Grillen-Pulver als neues Lebensmittel

Stand:
Pulver aus der Hausgrille ist seit dem 24. Januar als neues Lebensmittel in der EU zugelassen. Es zählt zum so genannten Novel Food. Das bezeichnet Lebensmittel, die nicht vor 1997 zugelassen waren.
Eine Hausgrille Acheta Domestica
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Die Hausgrille als Lebensmittelzutat – das sorgt aktuell für einige Aufregung, auch in den digitalen Netzwerken. Viele Menschen fürchten, dass pulverisierte Insekten nun ohne Kennzeichnung in Fertiggerichten auftauchen. Hier können wir Entwarnung geben. Wenn Insekten enthalten sind, muss das gekennzeichnet sein. Allerdings sollten die Vorgaben zur Kennzeichnungspflicht noch deutlicher sein. Die EU-Kommission hat Grillen schon im März 2022 als neuartiges Lebensmittel zugelassen – nach einer gründlichen Sicherheitsprüfung. Zudem sind solche Insekten in Nahrungsmitteln noch ein absolutes Nischenprodukt.

Wann und wie wurde die Hausgrille als Lebensmittel zugelassen?

Die Hausgrille ist schon seit März 2022 als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) zugelassen, ab 24. Januar 2023 nun auch in Pulverform als teilweise entfettetes Pulver. Produzierende Unternehmen müssen Anträge zum Einsatz von Lebensmitteln bei der EU beantragen und ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Diese Lebensmittel werden nicht einfach so, sondern erst nach intensiver Sicherheitsprüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassen. Erzeugnisse, die in der EU vor dem 15. Mai 1997 in nicht nennenswertem Umfang als Lebensmittel verwendet worden sind, zählen zu den neuartige Lebensmitteln oder Novel Food. Dafür ist in der Europäischen Union eine spezielle Zulassung nötig, bevor sie zum Verkauf angeboten werden dürfen. Dies betrifft nun auch die Hausgrillen. Die Details sind in der Novel-Food-Verordnung geregelt.

Wie müssen Grillen konkret als Zutat gekennzeichnet werden?

Insekten sind kennzeichnungspflichtig, wie alle anderen Zutaten auch. Sie müssen also in der Zutatenliste aufgeführt werden. Da aktuell keine Vorgaben für eine rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung oder eine verkehrsübliche Bezeichnung von Insektenprodukten existiert, ist eine beschreibende Bezeichnung notwendig. Die Kennzeichnung lautet wie folgt: "teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)". Insekten müssen derzeit allerdings nicht als Allergen gekennzeichnet werden. Das heißt: Sie müssen im Zutatenverzeichnis nicht gesondert hervorgehoben werden etwa durch Fettdruck oder Großbuchstaben. Bei Speise-Insekten wie Hausgrillen muss aber in unmittelbarer Nähe zum Zutatenverzeichnis darauf hingewiesen werden, dass diese Zutat bei Menschen, die bekanntermaßen gegen Krebstiere und Erzeugnissen daraus sowie gegen Hausstaubmilben allergisch sind, allergische Reaktionen auslösen kann.

Tauchen Insekten jetzt in zahlreichen Gerichten auf?

Nein. Denn Insekten sind teure Rohstoffe und werden derzeit nicht in großem Umfang angeboten. Sie zählen eher zu den Nischenprodukten. Es ist zu erwarten, dass die Insekten dort als Herausstellungsmerkmal auch ausdrücklich beworben werden. Das Beimengen von Insekten in herkömmlichen Lebensmitteln ist derzeit eine Seltenheit. Aufgrund des hohen Proteingehalts sind Insekten allerdings ein Zukunftsthema als mögliche Alternative oder Ergänzung zu Fleisch und Fisch.

Wird Insektenpulver in vegetarischen und veganen Speisen eingesetzt?

Bislang gibt es noch keine rechtsverbindliche Definition der Begriffe vegan und vegetarisch. Allerdings haben sich die Verbraucherschutzminister der Bundesländer 2016 auf Definitionen geeinigt, um im Markt der so gekennzeichneten Lebensmittel für Klarheit zu sorgen. Nach diesem Beschluss dürfen als vegan und vegetarisch gekennzeichnete Lebensmittel keine Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen, Enzyme), Verarbeitungshilfsstoffe und vergleichbare Stoffe enthalten, die tierischen Ursprungs sind. Pulver auf Basis von Speiseinsekten sind tierischen Ursprungs und sollten daher nicht in veganen oder vegetarischen Lebensmittel zu finden sein.

Was fordern die Verbraucherzentralen?

  • Insekten oder Bestandteile von Insekten müssen in jeder Zutatenliste aufgeführt und als Allergiehinweis deutlich hervorgehoben werden. Die vorgeschriebene Allergenkennzeichnung sollte schnellstmöglich erweitert werden.
  • Ausführliche, unabhängige Studien zu gesundheitlichen Aspekten, Hygiene und Krankheiten, Umweltfaktoren und Tierschutz sind erforderlich.
  • Die Hygienevorschriften für die Produktion und die Fütterung sollten für Insekten verbindlich gemacht werden. Insbesondere hinsichtlich möglicher Rückstände wie Antibiotika oder Hormonen sollten die Tiere genau untersucht und die Ergebnisse transparent gemacht werden.
  • Die Verbraucherzentralen fordern Hersteller auf, das Keimabtötungsverfahren zu kennzeichnen und gegebenenfalls auf ein notwendiges Erhitzen vor dem Verzehr hinzuweisen. Laut jetzigem Forschungsstand haben Insekten kein Schmerz- oder Leidempfinden wie Säugetiere. Ob das, was im Nervensystem von Insekten passiert, mit dem menschlichen Verständnis von Schmerz vergleichbar ist, lässt sich derzeit aber noch nicht beantworten.