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Pionier aus Bad Oeynhausen: Hartmut Sandmann

Hartmut Sandmann aus Bad Oeynhausen mit Ladestecker
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Überzeugungstäter im doppelten Sinne ist Hartmut Sandmann: Der 60-Jährige mit zwei E-Autos und zwei Solarstromanlagen ist in Sachen „Sonne im Tank“ nicht nur überzeugt, sondern auch überzeugend.  Schon einige Freunde, Kollegen, Nachbarn und Verwandte sind dem Beispiel des Bad Oeynhauseners gefolgt.

Dass wir das Haus solar nutzen, war für mich von Anfang an klar

Als Familie Sandmann 1998 ihr Eigenheim baute, stand fest: „Dass wir das Haus solar nutzen, war für mich von Anfang an klar“, sagt Sandmann. Mit Wärme aus Sonnenenergie hatte er schon in seiner ersten Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur experimentiert. „Während der Auftragsflaute in der Ölkrise haben wir selbst Flachkollektoren gebaut, um den Gartenpool des Meisters zu beheizen“, berichtet der heutige Kriminalbeamte schmunzelnd. Ein umweltbewegter Altgeselle, sagt Sandmann, habe damals sein eigenes ökologisches Denken geprägt. „Eigentlich ist das doch ein Muss“, betont der 60-Jährige heute, wenn er über erneuerbare Energien spricht. Kommenden Generationen dürfe man die Folgen anderer Technologien nicht aufbürden.

Hartmut Sandmann aus Bad Oeynhausen vor seinem Haus

Sich selber unabhängig zu machen – das ist ein total schönes Gefühl

Das Hausdach also, unter dem Hartmut Sandmann mit Ehefrau Christiane sowie seinem 22-jährigen Sohn und seiner 17-jähriger Tochter lebt, wurde eigens in Nord-Süd-Ausrichtung geplant und sofort mit Solarthermie ausgestattet. 2004 kam dann die erste Solarstromanlage hinzu: 7,7 kWp Leistung, Volleinspeisung, kein Eigenverbrauch. Das war damals üblich und lukrativ. Und Sandmann war offenbar schnell überzeugt  – der hauptberufliche Spurensicherer wurde zum ehrenamtlichen Überzeugungstäter. In den folgenden acht Jahren  brachte er in der Umgebung nicht weniger als vier Bürgersolaranlagen mit auf den Weg. Die Elektroautos seiner Familie wiederum laden an einer weiteren Anlage: Module mit 4,4 kWp Leistung fanden 2012 auf der Garage Platz. Rund 45 Prozent ihres Ertrags fließen heute direkt in den Haushalt und die beiden 2013 angeschafften elektrischen Kleinwagen.

Für hohen Eigenverbrauch takten die Sandmanns auch Waschmaschine und Geschirrspüler nach der Sonne. „Sich selber unabhängig zu machen und zu wissen: ‚Diese Energie hier kommt gerade nur aus der Sonne‘ – das ist ein total schönes Gefühl“, schildert Sandmann. Verstärken ließe sich das mit einem Batteriespeicher, der den Eigenverbrauch weiter anhebt. Der steht für Sandmann voraussichtlich 2025 auf dem Plan, wenn er für den Strom aus seiner großen Anlage keine EEG-Vergütung mehr bekommt. „Ich fahre aber ja im Prinzip schon zwei große Speicher durch die Gegend“, gibt er zu bedenken. E r hofft auf Entwicklungen bei der Rückspeisung aus dem Auto in den Haushalt. Bald sind es sogar drei fahrende Speicher: Der letzte Verbrennermotor der Familie wird verabschiedet, ein elektrischer Kleinstwagen als neues Drittfahrzeug ist schon bestellt. Mitsamt einer weiteren, diesmal vom Land geförderten Ladestation.

„Ganz auf die Autos verzichten können wir hier einfach nicht“, erklärt Sandmann bedauernd. Zu zersiedelt sei die Fläche im Kreis Minden-Lübbecke, zu weit seien die Strecken, zu dünn Netz und Takt des ÖPNV. Doch schon wenn nur alle Zweitwagen elektrisch würden, sei für Klima und Umwelt viel gewonnen, ist er überzeugt. Und fällt auch gleich wieder in den Überzeugungsmodus: „Je mehr Elektroautos im Straßenbild zu sehen sind, desto eher ziehen andere Leute das auch für sich in Erwägung“, sagt er. Sein Auto ist deshalb auch mit einem großen Aufkleber als elektrisch ausgewiesen.

Je mehr Elektroautos im Straßenbild zu sehen sind, desto eher ziehen andere Leute das auch für sich in Erwägung

Reichweitenangst kennt Sandmann nicht. Die rund 160 Kilometer des fünf Jahre alten Modells reichen für die alltäglichen Fahrten der Familie aus. Und auf längeren Touren, etwa zur Nordsee, werden eben mehr Pausen eingeplant. Was allerdings zunächst innerfamiliärer Überzeugungsarbeit bedurfte.  Aber darin ist Sandmann ja Spezialist.

Hartmut Sandmann aus Bad Oeynhausen und E-Auto