Flugbuchungen bei Online-Portalen: Nur der Vermittler

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Online-Portale vermitteln Flüge, Vertragspartner werden aber die Airlines, die die gebuchten Flüge durchführen oder im Wege eines "Cordsharings" ausführen lassen.
  • Haben Sie mit mehreren beteiligten Airlines einen Vertrag geschlossen, müssen Sie bei Forderungen u.U. auch alle einzeln kontaktieren.
Jemand sitzt vor Monitor mit Buchungsportal
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Wenn Sie eine Flugreise über ein Online-Portal wie Opodo, Swoodoo, fluege.de oder Kiwi.com gebucht haben, ist das Portal in aller Regel nur der Vermittler.
Das heißt umgekehrt, dass die Airline ihr Vertragspartner ist – nicht das Online-Portal. Das gilt auch, wenn Sie über das Portal eine zusammenhängende aus mehreren Flügen bestehende Reise gebucht haben und am Ende einen Gesamtpreis bezahlt haben. 

Falls Ihr Flug aus verschiedenen Teilstrecken von verschiedenen Airlines besteht, bedeutet das meist, dass Sie mit jeder dieser Airlines einen Vertrag geschlossen haben – auch wenn es im Buchungsportal wie eine einheitliche Buchung aussieht. Und auch wenn Sie vom Vermittler Benachrichtigungen über Änderungen des Flugplans oder Ähnliches bekommen: Vertragspartner ist die Airline.

Nur dann, wenn derselbe Vertragspartner alle Flugabschnitte durchführt oder über Codesharing durchführen lässt, handelt es sich tatsächlich um einen einheitlich gebuchten Flug. Also wenn Sie beispielsweise beim Online-Portal einen Flug buchen und nur die Lufthansa beteiligt ist oder die Lufthansa einen Flug von Eurowings ausführen lässt (erkennbar an „operated by“ oder „ausgeführt von“), dann handelt es sich um einen einheitlich gebuchten Flug, siehe auch dieses fiktive Beispiel:

Hinflug:
Düsseldorf   - Berlin LH534
Berlin – La Palma LH254 operated by EW353

Rückflug:
La Palma – Berlin LH354 operated by EW839
Berlin – Düsseldorf LH388

Die Konsequenz daraus: Wenn ein Flug annulliert wird, dann haben Sie einen Anspruch darauf, dass die Fluggesellschaft  den Flugpreis  erstattet. Das bedeutet aber auch: Wenn mehrere Flüge aus ihrem Reiseverlauf annulliert werden, müssen Sie jede Airline einzeln kontaktieren, um Ihre Ticketkosten zurückzufordern – es sei denn, Sie haben den Flug einheitlich gebucht.

Besonders problematisch wird es, wenn Sie NICHT einheitlich gebucht haben und nur einzelne Flüge aus Ihrem Reiseverlauf annulliert werden, beispielsweise nur der Hinflug. Sie haben dann nämlich verschiedene Vertragspartner und können den Rückflug weder einfach selbst kostenfrei stornieren noch den Ticketpreis von der Airline, die storniert hat, zurückfordern. Das geht nur, wenn der Flug einheitlich bei einer Airline gebucht wurde oder andere Airlines lediglich über Codesharing beteiligt sind. Auch im Falle von Problemen mit Anschlussflügen (z. B. wenn ein Flug durch die Verspätung eines vorhergehenden Fluges verpasst wird) ist eine solche Kooperation der beteiligten Unternehmen Voraussetzung dafür, dass Ansprüche hinsichtlich der Auswirkungen auf weitere Flüge geltend gemacht werden können. Die Idee dahinter ist, Fluggesellschaften aufgrund gemeinsamer „Planung“ einer mehrteiligen Flugreise auch für den Verlauf des Gesamtflugs verantwortlich zu machen.

Viele Verbraucher finden es schwierig, Vertragspartner und Vermittler zu unterscheiden. Die Buchungungsportale erwecken oft den Eindruck, als sei alles aus einem Guss. Eine Flugreise mit vielen Teilabschnitten und verschiedenen beteiligten Airlines wirkt hier schnell wie eine Gesamtpaket. Doch die Feinheiten stehen oft im Kleingedruckten und die Anbieter nutzen die Unwissenheit der Verbraucher aus. Diese werden zwischen Vermittlern und Airline hin- und hergeschoben, scheinbar ist niemand zuständig und die Fluggäste warten wochenlang auf die Rückerstattung der Flugpreise.

Falls es nicht möglich ist, so zu buchen, dass alle Flugabschnitte von einer Airline abgedeckt werden (oder über Codesharing), sollten Sie sich über folgende Punkte im Klaren sein: Für den Fall, dass eine Teilstrecke annulliert wird und Sie keinen Ersatzflug angeboten bekommen, müssen Sie sich selbst um Alternativen bemühen. Falls Sie keinen Ersatz organisieren können, wird womöglich die gesamte Flugreise für Sie unmöglich, ohne dass Sie von den anderen Airlines die Ticketkosten vollständig zurückfordern können. Lediglich ein Anspruch auf Steuern und Gebühren bleibt bestehen, wenn Sie einen Flug selbstverschuldet nicht angetreten haben. Sie können Ihren Anspruch mit unserer Flugärger-App geltend machen.

Im Fall einer Annullierung ist das Luftfahrtunternehmen zur Erstattung der Flugscheinkosten verpflichtet, wenn der Fluggast dies statt eines Ersatzfluges wählt. Die Aufforderung an den Vermittler, den Flugpreis zu erstatten, kann man allerdings als Auftrag auslegen, die Forderung bei der Fluggesellschaft geltend zu machen. Beruft sich die Airline dann darauf, die Flugscheinkosten an den Vermittler zurückgezahlt zu haben, müssen Sie sich an diesen halten und die Herausgabe des Geldes verlangen.