Menü

Hilfsmittelversorgung wird gestärkt

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Kassen zahlen für Brillengläser ab 6 Dioptrien, bei Hornhautverkrümmung sogar ab 4 Dioptrien.
  • Sanitätshäuser, Optiker und Hörgeräteakustiker müssen Versicherte zu ihrem Anspruch auf Kassenleistung beraten.
  • Auch Beratungen über die Anwendung von Hilfsmitteln sind Pflicht.
Off

Seit April 2017 haben gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch auf bessere Beratung und besseren Service bei der Hilfsmittelversorgung. Erweitert wurde der Anspruch auf Sehhilfen.

Brillengläser

Die Brillenversorgung wurde verbessert. Versicherte mit Kurz- oder Weitsichtigkeit, die eine Sehhilfe mit mehr als +/- 6 Dioptrien benötigen, haben einen Anspruch gegen die Krankenkasse auf Übernahme der Kosten für die Brillengläser. Auch Versicherte mit Hornhautverkrümmung haben einen Anspruch, wenn sie Sehhilfen mit mehr als 4 Dioptrien benötigen.

Betroffen sind von dieser Verbesserung 1,4 Millionen Menschen. Der größte Teil der Brillenträger geht damit leer aus.

Um den Kostenanteil der Kasse zu bekommen, benötigen Betroffene ein Rezept des Augenarztes. Die Messung vom Optiker alleine reicht grundsätzlich nicht aus. Nur Jugendliche ab 15 Jahren können bis zu ihrem 18. Geburtstag Brillengläser direkt vom Augenoptiker beziehen. Die Krankenkassen haben Verträge mit verschiedenen Optikern, die mit der Kasse direkt abrechnen. Der Versicherte zahlt lediglich die gesetzliche Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent der Kosten - mindestens jedoch 5 Euro und maximal 10 Euro.

Die Gestelle werden weiterhin generell nicht erstattet. Diese sind keine Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse und müssen daher von den Versicherten privat gezahlt werden. Sollten die gewählten Brillengläser über das Maß des medizinisch Notwendigen hinausgehen, müssen die dadurch entstehenden Kosten ebenfalls vom Versicherten gezahlt werden. Hierzu gehört etwa die Entspiegelung des Glases.

Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach dem Material und der Stärke der Gläser. Hierfür gibt es gültige Festbeträge, nach denen die Optiker mit den Krankenkassen abrechnen. Diese Festbeträge sind aus dem Jahr 2008. Die Höhe des Festbetrags richtet sich nach der Art der Gläser und beträgt derzeit zwischen 10 und 112 Euro. Geändert werden müssen diese Festbeträge erst zum 31.12.2018.

Beratung und Serviceleistung wird verbessert

Mit dem Heil- und Hilfsmittelgesetz gelten außerdem neue Standards für die Beratung. Die Sanitätshäuser, Apotheken und Co. müssen stärker als bisher den persönlichen Bedarf ermitteln und über entsprechend passende unterschiedliche Produkte informieren. Außerdem ist über die Anwendung der Hilfsmittel zu informieren. Die Hilfsmittelhersteller bzw. -händler müssen die Versicherten außerdem genau über ihre gesetzlichen Ansprüche aufklären und freiwillige Mehrkosten klar herausstellen.

Die neuen Beratungsstandards müssen nun in die auszuhandelnden Verträge zwischen Krankenversicherung und Leistungserbringer aufgenommen werden. Um sicherzustellen, dass sie eingehalten werden, müssen die Leistungserbringer die Beratung dokumentieren und vom Versicherten mit einer Unterschrift bestätigen lassen. Die Krankenkassen prüfen, ob die Leistungserbringer ihren Pflichten auch nachkommen.

Bis Ende 2018 werden die inzwischen veralteten Hilfsmittelverzeichnisse überarbeitet. Darin sind die Produkte gelistet, die von der Krankenkasse übernommen werden. Hierzu gehören beispielsweise auch das Verzeichnis der Brillengläser. Bei der Überarbeitung sind neue wissenschaftliche Standards zu beachten. Deshalb ist mit einer Produktverbesserung zu rechnen.