-Rezept von der Apotheke aus vom E-Rezept-Server abgerufen werden.

Sie haben inzwischen vier Möglichkeiten, das E-Rezept einzulösen:

  • Einlösung mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK)
  • Papierausdruck mit digitalem Rezeptcode
  • Einlösung über die E-Rezept-App der gematik
  • Neu: Einlösung über Card-Link mit Apotheken-Apps
Anleitung zur Einlösung eines E-Rezepts über die App gematik
Bild: gematik

So lösen Sie das E-Rezept mit der Gesundheitskarte (eGK) ein

Mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) verfügen Sie bereits über den Schlüssel zum E-Rezept im E-Rezept-Server. Momentan ist die Einlösung mit der Gesundheitskarte auch die meistgenutzte Einlösemöglichkeit. Das Einlösen des E-Rezepts mit der elektronischen Gesundheitskarte ist ganz einfach:

  • Sie stecken Ihre elektronische Gesundheitskarte in das Kartenlesegerät in der Apotheke.
  • Die Apothekerin oder der Apotheker kann so Ihr Rezept auf dem E-Rezept-Server abrufen und einlösen.
  • Sie benötigen nur Ihre elektronische Gesundheitskarte. Sonst nichts.

Haben Sie den Auftrag, Medikamente für Familienangehörige oder Dritte abzuholen, können Sie auch deren E-Rezept in der Apotheke einlösen. Hierfür brauchen Sie ebenfalls nur die Gesundheitskarte dieser Person ins Lesegerät stecken. Nachteilig bei dem Einlöseweg über die eGK ist, dass Sie nach dem Arztbesuch nicht sehen können, was Ihnen verordnet wurde.

Grafik zur Auslösung in der Apotheke

Auf der Homepage der gematik finden Sie ein Erklärvideo dazu, wie Sie das E-Rezept einlösen.

So lösen Sie das E-Rezept mit dem Papierausdruck mit digitalem Rezeptcode ein:

Wenn Sie die E-Rezept-App nicht nutzen können oder wollen, können Sie das E-Rezept auch mit einem Papierausdruck mit Rezept-Code einlösen. Den Code bekommen Sie in der Arztpraxis. Fordern Sie einfach beim Arztbesuch den Papierausdruck des E-Rezepts an.

Digitaler Rezeptcode
Codefeld rechts oben:
In der Apotheke wird der Code abgescannt und Sie erhalten Ihr Medikament.
​​​​​
Codefeld links unten:
Es können bis zu drei Medikamente pro E-Rezept
verordnet werden.

(Bild: Gematik)

So lösen Sie das E-Rezept über die E-Rezept-App der gematik ein:

Mit der E-Rezept –App können Sie E-Rezepte digital bei einer Apotheke einzulösen. Hat die Apotheke dann noch einen Botendienst, können Sie sich den Weg in die Apotheke komplett sparen. Die App bietet Ihnen noch weitere nützlichen Funktionen und Vorteile:

Grafik: Das brauchen Sie für die E-Rezept-App

Neu: So lösen Sie das E-Rezept über das Card-Link-Verfahren ein

E-Rezepte mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) einlösen – das soll künftig auch funktionieren, ohne dass Versicherte ihre Karte vor Ort in ein Terminal stecken oder die E-Rezept-App der gematik nutzen.

Card-Link – so heißt der neue, vierte Einlöseweg für das E-Rezept. Das Card-Link -Verfahren soll eine weitere, einfache Möglichkeit sein, das Rezept digital ohne PIN über eine App einzulösen, besonders für diejenigen, die bei Versandapotheken bestellen möchten. Vor allem die Versandapotheken versprechen sich von dem Verfahren viel, da sie bedingt durch die geringe Nutzerzahl bei der E-Rezept-App, bislang nicht von E-Rezepten profitieren konnten. Aktuell gibt es kaum Anbieter, die das Verfahren anbieten. Es setzt eine eigene Apotheken-App voraus, die den speziellen Anforderungen der gematik entsprechen müssen. 

Das braucht man für das neue Verfahren:

  • NFC-fähiges Smartphone
  • NFC-Fähige Gesundheitskarte
  • und die App einer Apotheke, die das Card-Link-Verfahren anbietet.

Grafik zum eHealth-Cardlink

Wie soll der neue Einlöseweg funktionieren?

Zunächst laden Sie die App einer Apotheke, die das Verfahren zur Einlösung anbietet, auf Ihr Smartphone herunter. Ihr Handy muss NFC-fähig sein. Mit dem Card-Link-Verfahren benutzen Sie Ihr NFC-fähiges Smartphone wie ein Kartenlesegerät.

Sie halten Ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK), wie bei der E-Rezept-App der gematik auch, an die NFC-Schnittstelle Ihres Smartphones. Per kontaktloser Kommunikation (NFC) können App und eGK dann verbunden werden.

Für das Card-Link-Verfahren ist die Angabe einer Telefonnummer notwendig. Die Telefonnummer kann entweder die im Nutzerkonto hinterlegte Nummer sein oder eine andere vom Nutzer eingegebene Nummer. Es muss zwingend eine deutsche Telefonnummer angegeben werden. Wenn ein Nutzer zum ersten Mal eine elektronische Gesundheitskarte verwendet, wird diese mit seiner Telefonnummer verknüpft. Sobald die Telefonnummer hinterlegt ist, wird ein sog. Versichertenstammdaten-Prüfnachweis (kurz: VSDM-Prüfnachweis) erzeugt. Zuvor bekommt der Nutzer einen SMS-Code zugesendet, den er zunächst eingeben muss. Nachdem eine Sitzung mit einem SMS-Code aktiviert wurde, bleibt sie für 15 Minuten aktiv.

Nachdem Sie die App gestartet und Ihre eGK an Ihr Smartphone gehalten haben, passiert im Hintergrund Folgendes:

  • Es wird eine Verbindung in die Telematikinfrastruktur aufgebaut.
  • Ein Prüfprozess wird durchgeführt.
  • Der gültige Prüfungsnachweis berechtigt dann den Anbieter, z.B. die Versandapotheke, zum Abruf von E-Rezepten vom E-Rezept-Server.
1.4 Die E-Rezept-App – Wir erklären, was Sie dafür brauchen!

Das brauchen Sie, damit Sie die E-Rezept-App nutzen können:

Grafik: Das brauchen Sie für die E-Rezept-App

Schritt 1: Beantragen Sie Ihre NFC-fähige Gesundheitskarte sowie die PIN dazu!

Sofern Sie noch keine NFC-fähige Gesundheitskarte und/ oder die dazugehörige PIN für das E-Rezept haben, beantragen Sie diese am besten direkt online oder telefonisch bei Ihrer Krankenkasse!

Schritt 2: Prüfen Sie, ob Ihr Smartphone oder Tablet NFC- fähig ist!

Ob Ihr Smartphone über eine NFC-Funktion verfügt, sehen Sie in Ihrem Schnellzugriffsmenü am oberen Bildschirmrand oder in den Einstellungen Ihres Handys. In den Einstellungen finden Sie auch, welches Betriebssystem Ihr Smartphone hat.

Was ist die NFC Funktion?

NFC steht für Near-Field-Communication. Das ist eine Übertragungstechnik, mit der man Daten über sehr kurze Entfernung über mobile Endgeräte (z. B. Smartphone, Tablet) kontaktlos austauschen kann. Wenn Ihr mobiles Endgerät NFC unterstützt, können Sie damit etwa sicher und kontaktlos bezahlen oder eben Ihr E-Rezept einlösen. Bei Tablets unterscheidet sich die NFC-Fähigkeit je nach Modell. Ob ein entsprechender Chip verbaut ist, entnehmen Sie den technischen Daten des mobilen Endgeräts (z. B. auf der Herstellerseite abrufbar).


Schritt 3: Laden Sie die App „das E-Rezept“ der gematik herunter!

Laden Sie die App „Das E-Rezept“ der gematik aus einem App-Store auf Ihr Smartphone. Sie finden die App „Das E-Rezept“ in den gängigen App Stores von Apple, Google Play (bei Huawei aber z.B. in der App Gallery) oder über die Seite der gematik.

Schritt 4: Prüfen Sie Ihre Kartenzugangsnummer in Kombination mit der PIN!

Ohne NFC-fähige Gesundheitskarte und eine PIN von Ihrer Krankenkasse geht es, wie gesagt, nicht! Ob Ihre Karte eine NFC-Funktion hat, erkennen Sie an einer sechsstelligen Kartenzugangsnummer (englisch „CAN“ = „Card Access Number“) oben rechts auf der Karte.

Die elektronische  Gesundheitskarte
Die elektronische  Gesundheitskarte

 

Zusätzlich zur NFC-fähigen Gesundheitskarte mit der Zugangsnummer benötigen Sie dann eben noch die PIN von Ihrer Krankenkasse. Mit PIN und NFC-fähiger Gesundheitskarte melden Sie sich in der E-Rezept-App an.

Was ist, wenn Sie noch keine PIN oder NFC-fähige Gesundheitskarte haben?

Wenn Sie künftig aber gerne Ihre E-Rezepte über die E-Rezept-App der gematik einlösen und verwalten möchten, dann empfehlen wir Ihnen, die PIN und/ oder - falls noch nicht vorhanden - Ihre NFC-fähige Gesundheitskarte online oder telefonisch bei Ihrer Krankenkasse anzufordern.

PIN beantragen - gegenüber der Krankenkasse legitimieren

Damit Sie die PIN aktivieren können, müssen Sie sich zunächst bei Ihrer Krankenkasse legitimieren. Die Krankenkassen nutzen hierzu unterschiedliche Verfahren, zum Beispiel das sogenannte Postident-Verfahren. Das ist ein Verfahren zur persönlichen Identifikation von Personen und wird durch die Deutsche Post AG vorgenommen z. B. in der Filiale oder beim Postzusteller. Hier weist man sich durch seinen Personalausweis aus.

Häufig können Sie zur Identifikation auch Ihren elektronischen Personalausweis nutzen. Manchmal müssen Sie auch persönlich zur Servicestelle Ihrer Krankenkasse gehen. Informieren Sie sich am besten auf der Internetseite Ihrer Krankenkasse oder telefonisch.

 


Icon mit KamerasymbolVideo-Tutorials

Unsere Video-Tutorials zur 1. Lerneinheit liefern Ihnen eine genaue Anleitung, wie Sie die E-Rezept-App auf Ihrem Smartphone installieren und wie Sie sich in der App anmelden (Links führen direkt zu YouTube):

  1. Anmeldevoraussetzungen
  2. Installation

 

Übungen zur 1. Lerneinheit

Was muss ich zur Einführung des E-Rezepts wissen? Was ändert sich für mich?

Im Folgenden haben wir Ihnen Übungen zusammengestellt, mit deren Hilfe Sie noch einmal lernen können, was sich mit der Einführung des E-Rezepts ändert, worin die Vor- und Nachteile des neuen Verordnungsverfahrens bestehen und über welche Wege Sie das E-Rezept einlösen können. Außerdem finden Sie oben im Text unsere Tutorials, die Sie in die ersten Schritte der E-Rezept-App einführen. 

Wir starten unsere Übungen mit ein paar Fragen zu den Grundlagen des E-Rezepts: 

Lerneinheit laden: Erst wenn Sie auf "Inhalt anzeigen" klicken, wird eine Verbindung zu H5P hergestellt und Daten werden dorthin übermittelt. Hier finden Sie dessen Hinweise zur Datenverarbeitung.

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