Grippeimpfung in der Apotheke

Stand:

Die Grippeschutzimpfung gibt es dieses Jahr nicht nur beim Arzt, sondern auch beim Apotheker. Wer das Angebot nutzen kann und wie die Impfung in der Apotheke abläuft, lesen Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Um die Impfrate gegen Influenza zu erhöhen, dürfen in vier Modellregionen in NRW seit dem 1. Oktober 2020 auch Apotheken impfen.
  • Apotheker müssen dafür eine Zusatzqualifikation und einen nicht einsehbaren Nebenraum haben.
  • Das Angebot können fast alle ab 18 nutzen, die gesetzlich krankenversichert sind und deren Krankenkasse am Modellversuch teilnimmt.
Impfspritze wird an einen Oberarm gehalten
On

Wenn im Herbst womöglich neben der Corona-Krise die nächste Grippewelle droht, sollten möglichst viele Menschen gegen die Grippe geimpft sein, damit ihr Immunsystem gestärkt ist. Um die niedrigen Impfraten anzukurbeln, werden Grippeschutzimpfungen seit dem 1. Oktober 2020 für gesetzlich Krankenversicherte auch in Apotheken angeboten – und zwar testweise zunächst in vier Regionen in Nordrhein-Westfalen:

  • Düsseldorf und Umgebung,
  • Essen/Mülheim/Oberhausen,
  • Bonn/Rhein-Sieg
  • sowie in Duisburg/Niederrhein.

Das Modellprojekt gilt zunächst für drei Jahre und wird wissenschaftlich begleitet. Der Vorteil: Grippeschutzwillige müssen nicht mehr extra einen Termin beim Arzt vereinbaren und sich in überfüllte Wartezimmer setzen.

Ergänzendes Angebot zur Arztpraxis

Grippeschutzimpfungen in der Apotheke ersetzen nicht den Pieks vom Arzt, sondern sind ein weiteres, leicht zugängliches Impfangebot, um die Zahl der gegen Grippe Geschützten zu steigern. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten 75 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippeviren immun sein. In Deutschland wird bislang nur jeder Dritte geimpft.

Wer sich impfen lassen kann

In Apotheken dürfen nur Erwachsene ab 18 Jahren geimpft werden, die gesetzlich krankenversichert sind. Wichtig: Die eigene Krankenkasse muss an dem Modellprojekt teilnehmen und mit ausgewählten Apotheken eine feste Vereinbarung über das Impfangebot treffen. Geimpft werden in diesem Rahmen nur Personen, für die die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut eine Grippeschutzimpfung emfiehlt (so genannte Risikogruppen). Dazu zählen Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal. Diese Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Nicht geimpft werden dürfen Kinder und Erwachsene mit akuten Infekten, mit Fieber über 38,5 Celsius oder Patienten, die den Blutverdünner Marcumar einnehmen. Auch wer bis zu drei Tage nach der Impfung einen Operationstermin hat, darf nicht geimpft werden. Der Ausschluss gilt auch für Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegen bestimmte Impfstoffsubstanzen wie Gentamicin oder Neomycin. Schwangere sollten zur Grippeimpfung weiterhin eine Arztpraxis aufsuchen.

Impfausweis mitbringen

Vor der Impfung sind Apotheker verpflichtet, Impfwillige über Nutzen und Risiken aufzuklären. Verbraucher müssen hierzu eine Einwilligung unterschreiben. Die Immunisierung muss im Impfausweis eingetragen und in den Unterlagen der Apotheke dokumentiert werden. Falls der Impfausweis nicht vorliegt, stellt der Apotheker eine Impfbescheinigung aus und trägt die Impfung auf Wunsch des Patienten zu einem späteren Zeitpunkt im Impfausweis nach. Ist der Impfausweis nicht mehr auffindbar, sollten Patienten ihren bisherigen Impfarzt um Nachweise bitten, damit der aktuelle Impfstatus möglichst lückenlos nachvollzogen werden kann. Die Apotheken sind verpflichtet, die Impfdokumente zehn Jahre lang aufzubewahren.

Qualifizierung für Apotheker

Die am Modellprojekt teilnehmenden Apothekerinnen und Apotheker müssen eine spezielle Fortbildung absolvieren. Sonst dürfen sie nicht impfen. In der Schulung lernen die Apotheker theoretisches und praktisches Wissen über die Influenza, die Grippeschutzimpfung, das Impfen an sich sowie Erste-Hilfe-Maßnahmen bei unvorhergesehenen Impfreaktionen. Zudem müssen Apotheker vor der Verabreichung anhand verschiedener Kriterien prüfen, ob der Patient überhaupt geimpft werden darf. Die Apotheken benötigen für die Impfungen einen separaten, nicht einsehbaren Nebenraum. In der Apotheke sollen zudem nur Impfstoffe in Fertigspritzen verabreicht werden. Die Injektion erfolgt ausschließlich in den Oberarmmuskel.