Skandalöse Zustände in Fleischindustrie: Konsumenten trifft keine Schuld

Pressemitteilung vom

Skandalöse Zustände in Fleischindustrie
Konsumenten trifft keine Schuld

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Die Corona-Ausbrüche in den Fleischfabriken Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und bereits zuvor in anderen deutschen Schlachtbetrieben bringen die Defizite der Fleischindustrie drastisch ans Licht. Der Schwarze Peter für die Misere wandert dabei von Hand zu Hand – Schlagwörter wie „Ausbeutung“, „Preistreiberei“, „Tierwohl“ oder „Billigfleisch“ prägen die Auseinandersetzung. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher sitzen oftmals mit auf der Anklagebank. „Zu Unrecht“, betont Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. „Nur, weil Menschen günstiges Fleisch kaufen, sind sie nicht für schlechte Arbeitsbedingungen und Tierschutz in der Produktion verantwortlich zu machen. Fleisch, das unter Missachtung grundlegender ethischer, sozialer und umweltverträglicher Maßstäbe erzeugt und verarbeitet wird, darf künftig von vornherein erst gar nicht mehr in den Handel kommen."

Prüfung der gesamten Kette der Lebensmittelproduktion notwendig
Der scharfe Wettbewerb und hohe Preisdruck sind in Deutschland ausgeprägter als in vielen anderen Ländern. Schlechte Bezahlung sowie die Unterbringung und Versorgung von Arbeitern in den Schlachtbetrieben sind einige Folgen. Auch die niedrigen Preise für landwirtschaftliche Produkte tragen hierzu bei. 

„Deshalb ist ein Umdenken in der gesamten Kette der Lebensmittelproduktion dringend erforderlich“, so Schuldzinski. „Neben den nun zu Recht geforderten Verbesserungen für die Arbeiter gehören vor allem deutliche Verbesserungen in der Tierhaltung, bei Tiertransporten und Schlachtung dazu. Auch die Erzeugerpreise für die Landwirte müssen fairer werden.“ Ganz wichtig seien aber vor allem zusätzliche Kontrollen in der Prozesskette von der Aufzucht über die Fleischproduktion bis zum Handel sowie eine strikte Ahndung von Verstößen. „Und nicht zuletzt ist auch eine nachvollziehbare Kennzeichnung der Qualität der Lebensmittel gefragt, damit Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Wunsch nach besseren Produkten beim Einkauf in die Tat umsetzen können“, skizziert Wolfgang Schuldzinski die zentralen Punkte für eine nachhaltige Verbesserung aus Verbrauchersicht.

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