Stichprobe zur Bargeldeinzahlung: Satte Gebühren für Direktbank-Kunden

Pressemitteilung vom

Stichprobe zur Bargeldeinzahlung
Satte Gebühren für Direktbank-Kunden

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Direktbanken werben gerne mit kostenlosem Girokonto und gebührenfreiem Zugang zu Geldautomaten. Doch wer Bargeld auf sein Direktbankkonto einzahlen will, landet schnell in der Kostenfalle. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei insgesamt 15 Banken. 

Wenn Bargeld lacht, kommen reinen Direktbank-Kunden meist die Tränen - etwa nach einem Autoverkauf. Wer beispielsweise 5000 Euro bar abgezählt auf dem Tisch liegen hat, steht vor zwei Problemen: Wie bekomme ich die realen Scheine aufs virtuelle Girokonto - und was kostet das?

Bei insgesamt sechs Direktbanken durchstöberte die Verbraucherzentrale NRW die Preisverzeichnisse. Bei weiteren neun Filialbanken ermittelten die Tester, ob und zu welchem Preis Bargeldeinzahlungen zu Gunsten des eigenen Direktbank-Kontos möglich sind. Das Ergebnis war insgesamt unerfreulich. Drei Direktbanken boten zwar die Möglichkeit von Einzahlungen an, allerdings eher recht eingeschränkt. So verfügte etwa die ING bundesweit über gerade mal 31 eigene Geldautomaten mit dieser kostenlosen Funktion. Darüber hinaus durften ING-Kunden die rund 90 Schalter der ReiseBank nutzen, deren Filialen meist in Bahnhöfen und an Flughäfen zu finden sind. Gebührenfrei angenommen wurden hier Beträge zwischen 1.000 und 25.000 Euro.  
Noch ausgedünnter war das Netz der DKB. Lediglich 18 kostenlos nutzbare Automaten standen der Kundschaft zur Verfügung,  17 davon in den ostdeutschen Bundesländern. 

Fans der VW-Bank wiederum sollten zur Geldübergabe wohl am besten im Blaumann erscheinen. Die insgesamt zehn Filialen waren allesamt in den VW- oder Audi-Werken angesiedelt. Keine eigenen Standorte für die Einzahlung von Bargeld fanden sich bei Comdirect, Consorsbank und N26. Comdirect-Kunden profitierten allerdings von der Nähe zur Konzernmutter Commerzbank. Deren Schalter waren drei Mal pro Jahr kostenlos für Einzahlungen geöffnet, jede weitere wurde mit 2,90 Euro berechnet. 
Wer allein bei der Consorsbank ein Girokonto führte, konnte bei der ReiseBank Geld einzahlen – allerdings nicht wie ING-Kunden zum Nulltarif, sondern für 7,50 Euro pro angefangene 5000 Euro. 

Newcomer N26 wiederum schickte Kunden mit vollem Portemonnaie zu Supermärkten, Discountern und Drogerien. „Cash im Shop“ heißt das System, bei dem Rewe und Penny, dm und Rossmann sowie weitere Filialisten als Schalter fungieren. In bundesweit rund 12.000 Geschäften können derzeit zwischen 50 und 999,99 Euro aufs eigene Konto gebracht werden. Nachteil jedoch: Der Service kostete 1,5 Prozent. Das knappste von den 5000 Euro, die auf fünf Tranchen verteilt werden mussten, satte 75 Euro an Gebühren weg, wobei für N26-Kunden die ersten 100 Euro stets kostenfrei waren. Der Cash-im-Shop-Weg war auch für Kunden der DKB mit ihren wenigen 18 Automaten geöffnet.

Wem das alles zu umständlich oder zu teuer ist, sollte den Besuch einer fremden Filialbank in Betracht ziehen, um dort eine Einzahlung aufs eigene Konto vorzunehmen. Doch ein Check bei neun weiteren Banken zeigte: Gleich vier Institute verweigerten die Annahme der 5000 Euro: drei Genossenschaftsbanken –  Geno-Bank Essen, Volksbank Rhein-Ruhr und Volksbank Dortmund-Nordwest – sowie ausgerechnet der Branchenprimus Deutsche Bank. 

Es blieben mithin gerade mal vier Institute übrig - und die warteten mit teils gesalzenen Servicepreisen auf. So kassierte beispielsweise die ReiseBank ein Prozent der Einzahlungssumme, mindestens jedoch 6,50 Euro. Das machte bei 5000 Euro glatte 50 Euro. Bei der Commerzbank waren es generell zwar nur 0,2 Prozent, sprich: 10 Euro für die Beispielsumme. Allerdings lag das unter der Mindestgebühr von 15 Euro. Den identischen Preis rief auch die Stadtsparkasse Düsseldorf auf.  
Während die Postbank 15 Euro pro angefangene 5.000 Euro berechnete, mochte die Sparkasse Köln-Bonn dafür nur maximal 1000 Euro Bargeld akzeptieren. Im Klartext: Die Einzahlaktion der Verbraucherzentrale kostete horrende 75 Euro – genauso viel wie über „Cash im Shop“. 

Die Verbraucherzentrale rät daher: Wer sein Girokonto allein bei einer Direktbank führen will, sollte auch die Konditionen für Bargeldeinzahlungen kritisch prüfen. Am günstigsten und bequemsten war diese Leistung für comdirect-Kunden, die drei Mal pro Jahr kostenlos die Schalter der Commerzbank nutzen konnten. Besonders heftig werden kann es für Online-Kunden mit großen Summen, die den Service „Cash im Shop“ nutzen. Hier empfiehlt sich als preiswertere Alternative ein Besuch der Postbank oder Commerzbank.

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