Stichprobe zur Bargeld-Auszahlung bei zehn Direktbanken

Pressemitteilung vom

Stichprobe zur Bargeld-Auszahlung bei zehn Direktbanken

Teurer Geldautomaten-Marathon: Das Abheben von 20.000 Euro kostete bis über 100 Euro und dauerte teils Wochen

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Direktbanken locken mit günstigen, teilweise sogar gebührenfreien Girokonten. Auch die  Bargeldversorgung am Automaten ist bei den meisten Anbietern gratis. Richtig teuer und zeitaufwendig kann es jedoch werden, wenn Kunden größere Summen benötigen. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW  bei zehn Online-Banken.

Seit Corona zahlen immer mehr mit Karte. Nichts desto weniger gibt es Situationen, wo es Bargeld braucht – und bisweilen, wie beim Autokauf, ganz viel davon. Ein Problem kann das für Kunden werden, die ihre Geldgeschäfte allein über eine Direktbank ohne Filialen abwickeln.

Das zeigte eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW. Sie fragte zehn Direktbanken, wie und zu welchen Kosten Kunden an 20.000 Euro in bar kommen. Zum Testfeld gehörten  1822direkt,  Comdirect,  Consorsbank, DKB, ING, Netbank, N26 und Fidor sowie die grünen Direktbanken Ethikbank und Triodos. 

Ausschließlich auf Geldautomaten anderer Geldinstitute setzen fünf der zehn Probanden (Ethikbank, Fidor, Netbank, N26, und Triodos). Das Problem dabei: Wie viele Euros Nutzer pro Tag abheben dürfen, bestimmen – neben dem Verfügungsrahmen der eigenen Bank – die Betreiber der Geldautomaten. Um zu vermeiden, dass wenige Großabheber den Automaten leerziehen, ist die tägliche Bargeldausgabe pro Kunde auf 500, 1000 oder 2000 Euro limitiert. 

Selbst bei einem großzügig angesetzten Automatenlimit und Verfügungsrahmen von 2000 Euro pro Tag bedeutet dies: Wer allein bei diesen fünf Direktbanken das Konto führt, muss die 20.000 Euro in zehn Einzelabhebungen zusammenstückeln – an zehn verschiedenen Tagen. Mit Pech und verringertem Automatenlimit können es auch 20 oder sogar 40 Tage werden.

Immerhin gebührenfrei ist der Abhebe-Marathon, wenn Kunden der Ethikbank das Automatennetz der Genossenschaftsbanken nutzen und wenn Triodos-Kunden mit der Kreditkarte Bares ziehen. Bei den anderen drei Konkurrenten fallen Gebühren an, weil dort die kostenlose Nutzung von fremden Geldautomaten begrenzt ist. 

N26 verlangt nach fünf gebührenfreien Abhebungen 2 Euro pro Transaktion.  Je nach Limit des Automaten fallen so 10 bis 70 Euro an. Für Fidor-Kunden können 20 bis 95 Euro auflaufen, für Netbank-Kunden sogar 28 Euro bis 133 Euro. 

Möglichst einen Wohnsitz im Osten der Republik braucht es für DKB-Kunden, um ans Bargeld zu kommen. Der Grund: Ihre gerade mal 21 eigenen Geldautomaten hat die DKB vorwiegend in Ostdeutschland aufgestellt. Und nur dort können DKB-Kunden gebührenfrei bis zu 5.000 Euro mehrmals am Tag ziehen.

Wer keinen DKB-Automaten in der Nähe hat, kann den Kurierdienst nutzen. Der bringt bis zu 10.000 Euro an die Haustür. Allerdings kostet der Service: satte 100 Euro für 20.000 Euro, aufgeteilt in zwei Kurierlieferungen.

Einen Sonderweg beschreitet 1822 direkt, die der Frankfurter Sparkasse gehört. Kunden dürfen deshalb auf ein sparkasseninternes Extra zurückgreifen: die „Eilüberweisung zur Barauszahlung“. Damit lassen sich die 20.000 Euro zu einer Sparkassenfiliale vor Ort transferieren. Auch ohne Konto kann dort das Geld gegen ein Entgelt von 10 Euro in Empfang genommen werden. Kleiner Wermutstropfen: Nicht jede örtliche Sparkasse bietet den Service an. 

Mit der ReiseBank, die gut 90 Filialen zumeist an Bahnhöfen und Flughäfen besitzt, kooperieren Consorsbank und ING. Der Vorteil: Die Bargeld-Beschaffung kann online beauftragt werden. Kurze Zeit später steht das Geld in der nächstgelegenen ReiseBank-Filiale zur Verfügung. 

Gleicher Weg, drastisch unterschiedliche Gebühren: Während die Abhebung via ReiseBank bei ING kostenfrei ist, kassiert die Consorsbank stramme 50 Euro. Alternativ kann bei beiden Instituten kostenlos die Dauer-Abhebung via Automat gewählt werden. 

Am bequemsten und günstigsten kamen in der Stichprobe Kunden von Comdirect ans große Geld. Sie brauchen nur in eine der bundesweit mehr als 800 Filialen der Konzernmutter Commerzbank zu gehen. Gebühren fallen dafür nicht an.

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