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Abmahnungen per Mail: Erfundene Urheberrechtsverletzungen bringen Viren

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit falschen Abmahnungen verteilen Kriminelle aktuell verstärkt schädliche Software per E-Mail.
  • Die Empfänger sollen angeblich illegal Filme im Internet gestreamt haben.
  • Das Phishing-Radar rät: Gehen Sie nicht auf die Forderungen ein und öffnen Sie keinesfalls den Anhang!
In einem E-Mail-Postfach liegen 92 neue Nachrichten im Spam-Ordner.
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Die Behauptungen sind in der Regel frei erfunden, sollen Angst machen und den Empfänger der E-Mail dazu bringen, einen Anhang zu öffnen. Doch darin steckt die Gefahr: Programme, die den Computer beschädigen oder Daten stehlen.

Als Absender werden oft die Namen tatsächlich existierender Anwaltskanzleien genutzt. Sie sind aber nicht die wirklichen Absender der Mail. Neben einem relativ glaubwürdigen Text (siehe unten) wird der Empfänger auch namentlich angesprochen. Das lässt viele Empfänger vermuten, dass die Abmahnungen echt seien. Doch fallen Sie nicht darauf rein!

Eine wirkliche Abmahnung kommt immer per Brief, seriöse Abmahnungen per E-Mail sind uns nicht bekannt. Erhalten Sie so ein Schreiben per Post, sollten Sie jedoch reagieren und sich mit einem spezialisierten Anwalt oder den Beratern der Verbraucherzentrale in Verbindung setzen!

Beispiel einer der erfundenen E-Mail-Abmahnungen:

Sehr geehrte(r) xy,

der Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus begangene Verletzung der Urheberrechte an dem Projekt „Das Beste aus Extrem 4 Blu-ray“. Unserer Mandantin „Arch Angel“ steht das ausschließliche Recht zu, dieses Werk zu verbreiten (§§ 16, 94 f. UrhG). Dieses Recht wurde durch die Übertragung des Streams des betreffenden Werkes über Ihren Internetanschluss verletzt.

Weiter aufgelisteten Daten konnte die seitens unserer Auftraggeber beauftragter Ermittlungsfirma feststellen und beweissicher rechtlich dokumentieren:

Benutzerkennung: 900468250
Datum/Uhrzeit: 08.08.2018 22:52:56
Produktname: Das Beste aus Extrem 4 Blu-ray
IP-Adresse: 67.11.249.226

Unsere Mandantin hat daher vor dem Gericht Köln Ihren Internet-Service-Provider gemäß § 101 Abs. 9 UrhG auf Auskunft in Anspruch genommen. Das Landgericht hat für diesen Vorfall sowohl die Rechtsinhaberschaft als auch die ordnungsgemäße Erfassung der Rechtsverletzung und Funktionsweise der Ermittlungssoftware bejaht. In dem Beschluss mit dem Aktenzeichen 881 429/324 wurde Ihrem Internetserviceprovider die Herausgabe Ihrer Daten gestattet.

Die beim Streamen des genannten Werkes technisch notwendige Zwischenspeicherung stellt ein Vervielfältigen nach § 16 UrhG dar und steht ausschließlich dem Urheber bzw. dem Rechteinhaber zu. Hierfür spielt es keine Rolle, ob das Werk dauerhaft oder nur vorübergehend gespeichert wird. Eine rechtmäßige Nutzung der Raubkopie (§ 44a UrhG) ist ohne Genehmigung des Urhebers nicht möglich (vgl. AG Leipzig, Urteil vom 21.12.2011 - Az. 200 Ls 390 Js 184/11).
Eine erlaubte Vervielfältigung zum privaten Gebrauch (§ 53 UrhG) kommt hier von vornherein nicht in Betracht, da eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet worden ist. Daher hat unsere Mandantschaft gegen Sie einen Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz (§ 97 UrhG). Weiterhin hat unsere Mandantschaft gegen Sie den Anspruch auf Vernichtung aller bei Ihnen noch befindlichen rechtswidrigen Kopien (§ 98 UrhG).

Schadensersatz: 649,07 Euro
Pauschale für Post und Telekommunikation: 17,80 Euro
Aufwendung für Ermittlung der Rechtsverletzung - pauschal: 70,00 Euro
Geschäftsgebühr §§ 13, 14: 167,81 Euro
Gegenstandwert: 24271,00 Euro

Die Beweisdaten, Unterlassungserklärung sowie die Kontodaten und unsere Kontaktdaten finden Sie in der beigefügten Datei.


Mit freundlichen Grüßen

Sind Sie auch Opfer von falsche Abmahnungen wegen erfundener Urheberrechtsverletzungen geworden? Dann können Sie sich mit der Urheberrechtsberatung der Verbraucherzentrale NRW in Verbindung setzen!