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WhatsApp will Infos mit Facebook teilen

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach dem Kauf von WhatsApp will Facebook Daten des Dienstes für alle seine Unternehmen nutzen.
  • Insbesondere Telefonnummern werden so für Marketingzwecke verfügbar – Ihre und die Ihrer Kontakte.
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2014 hat Facebook den Messenger-Dienst WhatsApp gekauft. Damals wurde betont, dass keine Daten der Nutzer zusammengeführt würden. Zum 25. August 2016 hat WhatsApp seine Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung geändert und nimmt sich mittlerweile darin das Recht heraus, die Account-Informationen (u.a. Profilname, Profilbild, Info, Handynummer) seiner Nutzer eben doch an Facebook weiterzugeben und Informationen von Facebook zu erhalten. Mehr noch: dieses Recht gilt für alle Unternehmen der Facebook-Gruppe, also u.a. auch Instagram.

Update vom 30.01.2017: Klage eingereicht

Das Unternehmen hat nach Aufforderung des Verbraucherzentrale Bundesverband keine Unterlassungserklärung abgegeben. Der vzbv hat darum wegen des Datenaustauschs Klage gegen WhatsApp eingereicht.

Was kann der Austausch konkret umfassen?

Smartphone mit Facebook und WhatsApp LogoEin Beispiel: Wer WhatsApp nutzt, macht das mit seiner Mobilfunknummer, gibt ggf. eine Info an und nutzt ein Profilfoto. Außerdem greift der Messenger auf das Adressbuch des jeweiligen Smartphones zu und prüft, ob die darin gespeicherten Nummern bereits bei WhatsApp als Nutzer registriert sind.

Weitere wichtige Daten für WhatsApp und Facebook könnten auch die so genannten Metadaten sein: Mit wem schreibt der Nutzer wann und wie oft, welche Leute sind mit ihm in welchen WhatsApp-Gruppen, mit welchen Geräten wird die App genutzt und wo (sofern der App Zugriff auf den Standort gewährt worden ist)?

Laut WhatsApp werden die Nachrichteninhalte nicht übertragen. Sie werden zudem in WhatsApp verschlüsselt verschickt, sofern alle Chat-Teilnehmer eine App-Version nutzen, die nach dem 2. April 2016 veröffentlicht wurde.

Was könnte Facebook mit den WhatsApp-Daten tun?

Als Gründe gibt WhatsApp an, dass unter anderem Spam und Missbrauch verhindert werden sollen, die Infrastruktur und Zustellsysteme verbessert und sicherer gemacht werden sollen und man die Art der Nutzung der Dienste verstehen wolle. Zugleich spricht das Unternehmen jedoch auch davon, mithilfe der Informationen Dienste und Angebote vermarkten zu können.

Nach eigener Aussage nutzt Facebook die WhatsApp-Account-Infos derzeit nicht zur Verbesserung der Produkterlebnisse auf Facebook oder um auf Facebook interessantere Werbung anzuzeigen. Offen bleibt aus unserer Sicht, ob sich dies in Zukunft möglicherweise ändert.

Wenn Sie also Firmen in Ihrem Adressbuch gespeichert haben, könnte Facebook Ihnen in diesem Fall in Zukunft möglicherweise deren Werbeanzeigen statt die von anderen Unternehmen anzeigen, die möglicherweise bessere Angebote haben.

Das macht Facebook schon lange so. Mit WhatsApp käme nun aber eine weitere Quelle hinzu. Vor allem wären dadurch auch Menschen betroffen, die bislang keine Daten an Facebook gegeben haben.

Facebook erfährt bislang verschwiegene Infos

Auch Facebook fragt immer wieder nach Telefonnummern seiner Nutzer, doch viele verheimlichen sie aus gutem Grund. Mit den Regeln erlaubt sich WhatsApp, diese bisher verheimlichten Informationen weiterzugeben.

Ein Grund für die Weitergabe der Daten ist der, die Werbung bei Facebook noch zielgerichteter auf die Nutzer anzupassen. In einem Beitrag in seinen FAQ hatte WhatsApp erklärt, dass Nutzer der Verwendung ihrer Daten für eben diese Werbezwecke widersprechen können. Gleichzeitig hieß es aber auch: "Die Facebook-Unternehmensgruppe wird diese Information trotzdem erhalten und für andere Zwecke ..."

Fragwürdig kommt die Formulierung zum Sammeln der Daten aus dem Adressbuch in den Nutzungsbedingungen daher: "Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp Nutzern und anderen Kontakten in deine Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummer von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten." Im Klartext: Der Nutzer trägt Sorge dafür, dass alle seine gespeicherten Kontakte damit einverstanden sind, dass ihre Daten an die WhatsApp-Server gesendet werden. Ist ein Kontakt damit nicht einverstanden, ist es das Problem des Nutzers. Dass die rechtliche Zulässigkeit einer solchen Adressbuch-Synchronisation jedoch auch im Hinblick durch den Anbieter umstritten ist, bleibt völlig unerwähnt.

Was können Nutzer tun?

Die Nutzungs- und Datenschutzbedingungen sollten für alle Nutzer von WhatsApp gelten. Eine einfache Widerspruchsmöglichkeit gegen die Weitergabe gab und gibt es nicht. Die Weitergabe von Daten kann auch nicht mittels Datenschutzeinstellungen unterbunden werden. Über eine Einstellung konnte 2016 nur festgelegt werden, dass die Daten nicht für personalisierte Werbung oder die Verbesserung des Angebots genutzt werden.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt generell solche Messenger zu verwenden, die weder Nachrichteninhalte noch andere Daten ihrer Nutzer zu Werbezwecken nutzen oder an andere Unternehmen weitergeben.