Facebook-Messenger umgehen: Nachrichten lesen ohne Zwangs-App

Stand:

Direktnachrichten bei Facebook werden auf Smartphones und Tablets schon lange nicht mehr in der Facebook-App angezeigt. Nutzer sollen den Messenger installieren. Eine beliebte Alternative hat das Netzwerk abgeschaltet. Schuld seien EU-Gesetze.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Um Privatnachrichten bei Facebook zu lesen und zu senden, verlangt das Netzwerk auf den meisten mobilen Geräten die Installation des Facebook-Messengers.
  • Lange gab es auf mbasic.facebook.com die Möglichkeit, Nachrichten ohne den Messenger zu lesen und zu schreiben.
  • Auch das ist seit Dezember 2020 vorerst nicht mehr möglich. Es bleibt nur noch ein letzter Trick.
Die Symbole der Apps Facebook und Messenger nebeneinander auf einem Smartphone-Display
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Schon 2014 hat Facebook die Nachrichten-Funktion aus seiner App für Smartphones und  Tablets geworfen und Anwender zur Installation des Facebook-Messengers gedrängt. Auch auf der mobilen Internetseite m.facebook.com ist es seit 2016 nicht mehr möglich, direkte Nachrichten an Freunde oder Gruppen zu schreiben bzw. von ihnen zu empfangen. Die Folge: Bei einer neuen Nachricht erscheint beim Nutzer zwar nach wie vor ein Benachrichtigungssymbol, doch um die Nachricht auch lesen zu können, wird er aufgefordert, zusätzlich Facebooks Messenger-App herunterzuladen.

Es gibt aus unserer Sicht mehrere Gründe, auf den Messenger zu verzichten: Zum einen verlangt die App sehr viele Berechtigungen (siehe unten). Zum anderen sind Unterhaltungen nicht standardmäßig verschlüsselt, könnten also von Facebook-Mitarbeitern gelesen werden (siehe unten).

Internet-Seiten als Alternative zum Facebook-Messenger

Im Dezember 2020 wurde auch eine beliebte Alternative vorerst abgeschaltet: Wer mit einer Browser-App die Seite mbasic.facebook.com/messages aufrief, konnte dort noch Nachrichten senden und empfangen. Diese Seite bietet Facebook eigentlich für diejenigen an, die ein Handy mit Internetzugang und kein modernes Smartphone nutzen. Deshalb ist die Seite ziemlich reduziert, zum Nachrichten lesen unterwegs reichte sie dennoch.

Das Abschalten begründet eine Facebook-Sprecherin auf Anfrage der Verbraucherzentrale NRW so: "Durch die Neuregelung der gesetzlichen Rahmen für Messaging Dienste in der EU kann es zurzeit zu Veränderungen in den Funktionen von Messenger, Instagram und Facebook kommen. Wir arbeiten daran, die betroffenen Funktionen wo möglich wieder verfügbar zu machen." Es bleibt offen, ob die Nachrichtenfunktion für europäische Facebook-Mitglieder auf mbasic.facebook.com zurückkehren wird.

Wer ein Smartphone mit größerem Display oder ein Tablet nutzt, kann auf der Facebook-Seite auch zur Desktop-Ansicht wechseln. In dieser Version ist der Messenger in die Seite integriert. Einziger Nachteil: Auf kleinen Bildschirmen kann das Lesen in der Desktop-Version schnell fummelig werden und die einzelnen Buttons und Links lassen sich kaum mit den Fingern treffen.

Tipp: Um zur Desktop-Version einer Website zu gelangen, öffnen Sie zunächst Ihre Browser-App und gehen dort in die Menü-Einstellungen. Hier finden Sie in der Regel eine Auswahlmöglichkeit wie "Desktop-Website", "Desktop-Version" oder ähnliches.

Facebook-Messenger will viele Berechtigungen haben

Natürlich könnte man auch einfach einen anderen Messenger-Dienst nutzen. Hier gibt es eine Übersicht.

Die Zwangsinstallation des Facebook-Messengers stößt vielen Nutzern übel auf, weil in der App Werbung angezeigt werden kann, Unterhaltungen von anderen mitgelesen werden können und weil die App zahlreiche Zugriffsberechtigungen verlangt. Der Play Store von Google listete für den Messenger der Version 295.0.0.8.476 folgende Berechtigungswünsche auf:

  • Kalender
    • Kalendertermine und Details lesen
  • Kamera
    • Bilder und Videos aufnehmen
  • Kontakte
    • Kontakte lesen
    • Konten auf dem Gerät suchen
    • Kontakte ändern
  • Standort
    • Nur bei Ausführung im Vordergund auf den ungefähren Standort (netzwerkbasiert) zugreifen
    • Nur bei Ausführung im Vordergrund auf den genauen Standort zugreifen
  • Mikrofon
    • Audio aufnehmen
  • Telefon
    • Telefonnummern direkt anrufen
    • Telefonstatus und Identität abrufen
  • SMS
    • SMS oder MMS lesen
    • SMS empfangen
    • SMS senden und abrufen
    • MMS empfangen
  • Speicher
    • Inhalte deines freigegebenen Speichers ändern oder löschen
    • Inhalte deines freigegebenen Speichers lesen
  • Sonstiges
    • Dateien ohne Benachrichtigung herunterladen
    • Ruhezustand deaktivieren
    • WLAN-Verbindung aufbauen
    • Internetdaten erhalten
    • Google Play-Rechnungsdienst
    • WLAN-Verbindungen herstellen und trennen
    • Auf alle Netzwerke zugreifen
    • Synchronisierungseinstellungen lesen
    • Vordergrunddienst ausführen
    • Auf Bluetooth-Einstellungen zugreifen
    • App kann über anderen Apps erscheinen
    • Nahfeldkommunikation steuern
    • Beim Start ausführen
    • Anrufe über das System durchführen
    • Anzahl neuer Benachrichtigungen lesen
    • Netzwerkverbindungen abrufen
    • Fingerabdruckhardware verwenden
    • Verknüpfungen installieren
    • Google-Servicekonfiguration lesen
    • Vibrationsalarm steuern
    • Synchronisierung aktivieren oder deaktivieren
    • Biometrische Hardware verwenden
    • Netzwerkkonnektivität ändern
    • Play Install Referrer API
    • Audio-Einstellungen ändern
    • Kopplung mit Bluetooth-Geräten durchführen

Bei Android ab Version 6.0 sowie allen iOS-Versionen können Berechtigungen in den Systemeinstellungen gewährt oder eingeschränkt werden. Bei älteren Android-Versionen ist das nicht möglich.

Facebook-Mitarbeiter können Nachrichten lesen

Egal, ob Sie den Messenger als App oder das Nachrichtensystem auf der Facebook-Seite nutzen: Die Inhalte können grundsätzlich mitgelesen werden, sowohl von Maschinen als auch von Facebook-Mitarbeitern. Denn Nutzer können auch private Nachrichten wegen ihrer Inhalte melden. Die werden dann von einem Mitarbeiter des "Community-Operations-Teams" geprüft, ob sie gegen Facebooks Nutzungsbedingungen verstoßen und gegebenenfalls gelöscht. So erklärt es eine Mitarbeiterin von Facebooks deutscher PR-Agentur auf Anfrage der Verbraucherzentrale NRW.

Darüber hinaus gebe es noch eine automatische Prüfung von Inhalten. Wird zum Beispiel ein Foto versendet, erhält es auf den Facebook-Servern einen so genannten Hash-Wert – eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen, die für jede Datei einzigartig wie ein Fingerabdruck ist. Sperrt oder löscht die künstliche Intelligenz das Bild (aus welchen Gründen auch immer), wird diese Aktion gespeichert. Wird das gleiche Foto irgendwo anders bei Facebook erneut hochgeladen oder in irgendeiner anderen privaten Nachricht über Facebook verschickt, sperrt oder löscht die Automatik auch die neue Datei.

Facebook bietet für seinen Messenger eine Verschlüsselung an. Das bedeutet, dass dann eigentlich nur Chat-Teilnehmer die Inhalte lesen können. Die muss aber von allen Gesprächsteilnehmern aktiviert werden. Der Rahmen des Messengers ändert dann seine Farbe von blau zu schwarz. Die Verschlüsselung kann allerdings nur verwenden, wer den Messenger als App nutzt. Wer Nachrichten über mbasic.facebook.com oder die Desktop-Version der Facebook-Seite liest und sendet, kann keine Verschlüsselung aktivieren. Wie sicher die verschlüsselte Unterhaltung über den Facebook-Messenger wirklich ist, können wir nicht beurteilen. Jedenfalls bietet Facebook auch für verschlüsselte Kommunikation die Melden-Funktion an.