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Alternativen zur Kündigung einer kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherung

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Viele Verträge werden wegen finanzieller Schwierigkeiten gekündigt. Wir zeigen sechs Möglichkeiten auf, die Police zu behalten.

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Eine Lebensversicherung ist ein Vertrag, der über einen langen Zeitraum abgeschlossen wird. Viele Verträge haben eine Laufzeit von mindestens 12 Jahren, aber auch Vertragslaufzeiten von 20 oder 30 Jahren oder sogar länger sind üblich. Je länger der Vertrag läuft und der Beitrag gezahlt wird, desto höher fällt die zu erwartende Ablaufleistung aus. Auch ein eingeschlossener Todesfallschutz besteht dann über die gesamte Laufzeit und muss später im höheren Alter und bei eventuellen Erkrankungen nicht erneut abgeschlossen werden.

Der Nachteil dabei: Niemand kennt bei Vertragsschluss seinen tatsächlichen Finanzbedarf während der Laufzeit. Viele Verbraucher wollen oder müssen denn auch ihre Versicherung vor Vertragsablauf beenden.

Vor allem bei schon lange laufenden und steuerlich begünstigten Versicherungen ist es oft ratsam, den Vertrag bis zum Schluss durchzuhalten. Nicht sinnvoll ist es hingegen, sich für die Fortführung des Vertrages zu verschulden, nur um am Ende auf eine hohe Ablaufleistung zu hoffen. Eine Kündigung des Vertrages sollte gut überlegt sein und nur dann erfolgen, wenn eingehend erwogene Alternativen nicht zur individuellen Situation passen.

Achtung: Eine einmal ausgesprochene Kündigung kann nicht mehr ohne Zustimmung des Versicherers zurückgenommen werden.

Wir zeigen sechs Alternativen zur Kündigung auf, erklären den Verkauf auf dem Zweitmarkt und gehen auf den Widerruf sowie die Kündigung selbst ein:

Versicherungsvertrag preiswerter gestalten

Die Stichworte dazu lauten: auf jährliche Zahlungsweise umstellen, Dynamisierung reduzieren, unnötige Zusatzversicherungen kündigen.

Umstellung auf jährliche Zahlungsweise

Bei einer Umstellung von beispielsweise monatlicher auf jährliche Zahlungsweise entfallen die Zuschläge für die Ratenzahlung; der Beitrag sinkt bei gleicher Leistung. Eine solche Änderung wirkt sich steuerlich nicht negativ aus.

Dynamisierung reduzieren

Eine vereinbarte Dynamisierung bedeutet, dass sich der Beitrag jährlich um einen bestimmten Prozentsatz erhöht. Gleichzeitig erhöht sich auch die Todesfall- bzw. Ablaufleistung – allerdings nicht proportional zur Beitragserhöhung. Um die Dynamik in einem Vertrag zu belassen, muss die dynamische Erhöhung in der Regel mindestens in jedem dritten Jahr angenommen werden. Dabei muss bedacht werden, dass jeweils das aktuelle Alter für die Risikoberechnung und damit für einen gegebenenfalls anfallenden Risikobeitrag zugrunde gelegt wird. Weiterhin werden für jede dynamische Erhöhung Abschlusskosten fällig.

Es kann sich – insbesondere bei gut verzinsten Altverträgen – lohnen, eine Dynamisierung beizubehalten. Abhängig von der eigenen Situation kann aber auch die jährliche Dynamikerhöhung ausgesetzt oder schließlich ganz gestoppt werden. Eine solche Änderung hat steuerlich keine negativen Folgen.

Unnötige Zusatzversicherungen kündigen

Empfehlenswert ist, wenig sinnvolle und in der Regel teure Zusatzversicherungen wie etwa den Unfalltod-Einschluss zu kündigen. Bei vereinbarter Unfalltod-Zusatzversicherung wird eine erhöhte Todesfallleistung im Falle eines Unfalltodes ausbezahlt. Ein solcher Schutz verteuert den Vertrag. Sofern es nur um die eigene Altersvorsorge geht und kein anderer versorgt werden muss, ist auch ein vereinbarter Hinterbliebenenschutz auf den Prüfstand zu stellen. Den Beitrag zu reduzieren, indem Zusatzversicherungen gekappt werden, hat keinen steuerlichen Einfluss.

Stundung der Versicherungsbeiträge

Dabei wird die Zahlung der Beiträge für einen gewissen Zeitraum – häufig bis maximal zwei Jahre – ausgesetzt. Der Versicherungsschutz bleibt erhalten. Die Stundung ist in der Regel zinspflichtig. Die ausgesetzten Beiträge und die Zinsen für die Stundung müssen nach Ablauf des Stundungszeitraumes nachträglich entrichtet werden. In bestimmten Fällen wie Arbeitslosigkeit oder Elternzeit bietet der Versicherer zum Teil auch eine zinslose Stundung an.

Die Möglichkeit, die Zahlungen zu stunden, kann bereits in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen stehen. Ein Angebot zur Stundung ist direkt beim Versicherer anzufordern.

Diese Variante sollte man aber nur dann nutzen, wenn man sicher weiß, dass man später tatsächlich die Beiträge wieder aufbringen und auch die gestundeten Beträge mit Zins und Zinseszins zurückzahlen kann.

Vorübergehende Ruhendstellung der Versicherung

Vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten lassen sich auch überbrücken, indem der Vertrag ruhend gestellt wird.

Allerdings wird diese Möglichkeit nicht immer angeboten. Für den Zeitraum, in dem die Versicherung ruht, bestehen für beide Vertragspartner keine vertraglichen Pflichten. Der Versicherungsnehmer braucht also die Beiträge für den vereinbarten Zeitraum nicht weiter zu entrichten, und der Versicherungsschutz ist unterbrochen. Der Vertrag selbst bleibt aber bestehen. Nach Ablauf der Vereinbarung lebt der Versicherungsschutz wieder auf.

Aber Vorsicht: Auch eine etwaige Zusatzversicherung ruht für den entsprechenden Zeitraum!

Nachteil: Da die ausgesetzten Beiträge später nicht nachgezahlt werden, sinkt die Ablaufleistung.

Prämienreduzierung

Um Beiträge dauerhaft zu senken, kann der Versicherte erwägen, den jetzigen Vertrag in einen mit reduzierten Prämien umzuwandeln. Diese Möglichkeit kann vertraglich bereits in den Bedingungen vereinbart sein. Andernfalls ist der Versicherer frei, dem Wunsch des Versicherten zuzustimmen oder diesen abzulehnen. Verringert sich die Prämie, sinken ebenfalls die Leistungen im Todesfall sowie die Ablaufleistung.

Beitragsfreistellung

Wer seinen Versicherungsschutz nicht verlieren möchte, aber die Beiträge für den Vertrag nicht aufbringen kann, kann den Vertrag beitragsfrei stellen lassen. Die Beitragsfreistellung, also die Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung, ist in § 165 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) gesetzlich verankert und jederzeit für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode möglich, wenn eine vereinbarte Mindestversicherungsleistung besteht. Als Versicherungsperiode gilt nach § 12 VVG der Zeitraum eines Jahres, wenn kein kürzerer Zeitabschnitt vereinbart ist.

In der Regel beträgt die Versicherungsperiode ein Jahr. Regelmäßig sind aber monatliche Kündigungen möglich. Bitte entnehmen Sie dies Ihren Versicherungsbedingungen.

Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Beitragsfreistellung um eine Teilkündigung, durch die sowohl der Versicherungsschutz abgesenkt als die Ablaufleistung gemindert wird. Allerdings bleiben die Ansprüche aus der Überschussbeteiligung bestehen.

Achtung: Den ursprünglichen Versicherungsschutz wieder herzustellen, also die Prämienzahlung fortzusetzen, ist nach der Umwandlung in eine beitragsfreie Versicherung nur noch mit Zustimmung des Versicherers möglich. Rechtlich handelt es sich dann um einen Neuabschluss, und es muss womöglich eine neue Gesundheitsprüfung vorgenommen werden.

Wird ein Mindestrückkaufswert unterschritten, kann ein Antrag auf Beitragsfreistellung als Kündigung gewertet werden und eine sofortige Vertragskündigung zur Folge haben. Hierzu gibt es ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt (Az.: 3 U 131/13, 5.3. 2015), siehe auch § 165 Abs.1 S.2 Versicherungsvertragsgesetz (VVG).

Vorsicht: Sofern an den Vertrag Zusatzversicherungen gekoppelt sind, zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, entfallen diese in der Regel, wenn der Hauptvertrag in eine prämienfreie Versicherung umgestellt wird. Deshalb sollte in diesem Fall eine Beitragsfreistellung gut überlegt sein.
Policendarlehen (Versicherungsdarlehen)

Wer nur vorübergehend finanzschwach ist, der kann seine Police auch beleihen.

In diesem Fall erhält der Versicherungsnehmer einen Teilbetrag (meist bis zu 90 oder sogar 100 des Rückkaufswertes, bei Fondspolicen bis zu 60 Prozent) als Darlehen ausgezahlt, das er während der Restlaufzeit der Police oder erst bei Fälligkeit tilgen kann. Die Beleihung von Policen ist zum einen bei der Versicherungsgesellschaft selbst oder einer Bank möglich.

Anbieter am deutschen Policenzweitmarkt bieten ebenfalls Lösungen an – allerdings ist ein bereits angesparter Mindestrückkaufswert erforderlich. In der Regel können Lebensversicherungen dann bereits bei vielen Anbietern mit einer

Mindestdarlehenssumme in Höhe von 2.500 Euro (bei einigen schon mit einer Darlehnssume ab 1.000 Euro) beliehen werden. Der Vorteil gegenüber einem normalen Ratendarlehen besteht darin, dass diese Policendarlehen in der Regel wesentlich zinsgünstiger sind. Auch dient die Police selbst als Sicherheit, weshalb oftmals keine SCHUFA-Auskunft erforderlich ist und auch kein SCHUFA-Eintrag erfolgt. Verbraucher sollten das Angebot ihrer Gesellschaft mit den Angeboten der deutschen Zweitmarkthändler vergleichen, um den günstigsten Zins für die Beleihung ihrer Police zu ermitteln.

Das Policendarlehen kann sich bei einer bis dahin steuerfreien Lebens- oder Rentenversicherung (Versicherungsabschluss bis 31. Dezember 2004 und mindestens 12 Jahre Laufzeit) unter Umständen steuerlich negativ auswirken und die Steuerpflicht für den Versicherungsvertrag auslösen! Bei einem Darlehen rein zu privaten Zwecken sollte das zwar nicht der Fall sein; dennoch sollten Versicherte die steuerlichen Konsequenzen für den Vertrag mit ihrem Steuerberater besprechen.
Verkauf auf dem Zweitmarkt

Unter bestimmten Voraussetzungen stehen die Chancen gut, einen Aufkäufer zu finden.

Beträgt der Rückkaufswert der Police mindestens 10.000 Euro und übersteigt die verbleibende Vertragslaufzeit eine bestimmte Anzahl von Jahren (15 Jahre bis 25 Jahre) nicht, hat man gute Chancen, einen Aufkäufer für den Lebensversicherungsvertrag zu finden. Allerdings werden Fondsgebundene Lebensversicherungen in der Regel nicht aufgekauft. Professionelle Policenankäufer bieten Kaufpreise an, die zwischen 1 bis maximal 15 Prozent über dem Rückkaufswert des Versicherers liegen können.

Die Ankäufer erwerben die Police mit dem Ziel, diese an Stelle des ursprünglichen Versicherungsnehmers bis zur Endfälligkeit weiterzuführen und sich am Stichtag die Ablaufleistung auszahlen zu lassen. Für die versicherte Person hat das den zusätzlichen Vorteil, dass ein Rest-Versicherungsschutz gewahrt ist. Es gibt sogar Ankaufsmodelle, bei denen zusätzliche Versicherungen wie beispielsweise eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) erhalten bleiben können.

Allerdings sollte man bei der Auswahl des Policenankäufers große Vorsicht walten lassen; denn auf dem Markt tummeln sich viele Firmen, die die Unwissenheit der Verbraucher ausnutzen und ihnen mehr schaden als nutzen.

Daher sollte der Versicherte zunächst darauf achten, dass sowohl die Preisangebote für den Ankauf kostenlos und unverbindlich erstellt werden als auch der Ankauf selbst unentgeltlich erfolgt. Der Kaufpreis sollte bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen über dem Rückkaufswert liegen und sofort und in einer Summe ausgezahlt werden.

Einige Unternehmen zahlen unter Rückkaufswert oder sogar nur Teilbeträge aus und verbinden dies mit dem Versprechen künftiger Zahlungen, dessen Einhaltung jedoch ungewiss ist. Auch sollten Interessenten unbedingt darauf achten, dass der Ankäufer vom vereinbarten Kaufpreis nicht teilweise oder gar vollständig die Abgeltungssteuer einbehält, denn dieser Betrag steht dem Kunden in voller Höhe zu. Häufig ist dieser Passus in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt.

Gehört die ankaufende Firma dem Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) e.V. an, gelten gewisse Qualitätsrichtlinien; denn die Unternehmen haben sich verpflichtet, bestimmte Kaufanforderungen einzuhalten.

Kündigung von Versicherungsverträgen

Der Versicherungsnehmer kann den Vertrag ohne Angabe von Gründen kündigen. Sofern nicht eine bestimmte Form vereinbart ist, reicht dazu ein formloses Schreiben an den Versicherer. Es ist jedoch ratsam, die Kündigung per Einwurfeinschreiben zu versenden.

Die Kündigung ist jederzeit zum Ende der Versicherungsperiode möglich. Versicherte, die ihre Prämie jährlich entrichten, unterliegen dieser Hauptfälligkeitsfrist. Wurde mit dem Versicherer jedoch eine monatliche Zahlungsweise vereinbart, gelten auch monatliche Kündigungsfristen. Zu diesem Termin erlischt bei einer Kündigung der Versicherungsschutz, und der Versicherungsnehmer erhält den Rückkaufswert ausgezahlt. Die Höhe des aktuellen Rückkaufswertes kann man der letzten der jährlich zugeschickten Wertemitteilungen entnehmen. Neben dem Rückkaufswert muss die Gesellschaft die vom Versicherten bereits erworbenen Ansprüche aus einer Überschussbeteiligung zuzüglich anteiliger Schlussüberschussanteile auszahlen.

Auf den Rückkaufswert bei Verträgen, die vor 2008 geschlossen wurden, gehen wir in einem gesonderten Beitrag ein.

Steuerliche Stiuation

Kündigt man einen steuerfreien Altvertag (also Vertragsschluss vor dem 1. Januar 2005) mit einer zwölfjährigen Mindestlaufzeit, bleibt die Auszahlung des Rückkaufswertes steuerfrei. Ansonsten erfolgt die Belastung mit der Abgeltungssteuer in voller Höhe.

Bei Neuverträgen, die schon 12 Jahre oder mehr laufen und bei denen die versicherte Person 60 Jahre (für ab 2012 geschlossene Verträge 62 Jahre) alt ist, ist nur die Hälfte des Gewinns mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern.

Versicherungsvertrag widerrufen

Einen gerade erst abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrag können Sie innerhalb einer Frist von 30 Tagen widerrufen.

Die Frist beginnt einen Tag nach Zugang des Versicherungsscheins sowie der weiteren Vertragsunterlagen. Solange der Versicherer seine Informationspflichten nicht vollständig erfüllt hat, beginnt die Frist nicht zu laufen. Damit kann ein Vertrag unter Umständen auch noch Jahre nach Abschluss widerrufen werden.

Besonderheiten gelten zudem für Lebensversicherungsverträge die in den Jahren 1994 bis 2007 nach dem sogenannten Policenmodell geschlossen wurden. Dabei füllte der Kunde ein Antragsformular aus. Der Versicherer nahm den Antrag an, indem er dem Kunden den Versicherungsschein, die Versicherungsbedingungen sowie die übrigen Vertragsunterlagen übergab. Hatte eine Gesellschaft ihre Kunden nicht richtig über das Widerspruchsrecht informiert, sollte dieses ein Jahr nach der ersten Prämienzahlung erlöschen. Der Europäische Gerichtshof erklärte diese Regelung für unvereinbar mit dem damaligen EU-Recht. Der Versicherungsnehmer hat hier ein zeitlich unbegrenztes Widerspruchs- bzw. Widerrufsrecht (Urteile des Europäischen Gerichtshofs (Az. C-209/12) und des Bundesgerichtshofs (Az. IV ZR 73/13 und IV ZR 76/11).

Bevor man sich auf diese Möglichkeit einlässt, sollte man jedoch genau überprüfen, wie viel man bei Rückabwicklung ausgezahlt bekäme. Besonders bei Verträgen, die bereits viele Jahre laufen, kann ein Widerruf nachteilig sein, da die Kosten für die in Anspruch genommene Versicherungsleistung im Widerrufsfall vom Auszahlungsbetrag abgezogen werden könnten.

Auf das unbefristete Widerspruchsrecht bei Lebensversicherungen mit Abschluss vor dem Jahr 2008 gehen wir in einem gesonderten Beitrag ein.