Gasumlage, Gaspreisbremse und Hilfsmöglichkeiten: FAQ zur Gaskrise

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Gasversorger schicken längst teils saftige Preiserhöhungen an ihre Kund:innen. Am 29. September hat die Bundesregierung die Gasumlage gekippt und eine Preisbremse angekündigt. Wie diese Preisbremse Verbraucher:innen entlasten soll, ist aber noch unklar. Wir geben Orientierung zu wichtigen Fragen.
Verbraucher dreht seine Heizung am Thermostat auf Stufe 3

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am 29. September hat die Bundesregierung die Gasumlage gestoppt. Sie wird also nicht ab Oktober auf die Gaspreise aufgeschlagen.
  • Der Bundestag hat außerdem beschlossen: Die Mehrwertsteuer wird für den ganzen Gasverbrauch von derzeit 19 auf 7 Prozent gesenkt. Diese Steuersenkung kommt auch für Fernwärme.
  • Auch ohne Gasumlage gilt: Jeder Gasversorger kann die Preise "normal" erhöhen. Insgesamt deutlich steigende Preise für Verbraucher:innen bleiben also eine große Belastung für viele Haushalte.
  • Unklar ist, wie die angekündigte Gaspreisbremse aussehen und wem sie wie stark nützen wird. Eine Expertenkommission soll der Bundesregierung Vorschläge machen.
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Mit deutlich gesunkenen Lieferungen aus Russland sind die Gaspreise kräftig angestiegen und die ausgefallenen Mengen müssen ersetzt werden. Eine bereits beschlossene Zahlung, die als "Gasumlage" (oder "Gaspreisumlage" / "Gasbeschaffungsumlage") bekannt ist, hat die Bundesregierung nun aber am 29. September wieder gekippt. Sie wird nicht kommen und sie wird die Gaspreise der Verbraucher:innen nicht zusätzlich in die Höhe treiben.

Statt einer Belastung durch die Gasumlage soll es nun eine Gaspreisbremse geben. Diese soll Verbraucher:innen unterstützen.

Der Hintergrund ist, dass Gas unabhängig von der Umlage längst deutlich teurer geworden ist. Anbieter können die Preise erhöhen, wenn eine entsprechende Möglichkeit zur Änderung des Preises im Vertrag steht und z.B. der Gaseinkauf für sie teurer geworden ist. Dabei müssen sie aber die Ankündigungsfristen einhalten, die Erhöhung schlüssig begründen und ein Sonderkündigungsrecht einräumen. Sobald bei Sonderverträgen Preisgarantien enden, bekommen viele voraussichtlich Post von ihrem Versorger, der die Erhöhungen ankündigt. Neukunden, die sich gerade nach einem Tarif umsehen, werden die stark gestiegenen Preise ohnehin überall sehen.

Viele Verbraucher:innen haben von ihren Versorgern (oft den Stadtwerken) schon Schreiben erhalten, in denen die Gasumlage angekündigt und der neue Gaspreis genannt worden ist. Die entfallene Umlage nun einfach stehen zu lassen und in eine Preiserhöhung umzudeuten ist nicht möglich. Zumindest die Gasumlage aus diesen Schreiben ist nun hinfällig. Sie müssen sie nicht zahlen.

Darum sollten Betroffene, die vom Versorger oder ihrer Vermieter:in bereits ein Schreiben erhalten haben, nun prüfen:

Wird im Schreiben die Gasumlage von Ihnen eingefordert?

Falls ja: Vermutlich wird der monatliche Abschlag aus dem Schreiben nun mit dem Ende der Gasumlage zu hoch sein. Die Umlage hätte 2,419 Cent pro Kilowattstunde betragen (zzgl. Steuern), die nun wieder wegfallen.

  1. Notieren Sie die Zählerstände für Gas und Strom zum Zeitpunkt der angekündigten Preiserhöhung wegen der Umlage. In der Regel wird das der 30. September 2022 sein.
  2. Dann können Sie erst einmal einige Tage abwarten. Die Gasumlage ist bisher "nur" auf einer Pressekonferenz der Bundesregierung am 29. September gekippt worden. Bis die Versorger das umsetzen können, kann es dauern.
  3. Sollte sich der Versorger oder die Vermieter:in bis Mitte Oktober nicht melden, nehmen Sie spätestens dann Kontakt auf. Fordern Sie den Versorger oder die Vermieter:in auf, wegen der weggefallenen Gasumlage die monatlichen Abschläge anzupassen. Sonst zahlen Sie zu viel fürs Gas und gehen ein unnötiges Risiko ein, sollte der Versorger in Schwierigkeiten geraten.

In der unübersichtlichen Lage, welche Gaspreise nun gelten und welche Abschlagszahlungen gerechtfertigt sind, hilft Ihnen vielleicht unser Abschlagsrechner. Mit ihm können Sie auch die Folgen der abgeschafften Gasumlage und die gesenkte Mehrwertsteuer für Ihre Gaskosten berechnen.

Da die Ereignisse und Entscheidungen sich derzeit überschlagen, versuchen wir, hier häufige Fragen, soweit wir das bisher können, zu beantworten. Die Lage kann sich in den kommenden Wochen noch verändern. Schauen Sie darum im Zweifel erneut hier nach.

Lassen Sie sich bei Unklarheiten unabhängig beraten, z.B. bei den Verbraucherzentralen.

Für Mieter:innen ist auch der Deutsche Mieterbund eine Anlaufstelle.

Ich habe ein Preiserhöhungsschreiben erhalten, in dem neben der Gasbeschaffungsumlage noch weitere Umlagen aufgeführt sind. Was bedeuten sie?

Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) hat mehrere Umlagen bekannt gegeben. Zwei davon waren neu, die Gasbeschaffungsumlage und die Gasspeicherumlage. Die anderen Umlagen und Entgelte haben sich in der Höhe verändert. Die Gasbeschaffungsumlage wird nun doch nicht erhoben werden. Die Gasspeicherumlage aber schon. Sie kann sich alle 3 Monate ändern, die anderen sind für die Dauer von einem Jahr festgelegt.

SPL-Bilanzierungsumlage:
Die Umlage beträgt 0,57 Cent pro Kilowattstunde netto und gilt in dieser Höhe für die Dauer von einem Jahr. Mit der Bilanzierungsumlage werden Maßnahmen zur Gasnetzstabilität finanziert. Treten Abweichungen zwischen Gasverbrauchsprognose und dem tatsächlichem Gasverbrauch auf, muss zusätzlich Gas beschafft werden. Da Gas nun viel teurer ist als vor einem Jahr, ist diese Umlage besonders stark gestiegen. SLP heißt übrigens Standardlastprofil. Damit ist gemeint, dass diese Umlage für kleinere Verbraucher:innen-Gruppe gilt, wie etwa Privathaushalte.

Konvertierungsumlage:
In Deutschland gibt es zwei verschiedene Gasqualitäten: L- Gas und H-Gas. Sollte die eingekaufte und tatsächlich benötigte Qualität des Gases abweichen, wird das Gas umgewandelt, also konvertiert. Die Umlage beträgt 0,038 Ct/kWh netto und gilt für ein Jahr.

Gasspeicherumlage:
Die Gasspeicherumlage ist neu. In Deutschland und in der EU müssen diesen Winter die Gasspeicher erstmals neue Füllstände erreichen. Der oder die Marktgebietsverantwortliche kauft dazu bei THE Gas ein. Da das eingespeicherte Gas auch wieder verkauft wird, ergibt sich nur ein geringer Umlagebetrag in von Höhe 0,059 Ct/kWh netto. Die Gasspeicherumlage kann alle 3 Monate angepasst werden.

VHP-Entgelt:
VHP ist die Abkürzung für "Virtueller Handelspunkt". Hierbei handelt es sich um ein Dienstleistungsentgelt im Gashandel. Es beträgt 0,000148 Ct/kWh netto.

Name der Umlage Höhe in Ct/kWh nett bis zum 1. Oktober 2022 Höhe in Ct/kwH netto ab 1. Oktober 2022 Festlegung für die Dauer von
Gasbeschaffungsumlage kommt nicht hätte 2,419 betragen kommt nicht
Gasspeicherumlage neu 0,059 mindestens 3 Monate
SLP-Bilanzierungsumlage 0 0,57 1 Jahr
Konvertierungsumlage 0 0,038 1 Jahr
VHP-Entgelt 0,0001 0,000148 1 Jahr
Summe   0,667  

 

Wann können reguläre Preiserhöhungen stattfinden?

Reguläre Preiserhöhungen unterliegen juristisch klaren Spielregeln und sind durch Gesetze und Urteile abgesichert.

In einem langfristig angelegten Liefervertrag sind in der Regel Klauseln enthalten, die beschreiben, wie mit Preisanpassungen umgegangen wird. So können Anbieter dann Kostensteigerungen an Verbraucher:innen weitergeben. Dabei müssen sie auch Kostensenkungen an anderer Stelle berücksichtigen.

Reguläre Preiserhöhungen können über Preisgarantien für bestimmte - aber auch für alle - Kostensteigerungen beim Anbieter vertraglich ausgeschlossen werden.

Ein anderer Weg, den einige Anbieter gegangen sind, ist die ordentliche Kündigung nach Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit, um danach einen neuen Vertrag zu höheren Preisen anzubieten.

Warum habe ich bereits Post erhalten, dass ich die Gasumlage zahlen muss?

Als Kund:in mit eigenem Vertrag muss Sie Ihr Versorger vor der Erhöhung informieren. In den meisten Fällen bedeutet das: Sie bekommen einen Brief vom Gasversorger.

In der Grundversorgung muss eine Preiserhöhung mindestens sechs Wochen vorher öffentlich bekannt gegeben werden und ist zeitgleich per Brief mitzuteilen.

In einem Sondervertragsverhältnis muss eine Preiserhöhung in den allermeisten Fällen Verbraucher:innen spätestens einen Monat vorher vom Energieversorgungsunternehmen mitgeteilt werden. Bei einigen Energieversorgungsunternehmen sind auch längere Ankündigungsfristen vertraglich vereinbart, was Sie dann in den AGB finden.

Als Mieter:in muss Sie Ihre Vermieterin / Ihr Vermieter erst mit der nächsten Heizkostenabrechnung informieren. Darum kann es sein, dass Sie hier noch gar nichts von der Gasumlage gehört haben. Sie sollten sich aber als Mieter:in nun auf keinen Fall in Sicherheit vor steigenden Gaspreisen wiegen. Ob es reguläre Preissteigerungen durch die Versorger gegeben hat, sehen Sie erst mit der Jahresrechnung. Dann können plötzlich die hohen Kosten auftauchen und Sie sollen eine hohe Nachzahlung leisten. Erkundigen Sie sich darum im Zweifel bei der Vermieterin / beim Vermieter, ob die monatliche Nebenkostenzahlung angepasst werden kann (wenn Sie das möchten) oder ob er Ihnen zumindest Auskunft geben kann, wie viel teurer das Heizen mit Gas geworden ist.

Kann ich wegen einer Preiserhöhung den Vertrag kündigen?

Ja, Sie können dann kündigen.

Im Energiewirtschaftsgesetz (§ 41 Abs. 5 und 6) ist klar geregelt, dass Kund:innen zu dem Tag kündigen können, an dem geänderte Preise in Kraft treten sollen.

Dennoch sollten Sie eine Kündigung gut überlegen. Sie kann finanziell vorteilhaft für Sie sein, muss es aber nicht.

Die wichtige Frage ist, ob Sie Gas von woanders günstiger bekommen. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Sie vor einer Kündigung prüfen sollten:

  1. Lohnt es sich für Sie, in die örtliche Grundversorgung zu wechseln? Dort gibt es derzeit oft günstigere Tarife als in Sonderverträgen, die allerdings vom Preis her schneller angepasst werden können. Örtlicher Grundversorger sind meist die Stadtwerke. Erkundigen Sie sich dort über den aktuellen Tarif in dessen Grundversorgung und vergleichen Sie diesen mit der angekündigten Preiserhöhung bei Ihrem aktuellen Versorger. Mehr zur Grundversorgung lesen Sie in unserem Artikel zum Thema.
  2. Finden Sie einen Anbieter, bei dem Sie einen neuen Sondervertrag zu günstigeren Preisen abschließen können als bei Ihrem aktuellen Versorger? Beachten Sie: Auch andere Versorger werden auf die derzeit stark steigenden Gaspreise reagieren. Eventuell lohnt ein Tarif mit langer Preisbindung. Mehr zum Anbieterwechsel lesen Sie in unserem Artikel zum Thema.

Für den Wechsel in die Grundversorgung müssen Sie nur beim aktuellen Versorger von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Teilen Sie ihm mit, dass Sie wegen der angekündigten, höheren Preise kündigen. Sie können dafür auch unseren Musterbrief nutzen. In der Regel habe Sie einen Monat Zeit für eine solche Kündigung.

Was ist, wenn ich wegen der angekündigten Umlagen schon von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht habe?

Dies ist nicht eindeutig zu beantworten.

Wer die Kündigung aufrecht erhalten möchte, braucht nichts zu tun.

Wer die Sonderkündigung aufheben möchte, sollte zunächst den Versorger kontaktieren, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Ist dies nicht möglich, ist die Kündigungserklärung nicht einfach wieder rückgängig zu machen, sondern steht im Raum.

Wie ist es für Mieter:innen geregelt? Dürfen hier Erhöhungen von Abschlägen nur jährlich kommen?

Wollen Vermieter:innen die steigenden Gaspreise auf Ihre Mieter:innen umlegen, können sie das tun.

Gestiegene Gaspreise können nur mit einer Heizkostenabrechnung geltend gemacht werden. Vermieter:innen könnten Ihnen eine Zwischenrechnung schicken und die Abschläge anpassen - sie müssen nicht bis zur nächsten regulären Jahresabrechnung warten.

Warten Sie darum auf die nächste Abrechnung. Ist in der aktuellen Gaspreiskrise noch keine solche Abrechnung gekommen, seien Sie sich bewusst, dass Sie dann im Zweifel hohe Nachzahlungen zu leisten haben. Sparen Sie in diesem Fall möglichst Geld an, damit Sie nicht plötzlich große Schulden haben.

Wie finde ich heraus, ob ein geforderter monatlicher Abschlag die korrekte Höhe hat?

Behalten Sie Ihren Energieverbrauch im Blick. Wer nicht weiß, wie viel Energie er verbraucht, kann bei der Jahresabrechnung eine böse Überraschung erleben. Lesen Sie den Zähler regelmäßig ab und notieren dies z.B. in einer Tabelle. Achten Sie darauf, dass Ihre Abschlagszahlungen zum Verbrauch passen und nicht zu hoch bemessen sind.

Schauen Sie nach, welche Preisbenachrichtigung oder Preisänderung Sie erhalten haben und rechnen Sie sie selbst nach. Das geht ganz leicht mit unserem Online-Rechner. Sind die geforderten Abschläge zu hoch, nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Energieversorger auf und lassen Sie sie anpassen.

Sollte ich mich nicht selbst darum bemühen, meine Abschlagszahlungen schon anzupassen?

Selbst erhöhen sollten Sie den Abschlag nicht. Bei Überzahlung bauen Sie ein Guthaben beim Anbieter auf, für das Sie bis zur nächsten Jahresrechnung das Insolvenzrisiko tragen. Es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass Energieversorgungsunternehmen auf Grund der stark gestiegenen und schwankenden Preise insolvent gehen.

Legen Sie sich jedoch in jedem Fall eine Rücklage für die nächste Jahresverbrauchsabrechnung zurück. In einer Gas- und Energiekrise, wie wir sie derzeit haben, ist Vorsorge wichtig. Mit der Rücklage haben Sie dann einen Betrag, den Sie für eine eventuelle Nachzahlung nutzen können.

Realistische Werte, ob Sie dagegen derzeit zu hohe Abschläge zahlen und sie im Zweifel senken sollten, erhalten Sie bei Strom- und Gaslieferverträgen mit unserem Rechner.

Wollen Sie wissen, was angesichts Ihres letzten Jahresverbrauchs bei den aktuellen Energiepreisen eine zu erwartende Nachzahlung ist, kann im Zweifel Ihre Verbraucherzentrale bei der Berechnung helfen.

Was ist, wenn ich an meinen Versorger nicht zahlen kann? Droht mir dann eine Gassperre?

Bisher ist kein Schutzmechanismus für diesen Fall beschlossen. Die Verbraucherzentralen fordern eine solche Maßnahme, das so genannte Sperrmoratorium, aber vehement öffentlich ein.

Sofern Sie mit zwei Abschlagszahlungen und mindestens 100 Euro in Verzug sind, kann der Energieversorger bei Ihnen sperren. Hierfür muss er Ihnen jedoch zunächst eine Sperrandrohung vier Wochen vorher und eine weitere Sperrankündigung acht Tage vorher schicken. Er ist zudem verpflichtet, Ihnen vorher eine Ratenzahlung anzubieten.

Kümmern Sie sich darum rechtzeitig, wenn Sie Schulden beim Gasversorger haben.

Mehr zum Thema finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Was kann mir als Mieter:in passieren, wenn ich nicht zahlen kann?

Der Gesetzgeber will Kündigungen wegen nicht bezahlter Energiekosten vorübergehend untersagen. Endgültig beschlossen ist das bisher (Stand 29. September 2022) noch nicht. Und es gilt Vorsicht: Die Schulden verschwinden darum nicht. So eine Regelung wird auch irgendwann wieder auslaufen. Im schlimmsten Fall erhalten Sie mit hohen Energieschulden gegenüber Ihrem Vermieter später eine Kündigung.

Wie prüfe ich, ob eine Jahresabrechnung korrekt ist?

Abrechnungen für Strom oder Gas können fehlerhaft sein. Es lohnt sich zu prüfen, ob alles korrekt verbucht ist. Worauf Sie achten sollten:

  • Stimmt die Zählernummer?
  • Stimmen Anfangs- und Endzählerstand?
  • Wurde der Verbrauch abgelesen oder geschätzt?
  • Ist der korrekte Preis angegeben?
  • Sind Ihre Zahlungen richtig verbucht?
  • Ist der neue Abschlag korrekt berechnet?

Wenn Ihre Rechnung falsch ist, können Sie diese beanstanden. Weitere Infos dazu finden Sie in unserem separaten Artikel.

Was kann ich tun, wenn ich mir hohe Nachzahlungen nicht auf einen Schlag leisten kann?

Wenn die Nachzahlung so hoch ist, dass Sie sie aus Ihrem Einkommen nicht zahlen können, sollten Sie sich an das örtliche Jobcenter (oder, wenn Sie nicht erwerbsfähig sind, an das Sozialamt) wenden. Auch mit einem geringen Einkommen können Sie einen Antrag auf Leistungen von Jobcenter oder Sozialamt stellen.

Nachzahlungen aus Neben- und Heizkostenabrechnungen gelten als Bedarf in dem Monat, in dem Sie die Nachforderung erhalten. Wichtig ist, dass Sie diesen Antrag im Monat der Fälligkeit einer Nachzahlung stellen.

Haben Sie ein höheres Einkommen und können die Rechnung trotzdem nicht zahlen, versuchen Sie, mit Ihrem Energieversorger eine Ratenzahlung auszuhandeln.

Achtung: Stellen Sie bei Zahlungen an den Energieversorger unmissverständlich klar, welcher Anteil der Summe auf die laufende Abschlagszahlung entfällt und welcher auf die Altforderung. So vermeiden Sie weitere Zahlungsrückstände.

Mehr zum Thema haben wir in einem separaten Artikel zusammengestellt.

Was ist, wenn ich Leistungen vom Jobcenter oder Sozialamt beziehe?

Für Personen in der Grundsicherung übernehmen das Jobcenter oder das Sozialamt die Nachzahlung von Gaskosten, sofern der Verbrauch angemessen war.

Stromkosten müssen dagegen aus dem Regelbedarf gedeckt werden. Sollte eine Nachforderung des Stromanbieters kommen, sollten Sie einen Antrag auf Übernahme der Stromschulden stellen. Wird der Antrag bewilligt, erfolgt dies im Regelfall auf Darlehensbasis. Sie müssen das Geld also später ans Jobcenter / Sozialamt zurückzahlen.

Hilft ein Wechsel zu einem anderen Gasanbieter / in einen anderen Tarif?

Ein Anbieterwechsel ist zurzeit nicht einfach. Viele Anbieter nehmen weiterhin keine neuen Kund:innen auf und die am Markt verfügbaren Neukundentarife sind sehr teuer. Die bekannten Preisportale bieten nur ein rudimentäres Angebot und manche angezeigten Tarife im Preisportal sind nicht mehr am Markt verfügbar. Zudem werden Grundversorgertarife nicht im Tarifergebnis der Portale abgebildet. Sie sollten die Ergebnisse von Vergleichsportalen beim Anbieter selbst überprüfen und sich zusätzlich bei lokalen Anbietern vor Ort nach Tarifen und vor allem auch dem Grundversorgungstarif erkundigen.

Um zu prüfen, ob sich ein Anbieterwechsel für Sie rechnen könnte, sollten Sie zuerst Ihre aktuellen Tarifkonditionen überprüfen: Wer ist Ihr Anbieter, welchen Jahresverbrauch haben Sie bei Gas, welche Preiskonditionen haben Sie, haben Sie eine eingeschränkte Preisgarantie oder vielleicht sogar eine Festpreisgarantie?

Wenn diese Fragen geklärt sind, können Sie einen Tarifvergleich anstellen. Zu warnen ist vor Vertragsabschlüssen, die am Telefon eingeleitet werden, und vor Vertragsschlüssen an der Haustüre. Unseriöse Anbieter sind weiter am Markt und versuchen, Verbraucher:innen mit Lockangeboten zu ködern, um dann – oft schon vor dem Belieferungsbeginn – die Preise massiv zu erhöhen.

Wo werde ich entlastet?

Für Arbeitnehmer:innen hat der Bundestag eine Einmalzahlung von 300 Euro beschlossen. Sie erhalten das Geld von Ihrem Arbeitgeber – im Normalfall sollte es im August oder September 2022 ausgezahlt worden sein. Achtung: Auf den Betrag müssen Sie eventuell Steuern zahlen.

Auch Rentner:innen sollen eine solche Zahlung von 300 Euro Energiepauschale erhalten - nach aktuellen Plänen im Dezember 2022.

Unter anderem für Empfänger:innen von Wohngeld und für Studierende mit BAföG gibt es einen einmaligen Heizkostenzuschuss, den die Bundesregierung hier vorstellt.

Der Bundestag hat außerdem am 30. September beschlossen, dass die Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme von 19 auf 7 Prozent sinkt. Details dazu finden Sie beim übernächsten Punkt unter "Was passiert mit der Mehrwertsteuer?".

Aufgrund der schwierigen und nicht abschätzbaren Lage ist es sinnvoll, eine Rücklage zu bilden, beispielsweise indem Sie einen monatlichen Betrag auf ein extra eingerichtetes Konto überweisen. Das geht natürlich nur, wenn Sie es sich auch leisten können. Weil das in vielen Fällen leider nicht möglich ist, fordern wir von der Politik Entlastungsmaßnahmen, insbesondere für einkommensschwache Haushalte!

Bei geringen Einkommen oder Minirente lohnt es sich für Sie zu prüfen, ob ein ergänzender Anspruch auf staatliche Hilfen besteht. Das sind zum Beispiel: Wohngeld, Kinderzuschlag, BAföG, Elterngeld, ergänzende Sozialleistungen oder Grundsicherung. Damit können Sie Ihre Einnahmen erhöhen und haben mehr Spielraum im Budget.

  • Wohngeld beantragt man beispielsweise bei der Wohngeldstelle der jeweiligen Stadt oder Gemeinde.
  • Für den Kinderzuschlag ist die Familienkasse zuständig.
  • Ergänzende Sozialleistungen erhalten Sie vom Jobcenter oder Sozialamt.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kommune, welche Stelle in Ihrer Gemeinde zuständig ist.

Der Gesetzgeber überlegt, Gas- und Stromsperren wegen nicht bezahlter Energiekosten vorübergehend zu untersagen. Beschlossen ist aber bisher nichts (Stand 29. September 2022). Ohnehin gilt Vorsicht: Die Schulden verschwinden darum nicht. Und so eine Regelung wird auch irgendwann wieder auslaufen. Im schlimmsten Fall erhalten Sie mit hohen Energieschulden gegenüber Ihrem Versorger später eine Sperre.

Der Gesetzgeber will Kündigungen Ihrer Mietwohnung wegen nicht bezahlter Energiekosten vorübergehend untersagen. Aber Achtung: Die Schulden verschwinden darum nicht. Und so eine Regelung wird auch irgendwann wieder auslaufen.

Was plant der Gesetzgeber mit der Gaspreisbremse?

Bisher (Stand 29. September 2022) gibt es eine Ankündigung: Eine Expertenkommission soll Vorschläge erarbeiten, wie Verbraucher:innen vor steigenden Gaspreise geschützt werden können. Der Gesetzgeber möchte dafür bis zu 200 Milliarden Euro investieren.

Neben Haushalten will der Staat auch Unternehmen stützen – nicht zuletzt diejenigen, die von der Gasumlage profitiert hätten.

Was passiert mit der Mehrwertsteuer?

Sie sinkt ab 1. Oktober 2022 von 19 auf nun 7 Prozent. Das hat der Bundestag einen Tag vorher beschlossen. Die Mehrwertsteuer sinkt neben Erdgas auch für Fernwärme. Das soll Verbraucher:innen entlasten.

Ein Musterhaushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh im Jahr und einem durchschnittlichen Gaspreis kann mit sinkender Mehrwertsteuer rund 375 Euro einsparen.

Was gilt bei Fernwärme?

Der Bundestag hat am 30. September beschlossen, dass auch für Fernwärme die Mehrwertsteuer von derzeit 19 auf dann 7 Prozent sinkt.

Wie ist die Lage beim Strompreis?

Als Stromkunde sollten Sie generell mit stark steigenden Preisen rechnen. Die Preise an der Strombörse hängen auch vom Gaspreis ab und sind in den letzten Wochen ebenfalls sehr stark gestiegen.

Zusammen mit der Gaspreisbremse hat die Bundesregierung zusätzlich eine Strompreisbremse angekündigt. Ein Basisverbrauch soll für private Haushalte günstiger bleiben. Nur wer mehr verbraucht, müsste dann deutlich mehr zahlen. Einzelheiten dazu sind aber noch nicht bekannt (Stand 29. September 2022).

Wer kann mir helfen, wenn ich noch Fragen habe?

Die Verbraucherzentralen helfen bei Fragen zu Energieverträgen.

Für Mieter:innen ist, wenn die örtliche Verbraucherzentrale nicht helfen kann, auch der Deutsche Mieterbund eine Anlaufstelle.

Zu den Ansprüchen bei den Jobcentern und Sozialämtern beraten auch der Sozialverband VdK, der Sozialverband Deutschland und die Gewerkschaften ihre Mitglieder.

Wohin kann ich mich mit Beschwerden wenden?

Beschwerden nehmen die Verbraucherzentralen entgegen.

Energiekund:innen können sich bei Problemen mit ihrem Versorger auch bei der Bundesnetzagentur und bei der Schlichtungsstelle Energie melden.

Ist die Gasversorgung für meine Wohnung sicher?

Ein Ausfall privater Heizungen ist extrem unwahrscheinlich. Verbraucher:innen sind nach den Regelungen des Notfallplans Gas so genannte geschützte Kunden. Gas würde also zuerst an anderen Stellen abgestellt.

Kann ich im Sommer Gas sparen?

Auch im Sommer kann Gas gespart werden. Soweit das Warmwasser mit Gas erhitzt wird, kann der Gasverbrauch minimiert werden. Man sollte auch immer den Stromverbrauch im Blick haben. Ewa 10 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases wird in der Stromproduktion eingesetzt.

Sehr wichtig ist es jetzt, die Zeit bis zur Heizperiode zu nutzen, um Einsparpotentiale zu entdecken und zu nutzen. Schon jetzt kann man dafür sorgen, Undichtigkeiten an Außentüren und Fenstern festzustellen und Abhilfe zu schaffen. Man kann Heizkörper entlüften und die Heizsituation in den Räumen verbessern. Mit Möbeln und Vorhängen verstellte Heizungen sollten Sie freiräumen und Heizungsnischen dämmen, wenn möglich. Je freier die Raumluft Heizkörper umströmen kann, umso besser und leichter erwärmt sich die Raumluft.

Ist in der Gaskrise Stromsparen überhaupt noch wichtig?

Unbedingt, in den vergangenen Jahren wurden in Deutschland zwischen 10 und 15 Prozent des Stroms mit Erdgas erzeugt.

Es lässt sich also auch Gas sparen, wenn Sie weniger Strom verbrauchen.

Außerdem hängen die Preise für Strom auch mit den Gaspreisen zusammen. Deswegen bleibt Stromsparen weiterhin sehr sinnvoll, um die finanzielle Belastung abzufedern.