Um Soja ranken sich viele Mythen: Schadet Sojakonsum bei Brustkrebs? Hilft er gegen Wechseljahresbeschwerden? Kann zu viel Soja bei Männern zu Verweiblichung führen? Was ist bei Schilddrüsenerkrankungen zu beachten? Die Verbraucherzentralen geben Antworten.
Sojabohnen enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Isoflavone. Sie ähneln dem Hormon Östrogen, weshalb sie auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden. Sie wirken in abgeschwächter Form wie Östrogen. Bei hohen körpereigenen Östrogenspiegeln können Isoflavone das Östrogen aber auch abschwächen oder sogar blockieren.
Durchschnittliche Isoflavon-Gehalte in Sojaprodukten
(pro 100 g, Werte gerundet):
| Sojabohnen (reif, roh) | 104–155 mg |
| Sojabohnen/Edamame (unreif, roh) | 18–49 mg |
| Tofu | 13–35 mg |
| Soja-Joghurtalternative | 33 mg |
| Sojadrink | 11 mg |
Erhöht Soja das Brustkrebsrisiko?
Viele Brustkrebserkrankungen sind hormonabhängig: Östrogene können an Krebszellen binden und deren Wachstum fördern. Eine antihormonelle Therapie soll die Wirkung der Östrogene blockieren und damit das Tumorwachstum bremsen. Vor diesem Hintergrund befürchten manche Betroffene, dass Soja wegen der enthaltenen Isoflavone das Rückfallrisiko erhöhen könnte.
Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gibt es jedoch keine Hinweise, dass der Verzehr von Soja in üblichen Mengen das Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung erhöht. Fachgesellschaften bewerten einen maßvollen Konsum von täglich ein bis zwei Portionen Soja-Lebensmitteln als unbedenklich, auch während einer antihormonellen Therapie. Eine Portion entspricht etwa 100 Gramm Tofu oder 250 Millilitern Sojadrink.
Können Beschwerden rund um die Menopause gelindert werden?
Während der Wechseljahre nimmt der Spiegel der Geschlechtshormone ab. Das führt oft zu Hitzewallungen, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Östrogen besteht die Hoffnung, dass Isoflavone den Hormonabfall teilweise ausgleichen und die Beschwerden lindern. Nach aktuellem Wissensstand gibt es hierfür jedoch keine sicheren Anhaltspunkte. Dennoch können sojahaltige Lebensmittel wie Tofu, Sojadrink oder Tempeh in üblichen Mengen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Sie liefern zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Protein.
Können Sojaprodukte die Schilddrüse negativ beeinflussen?
Die Schilddrüse bildet Hormone, die viele wichtige Prozesse im Körper steuern: zum Beispiel Herzschlag, Energieverbrauch, Verdauung. Für die Bildung von Schilddrüsenhormonen wird Jod benötigt. Eine zu geringe Jodzufuhr kann daher die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen.
Mögliche diskutierte Effekte von Isoflavonen auf die Schilddrüse betreffen die Bildung oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen im Körper, besonders bei Jodmangel oder Schilddrüsenerkrankungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass mögliche Effekte von Isoflavonen auf die Schilddrüse noch nicht abschließend geklärt sind. Bei ausreichender Jodversorgung zeigen Studien keine relevanten Beeinträchtigungen durch üblichen Sojakonsum. Hingegen kann bei Jodmangel oder bestehenden Schilddrüsenerkrankungen ein nachteiliger Effekt von den in Soja enthaltenen Isoflavonen nicht ausgeschlossen werden.
Wer Schilddrüsenhormone einnimmt, sollte vor und nach einer Ernährungsumstellung mit Sojaprodukten die Blutwerte kontrollieren lassen und abklären, ob die Dosis des Schilddrüsenpräparats angepasst werden muss. Sinnvoll ist es, die Schilddrüsenhormone generell 30–60 Minuten vor dem Essen einzunehmen, damit die Aufnahme nicht beeinträchtigt wird.