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Vermögenswirksame Leistungen: Verschenken Sie kein Geld!

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Jeder Arbeitnehmer, Beamte, Soldat, Richter oder Auszubildende hat Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen (VL). Arbeitnehmer dürfen vom Arbeitgeber verlangen, Teile ihres Arbeitslohns Teile ihres Arbeitslohns vermögenswirksam anzulegen. Das sagt das 5. Vermögensbildungsgesetz. Der Arbeitgeber legt Geld für seine Arbeitnehmer an und zahlt oft einen Zuschuss. Seine Höhe ist je nach Branche entweder im Tarifvertrag oder durch Betriebsvereinbarungen festgelegt.

Zwischen 6 Euro und 40 Euro zahlt der Arbeitgeber direkt in eine vermögenswirksame Anlage. Trotzdem nimmt nur jeder Zweite die Leistungen in Anspruch. Wer darauf verzichtet, verschenkt Geld.

Es gibt keinen Grund, aus dem Sie auf den Zuschuss des Arbeitgebers im Rahmen der VL verzichten sollten. Darüber hinaus können Sie auch – je nach finanziellen Möglichkeiten und Wünschen – den Betrag selbst aufstocken. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

VL-Bausparverträge

Mit einem Bausparvertrag können Sie Eigenkapital bilden und bekommen gleichzeitig den Anspruch auf ein späteres Bauspardarlehen. Zinssatz und Tilgungsbetrag dafür werden bei Vertragsschluss festgelegt, ebenso der Zinssatz für das entstehende Guthaben. Brauchen Sie kein Bauspardarlehen, können Sie Tarife wählen, die beim Darlehensverzicht nachträglich den Guthabenzins durch Bonuszinsen erhöhen. Solche Tarife werden auch als Rendite-Bausparverträge bezeichnet. Einige Bausparkassen haben früher zusätzlich die am Beginn gezahlte Abschlussgebühr erstattet. Werden die Einkommensgrenzen eingehalten, fällt die Rendite durch die staatliche Arbeitnehmersparzulage (siehe unten) höher aus.

Das Sparguthaben kann nach einer Sperrfrist von sieben Jahren ausgezahlt werden. Dafür muss der Bausparvertrag zuteilungsreif sein, also unter anderem ein bestimmtes Mindestguthaben und eine bestimmte Mindestbewertungszahl erreicht haben. Was Sie mit dem Geld machen, bleibt Ihnen überlassen. Das Guthaben ist nicht zweckgebunden – anders als das Bauspardarlehen. Das können Sie nur für "wohnwirtschaftliche Zwecke" in Anspruch nehmen. Darunter fallen etwa der Kauf, die Renovierung oder die Sanierung einer Wohnimmobilie.

VL-Wertpapiersparen mit Investmentfonds

Beim Fondsparen investieren Sie nach dem Grundsatz der Risikostreuung. Das heißt, Sie legen Ihr Geld in unterschiedlichen Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und/oder Immobilien an.

Mit dem Kauf von Anteilen an Investmentfonds werden Sie Miteigentümer am Fondsvermögen. Durch Kursgewinne und Erträge steigt der Wert Ihrer Anteile. Durch Kursverluste und Kosten sinkt der Wert.

Fondssparpläne erfordern in der Regel einen Mindestsparbetrag, zum Beispiel 25 Euro. Fällt der Zuschuss des Arbeitgebers geringer aus, müssen Sie die Differenz selbst aufstocken. An das Geld kommen Sie – sofern Prämien in Form der Arbeitnehmersparzulage fließen – frühestens sieben Jahre nach dem Start des Sparens. Denn vermögenswirksame Fondssparpläne erfordern sechs Einzahlungsjahre und ein Ruhejahr. Danach können Sie die Anteile verkaufen. Verpflichtet sind Sie dazu aber nicht. Steht der Kurs niedrig, lohnt es sich also, noch etwas zu warten. Einen Folgevertrag zum Fondssparen können Sie bereits nach sechs Jahren Laufzeit abschließen.

Sofern die Einkommensgrenzen nicht überschritten sind, können Sie die Rendite durch die Beantragung der Arbeitnehmersparzulage steigern.

VL-Banksparverträge

Banksparpläne sind den meisten Sparern als Ratensparvertrag mit Zins und Bonus bekannt. VL-Banksparpläne sind ähnlich aufgebaut. Sie erfordern sechs Einzahlungsjahre und ein Ruhejahr. Ein Folgevertrag kann bereits nach dem sechsten Jahr abgeschlossen werden.

Die regelmäßigen Sparleistungen werden mit einem variablen Basiszins verzinst. Je nach Anbieter gibt es zusätzlich laufzeitabhängige Boni oder Zinsaufschläge. Auch wird je nach Anbieter das "Durchhalten" des Vertrags mit einem Schlussbonus belohnt. Wollen Sie sich für einen Banksparplan entscheiden, vergleichen Sie die Rendite, die Sie durch Zins und Boni erhalten können.

Der variable Basiszins eines Banksparplans muss an einen Referenzzins des offiziellen Kapitalmarkts gekoppelt werden. So hat es der Bundesgerichtshof (BGH) 2004 entschieden. Das bedeutet, der Anbieter muss Ihnen erklären, wonach sich der Zinssatz des Sparplans richtet. Ihr Guthaben ist durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro vor einer Insolvenz des Geldinstituts geschützt.

Wollen Sie auf Sicherheit setzen, eignet sich der VL-Banksparplan für Sie. Mit einer Prämie von bis zu 14 Prozent kann er auch für solche Anleger eine Alternative sein, die durch ihr Einkommen bei anderen Anlageformen Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage hätten.

Tilgung von Darlehen

Haben Sie einen Kredit zur Finanzierung eines selbst genutzten Hauses oder einer Eigentumswohnung aufgenommen? Zum Abbezahlen können Sie vermögenswirksame Leistungen ebenfalls einsetzen. Die zusätzliche Tilgung von 40 Euro im Monat verringert die Restschuld entsprechend und senkt somit die Zinslast Ihres Darlehens.

Bei Bausparkassen ist die Aufstockung der monatlichen Tilgungen um die vermögenswirksamen Leistungen kein Problem. Die Allgemeinen Bausparbedingungen regeln, dass Sie jeder Zeit das Recht auf Sondertilgung haben.

Bei Banken und Sparkassen kommt es dagegen auf die Regelung im Kreditvertrag an. Wenn kein Recht auf Sondertilgung explizit vereinbart ist, weigern sich die Kreditinstitute oft, nachträglich eine höhere Tilgung zu vereinbaren. Stimmt das Institut aber zu, überweist Ihr Arbeitgeber seinen Beitrag direkt auf das Darlehenskonto.

Bereiten Sie gerade die Finanzierung einer Immobilie vor, vereinbaren Sie direkt die Möglichkeit der Tilgung durch vermögenswirksame Leistungen.

Altersvorsorgewirsame Leistungen (AVWL)

Die altersvorsorgewirksamen Leistungen sind die Weiterentwicklung der vermögenswirksamen Leistungen und ersetzen diese. Hierbei nutzen Sie die Beiträge Ihres Arbeitgebers für eine zusätzliche private oder betriebliche Altersversorgung. Je nach Anlageform gewährt der Staat außerdem zusätzliche Förderungen.

Als AVWL kommen in Frage:

  • Eine Riester-Rente,
  • Entgeltumwandlung vom Arbeitslohn in eine Rentenzusage des Arbeitgebers oder
  • Betriebsrente auf Basis einer freiwilligen Betriebsvereinbarung.

Staatliche Förderung mit der Arbeitnehmersparzulage

Liegt Ihr Einkommen unterhalb bestimmter Grenzen, bekommen Sie mit der Arbeitnehmersparzulage eine zusätzliche Förderung. Gefördert werden nur Bausparverträge oder Tilgungen von Darlehen für selbst genutzte Immobilien sowie Wertpapiersparpläne. Die Höhe der Förderung und die Einkommensgrenzen unterscheiden sich:

  Bausparvertrag/Darlehenstilgung Wertpapiersparen

Grenze für das zu versteuernde Einkommen

bei Ledigen

bei zusammen veranlagten Paaren

 

17.900 €

35.800 €

 

20.000 €

40.000 €

Höhe der Arbeitnehmersparzulage 9 % 20 %
Maximale Höhe der jährlich geförderten Geldleistung 470 € 400 €
Maximale Höhe der jährlichen Arbeitnehmersparzulage 43 € 80 €

Entscheidend für die Arbeitnehmersparzulage ist nicht der Bruttoarbeitslohn, sondern das zu versteuernde Einkommen. Arbeitnehmer können z. B. die Pendlerpauschale, andere Werbungskosten und Kinderfreibeträge geltend machen.

Die Arbeitnehmersparzulage wird auf Antrag vom zuständigen Finanzamt mit der Einkommenssteuererklärung festgesetzt. Sie wird dann vorgemerkt und nach der Sperrfrist von sieben Jahren auf den jeweiligen Vertrag überwiesen. Erst dann können Sie also darüber verfügen.

Fazit

Ein VL-Banksparplan und ein VL-Bausparvertrag eignen sich vor allem für Sie, wenn Sie auf Sicherheit setzen wollen. Das VL-Wertpapiersparen bietet sich an, wenn Sie bereit sind, Risiken einzugehen. Die Arbeitnehmersparzulage – eine einkommensabhängige Förderung des Staates – gibt es nur für VL-Bausparverträge, VL-Wertpapiersparen und das Tilgen von Darlehen für selbst genutzte Immobilien. Beim Bausparvertrag können Sie unter Umständen zusätzlich zur Arbeitnehmersparzulage auch die Wohnungsbauprämie in Anspruch nehmen.

Welche Anlageform für Sie die richtige ist, hängt letztlich von Ihrer individuellen Situation ab. Gerne können Sie sich von unseren Experten unabhängig beraten lassen.