Verbraucherzentrale NRW bietet Orientierung bei finanzieller Not

Pressemitteilung vom

Verbraucherzentrale NRW bietet Orientierung bei finanzieller Not

  • Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser: „Es ist wichtig, dass wir bei den Maßnahmen nicht nachlassen.“
  • Neue Online-Seite der Verbraucherzentrale hilft bei Zahlungsproblemen und Verschuldung durch Corona
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Ob die Sachbearbeiterin beim Autozulieferer oder der Reiseverkehrskaufmann aus dem Reisebüro an der Ecke – viele Menschen haben wegen Corona weniger Einkommen, sind in Kurzarbeit oder fürchten gar den Jobverlust. Sie sind finanziell in eine prekäre Lage geraten und wenden sich hilfesuchend an die Verbraucherzentrale NRW. „Solche Schicksale begegnen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern momentan regelmäßig im Beratungsalltag. Und täglich werden es mehr“, beschreibt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, die Situation. 

Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser betont: „Es ist wichtig, dass wir bei den krisenbedingten Maßnahmen nicht nachlassen. Vor allem im Hinblick auf diejenigen, die plötzlich und völlig unverschuldet finanziell in Schieflage geraten sind. Was in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW seit Monaten an Unterstützung geleistet wird, ist enorm. Trotz erschwerter Corona-Bedingungen erhalten die Betroffenen gewohnt kompetente und unabhängige Hilfe und rechtliche Beratung.“

Neues Online-Angebot 

Mit ihrer Sonderinternetseite zu Corona sowie einer kostenlosen Telefon-Hotline stellt sich die Verbraucherzentrale NRW allen Fragen der Bürgerinnen und Bürger zur Corona-Pandemie und deren Auswirkungen im Alltag. Dabei informiert die Verbraucherzentrale vom Pfändungsschutzkonto über Zahlungsstundungen bei Krediten bis hin zu praktischen Hilfestellungen, wenn das Geld knapper wird. Neu im breit aufgestellten Online-Angebot der Verbraucherschützer ist zudem eine weitere Internetseite. Sie ist speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Menschen, die wegen Corona aktuell finanziell in Bedrängnis sind. Unter www.verbraucherzentrale.nrw/corona-finanzen hält die Verbraucherzentrale auf einen Blick zielführende Tipps und Hintergrundinformationen bereit.

„Bei manchen fällt nur vorübergehend ein Teil des Einkommens weg, es besteht also Aussicht auf Besserung nach Corona. Hier geben wir praktische Hinweise, wie die Durststrecke bestmöglich überbrückt werden kann“, erläutert Kirsten Liske, Schuldnerberaterin bei der Verbraucherzentrale NRW. „Andere haben dagegen bereits länger Zahlungsprobleme, die sich durch die Folgen der Pandemie nun noch verstetigen und schlimmstenfalls in die Überschuldung führen. Auch diese Menschen finden bei uns Unterstützung.“

Zum Beispiel Daniel S., dem seine Schulden bereits vor der Pandemie über den Kopf zu wachsen drohten. Nach längerer Erkrankung stand zu Beginn des Jahres erneut eine Operation an und er befürchtete, seinen Job zu verlieren: „Als der Lockdown im März kam, erhielt ich gerade Krankengeld. Wegen Corona wurden meine Therapien verschoben, alles verzögerte sich und ich konnte meine Kreditraten endgültig nicht mehr zahlen.“ Schuldnerberaterin Liske weiß: „So wie Daniel S. geht es vielen Menschen. Nach vorübergehender Stundung von Miete und Kreditzahlungen droht nun schlimmstenfalls die Zahlungsunfähigkeit. Wir versuchen in der Beratung, Perspektiven zu geben, aber auch ganz praktisch aufzuzeigen, in welcher Reihenfolge die Rechnungen nun am besten bezahlt werden sollten, um drohende Energiesperren oder eine mögliche Kündigung der Mietwohnung abzuwenden.“ Auch wenn Daniel S. um ein Privatinsolvenzverfahren nicht herumkommen wird – ihm geht es inzwischen gesundheitlich wieder besser und er arbeitet wieder. 

„Im Idealfall kommen die Verbraucherinnen und Verbraucher aber schon früher zu uns. Unsere Angebote zielen darauf, bereits präventiv zu unterstützen und die Überschuldung damit abzuwenden“, sagt Schuldzinski. „Das gelingt leider nicht immer. Wir befürchten in den kommenden Monaten einen massiven Anstieg der Terminanfragen bei der Schuldnerberatung.“ Diese Entwicklung sei nicht nur an den bereits jetzt deutlich längeren Wartezeiten auf den nächsten freien Termin ablesbar. 15,5 Millionen Haushalte haben Einkommenseinbußen durch Corona, zeigt eine aktuelle Umfrage von Creditreform Wirtschaftsforschung. Besonders betroffen sind Gering- und Normalverdiener. 

Verbraucher in der Corona-Krise unterstützen

Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium hat sich bereits im Rahmen der Verbraucherschutzministerkonferenz im Sommer 2020 für eine stärkere Berücksichtigung der Verbraucherbelange in der Corona-Krise ausgesprochen. Ziel der Maßnahmen des Landes und der Verbraucherzentrale ist es, die finanzielle Überforderung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu vermeiden. Ein Schritt in die richtige Richtung ist der Gesetzentwurf zur weiteren Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens; für Privatinsolvenzen soll die Restschuldbefreiungsfrist auf drei Jahre verkürzt werden.

Hier geht es zum neuen Online-Angebot der Verbraucherzentrale NRW für Betroffene: www.verbraucherzentrale.nrw/corona-finanzen.

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