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Streik bei Ryanair: Was tun als Passagier?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für den 28. September hat Ryanair vorsorglich Flüge gestrichen. In sechs Ländern – darunter Deutschland – wollen Piloten und Kabinenpersonal streiken.
  • Die Airline bzw. der Reiseveranstalter müssen sich darum kümmern, wie Betroffene an ihr Ziel kommen.
  • Wer den Flug bei Ryanair selbst gebucht hat, muss mit deutlichen Verspätungen und Zusatzkosten rechnen. Wer einen Ryanair-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht hat, sollte sich beim Veranstalter melden.
Fünf Ryanair-Flugzeuge stehen auf einer Parkfläche an einem Flughafen.
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Bei Ryanair soll am 28. September erneut gestreikt werden. Die Fluggesellschaft hat bereits 190 Flüge gestrichen und die rund 30.000 betroffenen Passagiere nach eigenen Angaben per E-Mail und SMS benachrichtigt. Wer keine Nachricht erhalten hat, kann auf der Internetseite der Airline prüfen, ob der Flug planmäßig stattfindet. Hunderte Flüge musste das Unternehmen schon im Juli, August und Anfang September ausfallen lassen.

Haben Sie selbst einen Ryanair-Flug gebucht, der wegen Streiks ausfällt, bleiben Ihnen zwei Optionen:

Ryanair muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine andere Beförderung anbieten.

Möglichkeit 1: Bei Ryanair auf eine anderweitige Beförderung drängen, z. B. per Ersatzflug. Ein solcher Ersatzflug steht Ihnen nach Artikel 8 der Fluggastrechteverordnung zu – die Airline muss ihn Ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten anbieten. Das kann aber bedeuten, dass Sie einige Tage früher als gedacht oder erst einige Tage später fliegen können, sobald Ryanair-Maschinen die Verbindung wieder bedienen und Plätze frei sind.

Geht es für Sie in den Urlaub, müssen dort in der Regel Hotel, Mietwagen und Co. bezahlt werden, obwohl Sie noch gar nicht da sind und sie nicht nutzen können. Müssen Sie an den betroffenen Tagen dagegen zurück nach Hause fliegen, bräuchten Sie dann länger eine Unterkunft vor Ort, die Ihnen Ryanair bereitstellen muss. Dabei handelt es sich um so genannte Betreuungsleistungen. Die Fluggesellschaft muss etwa für ein Hotel, den Transport von und zum Hotel sowie für Verpflegung sorgen. Auch darauf sollten sie bei Ryanair drängen.

Weigert sich das Unternehmen oder ist es für Sie nicht zu erreichen, können Sie sich selbst um eine angemessene Versorgung und Unterkunft kümmern. Bewahren Sie Rechnungen und Quittungen auf jeden Fall gut auf! Die Kosten für verweigerte Betreuungsleistungen können Sie von der Airline zurückfordern.

Ansprüche, die Ryanair wegen ausgefallener Flüge oder langer Verspätungen einen weiteren Ausgleich zahlt, gibt es bei einem Streik nach derzeitiger Rechtsprechung nicht (Bundesgerichtshof, Urteil vom 21.8.2012, X ZR 146/11). Auf Zusatzkosten drohen Sie also sitzen zu bleiben, wenn Sie z. B. erst einige Tage später am Urlaubsort eintreffen. Eine Einschränkung gibt es: Selbst bei einem Streik muss die Fluggesellschaft nachweisen, dass sie alles getan hat, um Ersatzbeförderungen zu ermöglichen. Tut sie das nicht, macht sie sich möglicherweise doch schadensersatzpflichtig.

Passagiere können auf den Flug verzichten und Ticketpreise zurück verlangen.

Möglichkeit 2: Sie können auf den Flug verzichten und fordern, dass Ihnen das Geld binnen sieben Tagen zurückgezahlt wird. Sie müssen sich dann selbst um einen anderen Flug oder eine Fahrt in den Urlaub bzw. nach Hause kümmern.

Ob Plätze bei anderen Airlines frei sind und was diese im Moment kosten, sollten Sie sich unbedingt ansehen, bevor Sie vom Vertrag mit Ryanair zurücktreten.

Bei Pauschalreisen ist der Veranstalter Ihr Ansprechpartner

Besser sind Sie dran, wenn Ihr Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise ist – Sie also z. B. Flug, Unterkunft, Mietwagen oder andere Bestandteile bei einem Anbieter als Paket gebucht haben. Ist das der Fall, dann wenden Sie sich statt an Ryanair an Ihren Reiseveranstalter und drängen auf eine Lösung mit einer anderen Airline, Zügen oder späteren Ryanair-Flügen!

Veranstalter einer Pauschalreise sind auch bei Streiks in der Verantwortung für Kosten, die bei Ihnen durch eine Verspätung entstehen. Das können z. B. Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bleiben Sie im Kontakt mit Ihrem Veranstalter und drängen Sie etwa auf eine Unterkunft für die Nacht, wenn nicht am selben Tag eine Ersatzmaschine für Sie startet!

Sie können bei langen Verspätungen außerdem den Reisepreis mindern. Nach der Rechtsprechung dürfen Sie aber der fünften Stunde Verspätung pro Stunde Verspätung fünf Prozent des Tagespreises zurückfordern. Sollten Sie sich durch den ausgefallenen Flug so sehr verspäten, dass sich die ganze Reise nicht mehr lohnt (insbesondere bei Kurzreisen), dann können Sie den Reisevertrag kündigen.